Marktübersicht: Bioenergie in Brasilien

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veröffentlicht am 13. Februar 2020

 

Bioenergie hat in Brasiliens Energiematrix eine wichtige Rolle gespielt und macht mit 15 GW installierter Kapazität etwa 9% der Energiematrix Brasiliens aus. Brasilien ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Ethanolproduzent der Welt. Der Anstieg in den letzten Jahren ist beträchtlich, während die Ethanolproduktion im Jahr 2007 rund 18 Milliarden Liter erreichte, stieg sie 2019 auf 33,14 Milliarden Liter an. Es stammt hauptsächlich aus Zuckerrohr, das, gemessen am Energieeinsatz pro Energieausstoß, wesentlich billiger ist als beispielsweise in den USA produzierter Mais und auch höhere Energieerträge pro Hektar Anbaufläche liefert.

 

Der Anstieg des Produktionsvolumens von Biokraftstoff hat auch zu einer technischen Entwicklung in der Automobilindustrie geführt. Motoren mit flexiblem Kraftstoff für Autos sind in Brasilien, das über die weltweit größte Flotte von Autos mit Biokraftstoff verfügt, bereits recht weit entwickelt.

 

Eine der mehreren pro-erneuerbaren Regierungspolitiken im Land ist die Forderung, dass Benzin auf fossiler Basis mindestens etwa 27% Ethanol als Kraftstoffzusatz enthalten muss, der die Oktanzahl erhöht und schädliche Emissionen reduziert. Auch die Produktion von Biodiesel wurde in Brasilien sehr stimuliert. Ab März 2020 wird verlangt, dass 12% des Kraftstoffs Diesel aus Biodiesel bestehen muss (1 Prozentpunkt höher als heute). Nach Angaben von Energieminister Bento Albuquerque sollen bis 2023 bis zu 15% erreicht werden.

 

Darüber hinaus wird die Energiematrix Brasiliens stark von großen Wasserkraftwerken dominiert, welche stark Saison abhängig sind. Während Dürrezeiten steigt daher die Nachfrage nach alternativen Energiequellen, einschließlich der Verbrennung verschiedener Brennstoffe zur Versorgung von Wärmekraftwerken, stark an. Bei der Herstellung von Bioethanol wird Bagasse hergestellt, die effektiv für den Betrieb dieser elektrischen Anlagen verwendet wird und heute einer der wichtigsten erneuerbaren Energieträger in Brasilien ist.

 

 

 

Brasilien als positiver Massstab

Brasilien ist definitiv ein erfolgreicher Benchmarking-Fall für andere Länder (z. B. Indien, das eine übermäßige Produktion von Zuckerrohr hat) hinsichtlich der Bioenergieausnutzung. Brasilien hat aufgrund seiner reichhaltigen natürlichen Ressourcen und seines ausgedehnten Territoriums ein großes Potenzial und ist buchstäblich ein Land der Möglichkeiten in der Region. Die Behörden haben dies bemerkt und die Entwicklung der Erneuerbaren unterstützt und gefördert.

 

Historisch gesehen haben sich die brasilianischen Politiker sehr stark für den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Land engagiert. Einige Beispiele sind: i) Brasilien ist Teil des Pariser Abkommens, das systematisch ratifiziert wurde; ii) die Regierung hat mehrere steuerliche Anreize für Erneuerbare Energien bereitgestellt; iii) das nationale Programm „proalcool” das u. a. die Mischung von Biokraftstoff mit Kraftstoffen auf fossiler Basis fördert; iv) das brandneue Regierungsprogramm „RenovaBio” das im Jahr 2020 anlaufen wird.


Die neue Regierung unter dem rechten Präsidenten Jair Bolsonaro (seit 2019 an der Spitze) hat mehrere Signale gegeben, dass sie an ihrem Kompromiss zur Entwicklung sauberer Energiequellen festhalten wird. Präsident Bolsonaro hat kurz nach seinem Wahlsieg 2018 optimistisch versprochen, dass Brasilien wieder die Führung in der Ethanolproduktion übernehmen wird, eine Führung, die es vor Jahren an die USA verloren hat.

 

Im September 2019 bekräftigten Präsident Bolsonaro und der Direktor des Ministeriums für Bergbau und Energie, Miguel Lacerda, dass der Beginn eines der weltweit größten Förderprogramme für Biokraftstoffe, „RenovaBio” im Jahr 2020 stattfinden wird. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Verringerung der Kohlenstoffemissionen, indem Energievertriebsunternehmen gezwungen werden, Kohlenstoffgutschriften von den Herstellern von Biokraftstoffen zu erwerben. Nach Angaben der Regierung wird dieses Programm dazu führen, dass der Atmosphäre etwa 700 Millionen Tonnen Kohlendioxid entzogen werden.

 

Das Programm ist die dritte Welle des brasilianischen Biokraftstoffprogramms. Das erste war das „Proalcool”-Programm, das 1975 eingeführt wurde, infolge der Ölkrise der 70er Jahre. Das Programm etablierte wirksame Maßnahmen zur Förderung der einheimischen Ethanolindustrie und trug zu ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Benzin bei. Die zweite Phase wurde 2003 mit der Entwicklung einer neuen Technologie für Flex-Fuel-Motoren eingeleitet, die zu der weltweit größten Fahrzeugflotte für diese Art von Motoren führte.

 

Die letzten Jahre waren gekennzeichnet durch eine breite globale Forderung, die globale Erwärmung zu stoppen, und hat als Folge die Nachfrage nach sauberen Kraftstoffen erhöht.

 

Wie sind daher die Zukunftsaussichten für die Biokraftstoffindustrie in Brasilien?

Einerseits ist klar, dass das neue Programm „RenovaBio” die Produktion und die Nachfrage nach Biokraftstoffen erheblich steigern wird. Auf der anderen Seite machen Korruption, übermäßige Bürokratie, schlechte Infrastruktur und strukturelle Probleme die brasilianische Industrie im Allgemeinen vergleichsweise ineffektiv. Trotzdem hat Brasilien immer noch einen Wettbewerbsvorteil bei der Produktion von Ethanol und verfügt über Wissen und Erfahrung für die weitere Entwicklung. Die Konzentration auf die Lösung struktureller Probleme würde die Wirtschaft verbessern,  höchstwahrscheinlich die Industrie vergrößern und könnte Brasilien wieder zur Weltspitze führen.

 

 

Lesen Sie auch unsere Artikel „Marktübersicht: Bioenergie in Indien” und „Wie eine indisch-brasilianische Beziehung diesen Sektor der Erneuerbaren Energien ausbaut”.

 

 

 

 

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