Indiens Ambitionen zum Ausbau Erneuerbarer Energien – ein Zwischenbericht

PrintMailRate-it

​Schnell gelesen:

Aufgrund des seit Jahren stabilen Wachstums im Land hat sich Indien zu einem der großen Wachstumstreiber in der Weltwirtschaft entwickelt. Alleine im Haushaltsjahr 2016/2017 verzeichnete Indien ein Wirtschaftswachstum von 7,1 Prozent.

von Michael Wekezer und Sabrina Burkert

 

Das Wirtschaftswachstum, die damit einhergehenden neuen Technologien und eine Bevölkerungsdichte, die bereits bei über 1,3 Milliarden liegt, steigern jedoch auch den Energiebedarf in der größten Demokratie der Welt. Nach wie vor stellt Kohlekraft den Hauptbestandteil der installierten Leistung dar. Dabei ist die fossile Energieerzeugung nicht selten teurer, weil Mehrverbraucher
in Indien aufgrund einer dort bestehenden Quersubvention höhere Strompreise zahlen müssen. Zum Vergleich: Der Strompreis für Solarenergie mit INR 2,44/kWh ist in diesem Jahr zum ersten Mal niedriger als der für Kohlekraft. Außerdem ist eine flächendeckende Stromversorgung im Land nicht immer gegeben. Um in Zukunft mehr Energie und gleichzeitig ein breiteres Energieangebot zu produzieren und die steigenden Umweltbelastungen durch fossile Energieträger zu reduzieren, setzt Indien zunehmend auf Erneuerbare Energien. Dabei hat sich Indien im Rahmen des Pariser Klimaabkommens dazu verpflichtet, bis 2030 40 Prozent seiner Energiekapazität aus nicht-fossilen Energieressourcen zu gewinnen. Mit den ambitionierten Plänen der indischen Regierung zum Ausbau Erneuerbarer Energien sind erste Anzeichen für eine Trendwende in der Energieversorgung zu erkennen: Der im Dezember 2016 veröffentlichte „National Electricity Plan” kündigte an, dass das gesetzte INDC-Ziel (Intended Nationally Determined Contribution) übertroffen wird und die nicht-fossilen Kapazitäten in 2026 bis 27 sogar ca. 56,5 Prozent erreichen werden. Bis zum Jahr 2022 sollen außerdem 175 GW aus Anlagen für Erneuerbare
in das Stromnetz eingespeist werden (Solaranlagen: 100 GW, Windenergie: 60 GW, Biogas und Biomasse 15 GW, Kleinwasserkraftanlagen 5 GW). Mit der Umsetzung dieses Vorhabens
würde Indien einer der größten Green-Energy-Produzenten der Welt werden und im Bereich der Erneuerbaren einige Industrieländer überholen.

 

Doch wie will das Land dieses ambitionierte Ziel erreichen? Mit einem Marktanteil von aktuell ca. 17 Prozent spielen EE noch immer nicht die erhoffte Rolle auf dem Subkontinent. Ein Hauptansatz der indischen Regierung zur Änderung dieser Situation ist es, mithilfe ausländischer Investoren, technisch fortschrittliche Kohlekraftwerke zu bauen bzw. sogenannte überkritische Reaktoren einzusetzen, die einen höheren Wirkungsgrad (momentan 31 Prozent) aufweisen und auch weniger Kohlendioxid, Staub sowie andere Schadstoffe in die Atmosphäre ausstoßen.

 

Trotz der langjährigen politischen Debatten um den Bau von großen
Staudämmen, verfügt auch Wasserkraft über beachtliches Potenzial, insbesondere im Bereich der Kleinwasserkraftwerke. Indien möchte die zurzeit installierte Leistung von 35 GW auf 150 GW bis 2030 ausbauen und erhält dafür sowohl technische als auch finanzielle Unterstützung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Vor allem im Himalaya und im Nordosten des Landes verfügt Indien über bislang ungenutzte Wasserläufe, die sich gut für die Produktion von Strom aus Wasserkraft eignen.

 

Die Windkraft konzentriert sich vornehmlich auf die südlichen Bundesstaaten Tamil Nadu und Andhra Pradesh. Der Ausbau von Windkraft hat teilweise seine Grenzen erreicht, da die Zuweisung von Land in den letzten Jahren in dem dicht bevölkerten Land mit seinen komplizierten Pacht- und Landrechten Unternehmern Schwierigkeiten bereitet hat. Alternativ prüft jedoch die indische Regierung Möglichkeiten für Offshore-Windkraftanlagen. Die erste Offshore-Windkraftanlage mit einer Kapazität von 500 MW soll bis 2019 im Bundesstaat Gujarat fertiggestellt werden. Weitere sind in Planung. Mit der Firma Suzlon verfügt das Land zudem über den im internationalen Vergleich drittgrößten Windturbinenhersteller, der derzeit in Gujarat einen der weltweit größten Windparks mit einer Kapazität von 1 GW errichtet.

 

Solarenergie aus Solarthermiekraftwerken wird vor allem in den westlichen Bundesstaaten Rajasthan und Gujarat produziert. Photovoltaik (PV)-Anlagen sind landesweit installiert. Im Bereich Solarkraft existieren überdies weitere Projekte: Die Vereinten Nationen
(UN) arbeiten eng mit indischen Eisenbahngesellschaften zusammen. Das Entwicklungsprogramm der UN (UNDP) besteht dabei in dem ambitionierten Ziel, bis 2025 5 GW Solarstromerzeugung durch die Installation von Solaranlagen auf Zügen zu erreichen. Dies soll in 3 Phasen durch Dach- und Bodensolarinstallationen realisiert werden (Phase 1: Gujarat und Rajasthan, Phase 2 und 3: die restlichen Bundesstaaten). Dadurch soll die Kapazität der Solarenergieerzeugung im Vergleich zum ursprünglichen Ziel von 1 GW um das Fünffache erhöht werden. Bis 2032 sollen außerdem Elektroautos, die mit Strom aus Erneuerbaren Energien gespeist werden, die diesel- und benzinbetriebenen Kraftfahrzeuge in Indien ersetzen.

 

Für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, positive Impulse zu schaffen. Die negativen Auswirkungen von Kohlenutzung auf die Gesundheit der Bevölkerung und damit verbundene Kosten sind ein wichtiger Faktor, der auch im indischen Kontext an Bedeutung gewinnt. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss dies in den kommenden Jahren auf Indiens Kohlepolitik haben wird. Die Ambitionen für den Ausbau der EE zeigen aber, dass Indien das enorme Potenzial dieser Energiequellen für eine nachhaltige Energieversorgung erkannt hat. Der starke Wille Indiens, international
eine Führungsrolle im Bereich der Herstellung und Nutzung der Erneuerbaren zu übernehmen, zeigt sich immer wieder in Stellungnahmen der indischen Regierung – bspw. im Rahmen der deutsch-indischen Regierungskonsultationen Ende Mai in Berlin, bei denen die Bundesregierung Indien Investitionen in Höhe von 1 Milliarde Euro jährlich, unter anderem für EE, zugesichert hat – und zuletzt auch in der Gründung der internationalen Solar Allianz (ISA). Auch leisten bi- und multilaterale Initiativen einen wichtigen Beitrag, durch Technologieentwicklung und -transfer die Kosten für EE weiter zu senken, und damit eine Trendwende in der Energieversorgung zu beschleunigen. Dennoch steht die indische Regierung vor enormen Herausforderungen: Bis jetzt ist sie nicht imstande, die inländische Solarmodulherstellung ausreichend zu unterstützen. Im Geschäftsjahr 2016/17 wurden ca. 5,7 GW oder 89 Prozent der Solarmodule importiert. Diese Importabhängigkeit in einem wachsenden und strategisch wichtigen Marktsektor wie dem der Solarkraft, kann wiederum übereilte politische Fehlentscheidungen der Regierung provozieren, sofern weiterhin kurzfristig angelegte Förderungsmaßnahmen unterstützt werden, anstatt über langfristige Auswirkungen auf den Sektor nachzudenken und einen dementsprechenden Plan für die inländische Produktion zu entwickeln.

 Aus dem Newsletter

Kontakt

Contact Person Picture

Tillmann Ruppert

Rechtsanwalt

Partner

+49 911 9193 3125
+49 911 9193 9125

Anfrage senden

Profil

 7. Branchentreffen für Erneuerbare Energien

 Online Plattform für EE-Projekte

Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Deutschland Weltweit Search Menu