Erfolgreich investieren in der Russischen Föderation

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 2 Minuten


 

 

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Russischen Föderation ein?

Die russische Wirtschaft ist 2019 den Analysten zum Trotz um 1,4 Prozent gewachsen. Angesichts der jüngsten Covid-19 Pandemie hat sich jedoch die wirtschaftliche Lage auch in Russland deutlich verschle­chtert. Neben der Corona-Krise kommen noch ein Kurssturz der Rohölpreise und eine Schwä­chung des Rubels hinzu, die die Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung verringern und das Konsumverhalten einschränken. Die bestehenden grundlegenden Probleme der russischen Wirtschaft neben der Corona-Krise – die starke Abhängigkeit vom Ölexport und das Ausbleiben von Strukturreformen – wurden noch nicht gelöst und bremsen das Wachstum zusätzlich.

Wie würden Sie das Investitionsklima in der Russischen Föderation beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Durch die stetige Verbesserung der Investitionsbedingungen werden Anreize geboten. Deutsche Unternehmen sind in Russland sehr willkommen, unterliegen seit der Einführung der Lokalisierungspolitik aber je nach Branche ge­wissen Anforderungen. Das schwächt aber nicht das große Potenzial des Marktes. Chancen für deutsche Unterneh­men – insbesondere aus dem Mittelstand – bieten sich weitgehend in den Branchen:
  • Automobilindustrie;
  • Maschinenbauindustrie;
  • Energiewirtschaft;
  • Chemieindustrie;
  • Textilindustrie;
  • Lebensmittelindustrie.

Die fortwährend bestehenden geopolitischen Spannungen und Sanktionen – v.a. aus den USA – sorgen jedoch für Unsicherheit und schrecken potenzielle Investoren sowie Marktteilnehmer ab.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Russischen Föderation gegenüber?

Die gegen Russland verhängten Sanktionen und die schwächelnde Konjunktur stellen für deutsche Unterneh­men eine Heraus­forderung dar. Sie müssen deshalb auf eine sanktionskonforme Unternehmensführung achten, wenn sie in Russland tätig sind oder Waren und Dienstleistungen grenzüberschreitend anbieten. Betroffen sind Rüstungs- und Dual-Use-Güter, Güter für die Erdölförderung und damit verbundene Dienstleistungen. Auch die US-Sank­tionen gegen russische Personen und Unternehmen können Einfluss auf Geschäfte deutscher Betriebe haben. Darüber hinaus erschwert Protektionismus den deutschen Unternehmen den Zugang zu öffentlichen Ausschrei­bungen. Abgesehen davon bestehen nach wie vor die altbekannten Herausforderungen in Bezug auf Bürokratie und Korruption.

Inwieweit haben die Entwicklungen zum Nord Stream 2 Russlands Wirtschaft beeinflusst?

Angesichts der Tatsache, dass ca. 40 Prozent des russischen Staatshaushaltes sich aus den Einkünften der Öl- und Gasexporte zusammensetzt, bringt der Nord Stream 2 für Russland mehrere Vorteile. Zum einen werden die Ausga­ben für Transitgebühren durch die baltischen Staaten und die Ukraine reduziert, wodurch die Produzenten­rente steigt. Zum anderen kann Russland nun selektiv verschiedene Regionen Europas mit Gas zu unterschiedlichen Konditionen beliefern und gewinnt somit in Verhandlungssituationen zusätzlichen Spielraum.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Russische Föderation weiterentwickeln?

Es sind Export-Impulse durch die Inbetriebnahme neuer Gas Pipelines nach Europa und China (Nord Stream 2 und Sila Sibirii) zu erwarten. Durch die Fertigstellung von Nord Stream 2 (voraussichtlich gegen Ende des Jahres 2020) könnten jährlich 55 Mrd. m3 Erdgas unmittelbar an einen der wichtigsten Absatzmärkte zugestellt werden.

Unter Berücksichtigung der positiven Gewinnentwicklung der Unternehmen im Jahr 2019 besteht grundsätzlich Potenzial für mehr private Investitionen. In den vergangenen Jahren ist russisches Kapital im Ausland in bedeu­tendem Umfang angehäuft worden.

Ein Rückfluss davon wird von der Verbesserung des Geschäftsklimas und der Belebung des Vertrauens der Unternehmen in die Regierung abhängen.

Die größte Gefahr besteht nach aktuellen Erkenntnissen in einer länger anhaltenden Rezession der Weltwirtschaft in Folge der Corona-Pandemie, weil sie mit einem Rückgang der Rohstoffnachfrage und einem starken Preisverfall (bereits an den Rohölpreisen erkennbar) verbunden ist und Russland daher als Rohstoffexporteur schwer treffen würde.

 Kulturelle Besonderheiten in der Russischen Föderation

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