Spanien: Systemneutrale Versteigerung von 2.000 MW EE-Produktionsleistung mit Anspruch auf Förderung am 17. Mai 2017

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Am 12. April sind im spanischen Gesetzesblatt BOE die entsprechenden Verordnungen (Resoluciones) veröffentlicht worden. Windkraft, PV und restliche Technologien sollen dabei gleich behandelt werden.

​Die lang erwarteten Verordnungen zur Regelung der Teilnahmebedingungen an der Versteigerung sind am 12. April im
Gesetzesblatt BOE veröffentlich worden, nachdem bereits seit Oktober 2016 die Gerüchte über diese Versteigerung durch die spanischen Medien gingen. Grund für die Versteigerungen sind die durch die EU vorgegebenen Ziele zum Ausbau der Erneuerbaren Energien zum Jahre 2020 in den Mitgliedsstaaten.

 

Versteigert werden Rechte auf die Zuweisung einer spezifischen Vergütung für mindestens 2.000 MW, wobei die Verordnungen vorsehen, dass die Leistung auch noch durch eine ministeriale Verordnung erhöht werden kann.


Die Teilnehmer an der Versteigerung müssen als einzige Qualifikation
zur Teilnahme eine Bankgarantie von 60 Euro/kW stellen. Die
Qualifikationsunterlagen müssen vor dem 11. Mai 2017 bei der OMI-Polo Español, S.A (OMIE) eingereicht werden. Nach erfolgter
Qualifikation erhalten die zugelassenen Teilnehmer weitere Informationen über den technischen Ablauf der Versteigerung und
die Zugangsdaten zu der elektronischen Versteigerungsplattform.

Die Mindestleistung eines Gebotes beträgt 100 kW , wobei jedes Gebot auch noch in verschiedene Tranchen unterteilt werden kann. Die maximale Größe einer nicht teilbaren Tranche beträgt 200.000 kW und die Mindestgröße 1 kW.


Zuschlagskriterium ist die prozentuale Reduzierung einer fiktiven
Anfangsinvestition, die der Teilnehmer für jede Tranche seines Gebotes angeben muss. Die von dem Ministerium vorgegebene fiktive maximale Investition beläuft sich bei Wind und PV auf 1.200.000 Euro/MW und für die restlichen Technologien auf 2.000.000 Euro/MW. Diese Investition soll sich nach den Vorgaben des RD 413/2012 innerhalb der Laufzeit von 25 Jahren mit einer „vernünftigen Rendite” verzinsen. Die „vernünftige Rendite” beträgt 300 Basispunkte über den 10 Jahresbonds
des spanischen Staates zum Zeitpunkt 2013, bis zur möglichen Revision Ende 2019 sind dies 7,5 Prozent.


Nach den Vorgaben des Ministeriums beträgt die jährliche spezifische
Vergütung bei einer Inbetriebnahme im Jahr 2019 und einer Null-Prozent-Reduzierung 36.908 Euro/MW bei PV und 45.056 Euro/MW bei Windenergie unter der Annahme, dass eine PV Anlage 2.367 Produktionsstunden im Jahr Energie produziert und eine Windanlage 3.000 Stunden im Jahr. Falls diese Werte nicht erreicht werden, sinkt die spezifische Vergütung anteilig.


Praktisch bedeutet dies, dass z.B. bei einer 20-prozentigen Reduzierung
der Investition die spezifische Vergütung 13.750,80 Euro/Jahr/MW für eine PV Anlage betragen würde. Bei einer 25-prozentigen Reduzierung beträgt die Vergütung noch 7.961,50 Euro und bei einer 30-prozentigen nur noch 2.172,20 Euro/Jahr/MW.

 

Die EE-Anlagen erhalten die spezifische Vergütung neben den Verkaufserlösen der erzeugten Energie auf dem spanischen Energiemarkt. Bei der Berechnung der spezifischen Vergütung zur Erreichung der „vernünftigen Rendite” wurden „floor” und
„cap” Marktpreise zu Grunde gelegt, die bei unter-, bzw. überschreiten
Auswirkungen auf die spezifische Vergütung haben.


Die Teilnehmer werden ihre Gebote am 17. Mai 2017 zwischen
9 Uhr und 11 Uhr elektronisch bei der OMEL abgegeben und diese wird den Teilnehmern dann innerhalb von 24 Stunden die Ergebnisse der Versteigerung den Teilnehmern mitteilen. Zuschlag erhalten diejenigen Anlagen, welche die höchste prozentuale Senkung der Investitionskosten anbieten und damit im Stromsystem die geringsten spezifischen Zusatzkosten erzeugen.


Zur Errechnung der spezifischen Zusatzkosten wird die spezifische
Vergütung durch die maximalen Produktionsstunden geteilt. Das heißt, dass bei einer identischen prozentualen Reduzierung der Investitionskosten eine Windanlage gegenüber einer PV-Anlage
geringere spezifische Zusatzkosten für das Stromsystem bedeutet,
da eine Windanlage 3.000 Produktionsstunden gegenüber 2.367 einer PV-Anlage haben soll. Zuschlag bekäme in diesem Fall die Windanlage.


Die Versteigerung ist als eine Grenzwertversteigerung konzipiert,
so dass vereinfacht gesagt, das letzte Gebot, welches einen Zuschlag erhält, die spezifische Vergütung für alle anderen erfolgreichen Gebote bestimmt.


Nach Veröffentlichung der Ergebnisse im BOE haben die erfolgreichen
Teilnehmer 6 Monate Zeit, die zugeschlagene Leistung konkreten Projekten zuzuweisen. Den zur Eintragung notwendigen Bankaval von wiederrum 60 kW musste aber bereits 45 Tage nach erfolgtem Zuschlag hinterlegt werden. Diese Bankgarantie wird über die Laufzeit der Planung und Bauphase bis zur Inbetriebnahme spätestens am 31. Dezember 2019 nach Projektschritten freigegeben.


Die Regelung wird von den Verbänden wegen der Komplexität
aber auch wegen der fehlenden Investitionssicherheit kritisiert.
Da alle 6 Jahre (das erste Mal zum 1. Januar 2020) die „vernünftige
Rendite” und alle weiteren Parameter vom Ministerium angepasst werden können, soll es nach Ansicht der Verbände keine Planungssicherheit geben. Es bleibt abzuwarten, ob die Versteigerung trotz der komplizierten Regelungen und der hohen finanziellen Garantien ein Erfolg wird und zum 1. Januar 2020 entsprechend 2.000 MW EE Leistung in Spanien geschaffen wurden.

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