Auf dem Sprung nach Asien – der erfolgreiche Markteintritt in China

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China6 Fragen, 6 Antworten. Dr. Thilo Ketterer, Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer und Partner bei Rödl & Partner, gibt eine Einschätzung zur aktuellen Lage für deutsche Unternehmen in der Volksrepublik China und zeigt Erfolgsfaktoren für einen gelungenen Markteintritt auf.
  
 

1. Was macht China für Unternehmer so attraktiv?

Die Wirtschaft in China boomt nach wie vor und das Investitionsvolumen ausländischer Investoren ist im Juni 2014 auf sagenhafte 14,4 Mrd. US-Dollar gestiegen. Die wirtschaftlichen Prognosen für die kommenden Jahre gehen zwar leicht zurück, bleiben aber auf einem sehr hohen Niveau. 2013 wuchs das BIP um 7,7%. Für 2014 rechnet die chinesische Regierung mit einem Anstieg von 7,3%. Die fortschreitende Urbanisierung und steigende Löhne bringen enorme Kaufkraft, sodass mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends zu rechnen ist.
 
Deutsche Marken gelten noch immer als Qualitätssiegel. Für mittelständische deutsche Unternehmen aller Branchen – hier v.a. Automotive, Maschinenbau, Pharmaindustrie, Chemieindustrie, Handels- und Beratungsfirmen – lohnt sich der Weg nach China. Die chinesische Zentralregierung ist stets bestrebt, Technologie- und Know-how-intensive Branchen zu fördern und schafft entsprechende Investitionsanreize für sogenannte High-Tech-Unternehmen. Auch Unternehmen, die viel in Forschung und Entwicklung investieren, können Subventionen und Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen. In der seit September 2013 existierenden neuen Pilot-Freihandelszone in Shanghai sind vereinfachte Registrierungsverfahren für Firmenneugründungen sowie stark gelockerte grenzüberschreitende Zahlungsabwicklungen in Renminbi bereits umgesetzt.
 

2. Freihandelszonen, Subventionen oder Steuerbegünstigungen schaffen Anreize für eine Investition in China. Sind diese Vorteile im ganzen Land vorhanden oder gibt es regionale Unterschiede? Wie findet ein Unternehmer den für sein Vorhaben geeignetsten Investitionsstandort?

Unterschiedliche Regionen haben unterschiedliche Vorteile zu bieten. Deswegen ist die Wahl des Investitionsstandortes von großer Bedeutung.
 
Während Peking hervorragend geeignet ist für die Kontaktpflege zu Regierungsmitgliedern und damit auch für die Platzierung von Generalbevollmächtigten, ist es dagegen sehr schwer sich mit Industrie in der Hauptstadt anzusiedeln.
 
Anders zeigt sich das Investitionsklima in der Gegend um das südlich gelegene Kanton. Nach wie vor ist diese Region für Investoren sehr attraktiv. Dort ansässige Großstädte vergrößern sich derzeit zu einer einzigen, riesigen Metropoloregion, die neben guten Rahmenbedingungen auch eine hohe Lebensqualität bietet.
 
Gleiches gilt für Shanghai, Jiangsu und Zhejian im Osten oder auch Hebei, Tianjin und Shandong etwas nördlicher: Eine gute Infrastruktur und viele ausgebildete Fachkräfte locken mehr und mehr Investoren, v.a. mittelständische Unternehmen, an. Dafür müssen die Investoren hier aber tiefer in die Tasche greifen als in anderen Landesteilen Chinas, Kosten und Löhne sind höher.
 
Neben diesen schon eher traditionellen Investitionsstandorten lohnt es sich sicherlich auch Provinzen wie Shaanxi, Ningxia, Gansu, Qinghai oder auch Xinjiang im Nordwesten Chinas nicht unbeachtet zu lassen. Diese Region ist bislang nicht im unmittelbaren Fokus ausländischer Investoren, verfügt aber über beachtliches Potenzial, wenn wir über die Bereitschaft von Lokalregierungen und deren Unterstützung bei der Ansiedlung von Produktionsunternehmen reden. Auch das Qualifikationsniveau von Arbeitnehmern ist vielversprechend. Ich bin mir sicher, dass nicht zuletzt auch die Zentralregierung in den nächsten Jahren Infrastrukturprojekte in dieser Region bewusst fördern wird, um den offensichtlichen Nachteil durch die Entfernung zu den Seehäfen etwas zu kompensieren.
 

3. Neben dem Standortfaktor spielt auch das Setup für ein erfolgreiches Investitionsvorhaben eine zentrale Rolle. Welche Möglichkeiten gibt es bei der Gestaltung?

Die Frage nach alternativen Investitionsszenarien ist mehrdimensional zu sehen. Auf der einen Seite erfreuen sich Joint Ventures großer Beliebtheit – nicht nur in Branchen, in denen sie noch staatlich vorgeschrieben sind. Sehr häufig versuchen ausländische Investoren, sich spezielle Marktkenntnisse von chinesischen Geschäftspartnern zu Nutze zu machen. Diese liegen beispielsweise in bestehenden Vertriebsstrukturen oder auch in speziellen Produktspezifikationen, wie sie der chinesische Konsument erwartet. Nachteilig bei Joint Ventures ist sicherlich der höhere Organisations- und Kontrollaufwand der von ausländischer Seite getragen werden muss, und die Herausforderung, die kulturellen Unterschiede adäquat zu managen.
 
Inzwischen ist es möglich, 100% der Anteile an einer chinesischen Gesellschaft zu halten. Erfahrungsgemäß werden diese sogenannten „Wholly Foreign Owned Enterprises” von Investoren bevorzugt, wenn das ausländische Stammhaus über genügend Kapazitäten verfügt, eine Investition alleine, sozusagen von Grund auf, auf der „grünen Wiese”, zu errichten. Sicherlich ist es so auch einfacher, das Abfließen von eigenem Know-how zu verhindern oder zumindest zu erschweren.
 
Unabhängig vom Umfang der Beteiligung stellt sich selbstverständlich die Frage nach der rechtlichen Struktur der Beteiligung: Hier sind die individuellen steuerlichen und ökonomischen Rahmenbedingen jedes einzelnen Investors zu analysieren. Fragen, ob die Investition in China direkt oder über eine Zwischenholding gestaltet wird, ob eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft – vergleichbar mit einer deutschen GmbH – oder vielleicht eine Personengesellschaft/Partnerschaft (Stichwort: Mittelstandsmodell) vorzuziehen ist, müssen im Einzelfall geklärt werden. In jedem Fall sind die Handlungsalternativen zahlreich und die finanziellen Auswirkungen signifikant, sodass sich in diesem Fall die Inanspruchnahme qualifizierter, interdisziplinär aufgestellter Berater empfiehlt.
 

4. Welche sind die bedeutendsten Erfolgsfaktoren für den Markteintritt in China?

Im Zen-Buddhismus gibt es das Sprichwort: In allen Dingen hängt der Erfolg von den Vorbereitungen ab.
 
Dies gilt im besonderen Maße für einen Markteintritt in China. Die kulturellen Unterschiede im geschäftlichen wie auch privaten Alltag sind immens. An dieser Stelle sei beispielsweise das Netzwerk persönlicher Beziehungen, „guangxi”, genannt. Diese Kontaktpflege auf verschiedensten Ebenen ist ein wichtiger Bestandteile des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Lebens und kann in gewissem Maße Unmögliches möglich machen.
 
Neben diesen „Softfaktoren” gibt es eine Reihe von gesetzlichen Normen, deren Kenntnis unabdingbar für einen erfolgreichen Markteintritt ist. Neben dem Investitions-/Gesellschafts-, Steuer- und Zollrecht, soll hier nur kurz auf das chinesische Devisenrecht verwiesen werden. Diese Regelungen sind sehr komplex und stehen nicht im unmittelbaren Fokus eines europäischen Investors. Die Devisenaufsichtsbehörde, SAFE genannt (State Administration for Foreign Exchange), ist eine sehr mächtige und einflussreiche Behörde, die im grenzüberschreitenden Devisentransfer allgegenwärtig ist. Wird beispielsweise bei der Gewährung von Fremdwährungsdarlehen gegen die „Spielregeln” der SAFE verstoßen, so ist eine Tilgung des Darlehens nahezu ausgeschlossen – von einer Zinszahlung ganz zu schweigen.
 

5. Was ist die größte Herausforderung für einen deutschen Unternehmer in China?

Die Volksrepublik entwickelt sich weg von einem Billiglohnland und konzentriert sich stärker auf hochwertigere Produkte und Technologien. Deutsche Unternehmen, die auf Qualität setzen, sind daher zunehmend einer stärkeren chinesischen Konkurrenz ausgesetzt. Ein Schlüsselfaktor zum nachhaltigen Erfolg ist dabei gut ausgebildetes Personal. Deutsche Unternehmen müssen mehr Anreize schaffen, damit Fachkräfte in ihre Unternehmen eintreten und auf lange Sicht dort arbeiten wollen. Chinesen sind – deutlich stärker als deutsche Mitarbeiter – dazu geneigt, für eine bessere Bezahlung nach kurzer Zeit den Arbeitsplatz wieder zu wechseln. Dies relativiert sich jedoch, sofern Unternehmen die Mitarbeiter wertschätzen und ihnen eine attraktive Perspektive im Unternehmen anbieten.
 

6. Welche Erfahrungen machen deutsche Unternehmen momentan in China?

Compliance ist hier das große Thema, also die Einhaltung von chinesischen Rechtsvorschriften. Die chinesische Regierung unter Führung des Staatspräsidenten Xi Jinping ist nicht nur sehr bestrebt, aktiv die Korruption zu bekämpfen, auch wurden in der jüngsten Zeit zahlreiche neue Verwaltungsvorschriften erlassen; der Verwaltungsapparat wurde dabei verschlankt und effizienter gestaltet. Die zuständigen Behörden sind zur stärkeren Zusammenarbeit untereinander aufgerufen. Deutsche Unternehmen dürfen diese Entwicklung nicht unterschätzen: Wenn z.B. jemand mit einem Touristenvisum nach China einreist und hier eine Arbeit aufnimmt, so liegt eine illegale Beschäftigung vor. Dies kann für den Arbeitgeber mit einer Geldstrafe und für den Arbeitnehmer mit Gehaltskonfiszierung und Abschiebung enden. Unterbezahlte, verzögerte oder gar nicht gezahlte Steuern können in schweren Fällen mit Gefängnis oder gar Todesstrafe geahndet werden. Deutsche Unternehmen müssen ihr Bewusstsein schärfen, dass China ein Land ist, in dem staatliche Organe die Gesetze nicht nur strikt durchsetzen können, sondern dies verstärkt auch tun. Aussagen von chinesischen Geschäftspartnern wie „in China machen wir das so” sollten in jedem Fall kritisch hinterfragt werden. Hier lohnt sich eine professionelle Beratung schon vor Beginn und während jedes China-Engagements.
 
zuletzt aktualisiert am 17.07.2014
 
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