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Erfolgreich investieren in Singapur

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 

 

 

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Singapur ein?

Als Drehkreuz in der Asien-Pazifik-Region hängt Singapur stark vom globalen Wirtschaftsklima ab. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Stadtstaat massiv von der Covid-19-Krise getroffen wurde. Die Wirtschaft schrumpfte 2020 um 5,4 Prozent, das erste negative Wirtschaftswachstum seit 2001 und die schlimmste Rezession seit der Unabhängigkeit. Die Regierung hatte für 2020 ein Konjunkturpaket zur Abfederung der negativen Effekte des weltweiten Wirtschaftsabschwungs von insgesamt bis zu 100 Mrd. Singapur-Dollar angekündigt. Die Prognosen für 2021 sind optimistischer: Für den Großteil der Wirtschaft Singapurs erwartet man eine Erholung und geht für 2021 von einem GDP-Wachstum zwischen 4 und 6 Prozent aus. Manche Bereiche, wie Transport, Tourismus und Luftfahrt werden vermutlich länger benötigen, um sich zu erholen. Die verarbeitende Industrie wird dank der ungebrochenen Nachfrage nach Halbleitern aus dem 5G- und dem Automobilmarkt expandieren. Auch für den Informations- und Kommunikationssektor sowie den Finanzsektor wird weiterhin Wachstum erwartet, nicht zuletzt aufgrund des Bedarfs an IT und digitalen Lösungen sowie an Kredit- und Zahlungsabwicklungsdienstleistungen.  

Die Regierung stellte 2021 weitere 11 Mrd. Singapur-Dollar für ein neues Maßnahmenpaket (Covid-19 Resilience Package) bereit, mit dem bestehende Programme erweitert werden, um Unternehmen zu helfen und Arbeitsplätze zu sichern. Die Covid-19-Krise dürfte Singapurs Rolle als sicherer Hafen in der südostasiatischen Region weiter stärken.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Singapur beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Im „IMD Competitiveness Ranking 2020” belegt Singapur den ersten Platz der wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt. Das bestätigt die Beständigkeit des sehr guten Investitionsumfelds. Das stabile politische System, die hervorragende Infrastruktur, eine exzellente Anbindung an den Welthandel sowie das vielfach ausgezeichnete Bildungssystem sind die Grundlage des Investitionsklimas. Im regionalen Kontext grenzt sich Singapur von seinen Nachbarstaaten deutlich in Bezug auf Rechtsstaatlichkeit und im Zusammenhang mit einer strengen Korruptions- und Antigeldwäsche-Bekämpfung ab. So belegte Singapur im Jahr 2020 Rang 3 von 180 Staaten des weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex von „Transparency International”.

Folgende Bereiche gelten als Schlüsselbranchen und werden von der Regierung besonders gefördert:
  • Hochtechnologieindustrie (u.a. Feinmechanik, Elektronik, Chemie, Halbleiter- und Robotertechnik);
  • Gesundheitswesen und biomedizinische Wissenschaft (u.a. Medizintechnik und Pharmaindustrie);
  • Stadtplanung und -entwicklung (u.a. Umwelttechnologien und „grüne“ Technologien);
  • Logistik, Transport und Luft-/Raumfahrttechnik;
  • Regionale und globale Finanzdienstleistungen (u.a. Finanztechnologien);
  • Forschung, Entwicklung und Bildung;
  • Innovation und digitale Lösungen (z.B. gefördert durch Initiativen wie „Data Innovation Programme Office” und „FinTech Sandbox”).

Singapur möchte zum führenden Industrie-Hub für Unternehmen weltweit werden. Das hervorragende Ecosystem für produzierende Gewerbe hat nicht nur zur Ansiedlung von Produktionsstätten geführt, sondern man findet in Singapur auch die gesamte Bandbreite an Funktionen von Unternehmenszentralen, Forschung und Entwicklung und Supply Chain Management für die Region. Singapur ist der viertgrößte globale Exporteur von Hochtechnologieprodukten – dort werden 5 der weltweit Top 10 Pharmaprodukte hergestellt und Singapur ist der fünftgrößte Produzent von raffinierten Ölen.

Der IT Services- und Technologiesektor (einschließlich der Bereiche Cybersecurity und Datencenter), die sog. Lifestyle-Branche sowie die Thematik um Erneuerbare Energien und grüne Technologien werden sich weiter etablieren und großes Potenzial bieten.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Singapur gegenüber?

Seit jeher profitieren Unternehmen und Privatpersonen von niedrigen Steuersätzen im Land. Inzwischen möchte der Stadtstaat das Image einer Steueroase ablegen. So trat Singapur dem OECD-Rahmen „Base Erosion and Profit Shifting” (BEPS) bei, was Auswirkungen auf steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und v.a. Verrechnungspreise mit sich brachte. Zudem sind Banken und Corporate Service Provider dazu verpflichtet, sämtliche Kunden bei einer umfangreichen „Customer Due Diligence” sorgfältig zu prüfen.

Die Compliance-Regeln („Know your Customer”) werden von den Aufsichtsbehörden streng kontrolliert. Darüber hinaus sehen sich Unternehmen mit einer zunehmend restriktiven Verwaltungspraxis bei der Vergabe von Arbeitsgenehmigungen für Ausländer konfrontiert. Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Ausbreitung von Covid-19 hat Singapur relativ rigorose Reisebeschränkungen eingeführt mit dem positiven Effekt, dass das Virus zumindest innerhalb der Insel unter Kontrolle gebracht wurde. Singapur wurde 2020 vom Mobility-Dienstleister „Mercer” in seinem „Cost of Living Rating” als fünftteuerste Stadt weltweit gekürt.

In der westlichen Region Singapurs soll eine smarte Öko-Stadt entstehen. Welche Chancen ergeben sich daraus?

Singapur plant in einem neu entwickelten Stadtteil eine „Öko-City” mit 42.000 Wohnungen zu errichten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass 80 Prozent der Bevölkerung Singapurs in staatlich geförderten Wohnbauten leben, könnte das Engagement der Regierung für eine nachhaltige Stadtgestaltung viele Chancen bieten. Städteplaner, die sich für Prinzipien des grünen Designs und „intelligente” Technologien einsetzen, werden Sensoren und Datenanalysen benötigen, um eine intelligente und grüne Stadt zu etablieren. Der Einfluss von Daten und digitalen Technologien, einschließlich künstlicher Intelligenz, wird zur Weiter­entwicklung des öffentlichen Verkehrs, zur Verbesserung der Abfallwirtschaft und zur Senkung des Energieverbrauchs genutzt werden. Singapur fungiert bereits als Prüfstand für autonomes Fahren und Verkehrsleitsysteme; und könnte die Rolle auch für viele weitere grüne und intelligente Lösungen für eine nachhaltige Städteentwicklung übernehmen.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Singapur weiterentwickeln?

Singapur verzeichnet seit vielen Jahren ein bemerkenswertes Wirtschaftswachstum, hat sich immer wieder neu erfunden und wird den Aufwärtstrend voraussichtlich auch in Zukunft fortsetzen. Die Covid-19-Krise hatte im vergangenen Jahr massive Auswirkungen auf Singapurs Wirtschaft und eine vollständige Erholung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Regierung hat jedenfalls schnell gehandelt und  mit Konjunkturpaketen genügend Mittel zur Verfügung gestellt, um die negativen Auswirkungen der Krise abzufedern und Singapur auf die digitale Transformation seiner Wirtschaft vorzubereiten. Singapur ist gut aufgestellt, seinen Platz als regionaler Hub für High-End-Fertigung, Forschung und Entwicklung, Logistik und die Dienstleistungsbranchen zu sichern. Mittel- bis langfristig wird Singapur mit anderen Herausforderungen zu kämpfen haben, etwa seiner alternden Gesellschaft und der ökologischen Nachhaltigkeit.

 Kulturelle Besonderheiten in Singapur

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