Geothermie: Marktanreize durch Förderprogramme in Ostafrika und Lateinamerika

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Die Tiefengeothermie besticht weltweit durch die Möglichkeit einer grundlastfähigen und steuerbaren Energiebereitstellung ohne schädliche Umwelteinflüsse bei vergleichsweise geringen Kosten. Viele Regierungen und internationale Finanzierungs-institute haben das erkannt und haben in zahlreichen von Regionen entsprechende Unterstützungs-programme eingeführt. Die GRMF in Ostafrika und die GDF in Lateinamerika sind zwei Marktanreizprogramme, die bei der öffentlichen und bei der privaten Projektentwicklung eine hohe Resonanz erzielt haben und viele wirtschaftlich attraktive Investitionsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen eröffnen.
Im Jahr 2010 waren weltweit 50,6 GWth und 10,7 GWel geothermischer Leistung installiert, die eine Erzeugung von 121,7 TWhth  und 67,2 TWhel  ermöglichten. Die globalen Prognosen für den Zeitraum 2010 bis 2015 gehen von einem starken Anstieg der installierten geothermischen Leistung aus. Die Erhöhung der installierten elektrischen Leistung für den o.g. Zeitraum wird auf 72 Prozent weltweit geschätzt.
 
Der Ausbau dieser relativ jungen und umweltschonenden Technologie wird aktuell insbesondere aufgrund der relativ hohen Anfangsinvestitionen gehemmt, die zu einem Zeitpunkt anfallen, in dem noch nicht alle Risiken beseitigt werden können. Die Bestimmung von Risikokategorien mit systematischer Untersuchung einzelner Bereiche auf Risikopotenziale ist unerlässlich, um das notwendige Riskobewusstsein zu dokumentieren. Eine solche Kategorisierung kann beispielsweise nach technischen, wirtschaftlichen, geologischen, operativen und politischen Gesichtspunkten erfolgen. Nur wenn alle Risiken identifiziert und transparent gemacht werden, ist es möglich, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um diese zu vermeiden oder zu vermindern. Ziel ist es dabei, durch risikopolitische Handlungsalternativen das Gesamtrisiko zu reduzieren, sodass die Projektverantwortlichen lediglich ein zu überschauendes Restrisiko tragen müssen.

Das bei hydrothermalen Tiefengeothermieanlagen größte Finanzierungshemmnis stellt das sog. Fündigkeitsrisiko dar. Dieses beschreibt die Tatsache, dass weder die Temperatur noch die Menge des wirtschaftlich förderbaren Thermalwassers einer Bohrung im Voraus exakt bestimmt werden kann.

Die Bohrphase ist die kapitalintensivste Phase eines Geothermieprojektes, deren Finanzierungsbedarf sich je nach Bohrtiefe auf bis zu 60 Prozent der Gesamtentwicklungskosten belaufen kann. Die zur Verfügung stehenden Absicherungsmechanismen zur Handhabung des Fündigkeitsrisikos können sowohl privatwirtschaftlich als auch öffentlich angefragt werden. Die privatwirtschaftlichen Versicherungslösungen (verfügbar beispielsweise in USA, Deutschland, Frankreich) können die notwendige Absicherung bei einigen Projekten aktuell nicht vollständig gewährleisten. Aus diesem Grund versuchte in den letzten Jahren die jeweilige öffentliche Hand , das Fündigkeitsrisiko in den für tiefengeothermische Energiegewinnung geeigneten Regionen, durch öffentliche Absicherungs- und Förderprogramme zu minimieren. Diese Programme orientieren sich an den jeweiligen regionalen geologischen und politischen Besonderheiten, sodass in keinem Land ein staatliches Instrument existiert, das alle Tiefengeothermie-spezifischen Risiken absichert.

Geothermal Risk Mitigation Facility (GRMF)

Ein Förderprogramm, das sowohl bei der öffentlichen als auch bei der privaten Projektentwicklung für die Region Ostafrika eine hohe Resonanz erzielt, ist das Marktanreizprogramm „Geothermal Risk Mitigation Facility” (GRMF). Die GRMF wurde von der KfW Entwicklungsbank gemeinsam mit der Kommission der Afrikanischen Union (AUC) geschaffen und wird von Rödl & Partner in Kooperation mit dem isländischen Ingenieurbüro Mannvit als Fundmanager verwaltet. Die Zielsetzung der GRMF ist das Schaffen von Anreizen für Investitionen in Ostafrika im Bereich der Tiefengeothermie.

Das Programm mit einer Dauer von voraussichtlich vier Jahren (2012 - 2016) verfügt aktuell über ein Budget von 50 Miollionen Euro. Zunächst unterstützte die GRMF Geothermieprojekte in Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda. Nach dem großen Erfolg der ersten Bewerbungsrunde (2012/2013) wurde die zweite Bewerbungsrunde (2013/2014) um sechs weitere ostafrikanische Länder erweitert: Burundi, die Komoren, Dschibuti, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea und Sambia. Die dritte Ausschreibungsrunde für Fördermittel startet Ende Oktober.

Private und öffentliche Projektentwickler sowie Public-Private-Partnerships (PPP) können sich mit dem Einreichen einer „Expression of Interest” (EoI)  bei der GRMF um die Fördermittel bewerben. Nach einem zweistufigen Bewerbungsprozess und der Teilnahme an einem „pre-bidding workshop” schließt die Kommission der Afrikanischen Union mit ausgewählten Projektentwicklern, die die festgelegten Auswahlkriterien erfüllen, den Förderbescheid.

Die Fördermöglichkeiten für die GRMF umfassen Direktzuschüsse für Oberflächenstudien, Explorationsbohrungen und Infrastrukturkosten, die im Zusammenhang mit Explorationstätigkeiten stehen. Daneben gibt es noch eine Fortführungsprämie, welche für die Phase weiterer Bohrungen beantragt werden kann. Die Förderhöhen für die verschiedenen Aktivitäten sind in Tabelle 1 zu sehen.

Bei der ersten Bewerbungsrunde erhielten fünf Projekte (davon drei in Kenia und zwei in Äthiopien) Fördermittel für die Durchführung einer Oberflächenstudie und vier Explorationsbohrungen. Im Rahmen der zweiten Bewerbungsrunde wurden 18 EoI eingereicht, die derzeit im zweistufigen Bewerbungsprozess evaluiert werden.



Geothermal Development Facility (GDF)

Ein weiteres Förderprogramm für die gesamte Region Lateinamerika wird aktuell von der KfW Entwicklungsbank in Kooperation mit der „Corporación Andina de Fomento” (CAF) entwickelt. Rödl & Partner, Geothermie Neubrandenburg GmbH und die chilenische Anwaltskanzlei Bofill Mir & Álvarez Jana erstellen derzeit das Umsetzungskonzept.

Das Designkonzept der GDF hat Rödl & Partner entwickelt. Es ist das Ergebnis einer tiefgehenden Analyse und Evaluierung aller technischen, wirtschaftlichen, geologischen, rechtlichen und politischen Risikofaktoren, die die Schaffung eines maßgeschneiderten Förderungskonzeptes für Geothermieprojekte ermöglicht hat. Die systematische Untersuchung einzelner Bereiche auf Risikopotenziale zeigt, dass die Gewichtung verschiedener Faktoren je nach Land oder Region variieren kann.

Beispielsweise werden in weniger entwickelten Märkten direkte Förderungsinstrumente in Form von Zuschüssen bevorzugt. Diese stellen einen starken Anreiz für die Projektentwicklung dar und dienen oft als Auslöser für die Implementierung von Best-Practice-Projekten, an denen sich andere Projektentwickler im jeweiligen Land oder der Region orientieren können. Direkte Zuschüsse helfen ebenfalls dabei, auf das große Potenzial und die Vorteile geothermischer Energie für die Strom- und Wärmeerzeugung eines Landes aufmerksam zu machen.

Für Länder und Regionen, in denen die Exploration geothermischer Ressourcen bereits begonnen hat, wo aber trotzdem nur eine geringe Anzahl entsprechender Projekte verwirklicht wurde, ist ein bedingter Zuschuss („Contingency Grant”) besser geeignet.

Bei den bedingten Zuschüssen muss ein Teil der Förderung zurückbezahlt werden, falls das Projekt sich als erfolgreich herausstellt. Mit den rückfließenden Geldern erfolgreicher Projekte können somit weitere Explorationsprojekte gefördert werden. Langfristig hat dieses Instrument eine größere Auswirkung auf den Geothermiemarkt als direkte „einmalige“ Zuschüsse. Soll ein stärkerer revolvierender Effekt für die Region erreicht werden, kann das Modell an diversen Stellschrauben angepasst werden. Dabei können sowohl das Design des Förderinstruments als auch die Förderintensität als auch z. B. die zu zahlenden Zinsen an die Besonderheiten des jeweiligen Marktes angepasst werden.

GDF soll ein umfassendes Instrument darstellen, das Projektentwickler während der kompletten Projektphase von Oberflächenstudien (Surface Studies) und Explorationsbohrungen (Exploratory Drillings) bis zum Baubeginn begleiten und unterstützen soll (siehe Abbildung 3). Durch die Vergabe von Zuschüssen soll der Einsatz von Venture-Capital (Risikokapital) in den risikoreichen Anfangsphasen der Projekte möglichst gering gehalten werden, um die Realisierung von Projekten in der Region zu fördern. Da Zuschüsse letztendlich wie Eigenkapital betrachtet werden, stellen sich somit niedrigere Stromgestehungskosten der geförderten Projekte bei gleicher Rendite für den Investor ein. Aktuell wird darüber nachgedacht, den jeweiligen Projektentwicklern – falls sie bereits in den Anfangsphasen erfolgreich sind – im Rahmen des zusätzlichen Programms „GDF Bridge Financing Lines” weitere Finanzierungen für Bohrungen zu bewilligen. Zudem wird über die Finanzierung der Errichtung von Kraftwerken im Rahmen des Programms „GDF Investment Financing Lines” diskutiert. 


Es ist geplant, dass die GDF Oberflächenstudien durch die Vergabe von direkten Zuschüssen (ca. 40 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten) und Explorationsbohrungen durch die Vergabe von bedingten Zuschüssen (ca. 40 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten mit einer Rückzahlung von 80 Prozent der erhaltenen Förderung bei erfolgreichen Projekten) fördern soll.

Zu beachten ist, dass das GDF-Konzept derzeit in der Umsetzung ist und noch nicht alle Details feststehen, beispielsweise die exakte Form und der Zeitpunkt der Implementierung sowie die Höhe der Förderung.

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