Solar-Boom 2.0 – Netzparität bis 2017 fast überall möglich

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Die aktuellste Einschätzung der Deutschen Bank zur Entwicklung der Solarenergie1 lässt die Branche auf ein ähnliches Wachstum wie zu den Boom-Jahren des vergangenen Jahrzehnts hoffen. Wir möchten Ihnen daher auch über unser Medium E|nEws diese Fakten noch etwas näher bringen. Grund zur Hoffnung besteht aufgrund der bis 2017 erwarteten Erreichung der Netzparität in weiten Teilen der Erde. Als Netzparität bezeichnet man dabei den Zustand gleicher Stromgestehungskosten (LCOE) von Solarenergie und Kosten für den Bezug aus dem Netz. Bei der, von der Deutschen Bank prognostizierter, Erhöhung der Strompreise um durchschnittlich 3% pro Jahr, ist der solare Eigenverbrauch in vier von fünf Ländern weltweit günstiger als Strom aus dem Netz.

 

Solarer Eigenverbrauch bereits heute wettbewerbsfähig

In seinem Solar-Outlook für 2015 hat Vishal Shah, Chef-Analyst der Deutschen Bank für den Bereich Solar, eine Netzparität für Photovoltaik (PV)-Anlagen in 80% der Staaten weltweit prognostiziert. Bei einem erwarteten Anstieg der Strompreise um durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr, bei gleichzeitig weiter sinkenden Kosten für PV-Anlagen um bis zu 40 Prozent, ist es in vier von fünf Ländern günstiger Strom durch PV-Anlagen selbst zu erzeugen und zu verbrauchen als Strom aus dem Netz zu beziehen. Selbst bei konstanten Strompreisen tritt dieser Zustand in zwei von drei Ländern ein. Grund hierfür ist neben den steigenden Kosten für Netzstrom insbesondere der rapide Kostenrückgang bei der Fertigung von PV-Modulen. Bereits heute liegen die Stromgestehungskosten für PV mit Werten zwischen 0,13 $US und 0,23 $US in einigen Märkten teils deutlich unterhalb der Bezugskosten für Strom aus dem Netz (wo somit die sogenannte Netzparität erreicht wurde).
 

Abbildung 1: Solarer Energieverbrauch2

Im Zeitraum von 2011 bis 2014 haben sich die Modulproduktionskosten von führenden chinesischen Anbietern von 1,31 $/Watt auf circa 0,5 $/Watt reduziert, was einem Rückgang von über 60% entspricht. Verantwortlich hierfür waren insbesondere sinkende Verarbeitungskosten, Kosten für Polysilizium und Verbesserung bei der Umwandlungseffizienz3.
 

Einsparpotenziale noch nicht erschöpft

Trotzdem kann mit weiteren Kostenreduktionen gerechnet werden, vor allen in Bereichen Systemperipherie (BoS) und Vertrieb liegen wohl die größten Einsparpotenziale. Vishal Shah rechnet bis 2017 mit zusätzlichen Einsparungen von 40 Prozent. Beispielshaft ist im Folgenden die prognostizierte Kostenentwicklung für die USA dargestellt.
 

Abbildung 2: Prognostizierte Kosteneinsparung in den USA in $/Watt2

In der jüngeren Vergangenheit konnten Kosten für Solarmodule bereits stark reduziert werden, sodass Werte von unter 0,5 $/Watt bereits heute erreicht werden. Bis 2016 haben Branchengrößen wie SunEdison hier einen Wert von 0,4 $/Watt als Ziel ausgegeben, was bei branchenüblichen Einsparungen von 1-2 Cents pro Quartal als recht konservativ angesehen werden kann. Sinkende Transportkosten und eine weitere Liberalisierung des weltweiten Handels spielen außerdem eine Rolle. Preise für Wechselrichter fallen momentan um 10 bis 15 Prozent pro Jahr. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzt, da insbesondere bei der Produktion in Bereich Beschaffung und Effizienz noch Einsparpotenziale zu finden sind. Steigender Wettbewerb führt zudem zu tendenziell fallenden Preisen. Inspektionskosten und andere Kosten der Systemperipherie werden voraussichtlich jeweils um circa 8 Cent bis 2017 sinken. Grund hierfür ist neben Effizienzsteigerungen auch der Einsatz fortschrittlicher Materialien.
 
Durch den wachsenden Markt allgemein kommt es im Bereich der Installation zur Realisierung von Skalenerträgen und damit verbundenen Einsparungen von circa 30 Prozent. Den größten Kostenrückgang erwartet die Deutsche Bank im Vertrieb von momentan etwa 0,5 $/Watt auf 0,2 $/Watt in 2017. Die Akzeptanz für Solar-Anlagen im Allgemeinen, aber insbesondere als kostengünstige Alternative zu Netzstrom, wird in den nächsten Jahr stark zunehmen. In diesem Zusammenhang werden Unternehmen neue Geschäftsmodelle und Kommunikationswege erschließen und so erhebliche Effizienzsteigerungen erreichen4.
 

USA und China als Wachstumsmotor

Damit kann trotz unsicherer Rahmenbedingung in Ländern wie Japan oder England mit einer verstärkt steigenden Nachfrage für die Solarbranche gerechnet werden. Insbesondere den beiden größten Volkswirtschaften China und USA prophezeit Herr Shah einen regelrechten Boom. So erwartet er, dass die Solarnachfrage allein in den USA bis 2016 auf 16.000 MW pro Jahr steigt und sich somit verfünffacht, während für China ein ähnlich hoher Betrag von 13.000 MW pro Jahr prognostiziert wird.


Abbildung 3: Weltweiter Kapazitätszuwachs2


Fazit

Die jüngsten Entwicklungen bereiten damit den Weg für einen erneuten Boom der Solarbranche, jedoch dieses Mal nicht gestützt durch staatliche Subventionen, und somit nachhaltiger. Der Eigenverbrauch von PV-Strom weist bereits heute Kostenvorteile auf, die nicht mehr von der Hand zu weisen sind. Jedoch wird es wohl in jedem Land eine energiepolitische Entscheidung sein, in wieweit (oder wie schnell) man diese in Folge einer stark dezentralen Erzeugungsstruktur aufbauen kann.
 

1 Quelle: Deutsche Bank Markets Research

2 Quelle: Deutsche Bank

3 Quelle: http://reneweconomy.com.au/2015/solar-grid-parity-world-2017

4 Quelle: http://reneweconomy.com.au/2015/why-solar-costs -fall-another-40-in-just-two-years-21235

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