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Erfolgreich investieren in Hongkong (SAR)

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Hongkong ein?

Hongkongs BIP ist im Jahr 2020 um etwa 6 Prozent geschrumpft. Ursache dafür ist insbesondere die nach wie vor bestehende Schließung der Grenzen. Darunter leiden v.a. Einzelhandel, Gastronomie und Hotelgewerbe. So ging die Zahl der Touristen im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um über 90 Prozent zurück. Davon betroffen sind auch die Hongkonger Fluggesellschaften, die eine Vielzahl ihrer Mitarbeiter entlassen oder in unbezahlten Urlaub schicken mussten. Aufgrund von Fördermaßnahmen der Regierung und Hongkongs Stellung als einer der wichtigsten Handelspartner Chinas und der Welt wird für das Jahr 2021 mit einer gewissen Erholung gerechnet und von einem Wachstum des BIP von 3,5 bis 5 Prozent ausgegangen. Sollten die weltweiten Impfbemühungen und sonstigen Anstrengungen zur Eindämmung des Covid-19-Virus Erfolg haben, darf davon ausgegangen werden, dass auch die bestehenden Reisebeschränkungen erleichtert und ggf. auch (teilweise) aufgehoben werden. Das dürfte einen weiteren Stimulus für Hongkongs Wirtschaft bedeuten, insbesondere für den schwer gebeutelten Einzelhandel- und Tourismussektor. Vergleichsweise unbeschadet durch die derzeitige Krise kam und kommt der Immobiliensektor.

Festzuhalten ist, dass Hongkong eine der freiesten Wirtschaften weltweit ist und den Spitzenplatz über viele Jahre innehatte und weiterhin verteidigt. Obgleich von der Einwohnerzahl sehr klein, gehört Hongkong in vielen Bereichen in die Top 10 oder Top 20 der Welt. Das betrifft bspw. den Im- und Export von Handelswaren, den Export von Dienstleistungen oder die Stellung am Devisenmarkt (dabei insbesondere im Offshore Renminbi Markt). Die Hongkonger Börse gehört zu den größten der Welt und die Stadt ist eines der bedeutendsten Finanzzentren Asiens und global. Hinzu kommen der Flughafen als der weltweit verkehrsreichste Flughafen in Bezug auf Cargo sowie der Containerhafen mit einem Umschlag unter den Top 20 der weltweiten Containerhäfen. Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erholung der Weltwirtschaft und insbesondere in China kann von einem weiteren Wachstum ausgegangen werden. Als Freihafen erhebt Hongkong keine Zölle auf Im- und Exporte.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Hongkong beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die rechtlichen Rahmenbedingungen machen Investitionen in Hongkong sehr einfach. Wie oben angesprochen, ist Hongkong eine der freiesten Wirtschaften weltweit. Daran haben auch die politischen Eingriffe Pekings bislang nichts geändert. Die Eingriffe beziehen sich nach wie vor ausschließlich auf die politische Führung der Stadt, währenddessen die Wirtschaftspolitik und der entsprechende rechtliche Rahmen nicht angetastet wurden. Es bestehen insoweit auch keine Anhaltspunkte, dass sich das in den nächsten Jahren ändert.

Aufgrund seiner Stellung als internationales Finanzzentrum, niedriger Steuern als auch aufgrund der unkomplizierten Unternehmensgründung bietet sich Hongkong nach wie vor als Hauptquartier für Unternehmungen im asiatisch-pazifischen Raum an. Gleichfalls kann das Land eine gute Wahl für geplante Geschäftsaktivitäten in China sein, bspw. für den Im- und Export, bevor mit wesentlich höherem (Kosten- und Bürokratie-)Aufwand eine direkte Niederlassung in China gegründet wird. Das zeigt sich auch darin, dass Hongkong weiterhin die größte Quelle für ausländische Investitionen in China ist (in 2019 etwa 47 Prozent). Schließlich bietet Hongkong den Vorteil, dass im Gegensatz zu Festlandchina Kapital und Information frei fließen können.

Hongkong und China haben darüber hinaus ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Gerichtsurteilen in Zivil- und Handelssachen geschlossen, was das ansonsten unumgängliche Ausweichen auf ein internationales Schiedsgericht erübrigt und mehr Rechtssicherheit bieten kann.

Ein Hauptaugenmerk der Investitionen in Hongkong gilt weiterhin der Infrastruktur und dem Wohnungsbau. Bedeutende Projekte sind dabei z.B. das „Lantau Tomorrow Vision” Projekt (Landgewinnung und Bau eines Stadtteils mit bis zu 400.000 Wohnungen – ein sehr umstrittenes Projekt, dass derzeit eingefroren ist), die Erweiterung des Flughafens (im Bau), der Bau weiterer Schnellstraßen und Wohngebiete, aber auch Investitionen in die Müllbeseitigung oder auch Meerwasserentsalzung. Dazu bieten sich insbesondere deutschen Spezialisten durchaus Geschäftschancen, bspw. im Bereich Ingenieursdienstleistungen oder Umwelttechnik (Fassaden, Fenster, Abfallbeseitigung).

Daneben fördert die Hongkonger Regierung kleine und mittelständische Unternehmungen, um die Stadt auch als Standort für Startups attraktiv zu machen, insbesondere im E-Commerce, der ein hohes Wachstumspotenzial verspricht.
     

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Hongkong gegenüber?

Insbesondere die Mieten sind in Hongkong sehr hoch. Das wirkt sich auch auf das Gehaltsniveau aus. Für Löhne und Gehälter muss mit deutlich höheren Kosten gerechnet werden als z.B. in Festlandchina. Andererseits sprechen sehr viele der sehr gut ausgebildeten Hongkonger neben Kantonesisch auch Mandarin sowie sehr gut bis fließend Englisch, was für die Einstellung von Personal von großem Vorteil ist. Die Anziehungskraft der Tech-Giganten wie Huawei oder Tencent sowie weiterer als derzeit „hip” empfundener Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft in Shenzhen und im Pearl-River-Delta sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Wie andernorts auch können mehr oder minder ausgeprägte Mentalitätsunterschiede und kulturelle Barrieren bestehen, was höhere Anforderungen an die Sozialkompetenz von Fach- und Führungskräften stellt.


Haben der verstärkte Einfluss Pekings und neue Regelungen in Hongkong Einfluss auf die wirtschaftliche Tätigkeit?

Trotz aller Eingriffe genießt Hongkong im Vergleich zum Festland weiterhin sehr große Freiheiten. Wie bereits oben angesprochen, betrifft Pekings Einfluss derzeit „nur” die politische Führung Hongkongs. Eingriffe in die wirtschaftlichen Freiheiten sind nicht erfolgt und dürften auch nicht zu erwarten sein. Gleichfalls genießen die Hongkonger Wirtschaft und die Bürger weiterhin deutlich größere Freiheiten als auf dem Festland. Hongkong soll weiterhin seine Rolle als „Brückenkopf” Chinas zur Welt und umgekehrt behalten, und damit seinen Sonderstatus. Gerade die auf viele Jahre in die Zukunft ausgelegten Pläne, in denen Hongkong eine Rolle spielt, wie der Greater Bay Rahmenplan, unterstützen das.

Innerhalb Hongkongs ist festzustellen, dass v.a. im berufsrechtlichen Bereich die Vorschriften durch die berufsständischen Organisationen verschärft wurden. So hat bspw. die Zahl der sog. „Registered Foreign Lawyers” und die Zahl von „Registered Foreign Law Firms” erheblich abgenommen, die mit den neuen Anforderungen nicht arbeiten wollen oder aus sonstigen Gründen ihr Engagement beendet haben.

Für ausländische Investitionen außerhalb der spezifischen, besonders regulierten Dienstleistungsbereiche, sehen wir jedoch nach wie vor einen offenen Markt, der Investitionen willkommen heißt.
    

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Hongkong weiterentwickeln?

Wir sehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Rolle Hongkongs als Handels- und Finanzmetropole künftig verringern wird, sondern im Gegenteil dürfte Hongkong seine Stellung behaupten und weiter stärken. Es wird sich gemäß dem „Outline Development Plan for the Guangdong-Hong Kong-Macao Greater Bay Area” der chinesischen Zentralregierung noch deutlich stärker als bisher in der Pearl-River-Region mit den Kernzentren Macao, Guangzhou und Shenzhen verknüpfen und ein Hauptmotor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region sein. Der Rahmenplan sieht dabei vor, dass Hongkong seinen Status als internationales Finanz-, Transport- und Handelszentrum, als Luftfahrt-Drehkreuz und als globales Offshore-Renminbi (RMB)-Handelszentrum sowie als internationales Asset und Risk Management Zentrum beibehält, festigt und weiter ausbaut.

Hongkong hat viele Stärken, die die Eckpfeiler des wirtschaftlichen Erfolgs darstellen. Zu nennen sind gleiche Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen, ein einfaches Steuersystem und niedrige Steuern, freier Kapital- und Informationsfluss, hocheffiziente Märkte, eine Weltklasse-Infrastruktur, Rechtsstaatlichkeit usw. Hongkong als „ein Land, zwei Systeme” bleibt einzigartig und bietet als Tor nach China weiterhin ein enormes Entwicklungspotenzial, dass durch die enge Einbindung in den Greater Bay Rahmenplan noch verstärkt wird. Ein wirtschaftliches Engagement bringt für Investoren daher nach wie vor eine Vielzahl von Vorteilen.

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Dr. Thilo Ketterer

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer

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