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Erfolgreich investieren in der Russischen Föderation

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zuletzt aktualisiert am 15. Februar 2021 | Lesedauer ca. 2 Minuten


 

 

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Russischen Föderation ein?

Die russische Wirtschaft hat im Jahr 2020 stark gelitten – das BIP verringerte sich im Rahmen eines Jahres um etwa 45 Mrd. Euro. Dieser Rückgang beruhte im Wesentlichen auf der Ausbreitung der Coronavirus-Infektion und den die Wirtschaft einschränkenden Maßnahmen, die mit der Bekämpfung der Pandemie verbunden waren. Dadurch wurde auch der Außenhandel wesentlich erschwert. Der IWF berechnete das Ausfuhrvolumen von Waren und Dienstleistungen auf -8,8 Prozent, während sich das Einfuhrvolumen auf - 12,6 Prozent belief. Die weltweit rückläu-fige Nachfrage nach Rohstoffen führte zu einer Verringerung der Rohölpreise und Einschrän-kung des Konsumverhaltens der Bevölkerung. Demgegenüber wird für 2021 ein Wachstum des BIP um 3 bis 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert.

Wie würden Sie das Investitionsklima in der Russischen Föderation beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Durch die stetige Verbesserung der Investitionsbedingungen werden wirtschaftliche Anreize geboten. Deutsche Unternehmen sind in Russland sehr willkommen, unterliegen seit der Einführung der Lokalisierungspolitik aber je nach Branche gewissen Anforderungen. Das schwächt aber nicht das große Potenzial des Marktes. Chancen für deutsche Unternehmen – insbesondere aus dem Mittelstand – bieten sich weitgehend in den Branchen:
  • Automobilindustrie;
  • Maschinenbauindustrie;
  • Energiewirtschaft;
  • Chemieindustrie;
  • Textilindustrie;
  • Lebensmittelindustrie.

Die fortwährend bestehenden geopolitischen Spannungen und Sanktionen – v.a. aus den USA – sorgen jedoch für Unsicherheit und schrecken potenzielle Investoren sowie Marktteilnehmer ab. Angesichts der US-Wahlen Ende 2020 und der zu erwartenden Änderung der politischen Richtung nach dem Sieg von Joe Biden wird eine größere Vorhersehbarkeit in den Beziehungen zu Russland erwartet. 

Zudem stellt COVID-19 ein vorübergehendes Hindernis dar, das die Attraktivität des russischen Marktes für ausländische Investoren auf Dauer nicht beeinflussen kann. 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Russischen Föderation gegenüber?

Neben der aktuellen Pandemie stellen die gegen Russland verhängten Sanktionen, die schwächelnde Konjunktur und die globalen Handelskonflikte eine Herausforderung für deutsche Unternehmen dar. Dies betrifft sowohl die Großkonzerne als auch die mittelständischen und familiengeführten Unternehmen mit Aktivitäten in Russland. Sie müssen deshalb auf eine sanktionskonforme Unternehmensführung achten, wenn sie in Russland tätig sind oder Waren und Dienstleistungen grenzüberschreitend anbieten. Vor allem beziehen sich die Sanktionen auf die Herstellung und den Handel mit Rüstungs- und Dual-Use-Gütern, Gütern für die Erdölförderung und die damit verbundenen Dienstleistungen. Hinzu kommen noch die US-Sanktionen gegen russische Personen und Unternehmen, die im Zusammenhang mit der russischen Regierung stehen. Die sog. „Sanktionen aus der Hölle“ z.B. sehen folgende Maßnahmen vor: ein Betriebsverbot der größten russischen Staatsbanken, Verbot von Transaktionen mit Neuemissionen russischer Staatsanleihen, Investitionsverbot im russischen Energiesektor etc. Dieses breite Spektrum an Sanktionen hat auch Einfluss auf die Geschäfte deutscher Unternehmen. Darüber hinaus erschwert ein gewisser Protektionismus ausländischen Unternehmen den Zugang zu öffentlichen Ausschrei-bungen. Abgesehen davon bestehen nach wie vor die altbekannten Herausforderungen in Bezug auf Bürokratie und Korruption.

Inwieweit haben die Entwicklungen zum Nord Stream 2 Russlands Wirtschaft beeinflusst?

Angesichts der Tatsache, dass ca. 40 Prozent des russischen Staatshaushaltes sich aus den Einkünften der Öl- und Gasexporte zusammensetzt, bringt Nord Stream 2 für Russland mehrere Vorteile. Zunächst werden die Ausgaben für Transitgebühren durch die baltischen Staaten und die Ukraine reduziert, wodurch die Produzentenrente steigt. Aus der Perspektive der Unternehmen wird dadurch eine Energie- und Stromlücke gefüllt, da es in den kommenden Jahren zunehmend mehr Bedarf an Gas, insbesondere im Hinblick auf den Atomausstieg und den Ausstieg aus fossilen Energieträgern in Deutschland, geben wird. Ferner stellt das Projekt eine umweltfreundliche Variante der Erdgaslieferung dar. Sowohl die Materialien, aus denen die Pipeline hergestellt ist, als auch die verringerte Gefahr von Leckagen gewährleisten einen sicheren Transport.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Russische Föderation weiterentwickeln?

Der Einfluss der Coronapandemie wird man noch zumindest bis zum Ende 2021 auf den russischen Markt spüren. Der Staat wird jedoch die Bevölkerung und die Wirtschaft durch Hilfspakete und einen Aktionsplan zum Wiederaufleben der Wirtschaft weiter unterstützen. Deshalb ist nicht zu erwarten, dass Rezession und rückläufige Konjunktur sich dauerhaft einnisten werden. Vielmehr sind Export-Impulse durch die Inbetriebnahme neuer Gas Pipelines nach Europa und China (Nord Stream 2 und Sila Sibirii) zu erwarten. Trotz der zeitweisen Einstellung des Projektes Nord Stream 2 Ende 2019 aufgrund der US-Sanktionsandrohungen wurden die Verlegearbeiten Ende 2020 wieder aufgenommen. Nach letzten Berichten sind 94 Prozent der Pipeline schon fertiggestellt – es fehlen noch etwa 120 Kilometer in dänischen und 30 Kilometer in deutschen Gewässern. Nord Stream 2 soll jährlich 55 Mrd. m3 Erdgas von Russland nach Deutschland befördern. Ein Teilstück von Sila Sibirii wurde schon Ende 2019 in Betrieb gesetzt. Die Pipeline sollte eine Kapazität von ca. 61 Mrd. m3 pro Jahr erreichen und ist vorrangig für den Gastransport nach China bestimmt.

 

Trotz des letztjährigen Rückgangs der Investitionen und der weltweiten wirtschaftlichen Krise wird eine langsame Verbesserung des Investitionsklima erwartet. Die Konsumausgaben werden langsam wieder steigen, nach Prognosen von Wirtschaftsforschern um 5,3 bis 6,3 Prozent im Vergleich zu 2020. Der Außenhandel wird noch Zeit brauchen, um nach der Pandemie zu regenerieren. In jedem Fall bleibt das Gesamtbild optimistisch. Das nächste Jahr wird zwar herausfordernd sein, aber mit dem Ende der Pandemie wird auch ein Nachholbedarf in der Wirtschaft aufkommen, der deutsche Unternehmen wieder nach vorne bringt in Russland. 

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