Startschuss 2016 – Nächste Ausbaustufe für Windenergie in Litauen

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Die Ausschreibungen von Onshore-Windenergieprojekten in Litauen haben bereits im Jahr 2015 die maximal geförderte

Gesamtleistung von 500 MW erreicht – wovon mehr als die Hälfte bereits in Betrieb ist. Entwicklerverbände fordern daher bereits seit Längerem, die geplanten Kapazitäten für die geförderte Onshore-Windenergieproduktion zu erhöhen. Bisher fehlte hierzu jedoch der politische Wille. Nun scheint man diesem Druck nachzugeben und auch die Diskussion um die Offshore-Windenergie feiert ein Comeback.

​Die Entwicklung der Erneuerbaren Energien ist nicht mehr nur altruistisch oder eine grüne Alternative. Gemessen an den Stromgestehungskosten ist Windenergie in Europa seit 2014 die günstigste Energiequelle. Als Folge davon ist der weitere Ausbau der Windenergie auch in Litauen unvermeidlich. Die Windenergie hatte hier im Jahr 2014 bereits einen Anteil von 15,6 Prozent an der Gesamterzeugung. Im ersten Halbjahr 2015 konnte dieser Wert sogar noch auf 19,9 Prozent gesteigert werden.

 

 

 

Abbildung 1: Installierte Windkapazitäten in Litauen

 

 

Bereits im September 2015 hatte der litauische Energieminister Rokas Masiulis einen Ausbau der litauischen Onshore-Windenergiekapazitäten in Aussicht gestellt. Er betonte dabei die hohe Priorität, welche die Erschließung erneuerbarer Energieressourcen inzwischen überall auf der Welt besitze. Auch in Litauen dürfe man sich dem nicht verschließen. Abhängig machte er den weiteren Ausbau der EE-Kapazitäten jedoch von der Möglichkeit, Investitionen durch Mittel aus den EU-Strukturfonds zu unterstützen. Ziel dessen sei es laut Masiulis, die Rahmenbedingungen für Windenergieerzeuger zu vereinfachen und dabei gleichzeitig die Preise für Verbraucher stabil zu halten. 

 

Nach Erhalt der EU-Unterstützung für Investitionen sollten Windkraftwerksbetreiber ihre Energie jedoch weitestgehend unter Marktbedingungen erzeugen und vertreiben. Bisher wird Betreibern ein weiches Kissen von Einspeisetarifen zur Verfügung gestellt, die über 12 Jahre garantiert werden. Die Kosten hierfür werden auf die Verbraucher umgelegt. Im Jahr 2015 betrugen diese rund 63,7 Mio. Euro.

 

Vorerst scheinen die Pläne für eine Energieproduktion zu Marktbedingungen allerdings vom Tisch. Zwar herrscht noch Unklarheit darüber, wie hoch die Einspeisetarife für zukünftig geförderte Onshore-Windenergie tatsächlich ausfallen werden, sicher scheint indes, dass man wohl am bisherigen Versteigerungsmodell und festen Einspeisevergütungen festhalten wolle.

 

Wie funktioniert das litauische Versteigerungsmodell?

 

Für EE-Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 10 kW und für alle Genehmigungen, die nach dem 1. Februar 2013 erteilt wurden, werden Einspeisetarife und Förderung für eine beschränkte Menge an Strom aus Erneuerbaren Energien versteigert. Diese Versteigerungen werden organisiert und durchgeführt durch die Nationale Kommission für Preis- und Energiekontrolle. Für jede Gruppe von Produzenten wird dabei ein separates Versteigerungsverfahren durchgeführt. Die Kommission legt zunächst einen bestimmten Preis fest. Der Bieter muss daraufhin seine Marge (market-plus margin) anbieten. Im Anschluss erhält der die niedrigste Marge offerierende Bieter den Zuschlag. Der festgesetzte Einspeisetarif gilt über einen Zeitraum von 12 Jahren. Ziel ist es dabei, einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Technologien der Erzeuger zu schaffen, was eine höhere Effizienz zur Folge haben soll.

 

Hauptvorteil an diesem Modell ist, dass für den Projektentwickler durch die festen Einspeisetarife über 12 Jahre eine planbare Rendite erzeugt wird, was die Investitionsfreudigkeit fördern soll. Problematisch ist indes, dass über die ausgeschriebenen Kapazitäten hinaus keinerlei Investitionsanreize geschaffen werden. In der Folge kam es absehbar zu einer langen Phase der Stagnation ohne nennenswerte Investitionen in neue Windenergieprojekte (mit Ausnahme bereits geplanter oder im Bau befindlicher Objekte) sowie kaum Bewegung im Markt.

 

Nun erhält der litauische Erneuerbare-Energien-Sektor offenbar endlich die erhofften neuen Impulse. Zwei große Reformen werden aktuell von den Ministerien für Energie und Umwelt gemeinsam auf den Weg gebracht.

 

Was ist konkret geplant?


Die Regierung hat einen Entwurf des Energieentwicklungsprogramms für Erneuerbare Energien für 2016 bis 2020 vorgestellt. Großes Augenmerk liegt dabei auf der Förderung von Investitionen in Windenergieprojekte. Erstmals rückt dabei neben der Onshore-Windenergie auch die Offshore-Windenergie in den Fokus der litauischen Energiepolitik. Im Konkreten beinhalten die Pläne:

  1. Der Entwurf der Erneuerbare-Energien-Richtlinie für die Jahre 2016 bis 2020 sieht vor, die Kapazität der staatlich geförderten Onshore-Windenergieproduktion von bisher 500 MW auf 750 MW zu erweitern. Käme es tatsächlich zu einer Verabschiedung, würde dies Ausschreibungsverfahren von zusätzlichen Windenergiekapazitäten in einem Umfang von 250 MW nach sich ziehen. Auch wenn das Dokument bisher lediglich als Entwurf vorliegt, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es schon bald verabschiedet wird.
  2. Das Energieministerium arbeitet derzeit zudem an Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, welche erstmals eine eindeutige Rechtsgrundlage für den geförderten Bau von Offshore-Windkraftanlagen schaffen sollen. Zwar wird der Sektor auf der einen Seite zukünftig wohl verstärkt politischem Einfluss ausgesetzt, da das Entscheidungsrecht der Regierung zufallen soll, auf der anderen Seite würde damit endlich die lang ersehnte Klarheit über zuständige Stellen sowie einschlägige Verfahren geschaffen.


Mit den Plänen schleift die Regierung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verhilft der rasche Ausbau der Windenergie der Autarkie des Landes von ausländischen Energiequellen und gewährleistet eine angestrebte „baltische Energiewende“, andererseits beinhaltet das bisherige von der Allgemeinheit finanzierte System des Ausbaus der Erneuerbaren Energien nicht unerhebliche Kostenanstrengungen.

 

Ausgeschrieben werden dabei nicht einmalig 250 MW, sondern vorrangig kleinere, dezentrale Anlagen, abhängig vom Bedarf der verschiedenen Regionen in Litauen. Der Bedarf ergibt sich aus unterschiedlichen Standortbedingungen, wie der relativen Nähe zur Küste, der Nähe zu den größeren Städten sowie der Kapazität und Struktur der litauischen Übertragungsnetze. Insbesondere Letzteres schränkt den Gesetzgeber in seinen Planungen zum regulatorischen Rahmen ein. So besteht bereits heute in Teilen eine Überkapazität der Erzeugung, welcher die Übertragungs- und Verteilungsnetze stellenweise nicht gewachsen sind.

 

 

 

 

 Abbildung 2: Durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Litauen

 

 

 

Wo liegen die Chancen für Investoren?


Die Ausschreibung der neuen Kapazitäten schafft Möglichkeiten sowohl für Erzeuger als auch für Bauunternehmen, hieran zu partizipieren. Es bieten sich dabei als Organisationsform Joint-Ventures an, die im Verbund Planung und Bau der Anlage sowie in der Folge Erzeugung und Vertrieb übernehmen.

 

Zwar scheint der Kuchen potenziell geeigneter Grundstücke bereits unter lokalen Unternehmen aufgeteilt und der Bau kleinerer Anlagen für ausländische Investoren auf den ersten Blick zu aufwendig und wenig lukrativ, doch ergibt sich hier vor allem auf den zweiten Blick eine weitere Möglichkeit für den ausländischen Investor, tätig zu werden. Aus unserer Erfahrung heraus schätzen wir, dass sich der Markt durch die Ausschreibungen der weiteren Kapazitäten für gewisse Zeit in Bewegung setzen und ein regelrechter „Run” auf diese stattfinden wird. Für ausländische Investoren bestehen vor allem im Anschluss Investitionspotenziale über den sog. Zweitmarkt.

 

Dieser entsteht dadurch, dass sich Projektentwickler staatlich garantierte Einspeisetarife für ihre Projekte sichern. Aus verschiedenen Gründen entschließt sich der Entwickler im Anschluss jedoch, sein Projekt zu veräußern. Gründe hierfür können sein:

 

  • Der Projektentwickler muss Insolvenz anmelden oder benötigt aus anderen Gründen liquide Mittel
  • Der Projektentwickler kann den Bau oder Betrieb des Projektes nicht fortsetzen
  • Das Projekt war von Beginn an zur Veräußerung am Zweitmarkt bestimmt

 

 Abbildung 3: Durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Litauen

 

 

Durch den Erwerb mehrerer solcher Projekte am Zweitmarkt besteht so für Investoren die Möglichkeit, ihr Erzeugerportfolio zu diversifizieren und Risiken, die beispielsweise mit dem Bau der Anlage in Verbindung stehen, zu minimieren. Ein solcher Erwerb findet in der Regel über einen Share-Deal statt, bei welchem der Verkauf des Projekts mithilfe einer Anteilsübertragung auf eine Zielgesellschaft des Investors abgewickelt wird. Mit Übertragung des Projekts findet hier auch eine Übertragung des bereits garantierten Einspeisetarifs statt. Durch Erhalt des Einspeisetarifs inklusive des Erwerbs des Projektes in fortgeschrittenem oder bereits abgeschlossenem Baustadium sichert sich der Investor eine planbare Rendite über bis zu 12 Jahre bei gleichzeitig geringen Risiken.


Welche Rolle spielt die Offshore-Windenergie in Litauen?


Bisher war eine gezielte Förderung der Offshore-Windenergie in Litauen ein  heiß diskutiertes Thema, das jedoch häufig schnell wieder aus der Tagesdebatte verschwand. Dies könnte sich nun erstmals nachhaltig ändern, da auch die Frage der Offshore-Windenergie durch eine Änderung des EEG angegangen werden soll.


Potenziale sind durchaus vorhanden. Eine Küstenlänge entlang der Ostsee von 90 km und durchschnittliche Windgeschwindigkeiten zwischen 5 und 6 m/s in Küstennähe (in etwa deutsches Niveau) bieten nun offenbar ausreichend Anknüpfungspunkte für vertiefte Planungen. Ein Hauptargument der Befürworter dürfte allerdings die 2015 fertiggestellte Offshore-Netzverbindung zwischen Litauen und Schweden (NordBalt) mit einer Kapazität von 700 MW sein. So bietet NordBalt nun eine Möglichkeit Über- und Unterlasten im Netz entgegen zu wirken, die durch die fluktuierende Einspeisung der Offshore-Windkraftwerke drohen würden. Dies würde wesentlich die litauische Netzstruktur entlasten.

Geplant ist, eine feste Rechtsgrundlage zu schaffen, die erstmals konkrete Ziele, Voraussetzungen sowie Fördermechanismen für die Offshore-Windenergie in Litauen bereitstellen soll.


Die Bedeutung des Projekts kann man daran ermessen, dass das Entscheidungsrecht direkt der Regierung zufallen soll. Wie ein detaillierter regulatorischer Rahmen für die Offshore-Windenergie aussehen soll, ist derzeit allerdings noch schwer prognostizierbar. Potenzielle Investoren sollten die Thematik jedoch im Blick behalten, da hier Ausschreibungen größeren Umfangs zu erwarten sind.


Insgesamt versprechen die geplanten Änderungen neuen Aufschwung für den litauischen Erneuerbare-Energien-Sektor, was sowohl für Bauunternehmen als auch Erzeuger attraktive Chancen für Investitionen bietet. Zögern Sie daher nicht, uns zu kontaktieren, sollten Sie weitere Informationen und Updates zur Situation wünschen.

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