Brasilien auf dem Pfad der Erneuerbaren Energien

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Derzeit befindet sich Brasilien hinsichtlich der (kostengünstigen) Energieerzeugung in hoher Abhängigkeit von großen Wasserkraftwerken, die 60 Prozent der installierten Kapazität des Landes aufweisen. Hohe Mengen an Regen sind dabei essenziell, damit die volle Kapazität dieser Energiequelle ausgeschöpft werden kann. Bei geringen Wasserständen in den Flüssen ist der ONS (der Nationale Elektrizitätsnetzbetreiber) gezwungen, die benötigte Energie aus teureren Quellen wie etwa thermoelektrischen Kraftwerken zu beziehen. Dies ist bereits mit einer gewissen Häufigkeit aufgetreten und führte folglich zu höheren Preisen für alle Akteure entlang der Kette (Verbraucher, Distributoren, Erzeuger). Infolgedessen eröffnen sich für andere Energiequellen wie etwa PV und Wind sowie für alternative Wege des Energiehandels (z.B. PPA-Verträge) neue Möglichkeiten.

 

Brasilien – Profil eines Landes mit den Charakteristika eines ganzen Kontinents

Die Größe des Landes und weitere spezielle Eigenschaften verleihen Brasilien eine Einzigartigkeit in der Welt der Energieerzeugung. Brasilien wird dabei im Hinblick auf die Energieerzeugung als ein hydrothermales System angesehen, wobei der Fokus auf hydroelektrischen Kraftwerken liegt. Das folgende Diagramm zeigt diesbezüglich die kontinentalen Dimensionen des Landes auf.

 


Das brasilianische Elektrizitätssystem weist einzigartige Charakteristika auf, die Entscheidungen rund um die Planung und den Betrieb im Elektrizitätssektor in Brasilien beeinflussen:

 

  • Kontinentale Dimensionen
  • Dominanz der Stromerzeugung aus Wasserkraft
  • Hydrologische Vielfältigkeit von Flussbecken, die eine Komplementarität zwischen Regionen erlauben
  • Reiche Biomasseressourcen
  • Große, geeignete Flächen, um Solar- und Windparks zu entwickeln
  • Bemerkenswerte, vollständige Verbindung zwischen Regionen über ein ausgedehntes System an Übertragungsnetzen
  • Teilnahme verschiedener Akteure mit Anlagen am selben Fluss
  • Hohe Streuung der Marktanteile aufgrund der Partizipation vieler verschiedener Unternehmen
  • Lange Dauer beim Erreichen des Reifegrads und beim Bau von Großprojekten, etwa bei Übertragungsnetzen

 

Derzeitiger und vorhergesagter Anteil jeder Energieerzeugungsart

  • Derzeit (2018) beträgt die gesamte installierte Kapazität in Brasilien etwa 160 GW.
  • Die Mehrheit des erzeugten Stroms stammt aus großen Wasserkraftwerken (96 GW oder 60 Prozent). – Aufgrund der weitreichenden Folgen für die Umwelt beim Bau solch großer Anlagen in natürlichen Lebensräumen wird die Wasserkraft von einigen Stakeholdern nicht als regenerative Energiequelle angesehen. In diesem Artikel beziehen wir die Wasserkraft nicht als erneuerbare Energiequelle ein.
  • Über die vergangenen Jahre hinweg konnten die Erneuerbaren Energien ihre Marktpräsenz auf bis zu 35 GW im Jahr 2018 erhöhen und stellen derzeit 22 Prozent der installierten Kapazität in Brasilien.
  • Obwohl Strom aus thermoelektrischen Anlagen als teuer und preistreibend für das System angesehen wird, besitzt er trotzdem eine Signifikanz für den brasilianischen Markt  (27 GW oder 17 Prozent).
  • Laut dem Zehnjahresplan für die Ausbreitung der Elektrizitätsenergie aus dem Jahr 2017, der alle 2 Jahre von der Energy Research Company (EPE), einer an das brasilianische Ministerium gebundenen Agentur, veröffentlicht wird, wird der Anteil der Erneuerbaren Energien am Energiemix in den kommenden Jahren um elf Prozentpunkte steigen.
  • Die daraus resultierenden Auswirkungen werden vor allem bei Strom aus nicht-erneuerbaren Energiequellen zu spüren sein, etwa bei großen Wasserkraftwerken und thermoelektrischen Anlagen.

 

 

Die untenstehende Grafik illustriert die vorhergesagte installierte Kapazität für 2026 (insgesamt 192 GW):

 

 

Der folgende Graph verdeutlicht den mit der Vorhersage konsistenten Anstieg des Anteils der Erneuerbaren Energien über die Jahre hinweg

 

(*) There are some unreconciled differences between EPE forecast for 2018 and ANEEL data. Quelle: MME/EPE (2017)

 

Der Generator Scale Faktor – Die Auswirkungen der Wetterabhängigkeit in Brasilien

Generator Scale Factor (GSF): Wie bereits erwähnt, ist Brasilien zu einem hohen Grad abhängig von der (günstigen) Energie, die aus Wasserkraftwerken erzeugt wird. Der GSF wurde erschaffen, um das Risiko, das vom Einsatz der Wasserkraft ausgeht, zu ermitteln und unter allen in Wasserkraftwerken installierten Generatoren aufzuteilen. Der GSF ist der Defizit-Anteil, der derzeit bei der Stromproduktion bei Wasserkraftwerken entsteht, an deren zugesicherten Stromlieferungen:
 
Wenn dieses Verhältnis unausgewogen ist (also etwa die aktuelle Erzeugung geringer ausfällt als die zugesicherte einzuspeisende Menge), sind die Betreiber der Wasserkraftwerke dazu verpflichtet, die fehlende Menge mit am Markt zu Spotmarktpreisen angebotenem Strom zu beschaffen, wobei diese Preise bisher eine signifikante Varianz aufwiesen (siehe Graph weiter unten). Diese Schwankungen in den letzten Jahren – hervorgerufen durch eine Krise in der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft aufgrund niedrigerer Flusspegel – resultierte in hohen Verlusten für den Sektor. CCEE ist hierbei verantwortlich dafür, den Spotpreis am Markt zu regulieren und zu kalkulieren, gegeben der vertraglich vereinbarten Volumen im kurzfristigen Markt.


Aufgrund des allgemein vorherrschenden Drucks in dieser Branche rief die Regierung eine Art Versicherung für Unternehmen ins Leben, damit diese den Risiken des GSF weniger stark ausgesetzt sind. Dies wurde jedoch nicht für den freien Markt angewendet, infolgedessen sich dieser weiterhin großen Risiken stellen musste. Dies kann als eine bedeutende Schwierigkeit angesehen werden.
Andererseits eröffnete dieses Szenario Möglichkeiten für Spekulation. Sobald ein bestimmtes Unternehmen seine Stromerzeugung in der vorherigen Periode nicht unterschritten hat, kann es den Strom zu Spotmarktpreisen verkaufen und gerade in Krisenzeiten durch höhere Preise Gewinne realisieren.

 

 

Quelle: CCEE

 

Chancen für Erneuerbare Energien: Dieses Szenario demonstriert die Notwendigkeit, die Quellen für die Energieerzeugung im Land zu diversifizieren und beleuchtet die Anreize, die dafür durch die Regierung geschaffen wurden. Sobald es dazu kommt, dass die Wasserkraftbetreiber längeren Perioden der Wasserknappheit in den Flüssen nicht mehr begegnen können, öffnen sich Chancen für Erneuerbare Energien. Dies erklärt auch die Ausgestaltung der Vorhersage der Stromerzeugung im Jahr 2026, die weiter oben vorgestellt wurde und laut der die Erneuerbaren Energien einen bemerkenswerten Marktanteil erobern werden.

 

Einige Einblicke zu aktuellen Geschehnissen in Brasilien

Deals: Im Juni 2018 verkündete die Banco do Brasil (eine der größten Banken in Brasilien) die Unterzeichnung eines PPAs mit EDP, einem portugiesischen Energieversorgungsunternehmen. Der Vertrag umfasst eine Summe von 86 Millionen brasilianischen Real BLR für eine vereinbarte Lieferung von 400 GWh. Gemäß der Pressemitteilung, die dazu veröffentlicht wurde, wird die Vereinbarung in 5 Jahren reif. Die Bank geht von einer Einsparung in Höhe von 50 Millionen BLR in dieser Periode aus.

 

Zusätzlich erklärte EDP am 3. Oktober 2018 laut einem Artikel des Online-Magazins PV-Magazine aus Lateinamerika, dass die brasilianische Division des Unternehmens in dem Sektor aktiv werden wird. Geplant ist, in eine 5-MW-Solaranlage im Südosten Brasiliens zu investieren. Das Ziel dabei ist, mehr Angebot für die Nachfrage der Banco do Brasil zu schaffen.

 

Photovoltaik Messe: Die größte Messe für den PV-Sektor in Lateinamerika, die „6ª Intersolar South America”, fand Ende August 2018 in Brasilien in São Paulo statt. Laut den Organisatoren besuchten mehr als 20.000 Menschen aus 36 verschiedenen Ländern die 3 Tage lang andauernde Messe. Mehr als 260 Aussteller nahmen an der Zusammenkunft teil und präsentierten verschiedenste Neuheiten der Branche.

 

 

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