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Erfolgreich investieren in Kasachstan

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Kasachstan ein?

Das kasachische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im Jahre 2020 um 2,6 Prozent gesunken; das Vorjahresergebnis im Jahr 2019 lag bei 4,5 Prozent. Angetrieben wurde das vorherige Wirtschaftswachstum von den Bereichen Bau und Industrie, v.a. aber von Erdöl- und Gas, Information und Kommunikationsmittel sowie Landwirtschaft. Im vergangenen Jahr ist eine stabile Steigerung der direkten ausländischen Investitionen, größtenteils in der Industrie, hervorzuheben.

Zu Beginn des Jahres 2020 war eine gute Wachstumsdynamik der Wirtschaft Kasachstans festzustellen. Die Abschwächung der Inflationsraten, des Wachstums des Produktionsumfangs in den wichtigsten Bereichen der Wirtschaft und des privaten Konsums verfestigten sich.

Die globale Coronavirus-Pandemie und der drastische Einbruch des Erdölpreises im internationalen Maßstab haben derzeit jedoch erheblich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Kasachstans.

Trotz verschiedener Interventionen der Zentralbank von Kasachstan zur Aufrechterhaltung der Stabilität der Landeswährung stieg der Wechselkurs des US-Dollars zum kasachischen Tenge im März 2020 um 15 Prozent. Eine weitere Abschwächung der Landeswährung ist trotz der vereinbarten Senkung der Erdölförderung durch die OPEC+ Staaten zu erwarten.

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Quarantänemaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in der Republik Kasachstan abzumildern, hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung von Einzelunternehmern und Unternehmern festgelegt, so u.a. Steuervergünstigungen und Vergünstigungen im Zollverfahren.

Die aktuellen Ereignisse schwächen die Wirtschaft des Landes ab, die Geschäftstätigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen vermindert sich und die Exportnachfrage geht zurück: Die Nachfrage nach dem Export von Waren und natürlichen Ressourcen sinkt – insbesondere von Erdöl, Erdölprodukten und Erdgas. Derzeit werden die Entwicklungstendenzen der kasachischen Wirtschaft durch die Erdölpreise und die Entwicklung der Pandemielage bestimmt.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Kasachstan beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Heutzutage ist in Kasachstan ein günstiges Geschäftsklima festzustellen, das mit politischer Stabilität einhergeht. Das sind Schlüsselfaktoren, die ausländische Investoren anziehen. 2019 sank jedoch das Volumen der direkten ausländischen Investitionen im Land.

Kasachstan arbeitet zielstrebig an der Verbesserung des Investitionsklimas. Die getroffenen Maßnahmen zeigen bereits gute Ergebnisse. Gegenwärtig gibt es dort eine progressive rechtliche Grundlage für Investitionen. Der Registrierungsprozess für Investoren wurde vereinfacht, insbesondere wurden das Zoll- und das Steuerverfahren nachgebessert und eine mehrstufige Verwaltungsinfrastruktur für die Unterstützung der Investoren aufgebaut.

Heute fließen die meisten Investitionen in die Bereiche mit dem größten Potenzial, wie den Bergbau und die verarbeitende Industrie, Chemie und Petrolchemie, Agro-Industrieller Komplex, Lebensmittelindustrie und Pharmaindustrie. Zu erwähnen sind auch langfristig vielversprechende und für lange Zeiträume ausgelegte Bereiche, wie die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), der Tourismus sowie Finanzen und Versicherungen.

Die Regierung von Kasachstan arbeitet weiterhin an der Entwicklung der Investitionsinfrastruktur zur Ver­besserung des Investitionsklimas. Ein sich besonders Sektor ist die Entwicklung von erneuerbaren Energie-Quellen sowie die Verbesserung der Energieeffizienz und -sicherheit in Kasachstan.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Kasachstan gegenüber?

Die meisten Schwierigkeiten haben Unternehmen, die den bürokratischen Aufwand in Kasachstan nicht einkalkuliert haben. Neben dem meist fehlenden Verständnis für die Erforderlichkeit der Vorlage von zahlreichen Dokumenten erschwert die lokale Rechtspraxis in den Regionen einen zügigen und produktiven Austausch mit Genehmigungsbehörden aber auch mit lokalen Kunden.

Hinzu kommt eine vergleichsweise wenig transparente gerichtliche Rechtspraxis. Leitentscheidungen zu den wichtigsten wirtschaftlichen und steuerlichen Fragen sind i.d.R. nicht vorhanden, was eine Entscheidungsfindung erschwert.

Migrationsrechtliche Voraussetzungen sind im Laufe der letzten fünf Jahre wesentlich vereinfacht worden. Dennoch muss oft bei der Planung der Entsendung des technischen Personals aus Deutschland nach Kasachstan eine Vielzahl von lokalen Qualifikationsanforderungen beachtet werden.

Nicht zuletzt trägt die angesichts der wirtschaftlichen Lage veränderte Fiskalpolitik des Staates zu steuerlichen Unwägbarkeiten bei. Streitige Fragen des Einbehalts von Quellensteuer werden meist zugunsten des Fiskus entschieden, u.a. unter Zuhilfenahme des Damoklesschwertes der Bankkontenarretierung, um die vermeintliche entstandene Quellensteuerforderung durchzusetzen.


Wie weit ist Kasachstan mit der Digitalisierung?

Im Dezember 2017 hat die Regierung von Kasachstan das staatliche Programm „Digitales Kasachstan” bestätigt, das darauf abzielt, den Einsatz und die Anwendungsdichte der digitalen Technologien zu erhöhen und zu erweitern, um die Landeswirtschaft weiterzuentwickeln und den Lebensstandard zu verbessern.

Das Programm wird in fünf Schlüsselbereichen umgesetzt:

  • Digitalisierung der traditionellen Wirtschaftszweige;
  • Entwicklung einer elektronischen Infrastruktur staatlicher Leistungen für die Bevölkerung und Unternehmen;
  • Einführung einer modernen Infrastruktur für die Datenübertragung, Datenspeicherung und Datenverarbeitung;
  • verstärkte Anwendung moderner digitaler Technologien im Bildungssektor, bei der Berufsausbildung sowie eine allgemeine Stärkung der digitalen Kompetenz der Bevölkerung insgesamt;
  • Schaffung eines Umfeldes für die Herausbildung und Entwicklung einer technisch-versierten Unternehmenskultur.


Derzeit wurden bei der Einführung der Digitalisierung die besten Ergebnisse bspw. bei staatlichen Leistungen, in der Bildung, im Gesundheitswesen, im Finanzwesen, Verkehr, Bergbau und in der Hüttenindustrie erreicht. Das deutsche Unternehmen SAP hat in dem Bereich die größten Marktanteile.

In Kasachstan werden 80 Prozent der staatlichen Leistungen in elektronischer Form erbracht. Ebenso erfolgreich funktioniert die elektronische Arbeitsvermittlung. Im Verkehr wurde die Umsetzung des Projekts „Intelligentes Verkehrssystem” gestartet. Die Einführung der digitalen Technologien im Bereich der Brennstoffenergie und der Bergbau- und Hüttenindustrie erfolgt unter Verwendung von Elementen der Technologie Industry 4.0. Für die Entwicklung von Informationstechnologien werden günstige Bedingungen geschaffen. Der Investitionszufluss in den IT-Markt von Kasachstan wird sich auf ca. 67 Mrd. Kasachische Tenge belaufen, es entspricht rund 129 Mio. Euro (Wechselkurs 518,09 Kasachische Tenge, Stand 4. Mai 2021). Auf der Basis des Technologieparks „Astana Hub” wurden 2019 bei der Entwicklung einer innovativen Zusammenarbeit Kooperationsvereinbarungen über die Zusammenarbeit mit 25 internationalen Organisationen unterzeichnet.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Kasachstan weiterentwickeln?

Wegen der aktuellen Situation auf den Weltmärkten, des schwachen Erdölpreises, des Rückgangs des internat­ionalen Handels sowie der negativen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Weltwirtschaft wird erwartet, dass die Faktoren das Wirtschaftswachstum Kasachstans verlangsamen. Aber angesichts der aktuellen Ereignisse ist es derzeit recht schwierig, die weiteren Entwicklungstendenzen der kasachischen Wirtschaft vorherzusagen.

Mit hinreichender Wahrscheinlichkeit kann man davon ausgehen, dass eine mögliche Verringerung der wirtschaftlichen Aktivität in den Ländern der Europäischen Union (EU), Russland und China, sowie der Preisverfall für Rohstoffe negative Auswirkungen auf den kasachischen Export und entsprechend auf die gesamte Wirtschaft Kasachstans haben werden.

Unter den jetzigen Umständen wird die konsequente Politik der kasachischen Regierung zur Diversifizierung der Wirtschaft und Verringerung der Rohstoffabhängigkeit des Landes, weitere Entwicklung der Digitalisierung und die Schaffung eines günstigen Geschäftsklimas sowie die Erhöhung der Attraktivität des Landes für Investitionen auch in den kommenden Jahren ihre Priorität behalten. Zudem gibt es bereits gute Anzeichen für einen Anstieg der Preise von Rohstoffen wie Kupfer, die mittelfristig ein gutes Wirtschaftswachstum in Kasachstan unterstützen dürften.

 Erfahren Sie mehr zu Kasachstan am 22. Forum Global

  

Qing Cheng, Leonid Dimant, Michael Quiring und Ulrich Schäfer referieren beim virtuellen Forum Global zum Thema „tus der steuerrechtlichen Regelungen zur digitalen Rechnungsstellung in der EU und in ausgesuchten Ländern (China, Kasachstan, Russland)”.

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