Erfolgreich investieren in Dänemark

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in Dänemark ein?

Vor Covid-19 gab es in Dänemark in den letzten fünf Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum von 2-3 Prozent. Die letzten Wachstumsjahre haben die dänische Wirtschaft gerüstet, sodass nun die dänische Regierung Unternehmen in der Corona-Krise durch großzügige Hilfspakete unter­stützen kann. Die dänische Nationalbank geht davon aus, dass die zur Eindämmung der Pandemie getroffenen Maßnahmen zu einem Rückgang des Bruttonationalproduktes um 3-10 Prozent führen werden. Die wirtschaftlichen Hilfspakete, die generelle Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des dänischen Arbeitsmarktes sowie die staatlichen Darlehen werden den dänischen Markt unterstützen und dafür sorgen, dass weniger Arbeitsplätze verloren gehen. Zur weiteren Unter­stützung der Wirtschaft hat das dänische Finanzministerium die Deckelung des Etats für kommunale Bau- und Renovierungsprojekte aufgehoben und eröffnet so einen zusätzlichen Etat von bis zu 10 Mrd. Kronen für öffentliche Investitionen, um Unternehmen und die generelle Auftragslage zu unterstützen. Es wird erwartet, dass die dänische Wirtschaft gute Aussichten hat, sich im Vergleich zum internationalen Markt relativ zügig zu erholen, da sie gut gerüstet und agil ist.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Dänemark beschreiben? Welche Sektoren halten das größte Potential bereit?

Die wirtschaftliche Landschaft ist durch viele meist mittelständische Industrieunternehmen geprägt, von denen eine Vielzahl hochspezialisierte Technologieführer sind. Historisch gesehen ist Dänemark Hauptsitz einiger globaler Großunternehmen aus dem Bereich Shipping, Nahrungsmittel sowie Brauereien. Auch der Maschinen- und Anlagenbau, die Pharmaindustrie, die Umwelttechnologie und die Tourismusbranche spielen eine wichtige Rolle. Aufgrund des umfangreichen Sozialsystems des Landes hat der öffentliche Sektor eine wesentliche Bedeutung, denn er beschäftigt über 30 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung. Dänemark ist bestrebt, in der wissens­basierten und Hightech-Industrie der Zukunft zu expandieren. Ein Schwerpunkt liegt auf Forschung und Ent­wicklung. Mit Covid-19 hat der dänische Staat einige Infrastrukturprojekte vorangetrieben, die für deutsche Unternehmen viel Potenzial haben.


Vor welchen Herausforderungen stehen deutsche Unternehmen bei ihren Geschäftsvorhaben in Dänemark?

Seit dem 15. März 2020 ist die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland wegen Covid-19 geschlossen. Einreisen sind nur erlaubt, wenn ein triftiger Grund nachgewiesen werden kann, z.B. die Lieferung von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen. Eine turnusmäßige Geschäftsreise gilt nicht als triftiger Grund. Die Grenz­schließung kann zu längeren Transport- und Lieferzeiten führen.

Zu den Herausforderungen deutscher Unternehmen auf dem dänischen Markt gehört insbesondere der Unterschied zwischen dem dänischen und dem deutschen Arbeitsmarkt. Viele Tarifverträge machen den dänischen Arbeitsmarkt flexibel und vom Gesetzgeber unabhängig. Gleichzeitig führt das jedoch zu einer für deutsche Unternehmen ungewohnten Regel-Intransparenz, da die einschlägigen Regeln erst zu ermitteln sind und ihre Interpretation oft viel Spielraum lässt. Die dänischen Gewerkschaften sind daher sehr weit verbreitet und einflussreich. Oft liegt es in ihrem Interesse, die Möglichkeiten ausländischer Arbeitnehmer in Dänemark zu begrenzen, um Sozialdumping zu vermeiden. V.a. im Bereich der ungelernten Arbeitskräfte liegt das dänische Lohnniveau weiter über dem anderer – insbesondere osteuropäischer Länder.

Das dänische Arbeitsmarktmodell wird oft als „Flexicurity” bezeichnet – abgeleitet aus den Elementen Flexibilität und Sicherheit. Das Modell ermöglicht eine hohe Risikotoleranz unter den Arbeitgebern und ein hohes Maß an Mobilität unter den Arbeitnehmern. Jährlich wechselt jeder vierte Däne seinen Arbeitsplatz und jeder fünfte dänische Arbeitnehmer arbeitet in einem ausländischen Unternehmen.

Die dänischen Steuervorschriften für Arbeitgeber und Arbeitnehmer können eine Herausforderung darstellen. Dazu gehört bspw. die Besteuerung von Betriebsstätten – oftmals bereits, wenn es nur einen dänischen Vertriebsmitar­beiter gibt, der vom Homeoffice aus arbeitet. Auch die Regeln des Dienstleistungsregisters „RUT” sind ein Hindernis für deutsche Auftragsausführer in Dänemark. Das Register sieht umfangreiche Anmeldepflichten bei der Dienst­leistungserbringung vor und Verstöße werden konsequent mit Bußgeldern geahndet.

Positiv ist, dass die Gründung einer dänischen Tochtergesellschaft schnell und mit überschaubaren finanziellen Mitteln erfolgen kann. Die dänische Körperschaftsteuer liegt bei 22 Prozent und damit deutlich unter der in Deutschland.


Welche Möglichkeiten bietet die grenzüberschreitende Öresund-Region Investoren?

Die Öresund-Region ist ein in den Norden bzw. aus dem Norden nach Europa führendes Gebiet. Bisher haben sich über 300 Hightech-Unternehmen in dieser grenzüberschreitenden Region etabliert, davon ca. 100 im Bio-Tech-Bereich. Der Zugang sowohl zu den dänischen als auch zu den schwedischen Märkten bringt viele Vorteile mit sich: Z.B. Steuervorteile, größere Risikokapitalmärkte und eine große Möglichkeit zur Einstellung hochqualifizierter Mitarbeiter.
 

Wie wird sich Dänemark Ihrer Meinung nach entwickeln?

Die dänische Mentalität und Kultur werden für den Ausstieg aus der Corona-Krise von Vorteil sein. Dänemark ist dafür bekannt, eine Nation mit einem hohen Maß an Vertrauen zu sein, was das Land in schwierigen Zeiten sehr agil und operativ macht – auch unter Berücksichtigung der Größe der Nation. Politisch hat Dänemark immer nach Kompromissen gesucht und die Parteien haben eine Geschichte der Zusammenarbeit, die es dem Parlament z.B. ermöglicht, Notstandsgesetze umzusetzen, um Covid-19 rechtzeitig anzugehen, wobei jede politische Partei zustimmt und die Effizienz der Krisenbewältigung verbessert. Deutschland ist Dänemarks größter Handelspartner, was hoffentlich zu politischen Maßnahmen führen wird, um die weitere Rentabilität der Partnerschaft zu gewährleisten.

 Kulturelle Besonderheiten in Dänemark

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