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Erfolgreich investieren in China

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 7 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in China ein?

Nach einem dramatischen wirtschaftlichen Einbruch im 1. Quartal 2020 konnte sich Chinas Wirtschaft mit Blick auf die globale Pandemie vergleichsweise schnell regenerieren. Als einzige große Volkswirtschaft schaffte es China im Vergleich zu 2019 noch ein leichtes Plus von etwa 2,3 Prozent einzufahren. Die strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie – u.a. die komplette Abschottung ganzer Millionenstädte, Quarantäne, Massentests sowie Einreisesperren – zahlten sich aus und so profitieren heute nicht nur chinesische Unternehmen vom neuerlichen Aufschwung. Milliarden von Yuan wurden zur Entlastung von der Pandemie betroffenen Unternehmen bereitgestellt und ein breites Konjunkturpaket zur Stimulation aufgelegt. Doch nicht nur chinesische Unternehmen kehren wieder auf die Erfolgsspur zurück, auch deutsche und europäische Unternehmen zeigen sich optimistisch ob der gut gefüllten Auftragsbücher und Absatzzahlen im Reich der Mitte.

Im 1. Quartal des laufenden Jahres verzeichneten die Im- und Exporte mit Deutschland gegenüber dem Vergleichs­zeitraum 2020 ein kräftiges Plus. Zu beachten ist jedoch, dass die hohen Zuwachsraten von über 30 Prozent beim deutschen Export an den wichtigsten Handelspartner auch auf Grund der vergleichsweise niedrigen Zahlen aus 2020 resultieren. Insgesamt hat sich der Außenhandel Chinas wieder stabilisiert und nimmt erhebliche Fahrt auf – u.a. da die globale Nachfrage in den letzten Monaten wieder kräftig anzog.

Für 2021 strebt die Volksrepublik ein Wirtschaftswachstum von etwa 8 Prozent an; Analysten von Deutsche Bank Research gingen im Februar sogar von 10 Prozent [1] aus. Neutraler äußert sich der IMF, der für China ein Wachstum von rund 8,4 Prozent [2] für das laufende Jahr prognostiziert. Aufgrund des vergleichsweise schwachen Vorkrisen­niveaus ist es nicht unwahrscheinlich, dass das von China angestrebte Ziel auch erreicht wird.  Doch nicht nur für China sieht das Wachstum für 2021 vergleichbar gut aus. Der gesamte asiatische Raum verzeichnete für 2020 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von -1 Prozent, verglichen mit dem Euro-Raum, der mit einem Minus von 6,6 Prozent zu kämpfen hat. Der globale Wirtschaftsmotor Asien hat 2020 mächtig gestottert, doch mit einem prognostizierten Wirtschaftsplus von 8,6 Prozent wird der Turbo wieder aufgedreht und die deutsche Wirtschaft vor Ort mitbeflügelt.

Sorgenkind ist derzeit v.a. noch der private Konsum, der zwar kräftig angezogen hat, jedoch noch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Mit verschiedenen Maßnahmen versucht der Staat, den Konsum weiter anzukurbeln. V.a. für die deutschen Automobilhersteller und deren Zulieferer erwies sich der starke chinesische Markt als Lichtblick – während der gesamten Krise konnten sich die Absätze doch vergleichsweise schnell wieder erholen und die Verluste in anderen Ländern zum Teil ausgleichen. Auch der gut aufgestellte deutsche Maschinenbau sieht wachsenden Umsätzen und Gewinnen entgegen, der Export deutscher Güter nach China ist ebenfalls auf Wachstumskurs.

Ein Wermutstropfen bleibt aber weiterhin bestehen: Die globalen Lieferketten sind zum Teil noch massiv gestört und beeinträchtigen die Produktionskapazitäten – nicht nur in China, sondern global. Gerade im Halbleitersegment, aber auch im Baugewerbe kommt es zu erheblichen Störungen der Lieferketten und somit Lieferengpässen.

Trotz einer Vielzahl positiver Aspekte werden die weiterhin sehr strengen Einreisebestimmungen als großes Hindernis von vielen deutschen Unternehmen gesehen, um am Erfolg partizipieren zu können. Nicht nur auf Seiten der Expatriates sondern auch bei allgemeinen Geschäftsreisen oder Montage- und Wartungsaufträgen. Grundsätzlich gilt eine mind. zweiwöchige Quarantänepflicht, die (je nach Endziel der Reise) nochmals um 7 bis 14 Tage verlängert werden kann. Mit Blick auf die unterschiedlichen Vorhaben seitens der deutschen Wirtschaft wirkt das nicht nur abschreckend, sondern auch höchst impraktikabel. Die unterschiedliche Auslegung in den verschiedenen Provinzen und mitunter kurzfristige Änderung der Vorschriften führen darüber hinaus zu starker Verunsicherung und machen eine gute Planbarkeit von etwaigen Einsätzen oder Geschäftstreffen vor Ort kaum möglich.


Wie würden Sie das Investitionsklima in China beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die chinesische Regierung ist bemüht, das Investitionsklima durch die Anpassung des regulatorischen Rahmens weiter zu optimieren und ausländische Investoren – gleich ob mit direkten oder indirekten Investitionen – ins Land zu locken. Seit Anfang 2020 ist das China Foreign Investment Law (FIL) in Kraft, mit dem Ziel, die Investitions­bedingungen für ausländische Investoren weiter zu verbessern. U.a. sollen durch das FIL ausländische Investitionen inländischen gleichgestellt werden. Dazu wurde die Liste mit Industrien und Branchen, die bis dahin für ausländische Investitionen beschränkt oder verboten waren, gekürzt. Das hat zur Folge, dass in den meisten, für den deutschen Mittelstand relevanten Sektoren, investiert werden kann und nur noch wenige Beschränkungen aufrechterhalten wurden. Auch das Erfordernis, in bestimmten Branchen ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner einzugehen, gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. Neben den bereits genannten Anpassungen hat sich auch der Schutz geistigen Eigentums verbessert. Und das nicht nur auf regulatorischer Ebene, sondern auch in der Praxis, wenn es darum geht, seine Rechte mit Unterstützung chinesischer Behörden und Gerichte durchzusetzen.

Ende 2020 wurde mit dem EU-China Comprehensive Agreement on Investment (CAI) ein weiterer Meilenstein in den Handelsbeziehungen zwischen China und den EU-Mitgliedsstaaten erreicht. Die in das Abkommen gelegten Erwartungen seitens der deutschen Wirtschaft konnten bis dato jedoch noch nicht erfüllt werden, da das Abkommen in vielen Punkten eine Antwort schuldig bleibt und zudem der Ratifizierungsprozess des Abkommens noch aussteht – aufgrund der aktuellen Spannungen zwischen der EU und China wird er sich aktuell weiter verzögern.

China konnte, wirtschaftlich gesehen, 2020 als einer der Gewinner aus der anhaltenden Corona-Krise hervorgehen. Nicht nur mit Blick auf den starken Im- und Export, sondern auch bei den ausländischen Direktinvestitionen (FDI). Die weiter wachsende und kaufkräftige Mittelschicht, gute Bildungsstandards v.a. in den Ballungsräumen, eine gute Infrastruktur sowie die Sonderstellung als Zugpferd im Asiatisch-Pazifischen Raum bieten gute Bedingungen für Investitionen.

Besonderes Potenzial sehen wir in folgenden Branchen, u.a. getrieben durch die anhaltende weltweite Gesundheitskrise:

  • Medizintechnologie, Hersteller von medizinischem Schutzausrüstungen und -material;
  • Medizinische Geräte und Diagnostik;
  • Pharmaindustrie;
  • Arzneimittel und Medizinprodukte;
  • E-Commerce;
  • High-Tech und Robotik;
  • Elektrofahrzeuge und -mobilität;
  • Umwelttechnik;
  • Logistikbranche;
  • Leistungen im Bereich Digitalisierung und Transformation.


China hat 2020 seine Vormachtstellung im Bereich des medizinischen Schutzmaterials unter Beweis stellen können. Laut offiziellen Zahlen der chinesischen Zollbehörden wurden über 200 Mrd. medizinische Masken ausgeliefert und China bleibt damit der größte Produzent von medizinischem Schutzmaterial. Die Produktions­kapazitäten werden in den kommenden Monaten stabil ausgelastet sein, um die weiterhin große weltweite Nachfrage decken zu können. Wie in den letzten Jahren bleibt darüber hinaus der E-Commerce-Sektor weiter auf der Überholspur, zusätzlich beflügelt durch die Corona-Pandemie.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in China gegenüber?

Trotz der positiven Signale bleiben Fragen offen, wie stark neue Regularien in der Praxis und in den verschiedenen Provinzen umgesetzt werden. Auch nach einem Jahr der „Gleichstellung” ausländischer und inländischer Investitionen werden heimische Investitionen bevorzugt. Gerade bei öffentlichen Ausschreibungen mangelt es an der nötigen Transparenz.

Bemängelt wird auch der Zugang sowie die Geschwindigkeit des verfügbaren Internets, dass vielerorts nicht den westlichen Standards entspricht und in Zeiten von Videotelefonie und virtuellen Konferenzen sowie Geschäfts­terminen ein Hindernis darstellt. Wie in den vergangenen Jahren stellen das chinesische „Cyber Security Law” sowie dessen Zusatz- und Auslegungsbestimmungen eine große Herausforderung dar. Unklar ist immer noch, inwieweit durch das Gesetz der grenzüberschreitende Datenverkehr beschränkt werden könnte. Für global agierende Unternehmen in einer globalisierten Welt und den derzeitigen Reisebeschränkungen allerorts ein großer Risiko- und Unsicherheitsfaktor.

Als Herausforderung wird außerdem das Corporate Social Credit System gesehen, das mit neuen regulatorischen Herausforderungen aufwartet. Das System sollte 2020 landesweit ausgerollt werden; bis dato ist nur die Provinz Zheijang als Modellprojekt mit einem vollumfänglichen System am „Netz”. Wann und in welchem Umfang alle Bausteine des Systems landesweit ausgerollt werden, bleibt abzuwarten.

Das augenscheinlich drängendste Thema sind aber die bestehenden Reisebeschränkungen für Ausländer. Geschäftsreisen sind aufgrund des administrativen Aufwands für Visum und Reise sowie die anschließende mind. 14-tägige Quarantäne fast unmöglich. Viele Expatriate-Positionen bleiben aufgrund der Reisebeschränkungen derzeit unbesetzt – ein Umstand, den viele deutsche Investoren sogar als von der chinesischen Seite als gewollt ansehen.

Nicht nur die Reisebeschränkungen wirken sich auf die Attraktivität Chinas als Expatriate-Land negativ aus. Darüber hinaus stehen mit der Einkommensteuerreform und dem Steuerjahr 2022 weitere Änderungen ins Haus, die einen Großteil steuerlicher Begünstigungen für Ausländer – bspw. die steuerliche Befreiung von Zuschüssen für Schulgebühren und die steuerliche Anrechenbarkeit von Mietkosten (Housing Allowance) – nicht mehr vorsieht. Auch für Bonuszahlungen kommen u.U. Neuregelungen zu Ungunsten des ansässigen Steuerzahlers, die die Steuerlast weiter erhöht. Für Unternehmen, die auf ausländische Mitarbeiter angewiesen sind, kann das ein hoher Kostenfaktor sein, um die schwindende Attraktivität einer Anstellung in China monetär auszugleichen.

Das hat zur Folge, dass sich durch das Fernbleiben ausländischer Fach- und Führungskräfte die so oder so bestehenden kulturellen Hürden verschärfen – sei es bei virtuellen Verhandlungen oder das virtuelle Führen der Teams vor Ort in China.


Welche Perspektiven eröffnen die beschlossenen Abkommen zum Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) und EU-China Comprehensive Agreement on Investment (CAI) für Investoren?

Mit Blick auf deutsche Investoren in China ist v.a. das CAI relevant und viele Unternehmen erhoffen sich durch das neue Abkommen verbesserte Marktzugangsbedingungen. Perspektivisch spielt es nach den jüngsten, v.a. politischen Entwicklungen, in naher Zukunft nur eine Nebenrolle, da die EU den Ratifizierungsprozess aktuell nicht aktiv vorantreibt. Das CAI wurde bereits Ende 2020 innerhalb der EU nicht nur positiv bewertet – bemängelt wurde u.a. der Zeitpunkt der Bekanntgabe Ende 2020 und zu lasche Regelungen, um die Interessen der EU-Mitglieds­staaten durchzusetzen. Allein die Bestimmungen, die in den Anhängen des CAI zur Diskussion gestellt wurden, erschienen übersetzt im März 2021.

Ähnliches gilt für das RCEP, dass zwar ebenfalls beschlossen, aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, um den Ratifizierungsprozess zu durchlaufen. Durch die große Anzahl an Signatarstaaten, sowohl auf Seiten des RCEPs als auch CAI, gestalten sich die Ratifizierungsprozesse äußerst komplex.

Dennoch gehen wir davon aus, dass, sobald beide Abkommen abschließend ratifiziert wurden, auch deutsche und europäische Unternehmen davon profitieren. Mit Blick auf das RCEP betrifft das insbesondere deutsche Unternehmen, die bereits in der Region vor Ort mit eigenen Niederlassungen und Produktionsstätten vertreten sind da der grenzüberschreitende Handel innerhalb der Asien-Pazifik-Region weiter vereinfacht sowie Handelsbarrieren minimiert werden.

Ebenfalls ist zu beachten, dass sich das RCEP und CAI grundlegend unterscheiden, da es sich beim CAI um ein Investitionsabkommen und nicht, wie im Falle des RCEP, um ein Freihandelsabkommen (FHA) handelt. Somit werden in Deutschland oder Europa ansässige Unternehmen nicht damit rechnen können, dass Zölle oder andere Handelsbarrieren mittelfristig mit Hilfe eines Freihandelsabkommens abgebaut werden. Zudem sind derzeit keine Anstrengungen seitens der EU oder China erkennbar, Verhandlungen zu einem umfassenden Freihandelsab­kommen, wie es bspw. mit den im asiatischen Raum abgeschlossenen FHA der EU mit Singapur oder zuletzt Vietnam der Fall war, zu beginnen.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht China weiterentwickeln?

Die aktuelle wirtschaftliche Lage Chinas ist ein positives Signal für die Weltwirtschaft – so wirkt in der gegenwertigen Pandemie das Reich der Mitte als starke Lokomotive, um die globale Wirtschaft wieder in die Spur zu führen. Die weltweite Nachfrage zieht wieder an und das nutzen nicht zuletzt deutschen Unternehmen vor Ort.

Doch China wäre nicht China, wenn das Land die Chance und den Vorsprung bei der Pandemiebekämpfung nicht zu nutzen wüsste. Dabei plant die Kommunistische Partei mit einem vergleichsweise niedrigen Wachstum für 2021 – um 6 Prozent. China wird alles daransetzen, die gesteckten Ziele zu erreichen und seine Position als Wirtschaftsmacht zu festigen. Zum Leidwesen vieler ausländischer Geschäftsleute, sollte das Land an seiner Null-Covid-Strategie noch über 2021 hinaus festhalten und die Einreise nur unter erschwerten Bedingungen möglich bleiben.

Die Herausforderungen der Tage bergen aber auch Chancen, bestehende Geschäftsmodelle im Lichte der anhaltenden Digitalisierung zu überprüfen und bestenfalls zu transformieren. Das gilt nicht zuletzt auch für Führungsaufgaben, die auf Distanz wahrgenommen werden müssen. Einer der Erfolgsschlüssel dieser Tage: Mut, Fingerspitzengefühl, interkulturelles Know-how und das Wissen sowie Anwenden passender Führungsinstrumente.

Trotz aller Herausforderungen und der aktuellen diplomatischen Spannungen zwischen der EU und China sowie der anhaltende Handelskonflikt mit den USA -  China wird seine Position als einer der wichtigsten Investitions- und Absatzmärkte gerade in den kommenden Post-Covid-Jahren weiter ausbauen und für die deutsche Wirtschaft weiter an Bedeutung gewinnen.




[1] Deutsche Bank Research, Ausblick Deutschland, Ausgabe vom 19. Februar 2021

  

 Kulturelle Besonderheiten in China

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