Entwicklung der globalen Onshore-Windmärkte unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Marktes und der deutschen Hersteller

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Der globale Windmarkt wächst weiter zusammen. Hersteller müssen in immer mehr Ländern auf immer breiterer Front um Marktanteile konkurrieren. Auch deutsche Hersteller bekommen diesen Trend zu spüren. Kooperationen und Fusionen sind die aktuellen Markttrends, weitere Konsolidierungsmaßnahmen stehen in den Startlöchern. Wind kommt aus allen Richtungen, es bleibt spannend, wie gerade die deutschen Hersteller mit diesen Markttendenzen umgehen.

​Die Windenergie ist der Öko-Nische schon längst entwachsen. Die globalen Wachstumsprognosen für die nächste Dekade sind solide, der Bau neuer Windenergieanlagen auf hoher See könnte sogar um 20 Prozent jährlich zulegen. Im direkten Vergleich zur Windenergie auf hoher See ist die Windenergie an Land heute deutlich günstiger sowie technisch ausgereifter. Deutsche Anlagenhersteller nehmen eine gewichtige Rolle auf dem Weltmarkt ein, müssen sich aber weiterhin aufgrund des perspektivisch rückläufigen deutschen Marktes noch stärker global positionieren.

 

Weltmarkt

Abbildung 1 – Weltweit installierte Windkraftleistung
(Quelle: Global Wind Energy Council 2016)

 

Weltweit ist China mit Abstand der Spitzenreiter mit 168,7 GW installierter Leistung (Stand 2016). Knapp halb so viel können die auf Platz 2 liegenden USA mit 82,2 GW vorweisen, gefolgt von Deutschland mit rund 50 GW sowie Indien und Spanien mit 28,7 bzw. 23,1 GW installierter Leistung. Länder wie Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Brasilien können mit 10 bis 15 GW aufwarten.

 

Lage in Deutschland

Der deutsche Markt ist auch 2016 kräftig gewachsen. Neu hinzugebaut
wurden im abgelaufenen Jahr 1.624 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 4.625 MW, was einem Gesamtleistungsanstieg von rund 10 Prozent entspricht. Darin enthalten sind bereits 238 Neuanlagen mit einer Leistung von 697 MW, die repowered wurden. Dies entspricht gegenüber dem Jahr 2015 einer Leistungssteigerung im Bereich des Repowering um 40 Prozent.

 

Knapp die Hälfte der neu installierten WEA wurde dabei in den nordöstlichen Bundesländern (Niedersachsen, Schleswig-Holstein
und Nordrhein-Westfalen) gebaut. In den südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden- Württemberg liegt der Anteil bei jeweils rund 7,5 Prozent, die restlichen gut 35 Prozent verteilen sich auf das verbleibende Bundesgebiet. Perspektivisch wird dieser Anteil besonders in Bayern eher weiter zurückgehen bzw. annähernd zum Erliegen kommen.


Inklusive der Bereinigung des Anlagenrückbaus beläuft sich bei einer Anzahl von 27.270 installierten WEA die Windanlagenleistung auf 45.911 MW Ende 2016. Künftig wird der Ausbau durch die Umstellung auf das Ausschreibungsmodell staatlich gesteuert. So werden pro Jahr nur noch knapp unter 3.000 MW jährlicher Leistungszubau ermöglicht. Das Potenzial der neu zu installierenden Onshore-Windenergie nach EEG 2017 bis 2025 ist somit bei rund 26 GW gedeckelt, was jedoch bereits zu ca. 75 Prozent durch Repoweringmaßnahmen erbracht werden könnte. Losgelöst von dieser Deckelung sind zusätzliche 2.053 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 6.128 MW, die bis zum Stichdatum des 31. Dezember 2016 genehmigt wurden und daher außerhalb des Ausschreibungsrahmens bis Ende 2018 errichtet werden können.


Zum Vergleich: Im Offshore-Bereich wird mit einer neu installierten
Leistung von knapp 11 GW bis 2025 gerechnet.

 

Globale Marktsituation, Herstellerentwicklung und Prognose

Abbildung 2 Weltweit neuinstallierte Onshore-Windkraftanlagen 2016
(Quelle: Bloomberg New Energy Finance 2016)

 

Hinsichtlich des Zubaus bei neuinstallierten Windraftanlagen zeigt sich, wer „die Zeichen des sich drehenden Windes“ frühzeitig erkannt und sich bereits auf die neu entstehenden Marktbedingungen eingestellt hat. Ein breites Portfolio an Turbinentypen allein ist nicht mehr ausreichend, um im internationalen Windmarkt zu bestehen. Mehr denn je ist die aktive Erschließung neuer globaler Märkte sowie die Erweiterung des
Leistungsportfolios entscheidend, um eine große Bandbreite an Projekten zu generieren.


Diesen Trend hat Vestas frühzeitig erkannt und erfolgreich
umgesetzt. Durch eine weitere Vergrößerung des Marktes auf mittlerweile 35 Länder im Jahr 2016, konnte Vestas nach kurzzeitigem
Verlust des Spitzenplatzes seinen Führungsanspruch mit 8,7 GW wieder untermauern. Mit dieser Strategie sowie dem Kauf der Energiesparten des französischen Alstom-Konzerns im Jahr 2015 konnte sich der amerikanische Turbinenhersteller GE mit Windkraftanlagen in 21 Ländern weltweit den zweiten Platz vor Goldwind mit 6,5 GW zu 6,4 GW sichern.

 

Abwärts geht es für die chinesischen Hersteller, die sich bisher
primär auf den Heimatmarkt fokussierten und damit wenig nennenswerte Erfolge auf dem Weltmarkt verzeichnen konnten. Grund hierfür sind die durch die chinesische Regierung um ein Drittel reduzierten genehmigten Neuerrichtungen, resultierend aus eher instabilen Netzkapazitäten, die für die breite Masse der volatil
erzeugenden Erneuerbaren Energien nicht ausgelegt sind. Die über die letzten Jahre im Zuwachs dominierende Goldwind verliert hierdurch gleich zwei Plätze im Ranking und fällt auf Platz 3 zurück. Gleiches gilt für die Mitbewerber Guodian, Ming Yang sowie Envision, die nun alle verstärkt international expandieren wollen. Dabei zählen in Deutschland
Windkrafthersteller wie Nordex und Senvion zu den Premiumzielen chinesischer Firmenjäger. Diese sehen ihre Chance der Ausweitung im globalen Markt in der Flucht nach vorne und initiieren verstärkt Joint Ventures. Doch auch die großen Player im Markt verfolgen diese Trends,
durch Siemens Übernahme von Gamesa wird ein weiteres
Schwergewicht zukünftig mit Vestas um die Weltmarktspitze kämpfen. Ein ähnliches Ziel verfolgt die Fusion von Nordex mit Acciona, jedoch
in kleinerem Maßstab.


Was bedeutet dies für die deutschen Hersteller?

Für die größten deutschen mittelständischen Windkrafthersteller wie Enercon, Senvion und Nordex gilt es angesichts des, im Vergleich zum deutschen Markt immer stärker wachsenden internationalen Marktes, sich durch Weiterentwicklung der Windturbinen, Schaffung neuer internationaler Absatzmärkte sowie Senkung der Entwicklungs- und Produktionskosten durch breitere Portfolios an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

 

Auch werden Kooperationen immer entscheidender: Siemens und Nordex sind in dieser Hinsicht schon sehr aktiv, wobei letztere bereits 60 Prozent ihres Jahresumsatzes außerhalb von Deutschland erwirtschaftet (2015). Auch die anderen deutschen Hersteller sind nicht untätig: Enercon und EWE bündeln ihre Kräfte als
Windkrafthersteller und Energieversorgungsunternehmen, um
neue Geschäftsideen in den Bereichen Erneuerbare Energien und
Smart Grids auszuarbeiten. Sie teilen die Vision von weitgehend
auf Erneuerbare Energien basierenden dezentralen Energiesystemen.
Senvions CEO Jürgen Geißinger (ehemals Vorstandsvorsitzender beim Automobilzulieferer Schaeffler) setzt wiederum auf bekannte Konzepte aus der Autoindustrie. Dabei werden die Gehäuse von Anlagen so konzipiert, dass diese zerteilt und in Containern ausgeliefert werden können. Somit entfallen erhöhte Kosten durch den Sondertransport. Eine weitere Methode aus der Autoindustrie ist es, die Kernkomponenten wie Getriebe von Zulieferern mit entwickelten Systemen anzufordern. Um schnell am ausländischen Markt zu sein, werden Produktionsstätten kleiner Windhersteller im Ausland übernommen und deren Rotorblätter im Land gefertigt. Senvion möchte mit dieser Strategie seine internationale Stellung durch den anteiligen Erwerb von Kenersys Produktionseinrichtungen in Baramati, Indien, wieder festigen.


Fazit:

Deutsche Hersteller werden in Zukunft deutlich stärkeren Druck aus dem Ausland, auch im deutschen Markt durch ausländische Akteure, zu spüren bekommen. Jedoch bietet dieser Wandel auch eine große Chance für die deutschen Windkrafthersteller, im Ausland Fuß zu fassen. Der Markt wird generell umkämpfter und Fusionen sowie Kooperationen werden ihn auf wenige verbleibende Player kondensieren lassen. Für die Windparkbetreiber und -projektierer wird dies zumindest kurzfristig eher
geringere Anlagenpreise bedeuten, da die Hersteller zueinander in stärkerem Wettbewerb um Projekte stehen. Auch üben Vergütungsreduktionen sowie erhöhte Projektierungskosten aufgrund
von Naturschutz- und anderen Belangen in vielen Ländern einen
immer höheren Preisdruck auf die Hersteller aus, wenn immer aufwendigere Windprojekte wirtschaftlich umgesetzt werden sollen.
Ob eine weitere Oligopolisierung jedoch mittel- und vor allen Dingen langfristig zu sinkenden Preisen führt, ist zweifelhaft.


Es bleibt spannend, wie die deutschen Hersteller ihre Positionen
im Weltmarkt weiter behaupten werden und welche Übernahmen
und Fusionen nun als nächstes in Haus stehen.

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Kai Imolauer

Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH)

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