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Erfolgreich investieren in Thailand

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 3 Minuten

      

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Thailand ein?

Thailand ist in Südostasien eines der wichtigsten und weitest entwickelten Länder und damit für viele ausländische Firmen als Standort interessant.

2020 stand ganz im Zeichen der Pandemie, die Thailand hart getroffen hat – insbesondere wirtschaftlich. Die Wirtschaft schrumpfte um ca. 6 Prozent. Betroffen waren insbesondere die Sektoren Tourismus und Transport.

Für 2021 erwartet die Regierung ein Wachstum von 2 bis 3,5 Prozent, wobei das unter dem Vorbehalt der weiteren Pandemieentwicklung steht. Vorpandemische Level sollen in zwei bis drei Jahren erreicht werden. Dabei wird es v.a. darauf ankommen, wie schnell ein flächendeckender Impfschutz aufgebaut werden kann. Geplant ist es, allen Menschen in Thailand im Jahr 2021 ein Impfangebot zu machen.

Die Regierung hat diverse Programme zur Stützung der Wirtschaft aufgestellt. So wurden etwa vorübergehend Beiträge zur Sozialversicherung gemindert und Quellensteuern gesenkt. Es wurde außerdem ein Kredit­pro­gramm mit günstigen Zinsbedingungen geschaffen, um besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen Angebote zu machen.

Der heimische Konsum (insbesondere lokaler Tourismus) wird über diverse Anreize stimuliert, etwa direkte Barzahlungen oder besondere Zuschüsse und Vergünstigungen.

Die sozialen Folgen werden unterschiedlich abgefedert, wobei auch die Wirtschaft in die Verantwortung genommen wurde, bspw. durch etwas höhere Entschädigungen für Kündigungen. Daneben versucht der Staat, die Kosten für die Bevölkerung zu senken, z.B. durch niedrigere Wohnnebenkosten wie Elektrizität und Wasser.

Der Thai Baht (THB) hat im Vergleich zum Euro im Jahr 2020 nachgegeben und liegt nun bei etwa 37,5 Thai Baht zu 1 Euro; Anfang Januar 2020 waren es nur 33,5 Thai Baht. Das wird sich positiv auf den Export auswirken.

Für die Zukunft wird auch weiter der Außenhandel und Tourismus tragend sein. Die Regierung plant weiterhin größere Investitionen in Infrastruktur und lockt Investoren mit attraktiven Anreizen. Die bisherigen Fördermaß­nahmen, insbesondere der „Eastern Economic Corridor“, zeigen gute Resultate.

Im „Ease of Doing Business“ liegt Thailand weiterhin auf Rang 21. Innerhalb ASEAN sind nur Malaysia (Rang 12) und Singapur (Rang 2) besser bewertet.

Leider besteht nach wie vor kein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Thailand. Die Gespräche wurden aber zwischenzeitlich fortgesetzt. Es ist möglich, dass 2021 ein „Partnership and Cooperations Agreement” unterzeichnet wird, was ein wichtiger Schritt wäre.

    

Wie würden Sie das Investitions­klima in Thailand beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Regierung setzt auf Innovationen im Rahmen der „Thailand 4.0“-Politik. Nach Landwirtschaft (Thailand 1.0), leichte Industrie (Thailand 2.0), Schwerindustrie (Thailand 3.0) sollen Innovationen und Digitalisierung den Durchbruch Thailands zu einem „Hocheinkommensland“ ermöglichen.

Jede Investition ist grundsätzlich willkommen. Gefördert werden aber v.a. Investitionen in den folgenden Bereichen:

  • Hochklassiger Tourismus;
  • Biokraftstoffe und Biochemie;
  • Lebensmittelvermarktung;
  • Medizinzentren;
  • Fortschrittliche Landwirtschaft und Biotechnologie;
  • Luftverkehr und Logistik;
  • Intelligente Elektronik;
  • Roboterindustrie;
  • Moderne Automobilindustrie;
  • Digitale Industrie.


Nach der Pandemie sollen besonders im Bereich der Medizin Investoren angelockt werden. Erste Schritte zeigen sich im Bereich des medizinischen Marihuanas; die weitere Entwicklung bleib abzuwarten.

Thailand wird auch künftig auf Investitionen aus dem Ausland angewiesen bleiben, wobei hier die Volksrepublik China immer wichtiger wird. Im Vergleich dazu sinkt der europäische Einfluss leider weiter ab.

    

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Thailand gegenüber?

Deutsche Unternehmer müssen sich zunächst die Frage stellen, ob die jeweiligen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt in Thailand sowie ggf. der ASEAN-Region vorhanden sind und wie sich ihre Ziele möglichst effektiv erreichen lassen. Der thailändische Markt ist für ausländische Investoren streng reguliert. Jedoch gibt es zahlreiche staatliche Förderungs­möglich­keiten, die eine Investition gerade in Thailand attraktiv werden lassen. Dabei gilt es, die Investitionsgesetze zu berücksichtigen und den für das eigene Unternehmen besten Zugang zum Markt zu finden. Zudem ist es für einen erfolgreichen Markteintritt notwendig, die örtliche Unternehmenskultur und deren Besonderheiten zu erkennen und zu beachten. Ebenso ist ein gewisses Maß an interkulturellen Fähigkeiten von Vorteil – im Umgang mit thailändischen Mitarbeitern, Kunden und Geschäfts¬partnern ist das oft der Schlüssel zum Erfolg.

    

Wie weit ist Thailand mit der Digitalisierung?

In Thailand äußert sich die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen, insbesondere durch die „Thailand 4.0“-Politik. Administrativ wird darauf hingewirkt, die Kommunikation mit Behörden mehr und mehr elektronisch abzuwickeln. Es zeichnen sich erste Erfolge ab. Über die Pandemie wurden zudem die Vorschriften mit Blick auf das Abhalten elektronischer Gesellschafter- und Geschäftsführerversammlungen vereinfacht. Im Ganzen hat die Pandemie der digitalen Weiterentwicklung geholfen, da auch Behörden teilweise 100 Prozent auf „Mobiles Arbeiten” umgestellt haben.

Praktisch findet die Digitalisierung nach wie vor in der Industrie und in den städtischen Ballungsräumen statt. Die ländlichen Räume hinken hinterher. Sichtbare Änderungen gibt es im Bezahlverhalten von Konsumenten. Dort hält sich der Trend zum bargeldlosen Bezahlen via Smartphone. Entsprechend sind Banken und Finanz­dienstleister Vorreiter im Bereich Digitalisierung.

Es gibt vermehrt Angebote für Dienst­leistungen bei digitalen Vermögenswerten (Coins und Tokens). In dem Bereich sammelt sich zudem mehr Expertise in der Verwaltung, insbesondere in den Steuerbehörden. Wir gehen davon aus, dass es hier zu weiteren Regulierungen kommen wird.

 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Thailand weiterentwickeln?

Die politische Lage in Thailand bleibt volatil, was sich durch die Pandemie noch verschärft hat. Im Jahr 2020 kam es vermehrt zu Protesten gegen die Regierung, vor allen Dingen aus dem Bereich der Universitäten. Die Regierung antwortete teils mit Repressionen, was die Lage nur verschärft hat. Der politische Konflikt ist letztlich im starken Ungleichgewicht von Vermögen in Thailand begründet; es zeichnet sich keine kurzfristige Lösung ab.


Zeitnah muss die gesundheitspolitische Lage verbessert werden. Die Politik der Regierung wirkte jenseits von Grenzschließungen und Ausgangssperren teils hilflos, insbesondere im Bereich Prävention (Impfungen) und Beschaffung von Tests.

Wirtschaftlich wird sich Thailand erholen. Die starke Abhängigkeit von Tourismus und FDIs in Thailand hat sich aber gerade in dieser Krise fatal ausgewirkt. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass Thailand versucht, mit innovativen Industrien gegen den Trend zu halten. Im Ganzen ist die Fokussierung auf Erneuerbare Energien, digitale Dienstleistungen und hochtechnologische Industrie richtig. Wir gehen davon aus, dass die Infrastruktur grundsätzlich besser werden wird.

Es bleibt zu wünschen, dass eine Verbesserung der Korruptionsproblematik erreicht werden kann. Es wurden bisher leider nur begrenzt überzeugende Konzepte präsentiert. Für die Zukunft wird aber v.a. die weltwirt­schaftliche Gesamtlage entscheidend für Thailand werden. Im Zuge dessen bleibt zu hoffen, dass eine weitere Integration im Wirtschaftsraum ASEAN erreicht werden kann. Auch wäre ein zeitnaher Abschluss des FTA mit der Europäischen Union sicher förderlich.

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Philip Ende

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