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Erfolgreich investieren in Italien

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 2 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Italien ein?

Ende 2019 wurde ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent für Italien prognostiziert. Maßgebliche Faktoren für die Ein­schätzungen waren nach wie vor das Fehlen konkreter und kohärenter Maßnahmen der italienischen Regierung, deren finanzieller Spielraum angesichts der bestehenden Staatsver­schuldung zudem begrenzt war. Die Ausbrei­tung des Corona­virus und die daraufhin erlassenen Restriktionen haben die italienische Gesellschaft weitgehend zum Stillstand gebracht und entsprechend auch die Wirtschaft getroffen, sodass nun eine scharfe Rezession erwartet wird. Es wird ein Rückgang des Bruttoinlands­produktes von 6 Prozent prognostiziert (Stand: 2. April 2020). Zum Ver­gleich: In der Finanzkrise 2009 schrumpfte die italienische Wirtschaft nur um 5,5 Prozent.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Italien beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Confindustria rechnet aktuell mit einem Investitionsrückgang im Jahr 2020 von 10,6 Prozent (Stand: 31. März 2020). Es wird viel davon abhängen, ob es Italien in Zusammenarbeit mit seinen europäischen Partnern gelingt, den immensen Schaden v.a. bei kleinen und mittleren Unternehmen zu begrenzen. Die italienische Regierung hat mit den Dekreten „Cura Italia” vom 17. März 2020 und „Liquidità” vom 8. April 2020 derzeit Mittel über 750 Mrd. Euro mobilisiert. Sie stehen grundsätzlich auch italienischen Tochter­gesellschaften deutscher Unternehmen zur Verfügung. Eine gesamtwirtschaftlich wichtigere Rolle wird allerdings zweifellos die Europäische Zentralbank (EZB) spielen.

Aus ausländischer Sicht bietet die sich in freiem Fall befindliche Kapitalsituation vieler italienischer Unternehmen Beteiligungsmöglichkeiten, die so zuletzt in der Folge der Finanzkrise vorgelegen haben. Liquiditätsstarke Käufer mit starken Risikomanagement-Kapazitäten werden 2020 in Italien voraussichtlich verstärkt zum Zuge kommen.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Italien gegenüber?

Die Herausforderungen liegen in

  • den Vertrags- und Zahlungsmodalitäten,
  • der Schwerfälligkeit der Institutionen (Gerichte, Finanzämter und sonstige öffentliche Behörden) und der damit einhergehenden Bürokratie,
  • der stark gewerkschaftlich geprägten Arbeitslandschaft und der unzureichenden Effizienz des Arbeitsmarkts, wobei sich hier ein positiver Trend erkennen lässt und
  • dem fremden Rechts- und Steuersystem sowie der teilweise formalistischen Herangehensweise bei Betriebsprüfungen.


Auch kulturelle Unterschiede und das Verhandlungsgeschick der italienischen Geschäftspartner dürfen nicht unterschätzen werden. In der Landessprache agieren zu können, ist ein entscheidender Vorteil.


Verschärfung der „Golden Power”-Regelungen: Welche Effekte hat das für den Unternehmenserwerb in Italien?

Mit dem Dekret „Liquidità” hat die italienische Regierung zum Schutz vor Übernahmen italienischer Unternehmungen, die in strategisch wichtigen Sektoren tätig sind bzw. strategisch wichtige Assets besitzen, die sog. „Golden Power”-Regelungen erweitert, die in Bezug auf bestimmte Transaktionen Meldepflichten sowie ggf. auch Vetorechte für den italienischen Staat zum Schutz dieser Sektoren vorsieht.

Die „Golden Power”-Regelungen betreffen folgende Sektoren:

  • Infrastruktur, unabhängig davon, ob physisch oder virtuell, einschließlich Energie, Transport, Wasser, Gesundheit, Kommunikation, Medien, Datenverarbeitung oder -speicherung, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Wahl- oder Finanzinfrastruktur und sensible Einrichtungen sowie Investitionen in Grundstücke und Gebäude, die für die Nutzung der Infrastruktur wesentlich sind;
  • Technologien und Güter mit doppeltem Verwendungszweck, einschließlich künstlicher Intelligenz, Robotik, Halbleiter, Cybersicherheit, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energiespeicherung, Quanten- und Kerntechnologie sowie Nanotechnologie und Biotechnologie;
  • Versorgungssicherheit (Energie, Rohstoffe und Ernährungssicherheit);
  • Kontrolle sensibler Informationen, einschließlich personenbezogener Daten;
  • Bereiche, die mit Medienfreiheit und -pluralismus zu tun haben.


U.a. wird für einen Übergangszeitraum bis zum 31. Dezember 2020 die Meldepflicht auf alle Transak­tionen ausgedehnt, mit denen ausländische (und zwar nunmehr einschließlich der in einem anderen Mitgliedsstaaten der EU ansässige) Gesellschaften oder Personen die Kontrolle über eine italienische Gesellschaft, die als strategisch definiert wurde oder in deren Eigentum sich strategische Assets befinden, erlangen. Daneben gilt in Bezug auf den Erwerb von Anteilen durch nicht zur EU-gehörige ausländische Unternehmen die Meldepflicht bereits für einen Anteil an Stimmrechten oder Kapital von mind. 10 Prozent bzw. sofern der Gesamtwert der Investition mind. 1 Mio. Euro beträgt, wobei die bereits direkt oder indirekt gehaltenen Anteile berücksichtigt werden. Meldepflichtig ist auch die Überschreitung der Schwellenwerte von 15, 20, 25 und 50 Prozent.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Italien weiterentwickeln?

Niemand kann derzeit die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus und somit die Weiterent­wicklung Italiens zuverlässig abschätzen. Beginnend voraussichtlich ab Mai besteht die Hoffnung einer langsamen und graduell erfolgenden Rückkehr zur Normalität.

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Stefan Brandes

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