Italien – Marktpotenzial Speichersysteme

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Italien stellt nach einhelliger Meinung aller Beobachter einen der interessantesten Märkte für Speichersysteme dar. Verursacht ist dies auch durch die Konsolidierung des Rechtsrahmens, die Klärung bis dato offener Fragen was die Möglichkeit zur Nutzung von Steuervorteilen betrifft sowie durch ein diffuses Interesse an neuen Technologien und der Nachfrage der Kunden nach ökologisch nachhaltigem Strom. Das große Potenzial wird auch dadurch bestätigt, dass namhafte Speicherhersteller bereits in der jüngeren Vergangenheit ihre Aktivitäten in Italien expandiert haben.

​Alle Studien, die sich mit dem Thema der Speichersysteme befassen, sehen im italienischen Markt einen der interessantesten Schauplätze für den Vertrieb und die Vermarktung von Speichersystemen und damit verbundener innovativer Modelle für die Lieferung von Stromenergie.

 

Die Internationale Behörde für Erneuerbare Energien (IRENA) hat beispielsweise in ihrem Ende letzten Jahres veröffentlichten Report mit dem Titel „Electricity Storage and Renewables – Costs and Markets to 2030” hervorgehoben, dass das allgemeine Interesse an neuen Technologien sowie ein Anstieg der Nachfrage nach ökologisch nachhaltigem Strom viele Personen dazu führt, in den Ankauf von Speichersystemen zu investieren. Auch wenn dies vielleicht unter einem streng wirtschaftlichen Gesichtspunkt derzeit noch nicht vollends profitabel ist. Neben Deutschland – wo laut IRENA zwischen 2013 und 2016 mehr als 55.000 Batteriesysteme installiert worden sind mit einer Gesamtleistung von circa 300 MWh – werden Australien, die USA und eben auch Italien als wichtigste Zukunftsmärkte genannt, was wiederum viele Hersteller von Speichersystemen dazu führt, entsprechende Produktionslinien in diesen Märkten zu etablieren.

 

Parallel hierzu hat die Energy Strategy Group der technischen Universität Mailand Ende 2016 das erwartete italienische Marktpotential für Speichersysteme in Wohnimmobilien bis zum Jahr 2025 auf circa 150 Millionen Euro geschätzt, während das theoretische Potenzial – auch abhängig von einer signifikanten Verringerung der Anschaffungskosten und der Schaffung entsprechender staatlicher Anreize, wie es bereits die Region Lombardei tut, die Ankäufe von Speichersystemen bezuschusst – weitaus über diesem Wert im vierstelligen Millionenbetrag gesehen wird.

 

 

 

Quelle: Energy Storage Report 2016, Energy Strategy Group - Technische Universität Mailand

 

Die Attraktivität des italienischen Markts für Speichersysteme ergibt sich auch aus einem Konsolidierungsprozess des regulatorischen Rahmens, der vor einigen Jahren begonnen hat und der jetzt eine solide Basis bildet, um innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln und anzubieten und entsprechende Investitionen zu tätigen.

 

Bestand zum Beispiel vor einigen Jahren noch eine rechtliche Unsicherheit, ob und zu welchen Bedingungen Speichersysteme in Bestandsanlagen installiert werden konnten, die wiederum eine staatliche Förderung erhielten (hauptsächlich durch die Conto Energia Regelungen für PV-Anlagen), so hat die GSE (Behörde, die die Auszahlung der Fördertarife verwaltet) in ihrem zuletzt im Juni 2017 aktualisierten Leitfaden für die Installation von Speichersystemen nicht nur bestätigt, dass eine solche nachträgliche Installation möglich sei und nicht zum Verlust der bereits anerkannten Fördertarife führe, sondern auch die Prozeduren reglementiert, die hierbei zu beachten sind.

 

Dies erfolgte vor dem Hintergrund der Entscheidungen der für Stromenergie und Gas zuständigen staatlichen Behörde ARERA Nr. 574/2014/R/eel und Nr. 642/2014/R/eel, die zusammen mit den technischen Richtlinien des Italienischen Elektrotechnischen Komitees CEI 0-16 (Mittelspannung) und CEI 0-21 (Tiefspannung) den regulatorischen Rechtsrahmen für die Installation und den Betrieb von Speichersystemen in Italien darstellen. Diese Regularien schreiben insbesondere die technischen Eigenschaften vor, die Speichersysteme für die Integration in das Stromnetz haben müssen sowie die entsprechenden Zertifizierungsmodalitäten, die die Hersteller beim Import und dem Vertrieb von Speichersystemen in Italien beachten müssen.

 

Neben der nun definitiv bestätigten Kompatibilität von nachträglich in Bestandsanlagen installierten Speichersystemen mit den Fördertarifen der Conto-Energia-Regelungen, konnte die italienische Steuerbehörde in der Zwischenzeit einen weiteren Punkt klarstellen, der für Endverbraucher bei der Entscheidung, eine Investition in Speichersysteme zu tätigen oder nicht, von maßgeblicher Wichtigkeit war und ist.

 

Endverbraucher, die in ihrer Wohnimmobilie eine PV-Anlage installieren, verfügen kraft des Präsidialdekrets Nr. 917/1986 und dem Rundschreiben der Steuerbehörde Nr. 22/E vom
2. April 2013 über die Möglichkeit, die entsprechend getragenen Kosten steuerlich zu nutzen.

 

Gemäß der genannten Regelungen (die zwischenzeitlich Jahr für Jahr durch den Gesetzgeber bestätigt worden sind, was deren Anwendung betrifft) können derzeit Privatpersonen, die im Jahr 2018 getragenen Aufwendungen für die Realisierung von PV-Anlagen noch bis zu einer Höhe von 50 Prozent der Kosten – maximal 96.000 Euro – von der persönlichen Einkommensteuer abziehen. Die Aufwendungen können im Jahr des Einbaus bzw. der ersten Zahlung und in den folgenden neun Jahren in gleichbleibenden Beträgen von der Einkommenssteuer abgezogen werden.

 

Unklar war aber bis dato, ob in diesem Rahmen auch die Kosten als abzugsfähig zu betrachten waren und sind, die für die Installation von Speichersystemen – zeitlich mit der Errichtung der PV-Anlage oder auch im Zuge einer nachträglichen Installation – aufgewendet worden sind, was auf dem Markt eine erhebliche Unsicherheit verursacht hat bezüglich der Kalkulation des entsprechenden wirtschaftlichen Nutzens des Ankaufs eines Speichersystems.

 

Dieser Aspekt ist jüngst von der italienischen Steuerbehörde mit dem Rundschreiben Nr. 7/E vom 27. April 2018 dahingehend geklärt worden, indem bestätigt worden ist, dass die Installation eines Speichersystems in jedem Fall die Möglichkeit eröffnet, die entsprechend getragenen Kosten steuerlich geltend zu machen und dies unabhängig davon, ob das Speichersystem gleichzeitig mit der PV-Anlage oder nachträglich installiert wird.

 

Die Attraktivität Italiens für Energiespeicher spiegelt sich auch in den zuletzt von der GSE veröffentlichen Statistiken zur Installation dieser Technologie. Wie im Tätigkeitsbericht der GSE für das Jahr 2017 beschrieben, hat die Behörde zum 31. Dezember 2017 insgesamt 1.445 Meldungen über die Installation von Speichersystemen in bereits von der GSE geförderten PV-Anlagen erhalten, wovon 942 sich auf das Jahr 2017 beziehen, während die anderen Batterien in den Vorjahren installiert worden sind.

 

Quelle: GSE

 

Berücksichtigt man, dass diese Meldungen nur die Speichersysteme betreffen, die in von der GSE geförderten PV-Anlagen installiert worden sind, während nicht geförderte PV-Anlagen nicht entsprechend mitteilungspflichtig sind und der regulatorische Rahmen erst in den letzten 2 Jahren konsolidiert worden ist, dann bestätigt der Anstieg an Neuinstallationen im Jahr 2017 (fast ein Plus von 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr) das von allen internationalen Studien vorausgesagte große Marktpotenzial für Speichersysteme in Italien.

 

In diesem Kontext muss man außerdem beachten, dass Inhaber von PV-Anlagen derzeit die Möglichkeit haben, den in Überschuss produzierten und nicht verbrauchten Strom über das sogenannte Scambio sul Posto im Rahmen eines für den Endkunden einfach zu handhabenden Net-Metering-Verfahrens an die GSE zu vorteilhaften Konditionen abzutreten. Auf diesem Wege fungiert somit das öffentliche Stromnetz quasi als virtueller Stromspeicher, was derzeit die Installation eines Speichersystems weniger interessant werden lässt. Sollte aber, wie von mehreren Beobachtern des Marktes bereits spekuliert, das Scambio sul Posto – das durch eine entsprechende Umlage in den Stromrechnungen finanziert wird – wegfallen, dürfte dies noch mehr Inhaber von PV-Anlagen dazu bringen, sich konkret für die Installation eines Speichersystems zu entscheiden.

 

Alle Indikatoren deuten somit auf eine positive Entwicklung hin, was den italienischen Markt für Stromspeicher betrifft, und dies wird zuletzt auch dadurch bestätigt, dass zahlreiche namhafte deutsche und internationale Speicherhersteller bereits ihre Aktivitäten in Italien expandiert haben, um zum einen die entsprechenden Chancen wahrzunehmen und zum anderen um sich Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten zu sichern, die sich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Markteintritt entscheiden werden.

 

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