Marktüberblick Südostasien

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​veröffentlicht am 25. August 2020


Die Märkte für Erneuerbare Energien sind im Laufe der Jahre weltweit gewachsen - vor allem aufgrund der sinkenden Stromerzeugungskosten für Wind und Sonne. PV-Strom hat auf Ebene der Versorgungsunternehmen die Netzparität erreicht. Das ist keine Diskussion mehr, sondern eine Tatsache. Die Vorteile erneuerbarer Energien sind beträchtlich, da sie drei Hauptaspekte der modernen Gesellschaft - wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung - miteinander verbinden. Neben den aktuellen Herausforderungen von Corona steht der Energiesektor nach wie vor unter dem Druck der Dekarbonisierung und muss in erneuerbare Technologien investieren. Diese Artikelserie über die Regionen Ostafrika, Lateinamerika und Südostasien gibt einen Überblick und eine Bewertung zu Investitionspotentialen.


Südostasien ist eine sehr vielfältige und dynamische Region. Ein gemeinsames Element ist dennoch, dass die politischen Entscheidungsträger in den verschiedenen Ländern ihre Anstrengungen zur Gewährleistung eines sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Energiesektors verstärkt haben. Wir wollen den aktuellen Stand der erneuerbaren Energien in Südostasien sowie das wirtschaftliche und technologische Potential darstellen und versuchen, eine Schlussfolgerung für die nahe Zukunft zu ziehen.

 

Erneuerbare Energieziele 2030 und Potenzial

Die Länder Südostasiens haben es sich auf regionaler Ebene zum Ziel gesetzt, bis 2025 einen Anteil von bis zu 23 Prozent ihrer Primärenergie aus nachhaltiger, erneuerbarer Energie zu beziehen. Zudem wird ein Anstieg des Gesamtenergiebedarfs um fast 50 Prozent erwartet. Die Mitgliedsstaaten des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) haben sich außerdem zu kollektiven Energieeffizienz- und Energieeinsparungszielen verpflichtet.


Jedes Mitglied der ASEAN hat sich ein eigenes Ziel in Bezug auf die erneuerbaren Energien (EE) gesetzt. Indonesien ist beispielsweise bestrebt, bis 2030 einen EE-Anteil von 31 Prozent und die Demokratische Volksrepublik Laos einen Anteil von 30 Prozent bis 2025 zu erreichen.


Myanmar hingegen verfolgt ein klarer formuliertes Ziel, wonach das Land bis 2030-31 einen Energiemix von 38 Prozent (8.896 MW) Wasserkraft, 20 Prozent (4.758 MW) Erdgas, 33 Prozent (7.940 MW) Kohle und 9 Prozent (2.000 MW) aus anderen erneuerbaren Energien erreichen soll.


Die Philippinen planen bis 2030 die installierte Leistung erneuerbarer Energien auf 15,3 GW zu erhöhen.
Thailand zielt darauf ab, den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 30 Prozent zu erhöhen. Hierfür wird von einem EE-Anteils im Stromsektor von 20,11 Prozent, im Wärmesektor von 36,67 Prozent und im Mobilitätssektor von 25,04 Prozent ausgegangen.


Vietnam hingegen peilt einen EE-Anteil (insbesondere Wind, Solar und kleine Wasserkraft) von knapp 21 Prozent bis zum Jahr 2030 an. Zusätzliche 17 Prozent des Gesamtstrommixes sollen 2030 in Großwasserkraftwerken erzeugt werden.


Alles in allem verspricht Südostasien den Ausbau der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahrzehnten in großem Umfang voranzutreiben.

 

Entwicklung der Erneuerbaren Energien, 2015 – 2018

Anteil der EE und installierte Kapazität

Der Energieverbrauch in Südostasien hat sich zwischen 1995 und 2015 fast verdoppelt. Es wird erwartet, dass unter Berücksichtigung der Entwicklung und des Wirtschaftswachstums der Region ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Endenergieverbrauchs um 3,4 Prozent eintreten wird.


Der in Abbildung 1 dargestellte Anteil des EE-Verbrauchs zeigt, dass die Demokratische Volksrepublik Laos und Myanmar im Jahr 2015 mit 86,37 Prozent bzw. 58,85 Prozent den höchsten Anteil aufweisen konnten. Dennoch liegt dieser in vielen weiteren Ländern aktuell noch in einem niedrigen Bereich. 

 

Abbildung 1: Anteil der erneuerbaren Energien

 



 

 

Abbildung 2: Installierte Kapazität in 2018 (Achtung: logarithmische Darstellung)

 


Bezogen auf die installierte Kapazität der südostasiatischen Länder von 2015 bis 2018 zeigt sich eine bedeutende Entwicklungen auf. So ist die installierte Gesamtkapazität von 120 GW auf 162 GW gestiegen.


Die drei Länder mit dem größten Wachstum in relativen Zahlen sind Singapur, Indonesien und Thailand. Singapur konnte den Anteil erneuerbarer Energien nahezu verdreifachen, während der Anteil in Indonesien um 45 Prozent und Thailand um 40 Prozent zunahm.


Indien investierte im Zeitraum von 2015 bis 2018 hauptsächlich in Sonnen- und Windenergie und verfügte insgesamt über eine installierte Leistung von 27 GW bzw. 35 GW. Dennoch ist die wichtigste erneuerbare Energiequelle des Landes nach wie vor Wasser.


Indonesien konnte die Gesamtkapazität in besagtem Zeitraum ebenfalls erhöhen, wobei die Wasserkraft mit 5,5 GW die größte Rolle spielte. Die meisten Erfolge konnten jedoch im Bereich der Geothermie erzielt werden.

 

 

 

Abbildung 3: Zubau an EE zwischen 2015 und 2018 (Achtung: logarithmische Darstellung)

 


Investitionen und Finanzierung

Gegenwärtig gibt es viele Finanzierungsmöglichkeiten, die sich auf die Entwicklung von EE in Südostasien konzentrieren. Diese variieren zwischen europäischen und internationalen Regierungsinstitutionen, privaten Institutionen und Banken. Informationen zu den einzelnen Ländern finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die Fördersysteme umfassen auch andere Förderinstrumente, die gesetzlich verankert sind, wie zum Beispiel in Indien. Dazu gehören Einspeisetarife, Tariferleichterungen für den Bau von Anlagen, Aufbau von Stromgutschriften durch erneuerbaren Strom (Net Metering) und Kapitalsubventionen. Zudem gibt es beschleunigte Abschreibungsverfahren. Viele weiteren Förderinstrumente bestehen jedoch nur auf Ebene der jeweiligen Bundesstaaten, weshalb zuweilen die Beantragung solcher Förderungen kompliziert und unübersichtlich sein kann.

In Vietnam wird zur Zeit insbesondere der Ausbau der Wind- und Solarenergie durch Einspeisetarife gefördert. Es besteht die Möglichkeit einer (Körperschafts-)Steuerbefreiung, einer beschleunigten Abschreibung und einer Senkung der Immobilienpachtgebühren sowie finanzieller Hilfen. Darüber hinaus wird keine Importsteuer auf Materialien und Ausrüstungen erhoben, die in EE-Projekten verwendet werden.


Indonesien sieht seine Zukunft in einem Mix aus Kohle und geothermischer Energie. Wind- und PV-Potentiale werden als eher gering eingeschätzt. Diese Strategie gilt für die Hauptinseln. Die vielen Mikronetze auf den kleineren Inseln haben jedoch Potential mit PV-Hybridsystemen ausgerüstet zu werden.


Indien hat sich hingegen hohe Ziele gesetzt und die Ausbauzahlen zeigen, dass die geschaffenen Anreize und Finanzierungsmechanismen den Markt stimuliert haben, was das Land zu einem sehr vielversprechenden Investitionsgebiet mit hohem Potential macht. Bislang wurde in Indien allerdings noch keine Energie aus geothermischen Quellen produziert. Es wurden jedoch bereits Potentialanalysen für das Land durchgeführt. Die Regierung plant, bis 2022 eine geothermische Leistung in Höhe von 1.000 MW (Wärme) / 20 MW (Strom) und bis 2030 von 10.000 MW (Wärme) / 100 MW (Strom) zu erzeugen. Ein großes Hindernis für ausländische Investoren bleibt der Fakt, dass jedes Bundesland die Förderung selbst unterschiedlich handhabt. Daher müssen bei Markteintritt in diesen grundlegend vielversprechenden Markt, viele rechtliche Regelungen geprüft werden.

Generell sind in Südostasien sehr unterschiedliche rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen sowie wirtschaftliche Grundparameter vorzufinden. Eine Möglichkeit, diese Unsicherheiten anzugehen, könnten öffentlich-private Partnerschaften (ÖPPs, engl. PPP) oder beispielsweise Green Bonds sein. ÖPPs als eine Form der Mischfinanzierung haben das Potential, Kompetenzen und Ressourcen des öffentlichen und privaten Sektors zusammenzubringen. ÖPPs für Erneuerbare Energien können die Risikoteilung erleichtern, zur Entwicklung größerer Projekte beitragen, das Bewusstsein und den Konsens über ein Projekt im Allgemeinen verbessern und das Verständnis der beteiligten für technische Lösungen und die damit verbundenen Risiken erhöhen.

Zusammenfassend sind im südostasiatischen Raum viele Länder mit hohen Zielen bezüglich des Ausbaus von EE zu finden. Die förderpolitische und energierechtliche Umsetzung ist allerdings von Land zu Land sehr unterschiedlich. Erst nach einer Analyse eben dieser rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann – unabhängig von den gesteckten politischen Zielen – über das Potential des Marktes eine Aussage getroffen werden. Sicher ist, dass es im süd-ost-asiatischen Raum für das ganze Spektrum der EE Länder gibt, in denen die technologiespezifischen Rahmenbedingungen gut sind. Hat man einen erschließbaren Markt identifiziert und lassen die Energiemarktbedingungen ausländisches Engagement zu, können sehr profitable Projekte initiiert werden.

 

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