Erfolgreich investieren in Singapur

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten

 


 

 

​​​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Singapur ein?

Singapur, als Drehkreuz in der Asien-Pazifik-Region, hängt stark vom globalen Wirtschaftsklima ab. Zudem ist der Stadtstaat, wie auch viele weitere Länder, stark von der Covid-19 Krise betroffen. Das zuständige Ministry of Trade and Industry schätzt für das Jahr 2020 ein negatives Wachstum von -4 bis -1 Prozent. Für das Jahr 2021 geht der Internationale Währungsfond von einer wirtschaftlichen Erholung Singapurs von bis zu 3 Prozent aus.

Den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 versucht die Regierung mit zwei Nachtragshaushalten und einem Stimulus-Paket von über 55 Mrd. Singapur Dollar zu begegnen. Inwieweit die Maßnahmen die wirtschaftlichen Effekte abfedern können, muss sich zeigen.

Allgemein wird jedoch aufgrund einer langfristig ausgerichteten politischen Agenda zuversichtlich in die Zukunft geblickt. Die Covid-19 Krise dürfte Singapurs Rolle als sicherer Hafen in der südostasiatischen Region weiter stärken.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Singapur beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Im „Global Competitiveness Index 2019” des Weltwirtschaftsforums belegt Singapur den ersten Platz der wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt. Das bestätigt die Beständigkeit des sehr guten Investitionsumfelds. Das stabile politische System, die hervorragende Infrastruktur, eine exzellente Anbindung an den Welthandel sowie das vielfach ausgezeichnete Bildungssystem sind die Grundlage dieses Investitionsklimas. Im regionalen Kontext grenzt sich Singapur von seinen Nachbarstaaten deutlich in Bezug auf Rechtsstaatlichkeit und im Zusammenhang mit einer strengen Korruptions- und Antigeldwäsche-Bekämpfung ab. So belegte Singapur im Jahr 2019 Rang 4 von 180 Staaten des weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex von „Transparency International”.

Folgende Bereiche gelten als Schlüsselbranchen und werden von der Regierung besonders gefördert:
  • Hochtechnologieindustrie (u.a. Feinmechanik, Elektronik, Halbleiter- und Robotertechnik),
  • Gesundheitswesen (u.a. Medizintechnik und Pharmaindustrie),
  • Stadtplanung und -entwicklung (u.a. Umwelt- und Wassertechnologien; Verkehrsmittel und -planung),
  • Logistik und Luft-/Raumfahrttechnik,
  • Regionale und globale Finanzdienstleistungen (u.a. Finanztechnologien) sowie
  • Forschung, Entwicklung und Bildung.

Nach der aktuellen Entwicklung gehen wir außerdem davon aus, dass sich die IT-Dienstleistungen/Technologienbranche (u.a. Cybersicherheit, Datencenter), die sog. Lifestyle-Branche sowie die Thematik um Erneuerbare Energien künftig weiter etablieren und großes Potenzial bieten werden.

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Singapur gegenüber?

Seit jeher profitieren Unternehmen und Privatpersonen von niedrigen Steuersätzen im Land. Inzwischen möchte der Stadtstaat das Image einer Steueroase ablegen. So trat Singapur 2016 dem OECD-Rahmen „Base Erosion and Profit Shifting” (BEPS) bei, was Auswirkungen auf steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und v.a. Verrechnungspreise mit sich brachte. Zudem sind Banken und Corporate Service Provider dazu verpflichtet, sämtliche Kunden bei einer umfangreichen „Customer Due Diligence” sorgfältig zu prüfen. Die Compliance-Regeln („Know your Customer”) werden von den Aufsichtsbehörden genau beobachtet. Darüber hinaus nehmen wir eine zunehmend restriktive Verwaltungspraxis bei der Vergabe von Arbeits¬genehmigungen wahr. Auch die Gründung eines „Representative Office” als erster Schritt in den singapurischen Markt ist nur noch bedingt möglich. Nicht unbeachtet bleiben sollte ferner, dass Singapur 2019 vom Mobility-Dienstleister „Mercer” in seinem „Cost of Living Rating” als drittteuerste Stadt weltweit gekürt wurde.

Welche Rolle nimmt Singapur innerhalb ASEAN ein?

Singapur ist sehr darum bemüht, die Funktion als Drehkreuz in der Region auszubauen. Schon lange gilt der Stadtstaat als Logistik-, Finanz- und Investitions-Hub und dient vielen ausländischen Unternehmen als regionales Headquarter in der Asien-Pazifik-Region. Die Funktion möchte Singapur erweitern und setzt verstärkt auf die Wahrnehmung als Dispute Settlement und Restructuring Hub. So verfügt Singapur über eine erstklassige Infrastruktur im Bereich der Streitbeilegung durch die Kombination aus dem „Singapore International Commercial Court”, dem „Singapore International Arbitration Centre” und dem „Singapore International Mediation Centre”. Internationale Abkommen, wie der Beitritt zu dem Haager Übereinkommen über Gerichtsstandsvereinbarungen oder der „UN-Singapore Convention on Mediation”, sorgen zudem für eine vereinfachte Vollstreckung und dienen letztendlich der Rechtssicherheit. Als Restrukturierungshub bietet Singapur nun – vergleichbar mit dem US-Insolvenzrecht – Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Restrukturierung von Unternehmen in finanzieller Schieflage an.

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Singapur weiterentwickeln?

Singapur befindet sich seit Jahren auf einem hohen Entwicklungsniveau und wird den positiven Trend tendenziell auch künftig fortführen. Inwieweit sich die Covid-19 Krise auf die mittel- bis langfristige Entwicklung Singapurs auswirken wird bleibt abzuwarten. Auch der Umgang mit weiteren Herausforderungen, wie etwa der Überalterung der Gesellschaft oder Gefahren des Klimawandels, werden maßgeblich die weitere Entwicklung des Stadtstaates beeinflussen. Neben damit verbundenen politischen Aufgaben, wird der Stadtstaat künftig insbesondere einen erhöhten Steuerbedarf haben. Dem hat man jüngst mit der Ankündigung einer Mehrwertsteuererhöhung von 7 auf 9 Prozent zwischen den Jahren 2021 und 2025 Rechnung getragen.

 Kulturelle Besonderheiten in Singapur

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