Um die Website zu personalisieren und Ihnen den größten Mehrwert zu bieten, verwenden wir Cookies. Unter anderem dienen sie der Analyse des Nutzerverhaltens, um herauszufinden wie wir die Website für Sie verbessern können. Durch Nutzung der Website stimmen Sie ihrem Einsatz zu. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.



Erfolgreich investieren in Indonesien

PrintMailRate-it

zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

 

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Indonesien ein?

Die indonesische Wirtschaft hat sich in den letzten zehn Jahren mit jährlichen Wachstumsraten von ca. 6 Prozent dynamisch entwickelt. Allerdings gab es 2020 aufgrund der Covid-19-Krise erstmalig ein negatives BIP von ca. -2 Prozent. Insbesondere arbeitsintensive Branchen wie der Tourismussektor und die Textilindustrie sind stark von der Pandemie beeinträchtigt. Jedoch fällt der Wirtschaftseinbruch im regionalen Vergleich eher moderat aus, da andere ASEAN-Staaten enger in internationale Lieferketten eingebunden sind als Indonesien.

Für die Wirtschaft bestehen weiterhin einige Probleme, insbesondere in Form schwerfälliger und intran­sparenter Bürokratie, wenig entwickelter Infrastruktur in weiten Landesteilen und des für einige Branchen ernsthaften Fachkräftemangels. Die Regierung hat jedoch Ende 2020 zahlreiche Erleichterungen für Investoren über ein Sammelgesetz eingeführt, das u.a. Änderungen in den Bereichen Steuer-, Arbeits- und Investitions­recht vorsieht.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Indonesien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Angesichts der bislang positiven wirtschaftlichen Entwicklung und Wachstumsprognosen, die auch durch post-pandemische Nachholeffekte begünstigt werden dürften, rückte Indonesien in den letzten Jahren zunehmend in den Blickpunkt ausländischer Investoren. Das rohstoffreiche Land verfügt über einen großen Binnenmarkt und einen wachsenden Technologiebedarf. Wichtige Zielsektoren für mittelständische ausländische Direkt­investitionen in Indonesien finden sich neben dem Bereich Infrastruktur insbesondere in den Maschinen­bau-, Metall- und Elektro-Branchen.

Indonesische Investitionsförderprogramme sind mit denen in anderen Ländern vergleichbar. Es gibt v.a. Steuerermäßigungen, Steuerbefreiungen für gewisse „Pionierindustrien”, erweiterten Verlustvortrag bis zu zehn Jahren und die Möglichkeit des zollfreien Imports von Maschinen, Gütern oder Produktionsmaterialien für bestimmte Industrien und Dienstleistungsbranchen. Die Kriterien sind ebenfalls vergleichbar mit anderen Ländern: Investitionen in abgelegene Provinzen, eine hohe Zahl von Arbeitnehmern, Technologietransfer, Vorteile für die indonesische Wirtschaft oder Gesellschaft sowie Exportorientierung. Die Programme wurden 2020 im Zusammenhang mit der Covid-19-Krise für einige Branchen weiter ausgebaut.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Indonesien gegenüber?

Erhebliche Defizite bestehen in Indonesien im Bereich der Infrastruktur, besonders bei der Elektrizitäts­erzeugung und im Verkehr (Straßen, Schienen, See- und Flughäfen). Das kann je nach Lage v.a. für Produktionsstätten zu Herausforderungen führen. Zudem erscheint das indonesische Rechtssystem deutschen Unternehmern häufig intransparent und wenig übersichtlich, da es von verschiedenen Rechtsordnungen beeinflusst wird.

Einschränkungen für Auslandsinvestitionen ergeben sich für einige Sektoren durch regulatorische Vorgaben, die zum Schutz des nationalen Interesses und der heimischen Wirtschaft bestimmte Geschäftsbereiche für Ausländer beschränken und eine insbesondere für KMU erhebliche Mindestkapitalisierung vorsehen. Probleme ergaben sich in der unternehmerischen Praxis zudem durch das bislang äußerst restriktive Arbeitsrecht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Ende 2020 novellierten Regelungen und deren zum Teil noch nicht veröffentlichten Durchführungsbestimmungen in der Praxis auswirken.

Trotz der Tendenz zu einer stärkeren Gleichbehandlung von aus- und inländischen Investitionen bestehen in etlichen Wirtschaftsbereichen noch immer Restriktionen für Ausländer. Durch die im Februar 2021 erlassenen Ausführungsbestimmungen zum Sammelgesetz wurde der Marktzugang jedoch in weiteren Geschäftssektoren erleichtert.

Bestimmte Geschäftssektoren können zudem durch Spezialgesetze beschränkt werden. Viele Auslands­investoren beklagen außerdem die lange Dauer der Verwaltungsverfahren, um die für das operative Geschäft einer neugegründeten Gesellschaft erforderlichen Lizenzen zu erlangen. Das Problem hat die Regierung Ende 2018 aufgegriffen: Über das OSS (Online Single Submission)-Portal können erforderliche Registrierungs- und Lizenzverfahren nunmehr digital durchgeführt werden, was die Bearbeitungszeiten mittlerweile spürbar reduziert.

Indonesien hat in den letzten Jahren seine Importbarrieren und nichttarifären Handelshemmnisse in einigen Bereichen ausgeweitet. Die Aufnahme von Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indonesien, dass u.a. die Handelshemmnisse zu mindern versucht, wurde am 18. Juli 2016 verkündet. Die 10. Verhandlungsrunde des „Comprehensive Economic Partnership Agreement” (CEPA) fand Ende Februar 2021 per Videokonferenz statt.


Präsident Joko Widodo ergreift verschiedene Maßnahmen, um das Investitionsklima in Indonesien zu verbessern und die Wirtschaft anzukurbeln. Welche Chancen sehen Sie für ausländische Investoren?

Am 2. Februar 2021 hat Indonesiens Präsident Joko Widodo die Präsidialverordnung Nr. 10 von 2021 über Investitionsgeschäftsfelder („Verordnung Nr. 10/2021”) erlassen, die 30 Tage später am 4. März 2021 in Kraft trat. Die Durchführungsverordnung bezieht sich auf das Gesetz zur Schaffung von Arbeitsplätzen, das allgemein als „Omnibus-Gesetz” bekannt ist und am 2. November 2020 in Kraft trat. Anders als der bisherige Ansatz der Auflistung von Geschäftsfeldern, die für ausländische Investitionen geschlossen sind, sieht die Verordnung Nr. 10/2021 in einem Positivlisten-Ansatz vor, dass nun alle Geschäftsfelder für ausländische Investitionen offen sind, es sei denn,

  • sie sind anderweitig geregelt oder
  • sie dürfen nur von der indonesischen Regierung ausgeführt werden.


Interessante Änderungen in der Verordnung Nr. 10/2021 ergeben sich in den Bereichen der Vertriebsdienst­leistungen, die bisher nur in einem engen Rahmen für ausländische Investitionen zugelassen waren. Nunmehr ist der Großhandelsvertrieb ohne Verbindung zur Produktion vollständig offen für ausländische Investitionen (vorher war er nur offen für bis zu 100 Prozent ausländische Beteiligung, wenn er mit lokaler Produktion verbunden war, und nur offen für bis zu 67 Prozent ausländische Beteiligung, wenn er nicht mit lokaler Produktion verbunden war), mit Ausnahme des Vertriebs/Großhandels und des Exports von Fischereipro­dukten, die eine lokale Zusammenarbeit erfordern. Auch Einzelhandelsdienstleistungen und Kommissions­geschäfte sind nun stärker für ausländische Investitionen geöffnet.

In manchen Feldern bleibt Protektionismus bestehen, insbesondere sind einige Sektoren lokalen Kooperativen oder Mikro/KMU vorbehalten. Inwiefern sich auch eine verfahrensrechtliche Erleichterung für die Registrierung und Lizensierung von Auslandsinvestitionen ergibt, bleibt abzuwarten, es fehlen bislang hinreichende Erfahrungen mit der neuen Verwaltungspraxis.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Indonesien weiterentwickeln?

Während der ersten Amtszeit des Staatspräsidenten Joko Widodo erschien Indonesien sowohl demokratisch als auch wirtschaftlich relativ stabil und konnte sich als Investitionsstandort positiv entwickeln. Es zeichnet sich ab, dass die Stabilität erhalten bleibt und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter liberalisiert werden. Allerdings lässt die Politik des Präsidenten (aufgrund innerparteilichen Drucks) auch protektionistische Elemente erkennen. Bspw. soll die lokale Fertigung von Industrieprodukten gestärkt werden, zudem sollen vornehmlich ausländische Großinvestitionen in Indonesien genehmigt werden – dazu ist i.d.R. mit einer Mindestkapitalisierung von 10 Mrd. Indonesische Rupiah zu planen. Es bleibt zu beobachten, wie sich Indonesien durch das Ende 2020 in Kraft getretene Sammelgesetz zur Investitionserleichterung im ASEAN-Standortwettbewerb positionieren wird. Geplante Maßnahmen zur Behebung von Defiziten in der Infrastruktur werden 2021 nur teilweise weiterverfolgt, da deren Finanzierung angesichts erheblicher staatlicher Hilfsprogramme für von der Pandemie betroffene Wirtschaftszweige beeinträchtigt wurde.

Kontakt

Contact Person Picture

Markus Schlüter

Rechtsanwalt

Partner

+49 221 9499 093 42
+49 221 9499 099 00

Anfrage senden

Profil

 Publikation

 Artikelserie

 Unternehmer­briefing

Kein Themen­special verpas­sen mit unserem Newsletter!

Deutschland Weltweit Search Menu