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Erfolgreich investieren in Hongkong (SAR)

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 2 Minuten

Autor: Marc Tschirner

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Hongkong ein?

Schon zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2018 zeichnete sich eine wirtschaftliche Abschwächung ab, die durch die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen China und den USA, den gewalttätigen Protesten sowie der globalen Konjunkturabkühlung im dritten und vierten Quartal 2019 erheblich an Fahrt gewann und Hongkong die erste Rezession seit 2009 bescherte. Mit Ausbruch der Corona-Krise im Januar 2020 hat sich die ohnehin angespannte Lage nochmals deutlich verschärft. Insbesondere der Tourismus, der Einzelhandel und die lokale Gastronomie leiden massiv. Inwieweit die von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft und Wiederbelebung der Konjunktur dazu geeignet sind, die Auswirkungen der Proteste und der globalen Pandemie abzufedern, bleibt abzuwarten.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Hongkong beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Ein Hauptaugenmerk der Investitionen galt bisher infrastrukturellen Maßnahmen mit einem Schwer­punkt auf Hongkongs Bauwirtschaft. Regierungschefin Carrie Lam hat die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und sozialem Wohnungsbau ganz oben auf  die Agenda gesetzt. Gekoppelt mit Groß­projekten, wie der Fertigstellung einer Hochgeschwindigkeitseisenbahnstrecke zwischen Hongkong und Guangzhou, Provinz Guangdong auf dem chinesischen Festland (im abgelaufenen Jahr 2019) oder dem Brückenprojekt Hongkong-Zhuhai-Macau 2018, ist weiterhin mit einer anhaltend hohen Bautätigkeit zu rechnen – wenngleich milliardenschwere Mega-Projekte, wie die geplante Landge­winnungs­maßnahme „Lantau Vision Tomorrow” vorerst zurückgestellt werden dürften. Darüber hinaus soll sich die Stadt nach wie vor als Standort für Innovationen und Start-ups herausbilden und es tummeln sich bereits zahlreiche Inkubatoren und Acceleratoren-Programme in Hongkong. Einige junge und aufstrebende Firmen aus dem High- und Fin-Tech-Bereich haben sich unterdessen weltweit einen Namen gemacht.

In puncto E-Commerce zeigen jüngste Studien, dass die Nachfrage nach Online-Einkäufen in Hongkong weiterhin rasant zunimmt, wenn auch im Vergleich zum chinesischen Festland von einer immer noch niedrigeren Basis aus.

Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass eine schnellere und kostengünstigere Bereitstellung von Liefer­prozessen die Verbraucher in Hongkong dazu bewegen könnte, noch schneller vom Offline- zum Online-Einkauf zu wechseln. Ferner fordern Verbraucher mehr personalisierte Produkte und ein verbessertes Einkaufserlebnis, bspw. durch Showrooms, in denen die angebotenen Produkte vorab in Augenschein genommen werden können.
     

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Hongkong gegenüber?

Es ist nicht immer leicht, vor Ort qualifiziertes Personal zu finden und es auch zu halten. Die Lebens­haltungskosten (insbesondere Mieten) sind in Hongkong extrem hoch. Dementsprechend ist auch das Gehaltsniveau in die Höhe geschossen, was ausländische Firmen enorm unter Druck setzt. Zudem haben sich benachbarte chinesische Städte – wie Shenzhen – zu Megastädten entwickelt und Hongkongs Arbeitgebern Konkurrenz gemacht. Dort sitzen Tech-Giganten wie Huawei und Tencent und gerade für die junge Generation (Stichwort GenY) ist es sehr hip, dort zu arbeiten. Wie andernorts auch, gilt es darüber hinaus Mentalitätsunterschiede und kulturelle Barrieren zu überwinden, was höhere Anforderungen an die Sozialkompetenz von Fach- und Führungskräften stellt.


Werden die Demokratie-Proteste eventuell noch einmal aufleben? Wenn ja, welche Konsequenzen hätte das?

Davon ist leider auszugehen. Mit Ausbruch der globalen Pandemie, die Hong Kong im Vergleich zu vielen anderen Staaten bisher recht souverän gemeistert hat, sind die Proteste zwar weitgehend zum Erliegen gekommen, die Forderungen der Demonstranten bspw. nach mehr demokratischer Teilhabe, aber nicht verschwunden. Konsensorientierte Lösungsansätze, auch für die tieferliegenden Ursachen des kom­plexen Konflikts sind bisher nicht zu erkennen: Zum einen für den notorischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, den die Regierung nicht unter Kontrolle zu bringen vermag, sondern den selbstgesteckten Zielen Jahr für Jahr hinterherhinkt;  zum anderen für die in weiten Teilen der Bevölkerung große Sorge vor einem zunehmenden Autonomieverlust sowie der Aushöhlung bestehender Rechte durch Festlandchina. Vielmehr setzen beide Seiten auf Demonstrationen der Stärke.

Die Konsequenzen sind gegenwärtig nicht absehbar und wir gehen nicht davon aus, dass die amtierende Regierung unter Anleitung der Zentralregierung in Peking den verbliebenen Forderungen der Demon­stranten weiter entgegenkommen wird. Eine militärische Intervention von Festlandchina, das sich in dem Konflikt bisher eher in Zurückhaltung geübt hat, halten wir zum jetzigen Zeitpunkt aber für sehr unwahrscheinlich. Festlandchina hat seine Lehren aus den Ereignissen von 1989 gezogen und der wirtschaftliche Schaden durch eine Militärintervention wäre für China unabsehbar.

Zwar werden in Teilen der Öffentlichkeit vereinzelt Lösungsansätze diskutiert (die durchaus geeignet sein könnten deeskalierend zu wirken), so bspw. die vorzeitige Verlängerung des im Jahre 2047 offiziell endenden Autonomiestatus; ins Bewusstsein der Entscheidungsträger scheinen die Überlegungen jedoch bisher noch nicht vorgedrungen zu sein.
    

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Hongkong weiterentwickeln?

Wir sind fest davon überzeugt, dass Hongkong seine einzigartige Stellung als Handels- und Finanzme­tropole behaupten und am Ende gestärkt aus den gegenwärtigen Turbulenzen hervorgehen wird. Dazu bedarf es aber eines zeitnahen konsensorientierten Dialogs aller involvierten Parteien sowie eines wachsamen Auges der Regierung, ob die im Kontext der globalen Pandemie getroffenen, rein reaktiven, Maßnahmen dazu geeignet sind, den notwendigen wirtschaftlichen Stimulus herbeizuführen. Gelingt das, wird Hongkong seine Sonderstellung als Tor zu China behaupten können, denn Kapital und Informationen werden auch weiterhin freier fließen als in Festlandchina.

Ein wirtschaftliches Engagement wird für Investoren daher nach wie vor eine Vielzahl von Vorteilen mit sich bringen. Nicht umsonst verteidigte Hongkong kontinuierlich von 1995 bis 2019 seinen Titel als „freest economy in the world” und damit Platz 1 auf der globalen Rangliste. Darüber hinaus birgt der Anschluss an das Perlflussdelta Mega-City-Projekt, mit der geballten Wirtschaftskraft von 60 Mio. Menschen und einem Anteil am gesamten chinesischen BIP von weit über 10 Prozent, ungeahnte Geschäftschancen, die neben Hongkongs Beteiligung an der chinesischen „Belt and Road”-Initiative auch weiterhin für frischen Geschäftswind in der Hafenmetropole sorgen werden.

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Dr. Thilo Ketterer

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer

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