Wasserstoffstrategie Deutschland und internationale Positionierung: Ziele und Förderprogramme

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veröffentlicht am 31. August 2022​

 

Bislang werden in Deutschland lediglich 5 % des genutzten Wasserstoffs grün, also durch Erneuerbare Energien produziert. Der Bedarf soll jedoch in den kommenden Jahrzehnten drastisch ansteigen, da grüner Wasserstoff zentral für die Erreichung der Klimaziele sein wird. Heimische Kapazitäten werden nur bis zu 14 TWh (15% des Bedarfs 2030) abdecken können. Der Großteil an grünem Wasserstoff soll demnach importiert werden. Die Entwicklung internationaler Märkte, aber auch eine starke Beschleunigung beim technologischen Ausbau im deutschen Markt sind deshalb in den kommenden Jahren von hoher Bedeutung. Die Regierung hat bereits einige Fördermaßnahmen geschaffen und wird den Hochlauf mit erheblichen Mitteln unterstützen (ca. 9 Milliarden €). Diese werden im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie 2020 bereitgestellt und sollen teilweise auch für den Aufbau internationaler Märkte genutzt werden (2 Milliarden €).

 

Wasserstoff soll zukünftig als nachhaltiger Energieträger nicht nur in der Industrie (bis 2030 zusätzlich 10 TWh), sondern auch im Verkehr und im gesamten Energiesystem eingesetzt werden. Die Steigerung des Bedarfs bis 2050 wird, wie unten ersichtlich, verschieden prognostiziert.

 

 

Quelle: Deutscher Bundestag Ausarbeitung Wasserstoffbedarf


Bislang stockte die Transformation hinsichtlich grünem Wasserstoffs insbesondere aufgrund der noch mangelnden Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu grauem Wasserstoff. Um Wasserstoff zu 100 % erneuerbar zu produzieren, sind große EE-Erzeugungskapazitäten und damit verbundene niedrige Stromgestehungskosten im Ausland nötig. Die deutsche Regierung hat bisher gemeinsam mit Japan und Südkorea die weltweit meisten Wasserstoffpartnerschaften geschlossen und die sogenannte Wasserstoffdiplomatie ins Leben gerufen.

 

Wasserstoffdiplomatie des Auswärtigen Amts

Deutschland kooperiert bereits mit 23 Ländern global in Energiepartnerschaften mit den primären Zielen, einen energiepolitischen Dialog zu schaffen und Impulse für gemeinsame Innovationen zur Energiewende zu setzen. Diese Energiepartnerschaften sollen nun auf Wasserstoffdiplomatie erweitert werden, für die das Auswärtige Amt bereits in 3 Ländern (Nigeria, Angola und Saudi-Arabien) entsprechende Büros geschaffen hat. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock plante zuletzt ein weiteres in Kiew, weitere Fortschritte hinsichtlich dessen sind bislang, zusammenhängend mit dem Ukrainekrieg, nicht bekannt. Die Funktion dieser Büros besteht insbesondere darin, einen strategischen Dialog mit Ländern zu führen, in denen der internationale Wasserstoffmarkt aufgebaut werden soll. Die Büros stellen Wissen bereit und führen lokale Analysen hinsichtlich der Transformation durch. Der wichtigste Punkt ist jedoch der Aufbau eines Netzwerkes aus Entscheidungsträgern und Unternehmen beider Länder, um die Kooperation langfristig zu vertiefen.

 

Der Grund, weshalb diese spezifischen Länder ausgewählt wurden, liegt im gemeinsamen Nenner: Flächen, Wind und Sonne. Besonders der afrikanische Kontinent steht hier als zukünftiger Lieferant für Deutschland im Fokus. Bislang wird in Afrika weniger als 0,02 % des Potenzials erneuerbarer Energien genutzt (180 TWh in 2018). Mit Angola ist bereits geplant, dass erste Wasserstofflieferungen im Jahr 2024 (!) erfolgen sollen, basierend auf der Kooperation deutscher Firmen und des angolanischen Energiekonzerns Sonagol. Die größte Herausforderung des Projektes besteht noch im Transport des Wasserstoffs. Bestehende Pipelines in Nordafrika werden noch für Erdgas benutzt, eine Anbindung an Westafrika wird noch dauern. Daher werden Schiffe den Wasserstoff nach Europa transportieren. Sowohl in Angola als auch in Nigeria, Saudi-Arabien und der Ukraine ist eine beidseitige Abhängigkeit von dieser Transformation vorhanden. Sie alle verfolgen eigene Ziele, in Zukunft mit erneuerbaren Energien Einkommen für den Landeshaushalt zu ermöglichen, sowie ihren eigenen Energiebedarf kostengünstig und unabhängig zu decken.

 

Mit Australien wurde 2021 eine bilaterale Allianz für Wasserstoffproduktion und -handel geschlossen. Im gleichen Jahr wurde mit Namibia eine Wasserstoffpartnerschaft unterzeichnet. Diese ergab sich insbesondere aus der Einschätzung, dass durch das enorme Potenzial für erneuerbaren Wind- und Solarstrom in Namibia weltweite Bestpreise von 1,50-2 € pro kg Wasserstoff ermöglicht werden könnten. Deutschland stellt für die Entwicklung 40 Millionen € zur Verfügung und plant bei der Umsetzung der namibischen Wasserstoffstrategie eine „zentrale Rolle“ zu spielen.

 

Deutsche Förderprogramme international – H2Global

 H2Global ist die zentrale Förderung der Regierung, um den internationalen Markthochlauf von Wasserstoff voranzutreiben bzw. zu ermöglichen. Im Kern handelt es sich um einen Preisdifferenzausgleich zwischen hohen Produktionspreisen und den nationalen Marktpreisen. 

 

Quelle: BMWK

 

Die deutsche Regierung kauft auf dem Weltmarkt (nicht-EU Ausland) möglichst günstig über Auktionen und resultierende 10-Jahresverträge Wasserstoff ein. Anschließend verkauft sie diesen dann zu Marktpreisen (günstiger) im Inland und der EU (ebenfalls über Auktionen, aber Kurzzeitverträge). Der resultierende Verlust wird über die H2Global Stiftung ausgeglichen, die 2022 bereits 900 Millionen € aus dem Budget der Wasserstoffstrategie erhielt. Somit kann schon jetzt ein Markt für den wichtigen Energieträger entstehen, während die Entwicklung zu niedrigeren Gestehungskosten parallel läuft und eine Notwendigkeit des Ausgleichs immer weiter minimiert wird. Dazu ist nicht nur der erneuerbare Strom zur Elektrolyse essenziell sondern auch das Schaffen einer langfristig effizienten Transportinfrastruktur. Im kommenden Jahr soll das Vierfache, 3,6 Milliarden €, in H2Global fließen. Zusätzlich zur monetären Unterstützung aus dem Bundeshaushalt spenden auch diverse Firmen aus dem Gas- und Energiesektor an die H2Global Stiftung.

 

Deutsche Förderprogramme international – H2Uppp: bis zu 200.000 € für kleine und mittlere Unternehmen

H2-Uppp ist eine Public-Private-Partnership Maßnahme, die kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützen soll, sich mit grünen Wasserstofftechnologien auf dem Markt in Entwicklungs- und Schwellenländern zu positionieren. Insgesamt ist eine Förderung von bis zu 200.000 € möglich, hinzu kommen intensive Beratungsleistungen der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die der public Partner des Programmes ist. Um die Förderung zu erhalten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, jedoch ist es im Kern essenziell, in Kontakt mit der GIZ oder der Export Initiative Energie (EIE) zu treten. Die GIZ hat im Rahmen des Programmes sogenannte H2-Scouts engagiert, die in ausgewählten Ländern nach förderfähigen Projekten suchen. Die GIZ kann als Projektpartner auch direkt diesbezüglich kontaktiert werden.

 

Die Exportinitiative Energie hat bereits geschaffene Strukturen zur Förderung von Wasserstoffprojekten, die sich das BMWK für H2Uppp zunutze macht. Einerseits die Konsortialbildung für erneuerbare Energien Projekte, bei der jährlich fünf Projekte rein für Wasserstoff ausgewählt werden und intensive Unterstützung bei der Projektentwicklung sowie Zugang zu einem professionellen Netzwerk erhalten. Projekte, die hierfür ausgewählt werden, erlangen automatisch auch die Möglichkeit, über H2Uppp gefördert zu werden. Außerdem bietet die EIE das sogenannte Projektentwicklungsprogramm (PEP) für Entwicklungs- und Schwellenländer an, über das ebenfalls qualifizierte Projekte über Kontakt mit der Institution für H2Uppp ausgewählt werden können. Zuletzt veranstaltet die EIE Energie-Geschäftsreisen in bestimmte Zielländer, um die Strukturen und Netzwerke für die Projektentwicklung vor Ort besser kennenzulernen. Im Rahmen dieser können sich entwickelte Projektideen ebenfalls für H2Uppp qualifizieren.

 

Deutsche Förderprogramme international – Förderung von Maßnahmen im Bereich des Exports von grüner und nachhaltiger (Umwelt-) Infrastruktur 

Diese Förderung dient der Internationalisierung deutscher Umwelttechnologien und dem Know-how Transfer in Schwellen- und Entwicklungsländer. Eine Reihe von Sektoren und ihre Technologien sind förderfähig, darunter auch grüner Wasserstoff. Verschiedene Projektstadien von Durchführbarkeitsstudien über Pilot- bis zu Initialprojekten werden mit einem Anteil der Kosten bezuschusst. Die Zuwendungshöhe richtet sich dabei nach dem individuellen Projekt, in Einzelfällen wird auch eine Vollfinanzierung ermöglicht. Antragsberechtigt sind alle rechtsfähigen Organisationen, d. h. Vereine, Verbände, Unternehmen, Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen. Um sich für die Förderung zu qualifizieren, ist es besonders wichtig, dass die Projekte einem ganzheitlichen Konzept unterliegen. Das bedeutet, dass auch lokale Arbeitskräfte mit eingebunden und bewusst die Infrastruktur und das Wissen vor Ort aufgebaut und verbessert werden müssen (Capacity Building). Auch Dienstleistungen, die hierfür notwendig sind, wie beispielsweise Workshops oder Schulungen, werden mitgefördert. Für die Bewerbung muss eine Projektskizze eingereicht und in einem anschließenden Schritt ein Förderantrag gestellt werden. Die Fördermaßnahme ist vorerst bis 2023 befristet.

 

Alle laufenden internationalen Förderungen, die sich auf die Nationale Wasserstoffstrategie beziehen, können auf der Website des BMWK eingesehen werden.

 

Fazit

Der Bedarf für grünen Wasserstoff wird im kommenden Jahrzehnt einerseits drastisch ansteigen, andererseits besteht noch viel Handlungsbedarf hinsichtlich der Deckung dieses Bedarfs. Die Bundesregierung investiert Milliardensummen in den heimischen und internationalen Markthochlauf, vor allem im Zusammenhang mit H2Global. Es bestehen mehrere Fördermittel, die deutschen Unternehmen Anreize setzen sollen, sich mit innovativen Lösungen auf dem Weltmarkt zu positionieren, sodass Deutschland Vorreiter im Bereich Wasserstofftechnologie werden kann. Die größten Herausforderungen bestehen in dem zügigen Ausbau großer Anlagen, die erneuerbaren Strom für die Elektrolyse kostengünstig produzieren können und der Frage des Transports. Ersteres soll insbesondere international stattfinden, in Ländern, die über viel Flächen-, Sonnen- und Windpotenzial verfügen, beispielsweise Nigeria. Insgesamt wird Deutschland nur eine geringe Minderheit des grünen Wasserstoffs heimisch produzieren können und stark importabhängig von internationalen Partnerschaften sein. Auch der nun geplante Hochlauf bei erneuerbaren Energien wird nur die zusätzlichen Bedarfe in der Industrie, im Verkehr (Elektromobilität) und im Bereich Wärme (Wärmepumpen) vorerst decken können. Die Bundesregierung hat vielerorts diplomatische Beziehungen aufgebaut, die das spezifische Ziel verfolgen, gemeinsam den Wasserstoffmarkt auszubauen und die beidseitige Versorgung zu sichern. Die Transportfrage soll im internationalen Kontext vorerst mit Lösungen wie dem Schiffsverkehr gelöst werden, langfristiges Ziel ist jedoch ein Gasnetz aus Pipelines, die sich sowohl durch Deutschland selbst als auch in europäische Nachbarländer und nach Afrika erstrecken.

 

Die zentrale Rolle, die grüner Wasserstoff in Zukunft für die Erreichung der Klimaziele spielen wird, ist nicht nur von Deutschland, sondern global erkannt worden. Dennoch befindet sich der Markt und die Infrastruktur noch in den Startlöchern. Im Rahmen der nationalen Strategie soll der technologische Ausbau, auch International, nun durch die geschaffenen Fördermittel eine steile Entwicklung erleben.

 

Auch Förderprogramme für Wasserstoff im nationalen Markt bestehen und können hier eingesehen werden.
Als Rödl & Partner sind wir bereits in diversen Wasserstoffprojekten bzgl. regulatorischer Fragen, Business Cases oder Finanzierung eingebunden. Wir beraten Sie gern!

 

 

 

 

 

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