Erfolgreich investieren in Italien

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zuletzt aktualisiert am 7. September 2022 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Italien ein?

Nach einem starken Rückgang des Bruttoinlandproduktes um 9,9 Prozent im Jahr 2020 hat sich die italienische Wirtschaft 2021 mit einem Wachstum von rund 6,6 Prozent einigermaßen erholt. Dieser Trend hat sich – wenn­gleich auf niedrigerem Niveau – trotz des Ukraine-Konflikts bislang auch in 2022 fortgesetzt, so dass die Re­gie­rung derzeit mit einem über das gesamte gerechneten Wachstum von etwa 3 Prozent rechnet, was im euro­pä­ischen Vergleich ein guter Wert ist. Gleichzeitig steigt aber wie in Gesamteuropa auch die Inflation stark an und die damit verbundene Unsicherheit macht auch der italienischen Wirtschaft zu schaffen.
 
Die Bedeutung des Thema Corona hat deutlich abgenommen. Für Ende September stehen Neuwahl und das Ergeb­nis dieser Wahlen und die Dauer der Formierung einer stabilen neuen Regierung wird die wirtschaftliche Lage im zweiten Halbjahr 2022 sicher ebenfalls beeinflussen. Grundsätzlich aber lässt sich sagen, dass die italienische Wirtschaft bislang recht gut durch die verschiedenen Krisen gekommen ist. Es steht zu erwarten, dass auch das umfangreiche europäische Hilfspaket, über welches ein Großteil des mit insgesamt € 191,5 Mrd. dotier­ten italienischen Aufbau- und Resilienzplanes (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza – PNRR), finanziert wird, die Wirtschaft weiter ankurbeln wird. Dieser Plan zielt insbesondere auf eine Förderung der Digitalisierung sowie innovativer und umweltfreundlicher Technologien.

 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Italien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die ausländische Direktinvestitionen (FDI) sind im ersten Halbjahr 2022 gegenüber 2021 gestiegen und lagen wieder in etwa auf dem Vorkrisenniveau des ersten Halbjahres 2019. Voraussagen in Bezug auf die weitere Entwicklung im zweiten Halbjahr 2022 und im Jahre 2023 lassen sich aufgrund der aktuell geopolitischen Lage und den anstehenden Neuwahlen momentan nicht wirklich seriös treffen, können aber vielleicht mit vorsichtig optimistisch beschrieben werden. 
 
Großes Potential bieten sicherlich die Lebensmittelbranche, das Gesundheitswesen, die Medizintechnik, die Bau­wirt­schaft, die Telekommunikationsbranche sowie im Prinzip alle Branchen, die auf Innovation setzen. Daneben insbesondere auch der Energiesektor, hier vor allem der Bereich der Erneuerbaren Energien/Energiesparprodukte und natürlich die Bereiche, in welchen die italienische traditionell stark ist wie die Mode- und die Möbelbranche, der Maschinenbau und der Automotive-Sektor.
 
Ausländische Investoren können zahlreiche Förderinstrumente für Anlagegüter, digitale Ausrüstung, Weiterbildung und Forschung nutzen. Zu den wichtigsten Fördermaßnahmen gehören Steuergutschriften und Zinserstattungen. Insbesondere der Kauf von Kapitalgütern und Ausrüstung für die Industrie 4.0 wird bezuschusst; gefördert werden aber auch sonstige Kapitalgüter, Software und Dienstleistungen.
 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Italien gegenüber?

Die Herausforderungen liegen regelmäßig in
  • den Vertrags- und Zahlungsmodalitäten,
  • der divergierenden Rechtslage in den Regionen und zunehmend unterschiedlichen praktischen Handhabung von Handelsregistervorgängen,
  • der Schwerfälligkeit der Institutionen (Gerichte, Finanzämter und sonstige öffentliche Behörden) und der damit einhergehenden Bürokratie,
  • der stark gewerkschaftlich geprägten Arbeitslandschaft und der unzureichenden Effizienz des Arbeitsmarkts, wobei sich hier ein positiver Trend erkennen lässt
  • dem fremden Rechts- und Steuersystem sowie der teilweise formalistischen Herangehensweise im Rahmen von Betriebsprüfungen.
 
Auch kulturelle Unterschiede und das Verhandlungsgeschick der italienischen Geschäftspartner darf man nicht unterschätzen. In der Landessprache agieren zu können, ist ein entscheidender Vorteil. 
 
Ein lokales Management kann nicht alle, aber viele dieser Herausforderungen abmildern und in der Regel ist dieses Schlüssel zum Erfolg.

 

Warum sollten sich Unternehmen für einen Markteintritt/-verbleib in Italien entscheiden?

Aus ausländischer Sicht bietet die Kapitalsituation vieler italienischer Unternehmen Beteiligungsmöglichkeiten, die so zuletzt in der Folge der Finanzkrise vorgelegen haben. Liquiditätsstarke Käufer mit starken Risiko­ma­nage­ment-Kapazitäten werden 2022 in Italien voraussichtlich verstärkt zum Zuge kommen. Oftmals können durch entsprechenden Kapitaleinsatz starke Synergieeffekte in einem verstärkten internationalen Vertrieb der Produkte (Made in Italy) gehoben werden.

 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Italien weiterentwickeln?

Kurzfristig wird einiges von der neuen Regierung und der Stabilität derselben bzw. von den Mehrheitsverhältnissen nach der Wahl abhängen, wobei man sich allerdings auch bewusst machen sollte, dass in Italien die Re­gie­rungs­krise ein mehr oder weniger permanenter Zustand ist (die Regierung Draghi ist bzw. war die 67. Nachkriegs­re­gie­rung in Italien) und dies das Land und die Wirtschaft seit Ende des 2. Weltkriegs nicht daran gehindert hat, sich unabhängig von der Politik positiv zu entwickeln. Diese gewisse Grund-Resilienz und Innovationsfähigkeit der italienischen Wirtschaft sollte auch in der aktuellen Lage zur Stabilität der italienischen Wirtschaft beitragen. 

 Kulturelle Besonderheiten in Italien

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