Die Biogaserzeugung in Malaysia: Chance oder Herausforderung?

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​Die neue Umwelt- und Energieministerin Malaysias Yeo Bee Yin setzt darauf, dass ihr Land bis 2025 insgesamt 20 Prozent des Energiebedarfs durch Erneuerbare Energien decken wird. Um diese Zielmarke zu erreichen, sind allerdings erhebliche Anstrengungen vonnöten, da das Land bisher nur 2 Prozent des erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen gewinnt. Neben der Solarenergie könnte dabei Erneuerbare Energie aus Biomasse bzw. Biogas eine wichtige Rolle spielen.

 

Als tropisches Land verfügt Malaysia über eine große Menge an Biomasse. Der Palmölsektor kann als einer der wichtigsten Biomasselieferanten angesehen werden. Ca. 5,75 Millionen Hektar der Fläche des Landes – in etwa das Staatsgebiet Kroatiens – werden für Palmplantagen genutzt, was Malaysia zum zweitgrößten Palmölproduzenten der Welt macht. Neben den Reststoffen aus Palmöl bieten sich in Malaysia außerdem noch Biomasse aus der Zuckerrohr-, Reis-, Mais-, Kenafund Kokosnussproduktion sowie kommunale Abfälle und Reststoffe aus der Tierhaltung an.

 

Förderung des Biogassektors in Malaysia

Um diese Ressourcen zu nutzen und die geschätzten Potenziale von über 500 MW für Biogas in Malaysia zu heben, möchte die Regierung die Entwicklung des Biogassektors beschleunigen. Konkret sollen beispielsweise alle Palmölmühlen im Rahmen des EPP5-Programms bis 2020 mit einer Biogasanlage ausgestattet sein. Dadurch soll auch die Umweltbelastung durch Abwässer aus der Palmölerzeugung sinken. Zusätzlich müssen alle Mühlenbetreiber, die ihren Betrieb vergrößern bzw. neue Mühlen installieren möchten, zukünftig eine Biogasanlage errichten. Bislang verfügen nur rund 35 Prozent der Mühlen über eine derartige Anlage. Darüber hinaus kann sich die Erzeugung von Biogas lohnen, um eine Zertifizierung für nachhaltig produziertes Palmöl zu erhalten. Diese muss etwa in der EU seit 2009 für Öle vorgezeigt werden, die in der Energiegewinnung genutzt werden, um für deren Einsatz eine staatliche Förderung zu erhalten.


Konkret wird die Entwicklung des Biomasse- und Biogassektors durch den Einspeisetarif (Feed-in-Tariff, FiT) gefördert, der es einem Produzenten Erneuerbarer Energie erlaubt, zu einem festen Tarif 16 Jahre Strom in das Netz des nationalen Netzbetreibers TNB (bzw. SESB auf Sabah in Borneo) einzuspeisen.

 

 

Erzeugung von Biogas in Malaysia – Chance oder Herausforderung?

Doch trotz dieser Unterstützung war die Entwicklung des Biomassesektors noch nicht so erfolgreich wie beispielsweise im Nachbarland Thailand, wo bereits mehr als 7 Prozent des Stroms aus Biomasse gewonnen werden. Zum einen liegt das daran, dass in Malaysia die Zubaukapazität pro Jahr limitiert ist und kein Vorrangsprinzip zur Abnahme des erneuerbar erzeugten Stroms wie in Deutschland existiert. Andererseits werden gerade in entlegeneren Gebieten häufig der fehlende Stromanschluss und auch die hohen Investitionskosten als Hindernis angesehen. Daher wird die Biomasse eher für die Produktion von Pellets, Biofasern oder auch Bio-CNG für den Export nach Ostasien genutzt. Während Unternehmer aus diesen Ländern die Potenziale des Imports malaysischer Bioenergie immer weiter ausloten, betrachten lokale Akteure die Nutzung von Biogas bisher eher als eine Herausforderung und weniger als Chance. Folglich wird ein Großteil der Biomasse verbrannt oder in der Umwelt entsorgt.

 

Dabei bieten sich gerade an den fast 450 Palmölmühlen, die sich häufig in abgelegenen Gegenden befinden, durch die Errichtung von Biogas- bzw. Biomasseanlagen vielfältige Potenziale. Denn so lassen sich diese Regionen dezentral mit erneuerbarem Strom versorgen, der noch dazu keiner Volatilität in seiner Erzeugung unterliegt, während zusätzlicher Netzausbau eingespart werden kann. Gerade die Bündelung von Biogasanlagen nahe gelegener Ölmühlen zu Energieclustern könnte dazu beitragen, eine dezentrale Energieversorgung in noch nicht an das Netz angeschlossenen Regionen zu gewährleisten. Dies schließt nicht nur die Stromerzeugung mit ein, sondern etwa auch die dezentrale Produktion von Bio-CNG über die Biogasaufbereitung, mit der lokal gerade in entlegenen Regionen Lastwagen und Busse mit Gas versorgt werden können. So lassen sich Kosten einsparen, denn während der Preis für Diesel bei etwa 2,32 RM pro Liter (0,49 Euro) liegt, lässt sich Bio- CNG bereits für 1,90 RM pro Liter (0,41 Euro) herstellen. Zwar kann das Bioflüssiggas mit dem konventionell erzeugten CNG, das mit 0,5 RM (0,11 Euro) pro Liter stark vom Staat subventioniert wird (Preis pro Liter: 1,05 RM/ 0,22 Euro), nicht mithalten. Jedoch bietet sich dieser erneuerbar erzeugte Treibstoff gerade in schwer zu erreichenden Regionen als vielversprechende Alternative an. Da die benötigten Rohstoffe lokal vorhanden sind und Bio-CNG auch aufgrund nicht vorhandener Transportkosten günstiger als Diesel ist, können lokale Gemeinden und Palmölplantagenbetreiber von dieser dezentral erzeugten Energie profitieren.

 

Biogas aus Reststoffen der Palmölproduktion

Das dafür benötigte Biogas wird aus den beiden wesentlichen Substraten aus der Palmölproduktion gewonnen: Zum einen gehört dazu feste Biomasse, etwa aus Palmenblättern oder leeren Fruchtstauden (ca. 80 Mio. Tonnen jährlich). Auf der anderen Seite ist Palmölabwasser, kurz POME (Palm Oil Mio. Efluent), als wichtiger Rohstoff zu nennen. Schätzungsweise 60 Mill. Tonnen fallen jährlich beim Herstellungsprozess des Öls in den malaysischen Mühlen an und stellen unbehandelt aufgrund des hohen chemischen Sauerstoffbedarfs eine Herausforderung für die Umwelt dar. Insgesamt können aus einem m3 POME 28m3 Biogas erzeugt werden, wobei aus einer Tonne leerer Fruchtstauden 0,6 m3 POME entstehen. Da auch die Erzeugung von Palmöl saisonalen Schwankungen unterliegt, bietet sich in der Nebensaison, wenn weniger POME anfällt, die Co-Fermentation mit leeren Fruchtstauden an. Grundsätzlich findet die Erzeugung von Biogas in Malaysia auf zwei unterschiedliche Arten statt: Bei der in Europa üblichen Variante, dem Einsatz des Fermentertanks, können unterschiedliche Substrate miteinander kombiniert werden. Allerdings ist hier (mindestens) ein Rührwerk nötig, um Sedimentation zu verhindern und die Biomasse gleichmäßig zu verteilen. Zudem ist eine Zerkleinerung der Substrate nötig, was diesen Typ insgesamt teurer macht. Bei der Variante der mit einer luftundurchlässigen Plane bedeckten Lagune ist dies nicht notwendig. Hier ist allerdings neben dem Preis auch die Methanausbeute geringer. Außerdem ist dieser Typ eher für POME geeignet.

 

Potenziale für deutsche Unternehmen im Bereich Biogas

Gerade im Zusammenhang mit der ersten Variante weisen Branchenexperten darauf hin, dass auch viele neu gebaute Biogasanlagen aufgrund von Qualitätsmängeln häufig stillstehen. Dies liegt zum einen daran, dass mit dem Ziel der Minimierung der Investitionskosten qualitativ minderwertige Komponenten verbaut werden. Deshalb wird auch häufig an den Lagerkapazitäten für POME, den Investitionen in Rührwerke und Messgeräte gespart, was die Effizienz der Anlage senkt und Betriebskosten erhöht. Deutsche Anbieter geraten daher trotz eines Preisaufschlags von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zu asiatischen  Konkurrenzprodukten aufgrund der Verlässlichkeit ihrer Produkte zunehmend in den Fokus der malaysischen Biogasbranche. Auf der anderen Seite fehlt es den Betreibern der Anlagen hinsichtlich des Betriebs der Anlage häufig an Know-how, etwa im Hinblick auf die optimale Temperatur, pH-Werte, die richtige Vorbehandlung der Substrate, die richtige Mischgeschwindigkeit etc. Hier können deutsche Firmen frühzeitig ansetzen und Trainings anbieten. Auch After-Sales-Services gewinnen an Bedeutung: So lässt sich in Kombination mit moderner Messtechnik auch die Überwachung und Steuerung wichtiger Parameter wie der CO2-, Schwefelwasserstoff- oder Methankonzentration der Anlage – sogar von Deutschland aus – organisieren. Gerade im Hinblick auf die dezentrale Verteilung vieler Anlagen können solche Angebote entscheidend sein, um den effizienten Betrieb der Anlage zu gewährleisten und die Zahl der Wartungsbesuche in den entlegenen Orten zu reduzieren.

 

 

 

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