Erfolgreich investieren in Österreich

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zuletzt aktualisiert am 2. August 2022 | Lesedauer ca. 4 Minuten


 

 

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Österreich ein?

Die österreichische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2022 kräftiger als der Durchschnitt der EU-Mit­glieds­staaten und der Arbeitsmarkt hat sich von den Auswirkungen der Pandemie weitaus besser erholt als erwartet. Viele Unternehmen haben derzeit große Probleme qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Auch die übrigen Rahmen­bedingungen für österreichische Unternehmen sind gegenwärtig überaus herausfordernd. Die österreichische Wirtschaft wird von einer ungewohnt hohen Inflation, gestörten Lieferketten, der noch nicht vollständig über­wundenen COVID-19-Pandemie und den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine belastet. Vor diesem Hinter­grund ist es nicht verwunderlich, dass sich die Konjunkturerwartungen ein wenig eingetrübt haben und sich die Stimmung der österreichischen Unternehmen verschlechtert hat. Dies ist unter anderem auch auf eine sin­ken­de Exportnachfrage als Folge der Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums zurückzuführen. Die Inflation wird insbesondere durch die Energiepreise getrieben und hat mittlerweile auch auf Lebensmittel und Industriegüter übergegriffen. Im Jahresdurchschnitt 2022 wird mit einer Inflationsrate von 7,5 Prozent gerech­net. Das größte Risiko für die österreichische Wirtschaft stellt jedoch ein russischer Gaslieferstopp dar. Da nur rund 10 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs aus inländischer Produktion stammt und Österreich rund 80 Prozent der Gasimporte aus Russland bezieht würde ein solcher Lieferstopp insbesondere Industrie­un­ter­neh­men und damit in weiterer Folge die gesamte Wirtschaft hart treffen. Die dadurch entstehenden Unsicher­heiten sind im Moment das beherrschende Thema in Politik und Wirtschaft. Wir von Rödl & Partner gehen jedoch zum derzeitigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass Russland seine Lieferungen nach Österreich zur Gänze stoppt. 
 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Österreich beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Trotz aller Widrigkeiten kann man das Investitionsklima weiterhin als robust bezeichnen. Die Bundesregierung ist jedenfalls darum bemüht ihren Teil dazu beizutragen. Insbesondere in den letzten Jahren eingeführte steuer­liche Regelungen, wie beschleunigte Abschreibungen von Gebäuden, degressive Abschreibungen und der schon länger bestehende investitionsbedingte steuerliche Gewinnfreibeträge für natürliche Personen, sind hier zu nennen. Zudem wird die Körperschaftsteuer schrittweise von derzeit 25 Prozent auf 23 Prozent im Jahr 2024 gesenkt.
 
Großes Potential bergen jene Branchen, welche von den Investitionen profitieren, welche zur Erreichung der Klimaziele notwendig sein werden, wie z.B. die Baubranche, Energiebranche und Maschinenbau. 
 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Österreich gegenüber?

Deutsche Unternehmer sehen sich bei einem Engagement in Österreich i.d.R. mit keinen außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert. Selbstverständlich gibt es Unterschiede, doch die sind eher von unter­ge­ord­neter Bedeutung und spielen meist nur eine geringe Rolle. Aufgrund der gemeinsamen Sprache sowie der geo­graphischen Nähe sind viele Abläufe ähnlich – auch im Steuerrecht. Das Steuer-, Gesellschafts- und Handels­recht stimmt systematisch in großen Teilen mit dem deutschen überein, sodass keine großen Überraschungen zu erwarten sind.
  
Sichere und stabile wirtschaftliche Bedingungen in Österreich machen ein Engagement für deutsche Unter­neh­men überschau- und planbar. Negative Überraschungen sind jedoch immer wieder im Bereich des Gewerbe­rechts und der Betriebsanlagengenehmigung festzustellen. Das oft propagierte one-stop-shop-Prinzip bei der Gründung und Eröffnung eines Gewerbebetriebes lässt sich in der Praxis nicht immer umsetzen. Im Großen und Ganzen sollten sich deutsche Unternehmer in Österreich aber relativ schnell zurechtfinden und auf keine nennenswerten Probleme stoßen. Es ist jedoch zu empfehlen sich beim Markteintritt steuerlich und rechtlich beraten zu lassen, um kleine aber umso ärgerlichere Stolpersteine zu vermeiden.  
  

Warum sollten sich Unternehmen für einen Markteintritt/-verbleib in Österreich entscheiden?

Österreich bietet attraktive Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen. Als eines der reichsten Länder der EU verfügen österreichische Konsumenten über eine überdurchschnittliche Kaufkraft. 
 
Die Infrastruktur ist hoch entwickelt und die Verwaltung modern und effizient. Zudem ist die Lebensqualität in Österreich sehr hoch. Wien wird in diversen Rankings regelmäßig zu den lebenswertesten Städten der Welt gezählt. Dazu trägt sicherlich auch die hohe persönliche Sicherheit bei. Auch hinsichtlich des Klimawandels und dadurch ausgelöster Naturkatastrophen ist Österreich relativ sicher. Die Versorgungssicherheit mit elek­trischer Energie hat in Österreich höchste Priorität, daher nimmt Österreich im Vergleich mit anderen euro­pä­ischen Ländern in dieser Beziehung eine Spitzenposition ein. 
 
Des Weiteren ist Österreich politisch sehr stabil und verfügt über ein verlässliches Rechtssystem. Die Bezie­hungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind traditionell sehr gut, was eine sehr geringe Anzahl an Streiktagen zur Folge hat. Österreich verfügt über eine große Anzahl an hochqualifizierten Arbeitskräften, was sich in einer hohen Arbeitsproduktivität niederschlägt. Mit dafür verantwortlich ist das in Österreich prak­ti­zierte duale Ausbildungssystem, welches Theorie und Praxis verbindet und zu einer optimalen Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Bildung führt. 
 
Ein weiterer Vorteil von Österreich ist seine zentrale Lage in Europa. Wien ist führendes Drehkreuz im Flug­ver­kehr und in der Logistik nach Mittel- und Osteuropa. Daher bietet Österreich einen hervorragenden Zugang zu den mittel- und osteuropäischen Märkten. 
 
Nicht zuletzt ist Österreich aufgrund der attraktiven Gruppenbesteuerung und eines dichten Netzes an Doppel­besteuerungsabkommen auch steuerlich wettbewerbsfähig.  
 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Österreich weiterentwickeln?

Der Krieg in der Ukraine und die COVID-19-Pandemie sind und waren in den letzten Jahren die beherrschenden Themen. Das Wachstum der österreichischen Wirtschaft wird hiervon jedoch aller Voraussicht nach nicht nach­haltig beeinträchtigt werden. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der nächsten 5 Jahre liegt mit 1,8 Prozent in etwa im Durchschnitt der Staaten des Euroraums. Im kommenden Jahr wird zwar mit einer im Vergleich zu heuer niedrigeren aber wegen der Zweitrundeneffekte aufgrund der gestiegenen Lohnkosten immer noch hohen Inflationsrate von über 4 Prozent gerechnet. Vor dem Hintergrund einer moderaten Konjunk­tur­ent­wicklung und unter der Voraussetzung stabiler Energiepreise wird der Preisauftrieb jedoch nachlassen und die Inflation in den kommenden Jahren weiter sinken. In letzter Zeit war die Wirtschaftspolitik auf die unmittelbare Krisenbewältigung konzentriert. Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren produktivitätserhöhenden Themen wie Bildung, Digitalisierung und Forschung ein höherer Stellenwert eingeräumt wird. Zudem wird die Ermöglichung der Energiewende Österreich vor große Herausforderungen stellen aber auch Chancen ermöglichen. 

Kontakt

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Prof. Dr. Peter Bömelburg

Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater

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