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Erfolgreich investieren in Malaysia

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 2 Minuten

von Michael Wekezer


 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Malaysia ein?

Malaysia hat seit den 90er Jahren ein beeindruckendes Wachstum verzeichnet. Im jüngsten „World Economic Outlook” vom Januar 2021 hat der IWF die BIP-Wachstumsprognosen für Malaysia auf 7 Prozent im Jahr 2021 und 6 Prozent für das Jahr 2022 angepasst. Als viertgrößte Volkswirtschaft Südostasiens hat sich Malaysia in den letzten Jahren aufgrund einer weltweiten Nachfrage nach Elektronik sowie Rohstoffen wie Öl und Gas stark entwickelt. Ein verbesserter Arbeitsmarkt und ausreichende Infrastrukturausgaben haben ebenfalls zur soliden Leistung beigetragen.

Neben der Produktion von Roh- und Palmöl verfügt Malaysia über einen gut etablierten Industriesektor, etwa in den Bereichen der Elektronik, Pharma und Telekommunikation. Das Land profitiert nicht nur von seiner Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten, sondern auch von einer hohen Inlandsnachfrage. Zusammen mit Singapur, Thailand und Indonesien ist Malaysia eine Führungsmacht im ASEAN-Raum.

 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Malaysia beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Das allgemeine Investitionsklima in Malaysia bleibt trotz der Covid-19-Pandemie positiv. Im „Ease of Doing Business”-Ranking der Weltbank von 2020 lag Malaysia auf Platz 12 – das zweitbeste Ergebnis innerhalb der ASEAN-Region. Das Land hat außerdem sein Ranking von 29 auf 26 unter 88 Ländern im „Global Talent Competitiveness Index 2020” (GTCI 2020) verbessert. Im „DHL Global Connectedness Index 2020” belegte Malaysia zudem weltweit den 16. Platz. Die Ranglisten unterstreichen die Wettbewerbsfähigkeit Malaysias als Investitionsstandort im südostasiatischen Raum.

Das verarbeitende Gewerbe ist der Hauptmotor des Wirtschaftswachstums in Malaysia mit folgenden Schwerpunkten:

  • Elektrik und Elektronik;
  • Maschinen und Geräte;
  • Chemikalien;
  • Medizinische Geräte;
  • Luft- und Raumfahrt sowie
  • Automobil.

 

 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Malaysia gegenüber?

Deutschland ist Malaysias größter ausländischer Investor aus der Europäischen Union. Bis Juni 2020 wurden insg. 461 Industrieprojekte mit deutscher Beteiligung mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 9,4 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Im Allgemeinen bietet Malaysia ein investitionsfreundliches Umfeld und keinen über­regulierten gesetzlichen Rahmen, was sich auch in der hohen Positionierung im zuvor erwähnten Ranking der Weltbank „Ease of Doing Business” spiegelt.

Historisch gesehen folgt Malaysia dem englischen „Common Law”. Für deutsche Unternehmen, die eher mit einem Zivilrechts-System vertraut sind, kann das eine Herausforderung darstellen. Eine sorgfältige und umsichtige Vertragsgestaltung ist daher wesentlich.

Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Malaysia sind derzeit aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Palmöl, einem für Malaysia sehr wichtigen Rohstoff, ausgesetzt. Deutsche Unternehmen müssen somit noch weiter auf Handelserleichterungen durch ein Freihandelsabkommen warten.

Die meisten Branchen in Malaysia sind für ausländische Investitionen zugänglich. In bestimmten Sektoren, wie dem Öl- und Gassektor oder dem Telekommunikationssektor, sind Investitionsbeschränkungen durch Gesetze, Richtlinien oder Lizenzbedingungen vorhanden. Die Beschränkungen, die oftmals eine lokale Beteiligung oder lokale Geschäftsführer verlangen, sind Teil der sog. „Bumiputera” Politik.

Deutsche Investoren können sich auf den Schutz aus dem bilateralen Investitionsvertrag zwischen Deutsch­land und Malaysia von 1962 verlassen. Der bilaterale Investitionsvertrag bietet jedoch nicht das gleiche Schutz­niveau, wie es heutzutage in Investmentverträgen üblich ist. Insbesondere sieht das Abkommen keinen Investor-Staat-Streitbeilegungsmechanismus vor.

 

Durch das asiatische Freihandelsabkommen „Regional Comprehensive Economic Partnership” (RCEP) erhofft sich Malaysia einen Wachstumsschub. Wie ist Ihre Einschätzung?

Das RCEP ist das jüngste Freihandelsabkommen, das Malaysia abgeschlossen hat. Nach der Ratifizierung und dem Inkrafttreten wird es als weltweit größtes Freihandelsabkommen außerhalb der Welthandelsorganisation den Handel in der Region weiter liberalisieren. Deutsche Unternehmen, die im asiatisch-pazifischen Raum geschäftlich tätig sind, sollten sich der komplexen und überschneidenden Freihandelsabkommen bewusst sein. Malaysia ist auch Mitglied der ASEAN-Freihandelszone (AFTA) des ASEAN-Plus-Freihandelsabkommens mit China, Japan, Korea, Australien, Neuseeland und Indien sowie des Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP). Es bestehen zudem weitere bilaterale Freihandelsabkommen mit anderen Ländern. Die „Nudelschale” der Freihandelsabkommen erfordert einen Fokus auf die Compliance sowie eine eingehende Planung und Bewertung der jeweils geltenden Freihandelsabkommen.

Über den Warenhandel hinaus bietet RCEP auch Regeln für den Handel mit Dienstleistungen, geistigem Eigentum, elektronischem Handel, Wettbewerb und Investitionen. Inwieweit deutsche Unternehmen von den Regeln profitieren können, muss sich zeigen.
 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Malaysia weiterentwickeln?

Malaysia hat sich zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Südostasiens entwickelt. Nachdem das Land stark von der Landwirtschaft und der Rohstoffindustrie abhängig war, hat es sich erfolgreich diversifiziert und sich auf das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor mit einer Kombination aus qualifizierten Arbeitskräften und einer hoch entwickelten Infrastruktur konzentriert. Die Weltbank sagt voraus, dass Malaysia bis zum Jahr 2024 den Schritt von einer Wirtschaft mit Einkommen im oberen-mittleren Bereich zu einer Wirtschaft mit hohem Einkommen schaffen wird.

Die jüngsten geopolitischen Spannungen zwischen China und dem Westen (USA, EU und Australien) könnten es erforderlich machen, dass Unternehmen ihre Investitionen im asiatisch-pazifischen Raum diversifizieren. „China plus eins” ist jetzt nicht nur eine Geschäftsstrategie zur Senkung der Herstellungskosten, sondern eine Strategie zur Bewältigung der geopolitischen Risiken. Malaysia könnte von der Verlagerung von Unternehmen aus China heraus profitieren.

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Christian Swoboda

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