Frankreich

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Frankreich5 Fragen, 5 Antworten. Isabelle de Barstch, Niederlassungsleiterin in Paris bei Rödl & Partner, gibt eine Einschätzung zur aktuellen Lage für deutsche Unternehmen in Frankreich.
  
   
 

1. Wie ist die derzeitige Konjunkturlage in Frankreich einzuschätzen?

Frankreich ist unverändert der bei weitem wichtigste Handelspartner Deutschlands – mit deutlichem Abstand vor Ländern wie China. Auch zeigen viele langfristige Indikatoren, z.B. eine sehr günstige Demographie, für Frankreich klar nach oben. Trotzdem ist das Frankreichbild kurzfristig aus Sicht vieler deutscher Unternehmen komplex und kontrastreich. Einerseits verschlechtert sich die Beschäftigungslage weiter aufgrund von Restrukturierungen und Betriebsstillegungen. Andererseits gibt die gesamte Wirtschaftstendenz auch kurz- und mittelfristig ermutigende Zeichen, wie etwa die Verbesserung der unternehmerischen Stimmung und des Produktionsindexes, die jedoch noch keine positive Auswirkung auf den Arbeitsmarkt haben. Neben steuerlicher Ungewissheit belastet das französische Arbeits- und Sozialrecht weiterhin die Wettbewerbs- und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen.
 

2. Wie würden Sie das Investitionsklima beschreiben?

Angesichts dieser nach wie vor schwierigen Konjunktur verhalten sich ausländische Investoren zurückhaltend: Zahlreiche Investitionsprojekte liegen derzeit auf Eis. Deutsche Investitionen in Frankreich sind 2013 um 6 % zurückgegangen, auch wenn Deutschland der zweitgrößte Investor in Frankreich bleibt. Dabei sind die Chancen, gerade jetzt in Frankreich einzusteigen und z.B. gezielt Marktanteile zuzukaufen, günstig wie lange nicht.
 

3. Welche Erfahrungen machen deutsche Unternehmen momentan in Frankreich?

Die Eindrücke sind sehr unterschiedlich: Viele deutsche Unternehmen sind in Frankreich außerordentlich erfolgreich, reden aber nicht darüber, andere kämpfen mit anhaltenden Schwierigkeiten bei der Ertragslage und der Personalführung, ohne konkrete Aussichten auf absehbare Verbesserungen. Neu hinzukommende deutsche Unternehmen schaffen eher schlanke Vertriebsstrukturen für den Absatz ihrer Produkte auf dem weiterhin attraktiven französischen Markt. Zielstrebige Investoren nutzen die kriselnde Wirtschaft und erwerben zu niedrigen Preisen in Schwierigkeiten geratene Unternehmen.
 

4. Was ist die größte Herausforderung für einen deutschen Unternehmer in Frankreich?

Neben der anhaltenden gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit und den sich daraus ergebenden Variablen für die mittel- bzw. langfristige Planung bildet nach wie vor das französische Arbeitsrecht das Haupthindernis für mehr Investitionen und größere Flexibilität.
 

5. „Die 5 Goldenen Regeln für Ihr Geschäft in Frankreich”

  • Besonderheiten des Frankreichgeschäfts berücksichtigen:

    Die geographische Nähe beider Länder verführt deutsche Investoren oft dazu, die kulturellen Unterschiede und Herausforderungen für Marktbearbeitung oder Personalmanagement zu unterschätzen und ihre deutschen Geschäfts- und Führungsmodelle 1:1 zu übertragen – ein sicherer Weg zum Misserfolg. Anpassung tut not.
     
  • Führung und Arbeitsrecht in den Mittelpunkt stellen:

    Frankreich hat das arbeitnehmerfreundlichste Arbeitsrecht der Welt. Damit Risiken beherrschbar bleiben und teure Fehler vermieden werden, ist die Berücksichtigung der neuesten Rechtsentwicklungen zwingend erforderlich.
     
  • Nach Markteintritt die Geschäftsentwicklung genau steuern:

    Viele deutsche Unternehmen bauen nach dem Markteintritt erhebliche steuerliche Risiken auf, wenn aus der Repräsentanz unversehens eine steuerliche Betriebsstätte wird und Selbstanzeigen mit Nacherklärungsbedarf nötig werden.
     
  • Konzernprozesse lokalisieren:

    Frankreich kennt Buchhaltungs- und Steuervorschriften, die deutsche Unternehmen immer wieder vor überraschende Probleme stellen, etwa im Umgang mit dem in Frankreich verbindlichen Kontenrahmen und der Jahresabschlusserstellung für Betriebsstätten ausländischer Gesellschaften. Prozesse, die in vielen scheinbar komplexeren, exotischeren Märkten ohne weiteres passen können, müssen für den Einsatz in Frankreich kritisch hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden.
     
  • Sprachbarrieren überwinden:

    Missverständnisse und Spannungen mit den Kollegen der französischen Tochtergesellschaft sind oft allein die Folge mangelnder Beherrschung von Fremdsprachen bei vielen Franzosen und die aus französischer Sicht unzureichende interne Kommunikation. Interkulturelles Verständnis muss (und kann) gerade bei den nächsten Nachbarn gelernt werden.

 

zuletzt aktualisiert am 07.05.2014
 

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