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Erfolgreich investieren in Thailand

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten

von Arnuparp Tishyadatta und Markus Schlüter

      

 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Thailand ein?

Thailand ist in Südostasien eines der wichtigsten und am weitesten entwickelten Länder und damit für viele ausländische Firmen als Standort interessant. Thailands Bruttoinlandsprodukt wuchs 2019 um ca. 2,5 Prozent und damit weniger als im Vorjahr. Im März 2019 wurden Wahlen abgehalten und der amtierende Leiter der Militärregierung als gewählter Premierminister bestätigt. In der Folge wurden die Gespräche um ein Freihandelsabkommen zwischen Thailand und der Europäischen Union wieder aufgenommen.

Auch 2019 trugen Außenhandel und Tourismus wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Generell stützt sich das thailändische Wachstum weiterhin auf öffentliche Ausgaben wie Infrastrukturmaß­nahmen und andere Großprojekte. Gleichzeitig wird auf Investitionsanreize gesetzt. Insbesondere die Fördermaßnahmen für den „Eastern Economic Corridor” zeigen Erfolge. Nach wie vor steht der Ausbau der Infrastruktur an erster Stelle, v.a. die Projekte zu den Tiefwasserhäfen in Laem Chabang (Container) und Map Ta Phut (Petrochemie) sowie zum U-Tapao Flughafen.

Im „Ease of Doing Business” Index konnte sich Thailand in 2019 um sechs Plätze verbessern und liegt nunmehr auf Rang 21. Innerhalb ASEAN sind nur Malaysia (Rang 12) und Singapur (Rang 2) besser bewertet.

2019 war geprägt von einem überaus starken Thai Baht, was dazu geführt hat, dass die „Bank of Thailand” den Leitzins in mehreren Stufen von 1,75 auf zunächst 1 Prozent absenken musste. Im Zusammenhang mit der Covid-19 Krise wurde der Leitzins dann auf 0,75 Prozent gesenkt.

Es zeichnet sich ab, dass die Covid-19 Krise Thailand stark treffen wird, was v.a. an der starken Abhängigkeit vom Export und Tourismus liegt. Der internationale Währungsfonds sieht die Wirtschaft Thailands 2020 um ca. 7 Prozent schrumpfen. Die Regierung hat diverse Maßnahmen wie Kredit­programme sowie Steuer- und Abgabenerleichterungen in die Wege geleitet, um die Folgen der Covid-19 Krise zu minimieren.

    

Wie würden Sie das Investitionsklima in Thailand beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Auch weiterhin setzt die Regierung auf Innovationen im Kontext der „Thailand 4.0”-Policy. Nach Landwirtschaft (Thailand 1.0), leichter Industrie (Thailand 2.0) und der Schwerindustrie (Thailand 3.0) sollen Innovationen und die Digitalisierung den Durchbruch Thailands zu einer „High-Income-Country” ermöglichen.

Jede Investition ist grundsätzlich willkommen, gefördert werden aber v.a. Investitionen in den folgenden Bereichen:

  • Hochklassiger Tourismus;
  • Biokraftstoffe und Biochemie;
  • Lebensmittelvermarktung;
  • Medizinzentren;
  • Fortschrittliche Landwirtschaft und Biotechnologie;
  • Luftverkehr und Logistik;
  • Intelligente Elektronik;
  • Roboterindustrie;
  • Moderne Automobilindustrie;
  • Digitale Industrie.


Thailand wird auch künftig auf Investitionen aus dem Ausland angewiesen bleiben; rege Nachfragen kommen ungebrochen aus China und Japan. Unternehmen aus der EU sind ebenfalls relevant. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die Covid-19 Krise auf das Investitionsklima auswirken wird. Das „Board of Investment” hat bereits Vorkehrungen getroffen, um elektronische Treffen und dergleichen zu ermög­lichen. Vielleicht kann der Krise vor dem Hintergrund auch etwas Gutes abgewonnen werden: Die Bürokratie Thailands muss sich vereinfachen.

    

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Thailand gegenüber?

Deutsche Unternehmer müssen sich zunächst die Frage stellen, ob die jeweiligen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt in Thailand sowie ggf. der ASEAN-Region vorhanden sind und wie sich ihre Ziele möglichst effektiv erreichen lassen. Der thailändische Markt ist für ausländische Investoren streng reguliert. Jedoch gibt es zahlreiche staatliche Förderungsmöglichkeiten, die eine Investition gerade in dem Land attraktiv werden lassen. Dabei gilt es, die Investitionsgesetze zu berücksichtigen und den für das eigene Unternehmen besten Zugang zum Markt zu finden. Zudem ist es für einen erfolgreichen Markteintritt notwendig, die örtliche Unternehmenskultur und deren Besonderheiten zu erkennen und zu beachten. Ebenso ist ein gewisses Maß an interkulturellen Fähigkeiten von Vorteil – im Umgang mit thailändischen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern ist das oft der Schlüssel zum Erfolg.

    

Wie weit ist Thailand mit der Digitalisierung?

In Thailand äußert sich die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen, insbesondere im Kontext der Policy „Thailand 4.0”. Administrativ wird darauf hingewirkt, die Kommunikation mit Behörden immer mehr elektronisch abzuwickeln, wobei die Umstellung Zeit in Anspruch nehmen wird. Die bisherigen Systeme leiden weiterhin an technischen Kinderkrankheiten.

Praktisch findet die Digitalisierung v.a. in der Industrie und in den städtischen Ballungsräumen statt. Die ländlichen Räume hinken spürbar hinterher. Sichtbare Änderungen gibt es im Bezahlverhalten von Konsumenten. Dabei zeichnet sich ein Trend zum bargeldlosen Bezahlen via Smartphone ab. Entsprech­end sind Banken und Finanzdienstleister Vorreiter im Bereich Digitalisierung.

Im Zusammenhang der Covid-19 Krise stellen mehr und mehr Behörden auf elektronische Kommunika­tion um. Ein gutes Beispiel sind Förderanträge an das „Board of Investment”. Anträge können komplett elektronisch eingereicht und notwendige Treffen via Online-Tools abgehalten werden. Wir nehmen an, dass der Trend anhalten wird.

 

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Thailand weiterentwickeln?

Die politische Lage in Thailand bleibt volatil, was sich insbesondere an dem Verbot der „Future Forward” Partei zeigt, die in den Wahlen 2019 einen beachtlichen Erfolg erzielen konnte. Strukturell wirkt sich die sehr ungleiche Vermögensverteilung destabilisierend aus.

Die Covid-19 Krise hat zudem Thailands starke Abhängigkeit vom Export und Tourismus schmerzhaft offenbart: Bleiben Touristen und Investitionen aus, schrumpft das Bruttoinlandsprodukt dramatisch. Allerdings muss gesagt werden, dass die Regierung auf die Krise in der Gesamtschau recht zügig und mit den richtigen Konzepten reagiert hat. Ein Führungsvakuum ließ sich nicht feststellen.

Außerdem sind die grundsätzlichen Wirtschaftskonzepte der Regierung – Erneuerung, Ausbau innova­tiver Industrien, Digitalisierung – richtig. Dabei zeichnen sich weiterhin Erfolge ab, v.a. im „Eastern Economic Corridor”.
 

Es bleibt zu wünschen, dass eine Verbesserung der Korruptionsproblematik erreicht werden kann. Es wurden bisher jedoch nur begrenzt überzeugende Konzepte präsentiert. Für die Zukunft wird aber insbesondere die weltwirtschaftliche Gesamtlage entscheidend für Thailand werden. Daher bleibt zu hoffen, dass eine weitere Integration im Wirtschaftsraum ASEAN erreicht werden kann. Auch wäre ein zeitnaher Abschluss des Freihandelsabkommens mit der Europäischen Union sicher förderlich.

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Philip Ende

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