Zukunft der Photovoltaik im EEG 2014

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Die Photovoltaik Industrie erlebte in den letzten Jahren in Deutschland bewegende Zeiten. Auf dynamische Zubauraten in den Jahren 2009 bis 2012 und den vollen Auftragsbüchern bei den Herstellern, folgte die Ernüchterung aufgrund des Preisverfalls der PV-Module und hoher Produktionsüberkapazitäten der Modulhersteller. Anschließende hohe Förderkürzungen für PV-Strom haben die Nachfrage zusätzlich stark einbrechen lassen. Der aktuelle Hoffnungsträger – die solare Eigenstromversorgung – wird voraussichtlich durch die geplanten Änderungen im neuen EEG 2014 ausgebremst. Es stellt sich die Frage wie es mit der Photovoltaik weitergehen wird und welche Geschäftsmodelle weiterhin interessant bleiben?
 

Entwicklung der Photovoltaik

Trotz hoher Zubauraten in den Jahren bis 2012 fi ndet in der heimischen PV-Branche zunehmend Unmut Verbreitung. Vor allem setzten überhöhte Förderkürzungen der PV-Branche zuletzt noch weiter zu, weshalb die im Jahre 2013 neu installierte Leistung um mehr als die Hälfte eingebrochen ist. Der anhaltende Rückgang der PV-Zubauraten spiegelt sich aktuell auch in den für das erste Quartal 2014 veröffentlichten Zahlen der Bundesnetzagentur wider, weshalb bereits heute bezweifelt werden kann, ob die jährliche Zielrate von 2,4 bis 2,6 GW überhaupt zu erreichen ist.
 
Vor dem Hintergrund des Gesetzentwurfs des Bundeministeriums für Energie und Wirtschaft (BMWi) vom 5. Mai 2014 zur geplanten Novellierung des EEG stellt sich nun die Frage, ob die für Photovoltaik geplanten Änderungen ausreichend sind, um die PV-Branche langfristig zu stabilisieren. Vieles spricht heute dagegen, denn der aktuelle EEG-Entwurf bietet keine verlässliche Grundlage für erneutes Wachstum bzw. Stabilität, zumal auch die zuletzt stark in Fahrt gekommene solare Eigenstromnutzung im Gewerbekundensegment (siehe Grafik 1) nun mit der EEG-Umlage belastet werden soll und unter diesen Voraussetzungen weniger attraktiv ist.
 

EEG-Gesetzentwurf – was ändert sich für Photovoltaik in Deutschland

Nach Veröffentlichung des Referentenentwurfs hat sich insbesondere in der PV-Branche großer Protest breitgemacht. Er richtet sich vor allem gegen die geplante EEG-Umlage-Belastung auf die Photovoltaik-Eigenstromversorgung. Diese und die weiteren geplanten Änderungen für Photovoltaik werden nachfolgend kurz zusammengefasst:
 

Zielkorridor und Degression

Der Zubau mit Photovoltaik soll weiterhin über den Zielkorridor, gemäß dem Prinzip des „atmenden Deckels”, kontrolliert werden. Im neuen EEG 2014 soll der Zubaukorridor nach den Plänen des BMWi
 
  • von 2.500 bis 3.500 MW/a auf 2.400 bis 2.600 MW/a reduziert werden und
  • die Basisdegression innerhalb des Zielkorridors statt 1 Prozent nun 0,5 Prozent betragen.
 
Bei einem Über- bzw. Unterschreiten des Korridors sind Degressionsschritte in Höhe von 0,4 Prozent bzw. 0,25 Prozent vorgesehen; die Schritte werden jeweils zu Quartalsbeginn für die folgenden drei Monate festgelegt. Der Deckel von insgesamt 52 GW für die Solarförderung bleibt bestehen.
 

Vergütungssätze und verpflichtende Direktvermarktung

Der Vergütungssatz für eingespeisten Solarstrom orientiert sich künftig am anzulegenden Wert (AW). Für Anlagen von 10 kW bis 1 MW soll der bestehende Fördersatz um 0,3 Cent/kWh angehoben werden. Begründet wird dies mit der Kompensation der Eigenstrombelastung.
 
Die verpflichtende Direktvermarktung für Solarstrom soll schrittweise über die nächsten Jahre eingeführt werden. Die damit verbundenen Vermarktungsmehrkosten sind mit 0,4 Cent/kWh im AW inkludiert, müssen jedoch bei Nichtnutzung der Direktvermarktung und bei Verbleib in der Einspeisevergütung wieder abgezogen werden. 
 
Grafik 1: Installierte Leistung p. a. (MW)

Quelle: Eigene Darstellung, Quelle: http://www.iwr.de, Abruf 14. Mai 2014

 

Umlagebelastung auf eigenverbrauchten Strom

Der EEG-Gesetzentwurf sieht für alle neuen Stromerzeugungsanlagen eine allgemeine Pfl icht zur Zahlung der EEG-Umlage (wenn auch nur anteilig) auf den Eigenverbrauch vor; dies betrifft auch die solare Eigenstromnutzung. Neue Anlagen, die ab dem 1. August 2014 in Betrieb gehen, werden in Höhe von derzeit 50 Prozent der EEG-Umlage auf den eigenverbrauchten Strom belastet. Gegenwärtig werden die Änderungsanträge der Ausschüsse und Verbände zum EEG-Gesetzentwurf der Bundesregierung im Bundesrat diskutiert und abgestimmt. Eine Begrenzung der EEG-Umlagebelastung für eigenverbrauchten Strom aus EE- und KWK-Anlagen soll für alle Betreiber nur mit 15 Prozent der EEG-Umlage belegt werden.
 
Für Bestandsanlagen, die bereits Eigenstrom nutzen und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, gilt eine Ausnahmeregelung; sie sind von dieser Belastung weiterhin befreit. Das gilt auch bei Modernisierungen bestehender Anlagen und bei Ersatzinvestitionen, sofern die installierte Leistung nicht um mehr als 30 Prozent erhöht wird.
Unternehmen des produzierenden Gewerbes – insbesondere jene, die nicht von der Besonderen Ausgleichsregelung profitieren – können gegebenenfalls das Eigenstromprivileg in Höhe von bis zu 85 Prozent der EEG-Umlage ausnutzen.
 
Die nachfolgende Tabelle stellt die Eigenversorgergruppe und die Belastung von Neuanlagen zusammengefasst dar: 
 
Tabelle 1: PV-Markt Eigenversorgung nach §58 EEG 2014

Quelle: EEG-Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 5. Mai 2014.
 
Ausschreibungsmodelle
Insbesondere für Freiflächen-Photovoltaik sollen künftig Ausschreibungen erfolgen, die Modalitäten der Ausschreibungsverfahren sind bis dato jedoch wenig konkret. Im Rahmen mehrerer Pilotvorhaben werden zunächst entsprechende Erfahrungen gesammelt.

 

Wirtschaftliche Auswirkungen der geplanten Änderungen

Aufgrund gesunkener Herstellungs- und Anschaffungskosten in der gesamten Wertschöpfungskette ist Photovoltaik heute neben Wasserkraft und Wind eine der günstigsten Stromerzeugungstechnologien im Markt der Erneuerbaren Energien. Die von der EU eingeführten Importzölle haben jedoch dazu geführt, dass zuletzt die Preise für Photovoltaik im heimischenMarkt nicht mehr gesunken bzw. sogar leicht gestiegen sind.
 
In Deutschland haben sich zuletzt vielversprechende Geschäftsmodelle entwickelt, die Photovoltaik-Anlagen zunehmend als Effizienztechnologie und nicht mehr nur als reine Kapitalinvestition wahrnehmen. Die Vorteilhaftigkeit der solaren Eigenstromerzeugung resultiert vor allem aus den Einspareffekten, die sich in hohem Maße daraus ergeben, dass weder Fremdstrombezugskosten noch Netzentgelte, Abgaben oder Steuern zu entrichten sind. Der Eigenverbrauch von Solarenergie ist somit eines der wenigen Geschäftsmodelle, bei denen Erneuerbare Energien bereits ohne staatliche Förderung wirtschaftlich sind, falls Privilegierungstatbstände für Eigenverbrauch weiterhin gelten.
 
Ein kurzer Blick auf die Gestehungskosten einer Photovoltaik-Anlage zeigt in diesem Fall, dass diese Kosten häufig unter den Strombezugskosten liegen, die für einen Gewerbebetrieb durchschnittlich etwa 15 bis 19 Cent/kWh betragen. Die Gestehungskosten von PV-Dachanlagen rangieren derzeit zwischen 10 und 13 Cent/kWh.
 
Nachfolgende Tabelle zeigt die heutigen und die zu erwartenden durchschnittlichen Stromgestehungskosten unterschiedlicher Technologien in den Jahren 2013 bis 2030. 
 
Grafik 2: Stromgestehungskosten in Deutschland

Quelle: Fraunhofer ISE (11/2013).
 
Die Belastung durch die EEG-Umlage müsste zum Vergleich auf die Gestehungskosten aufgeschlagen werden. Eine EEG-Umlage von heute 3,12 Cent/kWh für solare Eigenstromnutzung würde die Eigenstromerzeugungsanlage zwar nicht zwangsläufig unwirtschaftlich machen, jedoch hat die Belastung erheblichen Einfluss auf die Rendite und Amortisationszeit der Anlage.
 

Fallbeispiel Photovoltaik Eigenstromversorgung

Vor allem größere Wohnimmobilien und Gewerbebetriebe, die ihren Solarstrom vom eigenen Dach oder vom Vermieter für den Eigenbedarf beziehen, werden aufgrund der geplanten Änderung stark beeinträchtigt. Mieter, die ihren Solarstrom vom Dach des Vermieters beziehen, sollen mit der vollen EEG-Umlage in Höhe von derzeit 6,24 Cent/kWh belastet werden. Somit ist dieser Geschäftsbereich von den geplanten Änderungen besonders stark betroffen; die generelle Wirtschaftlichkeit muss im Einzelfall betrachtet werden.
 
Das nachfolgende Beispiel vergleicht ein Eigenverbrauchsmodell in Zusammenhang mit einem Klärwerk auf Basis des EEG 2012 mit den geplanten Änderungen durch das EEG 2014. 
 
Tabelle 2: Prämissen

Quelle: Rödl & Partner

Die im Beispiel getroffenen Prämissen (siehe Tabelle 2) sind exemplarisch und dienen der Vollständigkeit der Betrachtung. Obwohl mit der gewerblichen Nutzung ein relativ hoher Eigenverbrauchsanteil möglich ist, ist klar zu erkennen, dass ein Modell mit ursprünglich guter EK-Verzinsung bei Belastung mit der EEG-Umlage stark an Wirtschaftlichkeit verliert. Tendenziell werden PV-Anlagen in diesem Segment erst über einen Betrachtungszeitraum ab 25 Jahren wieder attraktiv, da die Investition auf eine längere Zeit umgesetzt werden kann, was zu geringeren Gestehungskosten führt.

 
Grafik 3: Projektbeispiel PV-Freifläche ─ Eigenverbrauch Kläranlage

Quelle: Rödl & Partner

Privathaushalte mit einer installierten PV-Leistung unter 10 kWp bleiben bis 10 MWh/a von der EEG-Umlage weiterhin befreit. In diesem Segment ist somit ein Zuwachs zu erwarten. Günstige und marktreife Batteriespeicherlösungen, die den Eigenverbrauchsanteil weiter erhöhen, werden für diesen Anwendungsfall zunehmend interessanter. 
 
Tabelle 3: Ergebnisse Beispielrechnung

Quelle: Rödl & Partner
 

Photovoltaik auf dem internationalen Markt

In vielen südlichen Ländern, insbesondere in sonnenreichen Gebieten wie Italien, kann Photovoltaik in Bezug auf die Gestehungskosten bereits mit Strom aus konventionellen Energieträgern auf dem freien Markt konkurrieren. Bei günstigen Rahmenbedingungen und Finanzierungskonditionen bieten sich interessante Investitionsmöglichkeiten, die eine ausreichende Rendite für den Investor ermöglichen und einen vollständigen Verzicht auf staatliche Fördermittel erlauben.
 

Ausblick auf Photovoltaik in Deutschland und im Ausland

Vor dem Hintergrund der geplanten Änderungen auf der Grundlage des vom BMWi erstellten EEG-Gesetzentwurfes vom 5. Mai 2014 ergeben sich keine Verbesserungen für Photovoltaik in Deutschland. Die Belastung mit der EEG-Umlage auf eigenverbrauchten Strom von solaren Stromanlagen bremst den aufkeimenden Hoffnungsträger der PV-Branche teilweise aus. Für Privathaushalte unterhalb der Bagatellgrenze ergeben sich weiterhin gute Investitionsmöglichkeiten.
 
Das Geschäft mit Photovoltaik wird sich auch weiterhin auf das Ausland konzentrieren müssen. Italien beispielsweise bietet für Eigenerzeugungsanlagen im Kontext neuer rechtlicher Rahmenbedingungen für Gewerbe- und Industriebetriebe sehr günstige Voraussetzungen.
 
Allerdings werden auch in Deutschland der Eigenverbrauch und die Lokalstromversorgung von privaten und gewerblichen Stromverbrauchern weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Jedoch wird bei Einführung der geplanten Umlagebelastung die Eigenstromnutzung in den meisten Fällen nicht mehr wirtschaftlich sein. Inwieweit sinkende Modul- und Wechselrichterpreise sowie der Zugang zu günstigen Finanzierungskonditionen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle Eigenversorgungsmodelle weiterhin befl ügeln können, ist fraglich. Auch Importzölle verhindern aktuell, dass Photovoltaik Preise sinken können. Im Bundesrat wird gegenwärtig auf Basis der Änderungsvorschläge der Verbände und Ausschüsse über die Höhe der EEG-Umlage und eine Begrenzung auf max. 15 Prozent diskutiert.

 

Die PV-Branche hat großes Potenzial, wenn man sie nur lässt!

Rödl & Partner unterstützt Sie bei Ihrem PV-Vorhaben von der Projektidee über die Umsetzung und den Betrieb bis hin zum Betriebsende. In jeder Phase des Projektes können wir aus rechtlicher, steuerlicher und wirtschaftlicher Sicht im In- und Ausland interdisziplinär beraten.

Kontakt

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Michael Wunderer

MSc. Management and Economics

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