Entwicklung Erneuerbarer Energien in Polen – Rückblick 2017 und Ausblick 2018

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Das Jahr 2017 ist durch weitere Verunsicherung am EE-Markt gekennzeichnet. Anfang 2017 gab es eine große Aufregung wegen der problembehafteten ersten Ausschreibungsrunde, die Ende Dezember 2016 stattfand. Ende September 2017 ist eine kontroverse Novelle des polnischen EEGs in Kraft getreten, die eine weitere Verschlechterung der finanziellen Lage vieler Betreiber von EE-Anlagen mit sich führen wird. Dazu wurden auch Ende September die bereits bekanntgemachten zwei Ausschreibungsrunden für Oktober 2018 kurzerhand abgesagt. Dabei steht der Markt keineswegs still und es wird eine Vielzahl der Projekte entwickelt. In dem vorliegenden Artikel werden die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2017 für die EE-Branche kurz zusammengefasst und ein Ausblick für 2018 gewagt.

​Ausschreibungen in 2017

Als das Energieministerium die erste Ausschreibungsrunde für elektrische Energie aus EE-Quellen in Polen bekanntmachte, rechtfertigte es die kleine Menge der Energie, die damals zum Ankauf stand, mit der Begründung, dass die erste Ausschreibungsrunde nur einen Probecharakter habe und erst 2017 Auktionen aus allen „Technologiekörben” mit viel größerem Volumen stattfinden werden. Aus den Plänen für die großangelegten Ausschreibungen für 2017 wurde nicht viel. Zwar wurden Ende Juni 2017 Ausschreibungen organisiert und bei Anlagen bis 1 MW haben 352 Projekte (meistens PV-Anlagen) den Zuschlag erhalten. Es werden aber keine weiteren Ausschreibungsrunden mehr in 2017 organisiert.

 

Bereits Anfang Oktober sollten zwei weitere Ausschreibungsrunden durchgeführt werden – eine für Biomasse- und Wasserkraftwerke über 1 MW und eine für kleine und große landwirtschaftliche Biogasanlagen. Beide wurden überraschend abgesagt. Der Gesamtwert der Beihilfe für die Gewinner der stornierten Auktionen sollte innerhalb von 15 Jahren 23 Milliarden PLN erreichen. Die Regierung hat sogar die bereits in Kraft getretenen Rechtsverordnungen zurückgezogen. Dieser anormale Umstand ist ein Ergebnis der fehlenden Kommunikation zwischen Regierung und der polnischen Energieregulierungsbehörde während der Verhandlungen mit Brüssel. Das Notifizierungsverfahren bei der EU-Kommission wurde nicht beendet, als die Auktionen ausgeschrieben wurden. Die Pläne der URE, noch acht weitere Auktionen in diesem Jahr auszurufen, wurden auf Eis gelegt.

 

Weitere Stolpersteine für Betreiber der Bestandsanlagen

Die Bestandsanlagen befinden sich in keiner beneidenswerten Lage – äußerst niedrige Preise für grüne Zertifikate haben mangelnde Rentabilität mehrerer Anlagen zur Folge. Der Verfall der Preise ist gravierend und existenzbedrohlich. Von dem Peak bei über 300 PLN pro Megawattstunde vor ein paar Jahren fiel Ende Juni der Preis der Zertifikate auf den niedrigsten Stand der Geschichte – 22 PLN pro Megawattstunde. In den nächsten drei Monaten hat sich der Preis zwar ein bisschen erholt – die grünen Zertifikate sind um fast 160 Prozent (auf 58 PLN) gestiegen – um später wieder an Wert zu verlieren. Dabei benötigen die meisten Windparks ein Preisniveau von grünen Zertifikaten bei mindestens 100 bis 150 PLN um rentabel zu sein.


Ein K.O.-Schlag könnte die vor Kurzem in Kraft getretene Novellierung des EEG-Gesetzes bedeuten, die den Preis der Ersatzgebühr – die von den Stromversorgungsunternehmen zu entrichten ist, wenn diese einen entsprechenden Anteil an grünen Herkunftszertifikaten nicht vorweisen können – mit dem Preis der Herkunftszertifikaten koppelt. Die Ersatzgebühr beträgt 300,03 PLN pro Megawattstunde, was zwangsläufig dazu führt, dass die Stromunternehmen, die die Endkunden mit Strom beliefern, die viel günstigeren grünen Zertifikate an der Energiebörse erwerben. Nach der Änderung ist die Gebühr jedoch nur um 25 Prozent höher als der Marktpreis der Herkunftszertifikate aus dem letzten Jahr. Der Preis der Gebühr fällt demnach von 300 auf 92 PLN. Ab Januar 2018 könnte der Preis nur noch 40 PLN betragen. Es wird dazu führen, dass der Börsenpreis der Zertifikate sich nicht mehr erholt und die finanzielle Lage der Betreiber der Bestandsanlagen dauerhaft gestört wird. Dabei haben bereits im Jahr 2016 (zu den damals höheren Preisen der Herkunftszertifikate) 70 Prozent der Windparks Verluste gemacht, die ca. 3 Milliarden PLN betragen.


Einen kleinen Trost gibt aber die kürzlich verabschiedete Verordnung des Ministers für Energie, die die Stromversorgungsunternehmen verpflichtet, im nächsten Jahr 17,5 Prozent an grünen Zertifikaten anstatt 15,4 Prozent – wie in diesem Jahr – zu kaufen (oder eine Ersatzgebühr zu leisten).

 

Ausblick 2018

Polen ist noch weit davon entfernt, das EU-Klimaziel für 2020 zu erreichen. Sollte Polen das Klimaziel verfehlen, müsste das Land entweder Strafzahlungen leisten oder durch sogenannte statische Transfers, grüne Energie aus anderen Ländern importieren. Beide Alternative wären kostspielig. Es ist daher anzunehmen, dass im Jahre 2018 die polnische Regierung endlich Ausschreibungen in viel größerem Umfang als bisher organisieren wird. Es wäre zumindest eine rationale Entscheidung.

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