„Hakuna matata” - mit Erneuerbaren Energien in Ostafrika?

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​veröffentlicht am 13. Mai 2020

 

Die Märkte für Erneuerbare Energien sind im Laufe der Jahre weltweit gewachsen - vor allem aufgrund der sinkenden Stromerzeugungskosten für Wind und Sonne. PV-Strom hat auf Ebene der Versorgungsunternehmen die Netzparität erreicht. Das ist keine Diskussion mehr, sondern eine Tatsache.

 

Die Vorteile Erneuerbarer Energien sind beträchtlich, da sie drei Hauptaspekte der modernen Gesellschaft - wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung - miteinander verbinden. Neben den aktuellen Herausforderungen von Corona steht der Energiesektor nach wie vor unter dem Druck der Dekarbonisierung und muss in erneuerbare Technologien investieren. Diese Artikelserie über die Regionen Ostafrika, Lateinamerika und Südostasien gibt einen Überblick und eine Bewertung zu Investitionspotentialen.


Die ostafrikanische Region ist führend bei der Förderung Erneuerbarer Energien auf dem Kontinent, einschließlich Solar-, Erdwärme- und Windkraft. Wir wollen den aktuellen Stand der Erneuerbaren Energien in Ostafrika sowie das wirtschaftliche und technologische Potenzial aufzeigen und versuchen, eine Schlussfolgerung für die nahe Zukunft zu ziehen.


Wirtschaftliche Lage Ostafrikas und das Potenzial Erneuerbarer Energien

Weniger als ein Viertel der rund 537,9 Millionen Einwohner Ostafrikas hat Zugang zu Elektrizität – das ist die niedrigste Elektrifizierungsrate der Welt.


Dennoch liegt das Wirtschaftswachstum in Ostafrika mit fast 7 Prozent im Jahr 2019 über dem anderer Regionen des Kontinents. In der Abbildung 1 ist das Bruttoinlandsprodukt („BIP”) von 2018 sowie das BIP-Wachstum perspektivisch für 2021 zu sehen. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Ausbau des produzierenden Gewerbes werden auch weiterhin die wichtigsten Prioritäten für die Schaffung von Wachstum und Beschäftigung auf dem gesamten Kontinent sein. In Anbetracht der enormen natürlichen Ressourcen der Region wird Ostafrika zu einer sehr attraktiven Region und stellt eine große Chance für Investoren in Erneuerbare Energien dar.

Das Potenzial der Photovoltaik (PV) schwankt zwischen 1.607 und 1.899 kWh/kWp, die Windgeschwindigkeiten gehören zu den stärksten auf dem Kontinent. Insbesondere an den Küsten Ostafrikas würde das Potenzial für Anlagen mit einem Kapazitätsfaktor „CF” von mehr als 30 Prozent – bis zu 30.860 TWh/Jahr – den gesamten Strombedarf Afrikas im Jahr 2012 mehr als 50-mal decken. Auch Wasserkraftressourcen sind reichlich vorhanden, und aufgrund des Great Rift Valley ist das Potenzial der geothermischen Energie beträchtlich.

 

 

Abbildung 1: BIP 2018 und erwartetes Wachstum

 

Entwicklung Erneuerbare Energien, 2015-2018

Anteil von EE und installierter Kapazität

Im Laufe der Jahre ist die Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Ostafrika gewachsen. In einigen Ländern ist der Anteil der EE bereits beträchtlich, allerdings muss die im Vergleich zu den Industrieländern geringe Nachfrage berücksichtigt werden. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität (excl. Off-grid Systeme) im Jahr 2015 in der Region der Ostafrikanischen Gemeinschaft („EAC”)3 betrug 65 Prozent. In der Region der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten („ECOWAS”) dagegen betrug er 28,6 Prozent und in der Region der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika („SADC”) 23,5 Prozent. Bis Ende 2015 stammten 3 Gigawatt („GW”) des in der EAC-Region installierten netzgekoppelten Stroms aus Erneuerbaren Energien. In Abbildung 2 ist der Anteil des EE-Verbrauchs im Jahr 2015 nach Ländern in Ostafrika dargestellt.

 

 

Abbildung 2: Anteil Erneuerbarer Energien nach Ländern im Jahr 2015


Kleine Solarprojekte sind in den meisten ostafrikanischen Ländern zu finden. Bemerkenswert ist die Steigerung der installierten Leistung von 2015 bis 2018, wie in Abbildung 3 zu sehen ist. In 2018 erreichte die gesamte installierte Leistung der Solarenergie 345,4 Megawatt („MW”). Betrachtet man die EAC, so hat beispielsweise Kenia die höchste installierte Leistung für Erneuerbare Energien (820 MW) und investiert vor allem in Windkraft und Geothermie, gefolgt von Uganda (693 MW), Tansania (562 MW), Ruanda (78,8 MW), das Wasserkraft und Solarenergie entwickelt, und Burundi (33,8 MW). In Tansania und Uganda liegt der Schwerpunkt auf Wasserkraft.

 

 

Abbildung 3: Installierte Solarkapazität 2015-2018 in MW

 

Die installierte Leistung der Wasserkraft hat im Jahr 2018 12.461 MW erreicht und ist damit vor allem aufgrund des hohen Kapazitätsfaktors die häufigste Stromquelle. Abbildung 4 zeigt die installierte Gesamtkapazität im Jahr 2018. Es ist zu sehen, dass Äthiopien, Sambia und Mosambik mit 3.817 MW, 2.398 MW bzw. 2.203 MW an der Spitze liegen.

 

Abbildung 4: Installierte Kapazität der Wasserkraftwerke 2018 in MW 


Trotz ihres großen Potenzials in der Region erreicht die Leistung der geothermischen Energie im Jahr 2018 insgesamt 670 MW. Kenia mit 663 MW und Äthiopien mit 7,3 MW sind die beiden wichtigsten Länder mit einer bedeutenden geothermischen installierten Leistung. Es wird jedoch erwartet, dass die geothermische Energie aufgrund der Initiativen in dieser Region, wie z.B. der Geothermal Risk Mitigation Facility („GRMF”), Veränderungen erfahren wird. Die GRMF wurde eingerichtet, um die geothermische Entwicklung in Ostafrika zu finanzieren, zu erleichtern und zu beschleunigen. Ziel ist es Investitionen des öffentlichen und privaten Sektors in die geothermische Stromerzeugung zu fördern.

Windenergie ist die zweithäufigste Stromquelle. Die Gesamtkapazität der Technologie erreichte 681,3 MW. Kenia und Äthiopien sind immer noch die beiden Länder mit der größten installierten Leistung. Der Anteil der Technologie, der 2018 erreicht wurde, betrug 324 MW bzw. 226,1 MW. Kleine Kapazitäten sind in Mauritius (10,6 MW), auf den Seychellen (6 MW), in Somalia (3,6 MW), Eritrea (0,8 MW) und Madagaskar (0,2 MW) zu finden.

 

Investitionen und Finanzierung

Eine der Hauptschwierigkeiten bei Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien in Afrika ist die Sicherung der Finanzierung.


Derzeit gibt es viele Finanzierungsmöglichkeiten, die sich auf die Entwicklung von EE in Afrika konzentrieren. Diese variieren zwischen europäischen und internationalen Regierungsinstitutionen, privaten Institutionen und Banken. Länderspezifische Informationen finden Sie auf der Website des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.


Einige afrikanische Länder verfügen auch über Programme zur Verbesserung des Strommarktes in der Region. Kenia beispielsweise hat einen Klimafond (Kenya Climate Fund) eingerichtet, der sowohl größere Projekte direkt, als auch kleinere Projekte über Intermediäre, wie Geschäftsbanken finanzieren soll.


Es ist auch möglich, dass für EE-Projekte mit einer Kapazität von bis zu einem MW mit dem Stromversorger eine Net-Metering Vereinbarung abgeschlossen wird.
 

Fazit

In den meisten Ländern Ostafrikas bestehen gute Investitionsmöglichkeiten. Es gibt jedoch einige, die sich von anderen abheben, wie Äthiopien, Ruanda und Kenia.

Äthiopien gewährt eine Reihe von Steuerbefreiungen und Zollerleichterungen. Die Weltbank hat das Renewable Energy Guarantees Program („REGREP”) ins Leben gerufen, das 200 Millionen Dollar an Garantien der International Development Association für die Entwicklung von 1.000 MW an Freiflächensolar- und Windenergieprojekten in Äthiopien bereitstellt.


Der Rural Electrification Fund („REF”) übernimmt die vollen Investitionskosten für die PV-Anlage bei der Elektrifizierung ländlicher Einrichtungen wie Gesundheitseinrichtungen und Schulen. Im Falle von Solar Home Systems („SHS”) werden zinslose Darlehen mit einer Laufzeit von fünf Jahren gewährt. Im Rahmen des „Scaling Solar Program” der Weltbank wurden mehrere Ausschreibungen durchgeführt. Allerdings gibt es derzeit keine spezifischen Förderprogramme für Windkraft in Äthiopien.

Die Regierung Ruandas unterstützt EE-Projekte mit einem einheitlichen, reduzierten Satz von 5 Prozent für den Import von Baumaterialien. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, wie bisher Zoll, Mehrwertsteuer und andere Steuern darauf zu zahlen. Darüber hinaus ist die Ausrüstung für PV-Projekte zollfrei.

Grundsätzlich hat sich die Ostafrikanische Gemeinschaft - bestehend aus Ruanda, Burundi, Kenia, Tansania und Uganda - auf ein gemeinsames Abkommen geeinigt, das vorsieht, dass auf Ausrüstungen im Bereich von PV- und Windenergieprojekten keine Zölle erhoben werden. Dies gilt auch für Batterien, die Sonnenenergie speichern.

Für geothermische Projekte steht zusätzlich zum Programm „Scaling Up Renewable Energy in Low Income Countries” das „Geothermal Risk Mitigation Facility” (GRMF) Programm der AUC zur Risikominderung zur Verfügung.

Ostafrika ist ein interessanter Markt - wenn die Kreditwürdigkeit des Abnehmers durch Staatspapiere oder sonstige Absicherungsinstrumente abgesichert ist oder sogar die Abnehmer-Beziehung auf einem konkreten PPA basiert, bestehen gute Chancen für einen erfolgreichen Markteintritt. Sicherlich müssen auch Umwelt- und Sozialfragen von Anfang an professionell angegangen werden und die Projektentwicklung und vor allem der Zeitplan werden aufgrund bürokratischer Strukturen nicht so reibungslos wie in Europa ablaufen. Es lohnt sich dennoch einen Blick darauf zu werfen.

 

 

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3 bestehend aus den Republiken Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan und Uganda sowie der Vereinigten Republik Tansania 

 

 

 

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