Erneuerbare Energien in Westafrika – Brief Insight: Nigeria

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Nigeria gilt seit 2014 als die größte afrikanische Volkswirtschaft1 und kann eine jährliche Wachstumsrate von ca. 6 Prozent2 aufweisen. Der erst kürzlich demokratisch vollzogene Regierungswechsel ist eine weitere Empfehlung für das Land als Investitionsstandort. Weil nur etwa die Hälfte der nigerianischen Bevölkerung Zugang zu Strom hat, birgt der Ausbau der Energie- Infrastruktur großes Potenzial für Investoren.3

Nigeria: Führende Volkswirtschaft des Kontinents mit riesigem Energieerzeugungsdefizit

Nigerias Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung stellt das Land vor enorme Herausforderungen, was die Energieversorgung anbelangt. Derzeit übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich4. Nur 46 Prozent der städtischen Haushalte und nur 2 Prozent der Haushalte in ländlichen Regionen haben Zugang zum öffentlichen Stromnetz5. Die derzeit in Nigeria installierte Leistung beträgt rund 6 GW, wovon wegen erheblicher Übertragungsverluste (technisch und untechnisch) jedoch nur ein Maximum von 4.500 MW tatsächlich durchgeleitet werden kann6. Würde man sich am Pro-Kopf-Verbrauch Südafrikas orientieren, bräuchte Nigeria eine installierte Leistung von insgesamt 160 GW7. Um die Energieprobleme des Landes möglichst zügig zu lösen, wurde bereits im Jahr 2001 eine nationale Strompolitik zur Privatisierung der Energiebranche implementiert. Dies sollte in erster Linie durch die Formulierung von regulatorischen Rahmenbedingungen und eine Förderung des Wettbewerbs im Bereich der privaten Stromerzeugung erreicht werden8. Das Gesetz zur Umsetzung dieser Ziele, der „Electric Power Sector Reform Act“, trat 2005 in Kraft9. Obwohl die Privatisierung seitdem nur recht langsam voranging, sind inzwischen die Stromerzeugung und -verteilung vollständig privatisiert, wohingegen die Übertragung des Stroms noch in den Händen der Regierung liegt.10

 

Darüber hinaus veröffentlichte die Regierung im August 2013 mit der sog. „Roadmap for Power Sector Reform – Revision I“ ein Reformprogramm, um die Energiebranche auf einen konstanten Kurs hin zu sauberer und effizienter Energie zu steuern11. Der besondere Fokus des Programms liegt auf der Stromerzeugung durch Solarenergie, Wasserkraft und erdgasbefeuerten Kraftwerksanlagen12. Die Regierung plant, bis 2015 rund 2.483 MW, bis 2020 8.188 MW und bis 2030 23.134 MW zusätzliche Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energiequellen in das Stromnetz zu integrieren13.

 

Seit Februar dieses Jahres kommen zudem erstmals Einspeisetarife für unabhängige Energieerzeuger (IPP) zum Einsatz, die in Erzeugungskapazitäten aus Energiequellen wie Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft investieren wollen14. Die in der sog. „Multi Tariff Order 2.1“ (MYTO II) festgelegten Einspeisetarife für die o. g. Erneuerbaren Energien, sind jedoch eher eine Tarifrichtlinie, und es ist noch nicht eindeutig klar, wie die Mehrkosten finanziert werden. Die NERC („Nigerian Electricity Regulatory Commission“) geht davon aus, dass diese Tarifrichtlinie für die Einspeisetarife die langfristigen Grenzkosten der „Independent Power Producer“ (IPP) widerspiegelt. Den individuellen Tarif müssen IPP und Abnehmer also nach wie vor aushandeln. Die Geltungsdauer der Tarife ist auf 20 Jahre angesetzt15.

 


Tabelle 1: Feed-in-Tarife

 

Im Bereich Solar-PV sind einige Großprojekte geplant. So haben Ende 2014 beispielsweise die US-amerikanischen Projektentwickler „New Generation Power“ (NGP) und „Motir Seaspire“ ein Memorandum of Understanding (MoU) mit der nigerianischen Regierung über den Bau von Solarkraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 1,2 GW unterzeichnet. Der Bau der Kraftwerke soll dieses Jahr beginnen. Mit der Fertigstellung dieser Anlagen in den nächsten 2 Jahren sollen diese bis zu 590.400 MWh/p. a. liefern und über eine Million Nigerianer mit Solarstrom versorgen17. Weitere Großprojekte im Wert von 5 Mrd. USD mit einer Kapazität von insgesamt 3.000 MW in Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler „SkyPower FAS Energy” geplant18.


Darüber hinaus sind einige kleine Projekte in Planung, wie z.B. zwei 15-MW-Solarkraftwerke in den Provinzen „Adamawa State“ und „Kaduna State“, wobei ersteres im Rahmen der deutsch-nigerianischen Energiepartnerschaft umgesetzt wird, die bereits seit 2008 besteht. Sie soll den Rahmen für deutsche Unternehmen schaffen, um dabei zu unterstützen, Nigerias Energieversorgung zu stabilisieren und zu diversifizieren19.

 

Angesichts der steigenden Dieselkosten in Nigeria und der zusätzlichen Kosten für den Transport, birgt der nigerianische Markt für kleine Solar-PV-Anlagen und Hybrid-Systeme zweifellos ein riesiges Potential. Beliebt sind insbesondere Kombinationen von Modulen und Batteriesets, z. B. für Straßenlaternen, Kamera-Überwachungsanlagen, Krankenhäuser und Schulen. Regulatorische Rahmenbedingungen und Standards existieren speziell für diesen Bereich jedoch noch nicht20.

 

Fazit

Nigeria hat mit dem demokratischen Machtwechsel im März 2015 bewiesen, dass die stärkste Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents auch politisch gereift ist. Die Nigerianer haben mit ihrer Wahl ein Zeichen gegen Korruption und Misswirtschaft gesetzt, das Signalwirkung für die gesamte Region hat. Im afrikanischen Vergleich verfolgt Nigeria eine sehr fortschrittliche Energiepolitik, in der privaten Investoren sehr viel Freiraum eingeräumt wird. Noch gibt es kaum einheimische Unternehmen, die in der Lage sind, vor allem größere Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien ohne Unterstützung umzusetzen. Gerade die beiden letztgenannten Aspekte machen das Land zu einem ganz besonders interessanten Ziel für Investoren dieser Branche.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

1 http://www.export-erneuerbare.de/EEE/Redaktion/DE/DENA/Downloads/Publikationen/Laenderprofile/2014/2014_12_18_laenderprofil_nigeria.html

2 http://de.tradingeconomics.com/nigeria/gdp-growth-annual
3 http://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/energie-und-effizienz/nachhaltige-energieerzeugung-afrika.html
4 http://www.energy.gov.ng/index.php?option=com_content&view=article&id=121
5 Y.S. Mohammed et al: Renewable energy resources for distributed power generation in Nigeria: A review of the potential. Renewable and Sustainable Energy Reviews 22 (2013) 257–268. Available at http://www.academia.edu/7247651/Electricity_challenges_and_the_prospects_of_greater_renewable_energy_reliance_in_Nigeria
http://www.export-erneuerbare.de/EEE/Redaktion/DE/DENA/Downloads/Publikationen/Laenderprofile/2014/2014_12_18_laenderprofil_nigeria.html
6 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf
7 http://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/energie-und-effizienz/sustainable-power-generation-lakota.html
8 http://www.oxfordbusinessgroup.com/overview/strengthening-foundations-government%E2%80%99s-focus-improving-infrastructure-set-create-opportunities
9 http://www.nigeriaalternativeenergyexpo.org/unrealised-expectations-in-power-sector-and-outlook-for-2015/
10 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf
11 www.nigeriapowerreform.org
12 http://www.export-erneuerbare.de/EEE/Redaktion/DE/DENA/Downloads/Publikationen/Laenderprofile/2014/2014_12_18_laenderprofil_nigeria.html
13 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf
14 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf 
15 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf 
16 Energy Commission of Nigeria, March 2014; Feed-in Tariffs, Wholesale Contract Prices (N/MWH); Seite 38; abgerufen am 17. Juni 2015; www.oanda.com / 17. Juni 2015
17 http://www.newgenpower.com/future-looks-bright-nigeria-new-generation-power-light-1-million-homes/
18 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf
19 http://bmwi.de/DE/Themen/Aussenwirtschaft/laenderinformationen,did=276594.html
20 www.giz.de/en/downloads/giz2014-en-nigerian-energy-sector.pdf

* 1 EUR = 221,648 NGN;
Anmerkung: Die Tarife unterliegen keiner Kapazitätsobergrenze.

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