Erfolgreich investieren in der Russischen Föderation

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zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Russland ein?

Die russische Wirtschaft ist 2018 zwar leicht gewachsen (1,3-1,5 Prozent), für 2019 wird aber nur ein Wachstum von 0,5 Prozent erwar­tet. Die optimistische Prognose der Zentralbank der Russischen Föderation liegt zwischen 1,2-1,7 Prozent (Februar 2019). Gemäß Vorhersage der Zentralbank der Russischen Föderation wird außerdem aufgrund der Erhöhung der Mehrwertsteuer am 1. Januar 2019 und der Abschwächung des Rubels im vergangenen Jahr die jährliche Inflation vorübergehend beschleunigt mit einem Höhepunkt in der ersten Jahreshälfte 2019 und bis Ende 2019 bei 5,0-5,5 Prozent liegen. Der Konsum erholt sich aufgrund der niedrigen Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung nach wie vor nur langsam. Die grundlegenden Probleme der russischen Wirtschaft – die starke Abhängigkeit vom Ölexport und das Ausbleiben von Strukturreformen – wurden noch nicht gelöst und bremsen das Wachstum.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Russland beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Durch die stetige Verbesserung der Investitionsbedingungen werden Anreize geboten. Deutsche Unternehmen sind in Russland sehr willkommen, unterliegen seit der Einführung der Lokalisierungspolitik aber je nach Branche gewissen Anforderungen. Das schwächt aber nicht das große Potenzial des Marktes. Chancen für deutsche Unternehmen – insbesondere aus dem Mittelstand – bieten sich in den Branchen:
  • Automobilindustrie
  • Maschinenbauindustrie
  • Energiewirtschaft
  • Chemieindustrie
  • Textilindustrie
  • Lebensmittelindustrie

Die fortwährend bestehenden geopolitischen Spannungen und Sanktionen – v.a. aus den USA – sorgen jedoch für Unsicherheit und schrecken potenzielle Investoren und Marktteilnehmer ab.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Russland gegenüber?

Russland leidet unter den Sanktionen und „hausgemachten” strukturellen Problemen. Herausforderungen bestehen nach wie vor in Bezug auf Bürokratie und Korruption. Hinzu kommen eine schwach ausgebildete Zulieferindustrie und Fachkräftemangel. Deutsche Unternehmer müssen auf eine sanktionskonforme Unternehmensführung achten, wenn sie in Russland tätig sind oder Waren grenzüberschreitend anbieten. Betroffen sind Rüstungs- und Dual-Use-Güter, Güter für die Erdölförderung und damit verbundene Dienst­leistungen. Auch die US-Sanktionen gegen russische Personen und Unternehmen können Einfluss auf Geschäfte deutscher Betriebe haben. Dazu erschweren marktschützende Maßnahmen Russlands den Handel mit Lebensmitteln und die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen.

Können deutsche und russische Unternehmen bei der Digitalisierung noch stärker zusammenarbeiten?

Die russische produzierende Wirtschaft befindet sich im Bereich der Industrie-Digitalisierung hinter Ländern wie Deutschland und den USA. Deutschland und Russland arbeiten gemeinsam daran, die russische Wirtschaft zu digitalisieren. Hierfür haben sich Wirtschaftsverbände und Großunternehmen unter dem Namen „German Russian Initiative for Digitalization” im Februar 2018 zusammengeschlossen. Durch eine Steigerung der Produktivität der russischen Wirtschaft sollen wettbewerbsfähige Produkte für den globalen Markt produziert werden.

Positiver Anreiz für einen Erfolg ist auch der stark wachsende Markt des E-Commerce in der Russischen Föde­ration. V.a. soll eine Zusammenarbeit in den Bereichen Digital Enterprise, Smart Manufacturing, Blockchain-Technologien und Industrie 4.0 stattfinden. Um die Leistungsfähigkeit deutscher und russischer Unternehmen auf dem Gebiet der Digitalisierung zu demonstrieren, ist ein Showroom in Moskau geplant.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Russland weiterentwickeln?

Die russische Marktwirtschaft hat die Rezession überstanden, jedoch wächst die Wirtschaft nur langsam. Um die Potenziale des Marktes richtig erschließen zu können, müssen die geplanten Wirtschaftsreformen erfolgreich umgesetzt werden. Entscheidend ist dabei auch, in welchem Umfang die Maßnahmen durchgeführt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die geopolitischen Konflikte in absehbarer Zukunft gelöst werden können und wie sich die Ölpreise entwickeln werden.

 

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Dr. Andreas Knaul, LL.M., d.i.a.p. (E.N.A.)

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