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Erfolgreich investieren in Großbritannien

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Großbritannien ein?

Nach dem Vollzug des Brexit kann zwar noch nicht von einer Rezession gesprochen werden, jedoch liegt das Wirtschafts­wachstum mittlerweile weit hinter dem Wachstum der Euro-Zone, zumindest hatte das Brutto­inlandsprodukt zeitweise sogar einen leichten Rückgang verzeichnen müssen. Das britische Pfund ist weiterhin relativ schwach, sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro. Jedoch werden die Brexit-Auswirkungen derzeit von der Coronakrise überschattet, was die Deutung neuerer Zahlen und Entwicklungen erschweren wird.


Die Unsicherheit über das künftige Verhältnis zur EU – dem mit Abstand größten Handelspartner Groß­britan­niens – führt dazu, dass Investitionsentscheidungen entweder nicht oder nicht zugunsten des Landes getroffen werden. Auch wenn der Abschluss des Austrittsabkommens für Erleichterung und vorübergehende Stabili­sierung gesorgt hat, steht nun bis zum Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Großbritannien und der EU erneut ein steiniger Weg mit straffem Zeitplan bevor. Die Positionen der beiden Verhandlungs­partner liegen bisher noch weit auseinander. Es ist keinesfalls auszuschließen, dass am Ende neben dem Austritt aus der Zollunion ein Rückfall auf die WTO-Regeln bevorsteht. Beim Abschluss eigener Freihandels­abkommen, die nach Ende der Übergangsperiode in Kraft treten können, macht Großbritannien aber Fortschritte. Trotzdem stellen sich manche Verhandlungen mit größeren Vertragspartnern wie den USA noch schwierig dar und Großbritannien wird im Vergleich zu den Außenhandelsbeziehungen der EU als Einzelmarkt in jedem Fall Abstriche hinnehmen müssen. Wichtigster Absatzmarkt ist für Großbritannien aber ohnehin die EU selbst.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Großbritannien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Effekte der Brexit-Thematik sind dahingehend zu spüren, dass weniger Investitionsentscheidungen im positiven Sinne – also zugunsten einer Investition in Großbritannien – getroffen werden. Unterneh­men betreiben ein „business-as-usual”, sodass sich der Wirtschaftskreislauf insgesamt verlangsamt. Die Verbraucher geben auch weniger aus in der Erwartung, dass es eine weitere negative Entwicklung geben könnte.

Die Autohersteller haben ihre Investitionszusagen angesichts des Brexit deutlich heruntergefahren. Allerdings gibt es auch stellenweise positive Signale, z.B. im Hinblick auf die Bestätigung oder Erweite­rung von Produktionslinien. Der Ausbau der Elektromobilität sowie Infrastruktur- und Energie­projekte bietet weiterhin Potenzial. Die Regierung erwägt zudem weitere Steuererleichterungen zur Förderung der Attraktivität des Standortes Großbritannien für Investoren. Konkrete Vorschläge dazu gibt es aber außer bei der bereits vor längerem beschlossenen Senkung der Körperschaftsteuer noch nicht.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Großbritannien gegenüber?

Bis Ende 2020 bleibt dank dem Austrittsabkommen alles beim Alten. Danach sehen sich deutsche Unter­nehmer aber einer nicht zu unterschätzenden Unsicherheit ausgesetzt. Langfristige Investitionen sind daher immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Die Art der Herausforderungen ist vielfältig. Normen und Gesetzgebung einschließlich regulatorischer Anforderungen dürften zunehmend divergieren – was bedeutet, dass mehr Transferarbeit notwendig ist, um grenzübergreifend arbeiten zu können. Das heißt wiederum mehr Verwaltungs- und Zeitaufwand, was zu höheren Kosten führt. Welche Folgen sich im Einzelnen für Zoll- und Außenhandel ergeben werden, kann mit Blick auf das noch auszuhandelnde Freihandelsabkommen noch nicht verlässlich eingeschätzt werden.


Welchen Einfluss hat der Brexit auf die Attraktivität Großbritanniens für qualifizierte Arbeitskräfte?

Für während der Übergangsperiode ausgeübte EU-Aufenthaltsrechte besteht nach dem Austrittsab­kommen gewissermaßen Bestandsschutz. In Großbritannien können EU-Bürger noch bis Ende 2020 den „settled”- oder „pre-settled”-Status beantragen. Bereits  ab 2021 hat die Regierung neue Immigra­tionsregeln vorgestellt, basierend etwa auf einem Punktesystem und Sponsorships durch Arbeitgeber.

Die Attraktivität des Standortes Großbritannien für Arbeitskräfte leidet dennoch unter der Unsicherheit darüber, wie in Zukunft eine Tätigkeit für EU-Ausländer im Land aussehen kann. Während Großbri­tannien nach wie vor eine gewisse Attraktivität für qualifizierte Arbeitskräfte hat – schon wegen der Sprache und auch wegen der international anerkannten Bildungseinrichtungen – nimmt sie jedoch ab, weil nicht sichergestellt ist, dass eine dauerhafte Ansiedlung möglich ist. Im Ergebnis sinkt daher die Einwanderung aus europäischen Ländern. Unternehmen planen entweder kurzfristiger mit Entsendungen oder denken bereits über Alternativen nach, insbesondere in Hinblick auf die weitere Entwicklung von Standorten in oder außerhalb Großbritanniens.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Großbritannien weiterentwickeln?

Großbritannien wird als wichtiger Markt mit rund 66 Mio. Einwohnern bestehen bleiben. Zudem ergeben sich – ohne die Bindungen an die EU – eventuell tatsächlich einige neue Handelsperspektiven für das Land. Allerdings handelt es sich dabei um langfristige Aussichten. Kurz- und mittelfristig ist mit langen Phasen der politischen und damit auch der wirtschaftlichen Unsicherheit und mangelnder Planbarkeit zu rechnen. Das wirkt sich auf eine Volkswirtschaft i.d.R. mind. wachstumshemmend aus. Insofern ist weiterhin mit einer Verlangsamung des bis zum Brexit-Votums positiven Wirtschaftstrends zu rechnen, was sich nach dem Vollzug des Brexits nicht geändert hat. Die Zukunftsprognose wird nun entscheidend vom Ergebnis der Verhandlungen eines Frei­handels­abkommens abhängen. Darüber hinaus bedeutet die diesjährige Coronakrise eine enorme zusätzliche Belastung für die Wirtschaft.

 Erfahren Sie mehr zu Großbritannien am 22. Forum Global

  

Dr. Michael Braun, Hans-Peter Raible und Aziza Yakhloufi referieren beim virtuellen Forum Global zum Thema „Aktueller Brennpunkt BREXIT: Folgen für grenzüberschreitende Mitarbeitereinsätze nach UK”.

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Jan Eberhardt

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