Abschluss der ersten Energieausschreibung in Polen

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Am vorletzten Tag des Jahres 2016 ging die erste Ausschreibung für die Nutzung von Erneuerbaren Energien online. Trotz großer Schwierigkeiten bei der Anmeldung an der Internet-Ausschreibungsplattform (poln. Abk. IPA), die dazu führte, dass
viele Interessenten ihre Angebote nicht abgeben konnten, erklärte die polnische Energiebehörde die Auktion in der Mitteilung
vom 3. Januar 2017 durch die Nennung der jeweiligen Auktionsgewinner für gültig. Viele der Gewinner können sich über eine 15-jährige Einspeisevergütung freuen, die deutlich über der Summe des bisherigen Quotensystems liegt. Die nächste Ausschreibung
soll bis Ende April 2017 stattfinden.

​Ausschreibungen in 2016

Nach mehreren Vorbereitungsjahren fanden am 30. Dezember
2016 in Polen die ersten Ausschreibungsrunden über Strom aus
erneuerbaren Energiequellen statt.

 

Eigentlich sollte die Auktion nach der von der polnischen Energieregulierungsbehörde Ende November 2016 veröffentlichten
Ordnung über die Durchführung der Energieausschreibungen
von 6 Uhr morgens bis 17 Uhr dauern (mehr dazu später). Die
Interessenten konnten ihre Angebote nur über ein Internet-
Auktionsportal (IPA) abgeben, jeweils nur ein Angebot pro teilnehmende
Anlage. Die Anmeldung bei dem Internet-Auktionsportal war ab 12. Dezember möglich. Die Teilnehmer konnten darin vorab Konten anlegen und ihre Anlagen registrieren lassen, für die sie Angebote abgeben wollten.

 

Am 30. Dezember gab es insgesamt vier Arten von Ausschreibungen:

  1. für bestehende landwirtschaftliche Biogasanlagen mit installierter Leistung bis 1 MW (max. Ankaufsmenge: 2.113.887
    MWh, max. Wert: 1.262.797.422 PLN);
  2. für bestehende landwirtschaftliche Biogasanlagen mit installierter
    Leistung über 1 MW (max. Ankaufsmenge: 2.309.382
    MWh, max. Wert: 1.365.351.905 PLN);
  3. für neue Anlagen – sog. sonstige Anlagen – mit installierter
    Leistung bis 1 MW (insbesondere: Photovoltaik, Windenergie,
    einige Wasserkraftwerke) (max. Ankaufsmenge:
    2.113.887 MWh, max. Wert: 1.262.797.422 PLN);
  4. für bestehende Anlagen mit installierter Leistung bis 1 MW,
    die das Kriterium des Nutzungsgrades in Bezug auf die installierte
    Leistung von mehr als 3.504 MWh/MW/Jahr erfüllten,
    und mit Emission unter 100 kg/MWh (max. Ankaufsmenge:
    1.306.870 MWh, max. Wert: 538.297.239 PLN). Diese Ausschreibung
    war insbesondere für Kleinwasserkraftwerke bestimmt,
    um dem Betreiber die Migration vom System der grünen
    Zertifikate zum Auktionssystem ermöglichen zu können.

Neben einer Reihe von formellen Voraussetzungen im Rahmen
des Vorklassifizierungsverfahrens musste sich das in der Ausschreibung
angebotene Projekt insbesondere in einem baureifen Stadium befinden und eine Netzanschlusszusage haben. Bei der Unterbreitung des Preisangebots über Strom hatten die Investoren den maximalen Preis für die jeweilige Technologie zu berücksichtigen – den sogenannten Referenzpreis, den das Energieministerium festgelegt hatte und dessen Überschreitung den Ausschluss aus der Ausschreibung zur Folge hatte.

 

Die Referenzpreise für ausgewählte Anlagearten sahen wie
folgt aus:

  1. Biogasanlagen (unabhängig von der Größe der Anlage) –
    550 PLN/MWh ≈ 12,79 Eurocent/kWh
  2. Windkraftanlagen (onshore, bis 1 MWp) – 300 PLN/MWh ≈
    6,97 Eurocent/kWh
  3. Wasserkraftwerke (bis 1 MWp) – 470 PLN/MWh ≈ 11,16 Eurocent/kWh
  4. PV-Anlagen (bis 1 MWp) – 465 PLN/MWh ≈ 10,81 Eurocent/kWh

Ergebnisse der einzelnen Ausschreibungsrunden

Die zwei Ausschreibungsrunden für bestehende Biogasanlagen
erfreuten sich trotz der hohen Referenzpreise nicht allzugroßer
Beliebtheit. In der Auktion für kleinere Biogasanlagen gab es nur
sieben gültige Angebote, und zwar von den Betreibern aus einer
Kapitalgruppe (PBG). Alle Angebote, die auch quotal dicht nebeneinanderlagen (das niedrigste Angebot lag bei 502,23 PLN/
MWh, das höchste bei 504,57 PLN/MWh), erhielten den Zuschlag.
Enttäuschend sehen die Ergebnisse der Ausschreibung für Biogasanlagen mit einer Nennleistung über 1 MWp aus: Es
wurde nur ein einziges Angebot abgegeben. Da die Vorschriften
die Abgabe von mindestens drei gültigen Angeboten verlangten,
war die Auktion schließlich ungültig. Auch der einzige Bieter geht
somit leer aus.

 

Kurios sehen die Ergebnisse der vierten Ausschreibungsrunde
(für bestehende Anlagen mit installierter Leistung bis 1 MW, die
das Kriterium des Nutzungsgrades in Bezug auf die installierte
Leistung von mehr als 3.504 MWh/MW/Jahr mit einer Emission
unter 100 kg/MWh erfüllten) aus. Alle 49 gültigen Angebote
erhielten den Zuschlag. Einem der Bietenden unterlief jedoch
ein schwerwiegender Fehler: Er gab ein unrealistisch niedriges
Angebot ab, nämlich 30 PLN/MWh ≈ 0,7 Eurocent/kWh – vermutlich
ein Tippfehler.

 

Wie erwartet erfreute sich die einzige Ausschreibungsrunde
für Neuanlagen größter Beliebtheit. Die Anzahl der Auktionsgewinner
machte diese Ausschreibungsrunde zu einer reinen PV-Auktionsrunde: insgesamt 152 wirksam abgegebene Angebote. Mehr als die Hälfte davon (84 Angebote, 62 Bieter) erhielt den Zuschlag. Hier konnte man wirklich von einem Konkurrenzkampf sprechen. Dabei konnten gerade in dieser Auktion viele Interessenten ihre Angebote nicht abgeben. Ab
10 Uhr war die Auktionsinternetplattform, möglicherweise durch Überlastung, nicht erreichbar. Die enttäuschten Bietenden forderten die Wiederholung der Ausschreibungsrunde. Die Energiebehörde entschied sich aber dazu, diese Runde für gültig zu erklären. Im Grunde hatte die URE keine andere Wahl, es gab mehr als drei abgegebene Gebote und für 2016 keine Zeit mehr, die Auktion zu wiederholen. Somit bleibt den leer ausgegangenen Bietern nur die Hoffnung auf eine reibungslos
funktionierende IPA in 2017 und für einige Entschlossene eventuell
auch ein Anspruch auf Schadensersatz gegenüber dem Staat, wobei die Erfolgsaussichten schwer abzuschätzen sind.

 

Der höchste Energiekaufpreis lag bei 408,8 PLN/MWh ≈ 9,5
Eurocent/kWh, der niedrigste bei 253,5 PLN/MWh, also ca. 5,8
Eurocent/kWh. Die Gewinner haben jetzt 24 Monate Zeit, ihre Projekte zu realisieren. Aufgrund der fallenden Preise der Module und mit zwar vergleichbarer Sonneneinstrahlung wie in Deutschland jedoch wesentlich niedrigeren Kosten für Pacht oder Erwerb von Grundstücken, sind die erzielten Preise recht attraktiv.

 

Ausschreibungsrunden in 2017

Die Regierung bereitet sich auch auf eine Ausschreibung in 2017 vor. Die Ausschreibungen in 2016 ähnelten vom Volumen her eher Testauktionen, 2017 sollen die Auktionen deutlich umfangreicher ablaufen. Zum ersten Mal soll die Mitverbrennung zugelassen sein, aber auch für volatile Anlagen steht eine größere Energiemenge zum Ankauf. Laut dem Entwurf der Verordnung für die Ausschreibungen in 2017 handelt es sich hierbei um eine Energiemenge in Höhe von 4.725.000 MWh. Dies bedeutet, dass durch diese Ausschreibung ungefähr 300
MW an Leistung in PV entstehen könnten (4.725.000 MWh/
Wirkungsgrad – 1.050 MWh p. a./15 Jahre).

 

 

 

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