Polen: Mögliches Wiederaufleben der EE-Auktionen infolge der Corona-Pandemie

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​veröffentlicht am 13. Mai 2020


Angesichts des regelmäßig ansteigenden Strompreises sahen die Erzeuger von Strom aus EE dem Energiehandel nach dem Modell der freien Marktwirtschaft gefasst entgegen. Nach einer Analyse der letzten Änderungen der Strompreise, die durch die Corona-Epidemie verursacht wurden, wagen wir jedoch die mutige Hypothese, dass das Auktionssystem zu einem sicheren Hafen werden kann, der es den Erzeugern von Strom aus EE ermöglichen wird, den Sturm, den die Volkswirtschaften in Europa über sich ergehen lassen müssen, zu überstehen.

 

Der Fall des Energiepreises

Am 4. März 2020 teilte der Gesundheitsminister mit, dass es den ersten bestätigten Coronavirus-Fall in Polen gibt. Zwar hatten schon vorher zahlreiche Gerüchte hierzu kursiert, aber eben dieser Tag ist als der Zeitpunkt anzunehmen, an dem Polen den Kampf gegen den Virus aufnahm. Sehen wir uns zunächst an, wie sich die Energiepreise am Warenterminmarkt (poln. towarowy rynek terminowy, RTT), der größten Warenbörse in Polen für gehandelte Energiemengen, entwickelten.

 

An diesem Tag betrug der Tagesabrechnungskurs für Strom im Rahmen des Leitkontrakts Base Y-21 244,56 PLN/MWh. Den ersten erheblichen Einbruch gab es am 9. März, als der Preis auf 240,43 PLN/MWh fiel. In den folgenden 2 Tagen ließ sich ein leichter Anstieg beobachten, in dessen Folge sich der Energiepreis bei einem Wert von 242,00 PLN/MWh einpendelte. Der nächste wichtige Moment war die Entscheidung der Regierung vom 11. März, die Schulen, Kindergärten und anderen Bildungseinrichtungen zu schließen.

 

Es sieht so aus, dass ebendieses Ereignis entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Strompreises in den nächsten Tagen hatte. Als Reaktion auf die Regierungsentscheidung sank der Kurs für den Kontrakt Base Y-21 auf 238,50 PLN/MWh, was aber nur der Auftakt für den weiteren Fall war. Am 16. März betrug der Strompreis 225,83 PLN/MWh, am 17. März 219,00 PLN/MWh und die neuesten Daten zeigen einen Rückgang auf 213 PLN/MWh.


Basierend auf den Daten der Energiebörse lassen sich die Änderungen des Strompreises seit Anfang Februar wie folgt abbilden:

 

 


Ein noch stärkerer Rückgang des Strompreises wird am Spotmarkt für 24-h-Blöcke (poln. rynek dnia następnego, RDN), dem polnischen Spotmarkt für Strom notiert. Am Tag, als der erste Coronavirus-Fall in Polen bekannt gegeben wurde, lag der Basisindex TGeBase bei 221,56 PLN/MWh, am 17. März fiel er auf 175,89PLN/MWh. Um sich ein besseres Bild vom Ausmaß des Absturzes machen zu können, bedenken Sie bitte, dass laut Informationen des Vorsitzenden der Energieregulierungsbehörde der durchschnittliche Quartalspreis für den Verkauf von Strom im wettbewerbsorientierten Markt in Polen zum Ende des dritten Quartals 2019 bei 252,65 PLN/MWh lag.


Ist dies das Ende des Falls der Strompreise?

Wahrscheinlich nicht. Vor allem gibt es noch keinen gegenläufigen Trend bei der Epidemie. Im Gegenteil, in Polen steigt die Anzahl der Corona-Infizierten ständig an. Die Regierung hält vorerst an den Restriktionen im Zusammenhang mit der Epidemie fest, u.a. dauert die Schließung der Schulen und der anderen Bildungseinrichtungen weiter an. Gleichzeitig haben wir es mit einer zeitweisen Stilllegung oder Beschränkung der energieintensiven Produktion zu tun; es geht hier vor allem um die Entscheidungen, die Arbeit in den Autofabriken oder der Metallurgie-Industrie einzustellen. Die Reduzierung der Stromabnahme macht sich ebenfalls auf dem Markt des Schienenverkehrs bemerkbar, da es zu Einschnitten im Verbindungsnetz kommt. Dies führt zu dem Schluss, dass das Element der Nachfrage, das den Strompreis in Polen gestaltet, massiv beschränkt werden wird.


Angesichts der Abhängigkeit der polnischen Energie von Kohle sind auch die Kosten für den Kauf von CO2-Emissionen ein wesentlicher Faktor, der den Strompreis gestaltet. Auch hier haben wir es mit einem dramatischen Rückgang zu tun, was u.a. durch die Senkung der CO2-Emissionen durch China um über 100 Mio. Tonnen verursacht wurde. Noch vor einem halben Jahr lagen sie bei fast 30 Mio. Euro pro Tonne und jetzt fielen sie schon am Montag auf unter 20 Euro und liegen gegenwärtig bei ca. 18 Euro. Für die polnischen Kohlekraftwerke bedeutet dies Ersparnisse in PLN in Milliardenhöhe.


Vorteile des Auktionssystems

Vor allem die Stabilität der Verkaufspreise für Strom, der in EE-Anlagen erzeugt wird. Dem Sieger einer Auktion steht das Recht zu, eine negative Bilanz zwischen dem Verkaufspreis für Strom auf dem Markt und dem von dem Erzeuger im Rahmen der EE-Auktion angebotenen Preis zu decken. Die Analyse der Ergebnisse der Auktion für Photovoltaikanlagen bis 1 MW im Vorjahr zeigt, dass der Höchstpreis für Energie, die von den siegreichen Erzeugern geboten wurde, 327,00 PLN/MWh und der minimale Preis 269,00 PLN/MWh betrug.

 

Außerdem haben selbst die vorsichtigsten Bieter den Effekt des Einfrierens der Strompreise auf einem Niveau, das deutlich über dem Rückgang aufgrund der Coronavirus-Epidemie liegt, erzielt. Ebenfalls interessant stellen sich die Ergebnisse der Auktion für die sog. großen Windkraft- und Photovoltaikanlagen, d.h. mit einer Leistung von über 1 MW, dar. Die maximalen Preise, den Erzeuger bei dieser Auktion erzielten, betrugen 233,00 PLN/MWh und folglich erhalten sie Verkaufspreise für Strom auf dem Niveau des Kontrakts Base Y-21 vom 13. März 2020, d.h. vom Beginn der Coronavirus-Krise.


Geplante EE-Auktionen für 2020

Nach Äußerungen eines Vertreters des Energieministeriums sind für 2020 zwei EE-Auktionen geplant, und zwar für Mitte und Ende des Jahres. Wie die Verordnung über die Höchstmenge und den Höchstwert von Strom aus Erneuerbaren Energien, der in Auktionen im Jahre 2020 verkauft werden kann, festlegt, beträgt für Photovoltaikanlagen und Windkraftwerke von bis zu 1 MW die Höchstmenge an Strom, für die im Rahmen einer Auktion Verträge vergeben werden können, 11 760 000 Mwh bei einem Preis von 4.527.600.000 PLN, und für Anlagen, die größer als 1 MW sind, 46 290 000 Mwh Strom im Wert von 14.015.850.000 PLN. In der Begründung der Verordnung heißt es, dass das Budget die Inbetriebnahme kleiner Photovoltaikanlagen (bis zu 1 MW) mit einer Gesamtleistung von ca. 800 MW ermöglicht. In Bezug auf große Photovoltaik- und Windkraftprojekte (über 1 MW) schätzt die Regierung, dass große Windkraftprojekte mit einer Gesamtleistung von ca. 800 MW und Solarprojekte mit einer Gesamtleistung von ca. 700 MW Förderung erhalten können.


Die Durchführung der o.g. Auktionen steht in Zusammenhang mit dem Ziel Polens, dass 15 Prozent des Bruttostromverbrauchs an der Energiebilanz des Landes im Jahr 2020 aus Erneuerbaren Energien stammen müssen, in Erfüllung der starren Anforderung, die durch die Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen vorgegeben wird.

 

 

Besuchen Sie das Webinar „Erneuerbare Energien in Polen - Auktion, PPA, und aktuelle Hinweise zur Corona-Lage” der Energieagentur.NRW am 14. Mai 2020, bei dem Piotr Mrowiec als Referent auftreten wird.

 

 

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