Covid-19 und Erneuerbare Energien in Indien – Auswirkungen und Herausforderungen durch die Coronavirus Krise

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veröffentlicht am 13. Mai 2020

 

Der Coronavirus hat viele Sektoren und Märkte fast aller Nationen stillgelegt und hat auch nicht den Erneuerbaren Energiemarkt verschont. Umso wichtiger ist es nun für Unternehmen Strategien zu entwickeln, um auf die aktuelle Situation richtig reagieren zu können und diese Krise möglichst reibungslos zu bewältigen. Dieser Artikel soll einen Überblick über die größten Problemfelder des Energiemarktes durch die Coronavirus-Pandemie sowie einen Ausblick auf geplante staatliche Unterstützungen geben.

 

Aktuelle Situation

Das Jahr 2019 endete stark für den Erneuerbaren Energiemarkt in Indien. Besonders im Solarbereich wurden letztes Jahr insgesamt 5550 MW hinzugewonnen:


 

Quelle: Annual Report 2019-2020 des Ministry of New & Renewable Energy, India: https://mnre.gov.in/

 

Jedoch startete das Jahr 2020 durch den Ausbruch des Coronavirus umso schwieriger. Aufgrund des Ausbruchs wurde in Indien am 25. März 2020 eine landesweite Ausgangssperre für 21 Tage ausgerufen, welche dafür sorgte, dass alle Läden und Geschäfte, Industrien sowie gewerbliche und private Einrichtungen geschlossen bleiben oder Home-Office angeordnet werden musste. Einzelne Ausnahmen bestanden nur für solche Unternehmen und Einrichtungen, die als „wesentlich” einzustufen sind. Als wesentlich eingestuft wurden staatliche und private Einheiten und Dienste zur Stromerzeugung, -übertragung und –verteilung. Darunter fallen bereits installierte Anlagen der Erneuerbaren Energien, jedoch alle Projekte, die noch nicht in Betrieb genommen wurden und/oder noch fertig gestellt werden müssen, mussten komplett geschlossen werden.

 

Am 14. April 2020 hat der indische Premierminister Narendra Modi diese Ausgangssperre bis zum 03. Mai 2020 verlängert. Dies geschah nachdem diverse Regierungen der Bundesstaaten bereits angekündigt hatten die Ausgangssperre landesweit bis Ende April zu verlängern.  Zudem wurde mit Anordnung des Ministry of Home Affairs, Government of India am 15. April 2020 erklärt, dass die Ausgangssperre für spezifische Aktivitäten gelockert wird. Somit durfen ab dem 20. April 2020 weitere Aktivitäten stufenweise erlaubt werden. Dazu gehören unter anderem Bautätigkeiten in ländlichen Gebieten sowie Bautätigkeiten aller Erneuerbaren Energieprojekte. Derzeit sind viele Projekte in Vorbereitung und in der Bau- bzw. Ausschreibungsphase, welche nun die Hoffnung haben ab dem 20. April wieder ihre Tätigkeiten aufnehmen zu können. 


Fehlende Arbeiter

Sofern sich die allgemeine Situation in Indien verbessert, werden ab dem 20. April Bautätigkeiten für Erneuerbare Energieprojekte zulässig sein. Jedoch könnte es dazu kommen, dass schlichtweg Arbeiter fehlen werden. Viele Arbeiter haben sich Mitte März auf den Weg gemacht, um noch vor der Ausgangssperre ihre Heimatdörfer zu erreichen. Durch die Ausgangssperre kam es zu einem absoluten Produktions- und Baustopp.

 

Dies bedeutet, dass falls am 20. April die Bauarbeiten wiederaufgenommen werden sollen, Arbeiter erst an die Projektbaustellen zurückkehren müssen. Viele Arbeiter befinden sich derzeit in anderen Bundesstaaten und öffentliche Verkehrsmittel sind bis zum Ende der Ausgangssperre nicht in Betrieb. Es kann demnach entweder nur auf lokale Arbeiter zurückgegriffen werden oder es muss dafür gesorgt werden, dass die Arbeiter sicher die Projektbaustellen erreichen. Es ist jedoch zu erwarten, dass es mindestens einen Monat dauern wird, bis alle Arbeiter und die volle Arbeitskraft zu Verfügung stehen. Auch dann muss für die Sicherheit der Arbeiter gesorgt werden. Ein etwaiges Infektionsrisiko muss möglichst gering gehalten werden. Dafür sollten Atemschutzmasken und Schutzkleidung verteilt werden, Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen und Temperaturkontrollen durchgeführt werden.

 

Unterbrochene Supply Chain

Ein weiteres Problemfeld ist die unterbrochene Supply Chain. Insbesondere im Solarbereich gab es hier tiefe Rückschläge, da viel im Solarbereich aus China importiert wird. Die Importe für das erste Quartal in 2020 lagen nahezu komplett still. Zuerst konnte China nicht exportieren und dann nach ca. 2 Monaten kam es zu einem Importstopp auf indischer Seite. Als es zu der Ausgangssperre in Indien kam, durften Rohmaterialien, die sich noch auf den Straßen befanden, an den Bestimmungsort geliefert werden. Alle anderen Lieferungen, dürfen erst ab dem 20. April wieder bewegt werden. Die Unterbrechung in der Supply Chain kann zu Verzögerungen bei der Projektfertigstellung führen.  Deshalb hat das Ministry of New & Renewable Energies („MNRE”) erklärt, dass es sich bei Verzögerungen in der Projektfertigstellung aufgrund der Coronavirus-Pandemie um höhere Gewalt handeln soll. Deshalb sollen laut MNRE alle Projekte in der Bau- und Planungsphase Fristverlängerungen für die Inbetriebnahme erhalten. Die Höhe der Firstverlängerung hänge dann von weiteren Umständen der Coronavirus-Pandemie ab. Dennoch könnten Unternehmen nun in Zeitdruck geraten. Sie müssen nun etwaige Ausfälle aus dem ersten Quartal im zweiten Quartal ausgleichen, da ab Juli die Monsoonzeit in Indien einen erneuten Projektstopp erzwingen wird. 


Liquiditätsengpässe

Um Liquiditätsengpässe insbesondere für Projektentwickler auszugleichen, hat das MNRE in den letzten Wochen diverse staatliche Hilfen mobilisiert. Dazu gehört einerseits, dass sie Energienetzbetreiber dazu aufgefordert haben, ununterbrochene Zahlung an Stromerzeuger grüner Energien zu gewährleisten. Für nicht grüne Energie wurde den Energienetzbetreiber ein drei monatiges Moratorium gewährt. Zusätzlich hat das MNRE mitgeteilt, dass alternative Investmentfonds zur Verfügung gestellt werden sollen, welche offene bzw. laufende Zahlungen von Stromversorgungsunternehmen an Projektentwickler sicherstellen sollen. Darüber hinaus soll ein „Project Specific Funding” für produzierende Unternehmen eingeführt werden, welches Darlehen an produzierende Unternehmen auszahlt. In dieser Idee spiegelt sich die „Make-in-India”-Politik der indischen Regierung wieder.

 

Fazit

Es ist abzuwarten ob Indien sein ehrgeiziges Ziel von 175 GW installierte Erneuerbare Energie bis zu 2022 erreichen kann. Das MNRE hat zuletzt in einem Webinar mitgeteilt, dass sie fest damit rechnen, das gewünschte Ziel zu erreichen. Jedoch wird das Jahr 2020 alle Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien weiterhin vor Probleme stellen. Es wird daher gehofft, dass die indische Regierung weitere staatliche Hilfen erlässt, um so den Markt wieder anzukurbeln und Investitionen anlocken zu können. Kurzfristig ist zu hoffen, dass die indische Regierung sicherstellt, dass Arbeiter sicher Projektbaustellen erreichen und ihre Arbeit wiederaufnehmen können. Langfristig könnten zum Beispiel weitere Fristverlängerungen für die Inbetriebnahme von Projekten oder andere Finanzierungsmaßnahmen insbesondere für kleinere Projektentwickler erlassen werden. 

 

Eines steht bereits jetzt fest: Die indische Regierung setzt auch in diesen Zeiten ganz klar auf ihre „Make-in-India” Politik und wird insbesondere hierfür in Zukunft weitere Anreize schaffen.

 

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