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Erfolgreich investieren in Finnland

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten


 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Finnland ein?

Finnlands Wirtschaft wird 2020 etwas langsamer wachsen als 2019. Die neue Ministerpräsidentin Sanna Marin setzt auf Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Klimaschutz.

Aktuell verliert der Bauboom an Kraft und die Exporte schwächeln. Im Gegenzug gibt die Regierung ihren strikten Sparkurs auf und investiert. Getragen wird das diesjährige Wachstum auch vom privaten Konsum. Das Konsumwachstum wird durch die Verbesserung der Kaufkraft der Haushalte unterstützt. Die Lohnkosten in der Wirtschaft werden ungefähr so schnell wachsen wie 2019, da das Einkommensniveau stärker steigen wird als in den letzten Jahren.

Entschlossene und langfristige Arbeit zur Förderung der Digitalisierung hat sich ausgezahlt, da Finnland im DESI-Vergleich der Digitalisierung (Digital Economy and Society Index – DESI) im vergangenen Jahr den ersten Platz belegte. Finnland schneidet bei digitalen Regierungsdiensten und der Nutzung digitaler Technologien sehr gut ab. Das hohe Kompetenzniveau ist einer der stärksten Wettbewerbsvorteile Finnlands: 76 Prozent der Bevölkerung verfügen über mind. digitale Grundkenntnisse, was weit über dem EU-Durchschnitt liegt (57 Prozent).

Auch aus globaler Sicht gehört Finnland zu den digitalisiertesten Staaten der Welt mit einer hohen Verfügbarkeit von schnellem, mobilem Breitband, einer hohen Digitalkompetenz der Bevölkerung und hoher Internetnutzung. Die hohe Affinität für alles Digitale zeigt sich bei der hohen Akzeptanz neuer digitaler Geschäftskonzepte. Beispiele sind Start-Ups wie „Whim” (Mobilität) und „ResQ” (Lebensmittel). Auch das fortschrittliche E-Government- und E-Health-System werden intensiv genutzt. Das Vertrauen der Bürger in den Staat ist groß.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Finnland beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die allgemeine Stimmung in Wirtschaft und Industrie spiegelt die Unsicherheit. Sie führt in diesem Jahr zu einem stagnierenden Investitionswachstum. Der Wachstumsschub der R&D-Ausgaben in den Jahren 2017-18 lässt ebenfalls nach, aber der Ausblick für 2020-21 ist vorsichtig optimistisch. Fachkräftemangel und Kompetenz in Branchen wie ICT- und Softwareindustrie bremsen das Wachstum.

Finnland verfügt über ein erhebliches Wachstumspotenzial in vielen Sektoren und spezialisierten Nischen, darunter besonders Bioökonomie, Kreislaufwirtschaft, Lebensmittelsektor, Diagnostik und Photonik.

Das Wachstum wird auch im Bergbau und in der Schürfung fortgesetzt. Derzeit laufen gemeinsame Entwick­lungsprojekte zu verschiedenen Themen wie dem Batteriecluster, den Umweltauswirkungen von Minen, Entwicklungsarbeiten an einer Testanreicherungsanlage für den GTK Geologen (Geological Survey of Finland) und der Erforschung von Geoenergie und Torf.

Letztes Jahr gab Finnlands drittgrößtes Forstindustrieunternehmen Metsä Group Planungen bekannt, dass es rund 1,5 Mrd. Euro in eine neue Zellstoffproduktionsanlage im nordfinnischen Kemi investieren will. Die endgültige Investitionsentscheidung soll im Sommer 2020 erfolgen. Wird das Projekt realisiert, wäre es die größte jemals getätigte Investition der nationalen Forstindustrie. Den aktuellen Rekord hält ebenfalls eine Produktionsanlage der Metsä Group in Äänekoski, die 2017 in Betrieb gegangen ist und rund 1,2 Mrd. Euro kostete.

In der Forstindustrie stehen mehrere Großprojekte auf der Agenda. In die Liste großer neuer Zellstoffpro­duktions­anlagen reihen sich Boreal Bioref (950 Mio. Euro in Kemijärvi) und KaiCell Fibers (900 Mio. Euro in Paltamo) ein.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Finnland gegenüber?

Die finnischen Anforderungen für die Erteilung von Lizenzen und Zertifizierungen unterscheiden sich von denen in anderen europäischen Ländern. Aus dem Grund ist es sinnvoll, Beratungsleistungen zur Erfüllung inländischer rechtlicher und regulatorischer Anforderungen vor Ort in Anspruch zu nehmen. Das ermöglicht einen reibungslosen Eintritt in den finnischen Markt. Für viele könnte auch die finnische Sprache eine echte Herausforderung darstellen. Jedoch ist Finnland ein sehr internationales Land, in dem man sich auch mit Englisch, Schwedisch oder sogar Deutsch und Russisch weiterhelfen kann.

Finnlands Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen scheint gescheitert zu sein. Welche Konsequenzen lassen sich daraus ziehen?

Die Beschäftigungseffekte des Tests zum Grundeinkommen blieben gering. Nach den endgültigen Ergebnissen des Experiments verbesserte sich die Beschäftigung von Personen mit Grundeinkommen während des Experiments nur geringfügig stärker als in der Vergleichsgruppe.

Die Interpretation der Auswirkungen wird durch das Anfang 2018 eingeführte „Aktivmodell” der Arbeitslosen erschwert, das die Bedingungen für den Abschluss einer Arbeitslosenversicherung verschärfte. Laut den Forschern hat das aktive Modell die Analyse der Ergebnisse für 2018 praktisch durcheinandergebracht.

Leider war das Experiment fehlerhaft, weil es zu kurzfristig war und zu wenig Geld dafür bereitgestellt wurde. Das Budget für das Experiment betrug nur 20 Mio. Euro. Das bedeutete, dass ein Arbeitsloser, der bereits eine Leistung erhalten hatte, als Testgruppe ausgewählt werden musste, um die Kosten zu senken.

Empfänger des Grundeinkommens waren jedoch zufriedener mit ihrem Leben und waren weniger psychisch belastet als diejenigen in der Vergleichsgruppe. Sie empfanden auch, dass ihr finanzielles Wohlergehen besser war.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Finnland weiterentwickeln?

Trotz der aktuellen Situation sind glücklicherweise auch positive Signale erkennbar, da die Inflation vsl. ver­halten bleiben und die Kaufkraft verbessern wird, auch wenn die Lohnerhöhungen moderat bleiben.

Billiges Öl stimuliert Finnlands Wirtschaft in den anderen Exportmärkten, verbessert die Kaufkraft der Verbraucher und senkt die Kosten der Unternehmen. Der Ölpreis beeinflusst u.a. die Transportpreise.

Finnland setzt für die nächsten Jahre einen Schwerpunkt bei den Beziehungen mit den dynamischen asiati­schen Wirtschaftsräumen. Sowohl die Transportverbindungen als auch die wirtschaftlichen Kontakte werden gezielt ausgebaut.

In China, dem wichtigsten Ziel für Zellstoffexporte, beginnt sich die Forstindustrie nach der akuten Krise wieder zu normalisieren und die meisten Unternehmen haben ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen. Nach aktuellen Schätzungen werden die Zellstoffexporte aus Finnland auf dem Niveau des Vorjahres bleiben und sogar leicht ansteigen.

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