Update Südafrika: PV-Dachanlagen und Überarbeitung des IRP 2013

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Von Ulrike Brückner

Südafrika bereitet sich auf einen flächendeckenden Einsatz von kleinteiligen PV-Dachanlagen vor. Verschiedene Marktteilnehmer und Interessenvertreter diskutieren Konzepte, die den Markt für Kleinprojekte für Privathaushalte attraktiv machen sollen. Von Dr. Tobias Bischof-Niemz, bis vor kurzem Chief Engineer Energy Planning bei Eskom, stammt ein interessanter Vorschlag, um die Hürde der sinkenden Einnahmen für die Kommunen im Falle einer Einspeisevergütung zu überwinden. Hingegen setzt der Entwurf des neuen IRP 2013 für Windenergie keine günstigen Signale.
 
Die erfolgreiche Umsetzung des IPP Procurement Programme des Department of Energy hat die Diskussionen auch um kleinere Projekte intensiviert. Einer der meistzitierten Vorwürfe an das IPP-Programm ist, dass es kleine Projekte und damit auch kleinere Unternehmen völlig ignoriert. Dennoch muss anerkannt werden, dass die insgesamt erfolgreiche Umsetzung der ersten Runden des IPP-Programms und nun die ersten Netzanbindungen von großen Projekten das Vertrauen in die Technologien gestärkt hat. Die südafrikanische Regierung hat, wie viele andere Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent, die Herausforderung zu meistern, möglichst schnell viel Energie zu produzieren, um die enorme Energieknappheit in den Griff zu bekommen. Das dafür notwendige Vertrauen in den kleinteiligen Markt und das Unternehmertum auch von lokalen kleinen Unternehmern war zunächst nicht gegeben. Nunmehr steigt aber das Interesse am Markt jenseits der IPP-Ausschreibung merklich, auch weil eines der wesentlichen Ziele des IPP-Programms, nämlich die Ansiedlung lokaler Produktionen („local content”) und die Schaffung von Arbeitsplätzen, bislang trotz der genehmigten Großprojekte nicht wesentlich gesteigert werden konnte.
 
Das IRP-Programm der Regierung sieht noch keine Planung oder gar Regularien für den Markt der dezentralen Energieversorgungsanlagen und den Selbstverbrauch vor, erwähnt diese Maßnahmen aber, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
 
Dr. Tobias Bischof-Niemz, vormals Chief Engineer Energy Planning bei Eskom hat kürzlich ein Konzept vorgestellt, das die letzten Hürden auf dem Weg zu einer Einspeisevergütung für Dachanlagen vor allem im „Residential“-Bereich beseitigen soll. Denn eine der wenigen Einnahmequellen für die zum großen Teil bankrotten Gemeinden sind die Einkünfte aus dem Stromverkauf. Die Kommunen befürchteten daher stets, mit der Einführung von Einspeisetarifen wichtige Geldmittel zu verlieren. Das neue Konzept sieht die Einrichtung einer zentralen Behörde („Central Power Purchasing Agency”) vor, die den Strom direkt vom Produzenten abnimmt und vergütet.10 In einem zweiten Schritt wird die jeweilige Gemeinde für die durch den Eigenverbrauch eingebüßten Stromeinnahmen entschädigt.10 
 
Dr. Bischof-Niemz geht davon aus, dass eine Einspeisevergütung von 0,7 bis 0,9 R/kWh (0,05 bis 0,06 Euro/kWh)9 seitens der zentralen Behörde an den jeweiligen Stromerzeuger ausreichen würde, um den PV-Markt zu stimulieren. Zudem ist ein selbstregulierender Mechanismus für den FiT, ähnlich des „atmenden Deckels” in Deutschland vorgesehen.10 An die Gemeinden würde eine Kompensation für den entgangenen Bruttogewinn von etwa 0,5 bis 0,6 R/kWh (0,03 bis 0,04 Euro/kWh)9 gezahlt (durchschnittliche „Retail”-Tarife der Gemeinden minus durchschnittliche „Wholsale”-Tarife von Eskom – gezahlt für die kWh, die wegen des PV-Eigenverbrauchs nicht mehr von den Gemeinden an die Endkunden verkauft werden).10 Die verwaltungsschwachen südafrikanischen Gemeinden würden gänzlich von den administrativen Vorgängen befreit. Die Kosten für die Einspeisevergütung und die Kompensation der Gemeinden sollen aus einer Gewinnspanne getragen werden, die landesweit auf den Stromtarif erhoben wird.10 Bei 500 MWp PV geht man von zusätzlichen Kosten von etwa 0,2 (R)ct/kWh (0,013 Euro/kWh)9 aus.10
 
Experten rechnen durchaus mit einem künftigen Bekenntnis Südafrikas zu Einspeisetarifen für Kleinanlagen. Werden solche Anlagen nicht legalisiert, werden sie sehr wahrscheinlich dennoch gebaut – weitestgehend von zahlungskräftigen Stromabnehmern, die einen hohen Eigenverbrauch haben und generell einen hohen Tarif zahlen würden. Dies würde zu einer Reduzierung der Stromeinnahmen führen und damit letztlich zu einer weiteren Preissteigerung für genau die Konsumenten, die weniger zahlungskräftig sind. Ein positiver Aspekt der Einführung des von Dr. Bischof-Niemz entworfenen Konzepts wäre es zudem, dass ein Anreiz geschaffen würde, die jeweilige PV-Anlage anzumelden.10 Damit hätte der Regulator einen lückenlosen Überblick über die im Land ans Netz angeschlossenen Stromerzeugungsanlagen, was zur Netzsicherheit und Netzstabilität beitragen würde.
 
Das IRP Programm Update von 2013 sieht für Photovoltaik zehn GWp bis 2030 vor. Geht man hier bei konservativer Betrachtung von 70 % für Dachanlagen aus, so bedeutet dies eine Planung von 500 MWp oder ca. 1 Millarde Euro pro Jahr in dem genannten Zeitraum. Die Elektrifizierungsrate in Südafrika ist mit 85 % sehr hoch. Das neue Konzept könnte sich daher nicht zuletzt als ein interessantes Geschäftsmodell für kleine Gemeinden in ländlichen Gegenden eignen und das Unternehmertum dort fördern. Sollte die Verbreitung von PV in Südafrika (in Wp pro Kopf) in den nächsten 16 Jahren bis 2030 auch nur die Hälfte dessen erreichen, was bereits heute in Deutschland installiert ist (ca. 450 Wp/Kopf), so wären im Jahr 2030 deutlich über zehn GWp Leistung installiert.10
 
Die Regierung könnte also mit der Einführung einer Vergütung von dezentral produziertem Strom möglicherweise mehr erreichen als mit der weiteren Blockierung von Einspeisetarifen. Die künftige Positionierung des Energieministeriums bleibt abzuwarten. Wir halten Sie auf dem Laufenden!
 

Ziele im Rahmen des neuen IRP

Das IRP-Programm von 2011 legt die wesentlichen Ziele der südafrikanischen Regierung im Hinblick auf die Energiepolitik fest. Das Programm sieht einen Energiemix vor und manifestiert somit die Voraussetzungen für die Einführung von Erneuerbaren Energien in Südafrika. Das IRP wird regelmäßig an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Das aktuell diskutierte Update von 2013 rechnet mit einer um 6.600 MW auf 61.200 MW reduzierten Energienachfrage gegenüber dem Entwurf von 2011. Die vorgeschlagenen Ziele für die einzelnen Technologien lauten wie folgt:

Tabelle 1: IRP 2013 Base Case – Capacity Target 2030 
 
Quelle: Dennis Thiel, Discussion on draft IRP 2013 Update AHK Renewable Energy Working Group 5th February 2014.
 
Danach stehen die Zeichen für PV in Südafrika weiterhin sehr positiv. Windenergieprojekte mussten jedoch den verstärkten Ambitionen auf die Gasexploration weichen. Bis zum 7. Februar 2014 konnten Kommentare zum vorgeschlagenen IRP-Update abgegeben werden. So hat auch die AHK Südafrika ein Positionspapier verfasst und beim Department of Energy eingereicht. Die Kommentare fließen in den letzten Entwurf des IRP ein, der im März 2014 – also kurz vor den Wahlen – dem Kabinett zur Entscheidung vorgelegt werden soll.

9    Währungskurs von www.oanda.com/lang/de/currency/converter/, Abruf 18.02.2014.
10 Dr. Tobias Bischof-Niemz Specialist PV: Renewables Unit, former Eskom Chief Engineer: Energy Planning & Market Development, Eskom: „How to stimulate the South African rooftop PV market without putting munics financial stability at risk” Presentation at the AHK RE Working Group meeting 5 February 2014, Cape Town.

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