Baustelle oder Verkehrswende?

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Die Verkehrswende ist noch nicht in Fahrt gekommen. Jedoch mehren sich die Zeichen für künftige Veränderungen. Die öffentliche Ladeinfrastruktur wird durch Förderprogramme zeitnah ausgebaut und die Hersteller haben für die kommenden drei Jahre eine Vielzahl neuer Fahrzeugmodelle angekündigt. Die Branche der Erneuerbaren dürfte insbesondere davon profitieren, dass die Förderung der Ladesäulen an die Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien gekoppelt ist.

​Auch 2016 blieb der Durchbruch der elektrischen Mobilität aus. Von der oft zitierten Verkehrswende kann zumindest in Deutschland noch nicht gesprochen werden. Es scheint, als lasse die Initialzündung noch auf sich warten. Elektroautos werden kaum beworben und attraktive Sonderangebote sind rar. Kaum verwunderlich erscheinen diesbezüglich die ernüchternden Statistiken der deutschlandweiten Neuzulassungen
von Elektroautos.


Im Zeitraum zwischen Januar und November 2016 fielen nur 0,7 Prozent (ca. 12.000) aller Neuzulassungen auf elektrisch angetriebene Autos. Damit liegt Deutschland auch weiterhin unter dem europäischen Schnitt.

 

Auch die Kaufprämie für E-Fahrzeuge verfehlte bisher ihre Wirkung: Bis Ende Januar 2017 wurden insgesamt nur 10.835 Zuschüsse beantragt.


Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen. Die Erreichung dieses Ziels ist jedoch aus heutiger Perspektive kaum zu erreichen. Ein Grund für die hinter den Erwartungen liegenden Zulassungszahlen ist die fehlende Ladeinfrastruktur. Um den Ausbau einer flächendeckenden
Ladeinfrastruktur voranzutreiben, hat das Bundesverkehrsministerium
(BMVI) ein Förderprogramm mit einem Volumen von ca. 300 Millionen Euro verabschiedet. Geplant ist dabei mit 200 Millionen Euro den Aufbau von 5.000 Schnellladesäulen (>22 kW) und mit 100 Millionen die Errichtung von ca. 10.000 Normalladesäulen (3,7 kW bis 22 kW) zu fördern. Die Anträge werden von der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistung (BAV) per Onlineverfahren entgegengenommen. Private Investoren, Städte und Gemeinden konnten sich im ersten Förderaufruf seit dem 1. März 2017 um die Förderung für Ladestrukturaufbau für E-Fahrzeuge bewerben. Der Bewerbungszeitraum endete am 28. April 2017 um 12 Uhr. Die Vergabe erfolgte hierbei nach dem „Windhundprinzip”. Dadurch waren Interessenten aufgerufen, sich möglichst frühzeitig auf die begrenzten Fördermittel in Höhe von 5 Millionen Euro zu bewerben. Der Andrang war hierbei so groß, dass bereits innerhalb der ersten beiden Wochen
die Antragssummen das geplante Volumen überschritten hatten. Neben diversen technischen Voraussetzungen und der 24/7-Zugänglichkeit ist eine der wesentlichen Anforderungen für die Fördermittelgewährung, dass der Strom aus Erneuerbaren Energien mit Herkunftsnachweis-Zertifikaten oder aus vor Ort erzeugten regenerativen Quellen stammt. Nur durch diese Voraussetzung lassen sich die Emissionen im Verkehrssektor mit E-Autos senken.


Weitere Förderrunden werden vom BAV noch bekanntgegeben. Jedoch wurden noch keine konkreten Zeiträume festgelegt. Die Höhe der Gelder, die in den nächsten Ausschreibeverfahren bereitgestellt werden, ist ebenfalls noch nicht genannt worden. Das BMVI möchte zunächst die Erfahrungen aus dem ersten Fördermittelaufruf auswerten und die späteren Aufrufe dementsprechend anpassen. Ein weiterer Einflussfaktor auf die Details der nächsten Fördermittelaufrufe könnte auch der Ausgang der bevorstehenden Bundestagswahl sein.


Aktuell gibt es in Deutschland rund 6.000 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Ziel von Bundesverkehrsminister Alexander
Dobrindt ist es, mit den weiteren 15.000 Ladestationen der E-Mobilität einen erneuten Schub zu verleihen. Laut den Plänen der Nationalen Plattform Elektromobilität sollten, um das Eine-Million-Ziel zu erreichen, 2020 jedoch 7.100 öffentlich zugängliche Schnellladesäulen und 70.000 Normalladepunkte installiert sein.


Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Nachfrage von
Elektrofahrzeugen mit der Verfügbarkeit eines flächendeckenden
Angebots an Lademöglichkeiten einhergeht. Die Anschubfinanzierung
für das Errichten von neuen Ladesäulen hat auch eine gewisse Signalwirkung in Bezug auf die Wahrnehmung der Elektromobilität. Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist ein elementares Mittel, um der Reichweitenangst potenzieller Käufer entgegenzuwirken.


Eine weitere Grundvoraussetzung für den Markterfolg der Elektromobilität ist eine möglichst einfache Handhabung der Ladevorgänge sowie eine technische Standardisierung.

 

Die EU-Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID) formuliert hierfür wichtige Grundlagen. Insbesondere sollen die Bezahlung sowie die Authentifizierung vereinheitlicht werden. Der Ladesäulenbetreiber muss, es sei denn er bietet kostenfreie Ladevorgänge an, mindestens eine der drei Bezahloptionen Bargeld, EC-/Kreditkarte oder webbasierte Zahlung per Smartphone zur Verfügung stellen. Bei der onlinebasierten Zahlungsform kann der Nutzer beispielsweise das Geld per App transferieren oder über einen QR-Code an Systeme wie Paypal weitergleitet werden.


Fazit

Die Entwicklung der Verkehrswende bleibt aktuell hinter den
Erwartungen zurück. Insbesondere durch die Förderung der Ladeinfrastruktur sind jedoch positive Tendenzen zu erkennen. Sollte
die Verkehrswende mittelfristig ihre volle Wirkung entfalten, kann auch ein positiver Effekt für die Branche der Erneuerbaren erwartet werden. Eine aktuelle Gemeinschaftsstudie des Freiburger Öko-Instituts und der belgischen Organisation Transport and Mobility Leuven im Auftrag der Europäischen Umweltagentur EEA zeigt, dass wenn E-Autos im Jahr 2050 überwiegend mit EE-Strom geladen werden, eine Reduktion der Emissionen von 84 Prozent vollzogen werden könnte.


Um diesen Wert zu erreichen, wäre eine zusätzliche Kapazität aus Erneuerbaren Energien in Höhe von 150 GW erforderlich.

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Benjamin Hufnagel

Wirtschaftsingenieur (B.Eng.), M.A. Europäische Energiewirtschaft

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