Rentabilität der EE-Anlagen in Polen - ein Querblick durch die Branchen

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Schon seit Ende 2012 ist die Neuausrichtung der Unterstützungspolitik für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ein Thema der öffentlichen Debatte. Konstant wird an neuen Entwürfen des ersten polnischen EEG gefeilt. Die Ideen zur Unterstützung der EE-Branche, um das verbindliche EU-Ziel für Polen für 2020 (15 Prozent der Gesamtenergie und 19 Prozent des Stroms aus regenerativen Energiequellen) erreichen zu können, erstrecken sich von Feed-in-Tarifen über Quotensysteme und Auktionssysteme bis hin zu allen denkbaren Hybridformen der bekannten und gängigen Unterstützungsmechanismen. Zurzeit hat das Auktionssystem die größte Chance, das bislang herrschende Quotensystem abzulösen. Da aber die Unterstützungshöhe bei einer zukünftigen Auktion de facto nur mit hellseherischen Fähigkeiten ermittelt werden kann, versuchen viele Investoren, ihre Anlagen bis zum Inkrafttreten des neuen Fördermodells „ans Netz zu bringen”, um in den Genuss der einigermaßen voraussehbaren Unterstützung zu kommen.

 

Quotensystem für bestehende EE-Anlagen

Polen hat sich erst 2006 entschieden, die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu fördern. Dabei wurde im Gegensatz zu der in vielen Ländern etablierten Unterstützung in Form einer Einspeisevergütung das andernorts wenig verbreitete Quotensystem eingeführt. Es funktioniert in fast unveränderter Form bis heute. Der jeweilige Betreiber einer EE-Anlage erhält für jede MWh erzeugten Stroms ein Herkunftszeugnis, umgangssprachlich „grünes” Zertifikat genannt. Diese Zertifikate können dann auf einer Energiebörse oder auch ohne Börsenvermittlung aufgrund normaler Kaufverträge veräußert werden. Um die Nachfrage nach grünen Zertifikaten zu schüren, müssen die Energieunternehmen, die Endkunden mit Energie beliefern, für einen vom Staat festgelegten Prozentsatz (Quote) ihrer erzeugten Energie grüne Zertifikate vorweisen. Diese Quote (daher Quotensystem) steigt kontinuierlich, damit das EU-Klimaziel erreicht werden kann.
Zusätzlich zu grünen Zertifikaten muss der grüne Strom für einen festen Preis angekauft werden, der immer dem durchschnittlichen Stromverkaufspreis auf dem Konkurrenzmarkt im vorigen Jahr entspricht. Aus diesen zwei Variablen setzt sich der Gewinn für die Stromerzeugung aus EE-Anlagen zusammen, und zwar unabhängig von der für die Stromerzeugung eingesetzten Technologie. Zurzeit erhält der Betreiber einer EE-Anlage ca. 0,0857 €/kWh (fester Stromeinkaufspreis 2014: 181,55 PLN/MWh + Preis der grünen Zertifikate ca. 180 PLN/MWh;
Währungskurs EUR/PLN: 1 EUR = 4,2 PLN; Stand 28. August 2014). Diese Form der Unterstützung hat natürlich dazu geführt, dass in Polen nur diejenigen Technologien Verbreitung finden konnten, die bei dem oben genannten Gewinn rentabel betrieben werden können. Zu den großen Gewinnern der „polnischen Energiewende” zählen: Co-firing, alte Wasserkraftwerke und Windkraftanlagen.
 

Co-firing

Durch Co-firing, also Mitverbrennung, können die großen, zum Teil in Staatseigentum stehenden Energiekonzerne günstig und einfach einen wesentlichen Teil der von ihnen benötigten grünen Zertifikate selber herstellen. In leicht modifizierten Kesseln der konventionellen Kraftwerke wird ein Anteil der festen Biomasse mit Braun- oder Steinkohle mitverbrannt. Für den eingesetzten Anteil der Biomasse werden grüne Zertifikate erteilt. Auf diese Weise werden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen lässt sich der EU-Klimaanteil auf einfachste Weise erreichen, da keine großen Aufwendungen nötig sind, um mit der Produktion der „grünen” Energie zu beginnen (kein Netzausbau, kein Netzanschluss, im Vergleich zu neuen EE-Anlagen viel geringere Investitionskosten). Zum anderen müssen die Energiekonzerne keinen großen Anteil an grünen Zertifikaten zukaufen, und die Produktion der Braun- und Steinkohle wird zusätzlich bequem subventioniert.
 
Diese Methode ist jedoch für die Umwelt bedenklich und daher eher zweitrangig. Es ist kein Wunder, dass die Mehrheit der vermeintlich grünen Energie in Polen durch Co-firing entsteht.
 
 

Windkraft

Seit einigen Jahren erlebt Polen einen regelrechten Boom der Windkraftbranche. Das hat einen ganz einfachen Grund. Nur Windkraftanlagen können im Vergleich zu PV-Anlagen oder Biogasanlagen ohne zusätzliche Förderung in Form staatlicher oder EU-Fördermittel rentabel sein. Im Durchschnitt betragen die Investitionskosten für den Bau einer größeren Windkraftanlage in Polen ungefähr 6 Miollionen PLN pro MW der installierten Nennleistung. Bei Windkraft ist die CapEx Ratio deutlich kleiner als bei PV-Anlagen, Biogasanlagen, oder Wasserkraftwerken. Obwohl noch vor drei Jahren der Stückpreis der grünen Zertifikate mit 280 PLN um 100 PLN höher lag und auch der feste Stromeinkaufspreis höher war, z.B. 201,36 PLN/MWh im Jahre 2012, werden zurzeit kontinuierlich neue Anlagen in Betrieb genommen, was beweist, dass die Rentabilität noch gegeben ist. Einige Investoren haben sich auch um Förderung aus EU-Töpfen bemüht und konnten 30 bis 60 Prozent der Investitionskosten decken, wodurch die Rendite entsprechend stieg. Die obigen Ausführungen beziehen sich auf die Onshore-Windkraft. Obwohl die größten Energiekonzerne ambitionierte Vorhaben zum Bau einiger Offshore-Windparks im Baltikum entwickelten, wurde keines der Projekte verwirklicht – die jetzige Gewinne sind nicht ausreichend, als dass sich eine Investition dieses Umfangs sich bei dem jetzigen Förderungsmodell rechnen würde.

Biogasanlagen

Die Biogasanlagen sollten nach den einstigen Plänen der Regierung eine Schlüsselrolle bei der dezentralisierten Stromversorgung in Polen spielen. Geplant war, dass in fast jeder Gemeinde eine Biogasanlage Strom und Wärme erzeugen sollte. Die Realität sieht indes ganz anders aus. Von den bis 2020 geplanten über 2.000 Biogasanlagen entstanden innerhalb der vergangenen zehn Jahre nur 41. Nach Experteneinschätzungen laufen in Polen diejenigen Biogasanlagen rentabel, in denen Stalldünger bzw. Schlachtabfälle als Kraftstoff mitverwendet werden.
 
 
Weniger rentabel sind diejenigen Betriebe, die nur eine landwirtschaftliche Biomasse (z. B. Maissilage) verarbeiten. Das System der grünen Zertifikate stellt alleine keinen ausreichenden Anreiz für Investitionen in Biogas dar. 2012 und 2013 wurde zudem eine zusätzliche Finanzierungsquelle abgeschafft, die gelben und roten Zertifikate, was sich fatal auf die Rentabilität der Biogasanlagen auswirkte. Einige Betriebe gerieten an den Rand des Ruins und viele geplante Investitionen wurden nicht umgesetzt, weil sie sich nicht mehr rechneten.
 
 
 
Sehr zu begrüßen ist, dass die Unterstützung durch gelbe/rote Zertifikate von Mitte 2014 bis 2018 wieder aufgenommen wird. Wichtig ist darüber hinaus, dass gerade für kleine Biogasanlagen mit einer Nennleistung bis 1 MW in den Jahren 2014–2018 die Pflicht zum Erwerb gelber Zertifikate prozentual stark steigen soll. Der Anteil der gelben Zertifikate wird von 3,9 Prozent im Jahre 2014 auf 8,0 Prozent im Jahre 2018 steigen. Eine derart starke Zunahme ist geradezu eine Garantie für die Preisstabilität gelber Zertifikate – selbst dann, wenn die Zahl der ausgegebenen gelben Zertifikate durch den Bau neuer Biogasanlagen stark zunimmt. Der Preis eines gelben Zertifikats beträgt ungefähr 140 PLN/MWh.
 
 
 

Wasserkraft

 
 
Über die Rentabilität der Wasserkraftwerke in Polen lässt sich keine allgemein gültige Aussage treffen. Die Rentabilität schwankt stark in Abhängigkeit vom Alter der Anlagen. Zukünftige Vorhaben stellen sich wiederum ganz anders dar.
 
 
 
In den Siebzigerjahren wurden einige große Wasserkraftwerke gebaut. Diese Investitionen sind seit Langem schon abgeschrieben und erzeugen Strom zu Gestehungskosten, die denjenigen von konventionellen Kohlekraftwerken gleichen. Trotz der Parität wird die Erzeugung grüner Energie aus Wasserkraft immer noch gefördert. Diese Wasserkraftwerke sind richtige Goldgruben für ihre Besitzer. Für die jüngeren Anlagen, die im 21. Jahrhundert in Betrieb genommenen wurden, müssen zum größten Teil noch Kredite getilgt werden. Da Wasserkraftwerke sehr hohe Investitionen erfordern, ist die Kredittilgung meistens die wesentlichste Größe im Budget der jeweiligen Zielgesellschaft. Wasserkraftwerke reagieren daher sehr empfindlich auf Schwankungen bei der Förderhöhe. Nachdem die Förderung neuerdings deutlich geringer ausfällt, ist auch die Rendite suboptimal; einige Betreiber schreiben zurzeit gar rote Zahlen.
 
 
 
Noch düsterer sieht es bei neuen Investitionen in Wasserkraftwerke aus. Abgesehen davon, dass es immer weniger geeignete Stellen für den Bau eines Wasserkraftwerks gibt, sind die Investitionskosten mit geschätzten 18,5 Millionen PLN pro MW installierter Nennleistung, die höchsten unter allen Technologien (Atomkraft und Offshore-Windanlagen inklusive). Das liegt nicht zuletzt daran, dass in den letzten Jahren die Umweltauflagen wesentlich gestiegen sind.

 

Photovoltaik

 
Bisher führte die Photovoltaik in Polen ein Schattendasein. Sie war keine nennenswerte Alternative zu anderen EE-Technologien. Bis vor Kurzem gab es nur einige experimentelle PV-Anlagen und die gesamte Leistung der ans Netz angeschlossene polnischen PV-Anlagen belief sich 2012 auf ungefähr 3 MW. Das neue Gesetz sollte für Aufschwung sorgen. Von der geplanten üppigen Einspeisevergütung für kleinere PV-Anlagen ist aber heute nicht mehr die Rede, und für den PV-Sektor ist die jetzige Vergütung (grüne Zertifikate plus fester Energieverkaufspreis) nicht ausreichend. Die Rentabilität von Investitionen in PV-Anlagen kann aber durch die Inanspruchnahme von EU- oder staatlichen Zuschüssen gewährleistet werden. Nur mithilfe zusätzlicher Förderquellen können viele neue Investitionen entstehen. Die PV-Anlagen, die jetzt in Betrieb gehen, arbeiten ausnahmslos wegen der Unterstützung mit Fördermitteln rentabel. Zum Beispiel beträgt die Beihilfe bei einer 1 MWp PV-Anlage in Ostrzeszów, die sich im Investitionsstadium befindet, 4,58 Millionen PLN. Bei einer anderen Anlage mit einer Nennleistung von 2 MWp wurden für die Jahre 2007 bis 2013 aus dem Regionalen Operationsprogramm für die Wojewodschaft Wielkopolska Fördermittel i.H.v. über PLN 8,5 Mio. zuerkannt.
 
 
 

Übergangsvorschriften für die bestehenden Anlagen

Gemäß dem neuesten Entwurf des EEG, der jetzt im Parlament beraten wird, soll das neue Unterstützungsmodell nicht erst zwölf Monate nach der Bewilligung der öffentlichen Hilfe durch die Europäische Kommission in Kraft treten, sondern ab dem 01. Januar 2016. Die Regierung entschied kurzerhand, dass das EEG doch gar keiner Zustimmung seitens der Europäischen Kommission bedürfe. Die Anlagen, die bis zum 01.01.2016 in Betrieb gehen werden, werden durch ziemlich komfortable Übergangsvorschriften geschützt – sie bleiben ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Anlage im Rahmen des Quotensystems 15 Jahre lang in Betrieb. Schlussfolgernd lässt sich feststellen, dass die Projekte, die jetzt überlebensfähig sind, es auch nach dem bevorstehenden Systemwechsel weiter bleiben. Zu Kürzungen bei der Förderung bestehender Anlagen, wie es zum Beispiel in Spanien der Fall war, wird es nach den geplanten Vorschriften des EEG-PL nicht kommen.

 

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