Erfolgreich investieren in der Tschechischen Republik

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zuletzt aktualisiert am 3. April 2019

  

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Tschechischen Republik ein?

Die tschechische Wirtschaft wächst seit mehreren Jahren kontinu­ierlich. Auch im Jahr 2018 konnte ein BIP-Wachstum um rund 3 Prozent [1] verzeichnet werden. Tschechien ist nach wie vor eine der dynamisch­sten und stabilsten Wirtschaftsregionen innerhalb der EU. Momentan bestehen aus rein tschechischer Sicht keine Anzeichen, dass sich das im Jahr 2019 wesentlich ändern wird. Der tschechische Staatshaushalt konnte im vergangenen Jahr zudem erneut einen Einnahmeüberschuss verzeichnen und die Schuldenlast leicht reduzieren.

Seit dem Einstieg des Unternehmers und Multimilliardärs Andrej Babiš (ANO-Partei) in die Regierungspolitik im Januar 2014 wurde die Haushaltsplanung grundlegend umstrukturiert. Im Jahr 2016 wurde unter seiner Führung erstmals ein positives Haushaltergebnis erzielt.

Wichtigste Triebkraft der Konjunktur ist derzeit der Konsum der Privathaushalte. Aufgrund der sehr niedrigen Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent im 4. Quartal 2018 [2] konnten Arbeitnehmer zunehmend höhere Lohn­forderungen durchsetzen, aber auch Rentner sowie Beschäftigte im öffentlichen Dienst bekamen mehr Geld, da die Steuereinnahmen auf Rekordniveau lagen.


Wie würden Sie das Investitionsklima in der Tschechischen Republik beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Standortfaktoren sind anhaltend gut. V.a. hohe Produktivität, hoher Ausbildungsgrad der Arbeitnehmer, Rechtssicherheit, stabile politische Situation, aber auch die geographische Lage mit einer guten Anbindung an die Nachbarländer tragen entscheidend zu einem positiven Investitionsklima bei.

Der Maschinenbau, Automotive und deren Zuliefererindustrie sowie das Logistik- und Transportwesen sind nach wie vor Branchen, die eine starke Investitionstätigkeit verzeichnen. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch auch die Pharmaindustrie, die sich in Tschechien ebenfalls auf einem hohen Niveau befindet und Potenzial bietet.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Tschechischen Republik gegenüber?

Aufgrund der genannten sehr niedrigen Arbeitslosenquote drohen insbesondere die Gefahr eines Arbeits­kräfte­mangels sowie daraus resultierende steigende Lohnstückkosten. Bereits heute kämpfen Unternehmen mit einem zunehmenden Engpass auf dem Arbeitsmarkt. Der durchschnittliche Monatsbruttolohn lag im 3. Quartal des Jahres 2018 bei 31.516 Tschechischen Kronen (ca. 1.224 Euro) [3]. Er steigt seit Jahren kontinuierlich an.

Aber auch der anstehende Brexit birgt Risiken. Das Vereinigte Königreich ist der fünftwichtigste Absatzmarkt der Tschechischen Republik.

Darüber hinaus dürften die derzeit zu verzeichnenden protektionistischen Tendenzen sowie der Schutz der eigenen Märkte in der Welt für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie die der Tschechischen Republik nicht ohne Folgen bleiben.

Unabhängig davon hat die Nationalbank (ČNB) 2018 viermal die Leitzinsen erhöht. Das wertet die Krone auf, verteuert andererseits die Exporte. Zudem wurden die Bedingungen für Hypothekenkredite verschärft. Kapitalbeschaffung wird dadurch schwieriger, was sich negativ auf das Investitionsverhalten auswirken kann.


Wie begegnet die Tschechische Republik dem Fachkräftemangel?

Die tschechische Regierung versucht dem Fachkräftemangel mit unterschiedlichen Maßnahmen Herr zu werden. So wurden verschiedene Programme ins Leben gerufen und Maßnahmen ergriffen, z.B. die Lockerung der Visumbestimmungen für bestimmte angrenzende nicht EU-Länder, wie die Ukraine, Belarus etc. Die Maßnahmen greifen zwar, jedoch nur langsam. Ein spürbarer Erfolg wird sich allenfalls langfristig einstellen.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Tschechischen Republik weiterentwickeln?

Es ist zu erwarten, dass die Tschechische Republik weiterhin auf der Skala der beliebtesten Investitionsländer in Mittel- und Osteuropa bleiben wird. Dabei wird Deutschland wohl nach wie vor ihr mit Abstand größter Handelspartner bleiben, gefolgt von China und Polen.

Experten rechnen damit, dass das BIP-Wachstum in der Tschechischen Republik im Jahr 2019 wieder um die 3 Prozent liegen wird.

Eine weitere Maßnahme könnte in einer gegenwärtig diskutierten Einführung von steuerlichen Anreizen für Investitionen in Forschung & Entwicklung sowie in Tätigkeiten mit einer erhöhten Wertschöpfung liegen, um zumindest mittelfristig das Image der „verlängerten Werkbank” abzulegen.

Künftig sind zudem größere Investitionen in die Infrastruktur vorgesehen, was bereits heute verschiedene Investoren anlockt und zugleich die Tschechische Republik als Investitionsstandort noch attraktiver machen soll. V.a. das Fest- und Mobilfunknetz wird modernisiert; eine der größten Investitionen des Landes in den nächsten Jahren überhaupt.

Auch das Schienen- und Straßennetz soll einer Modernisierung unterzogen werden. Hier stehen gleich mehrere Maßnahmen an. Ferner sollen weitere Autobahnabschnitte fertig gestellt werden. Zudem plant der tschechische Staat größere Investitionen in das Schulwesen, aber auch in die Kulturdenkmäler des Landes.





[1] Quelle: BIP Zwischenjährlicher Zuwachs, 4. Quartal 2018: 2,9 Prozent: Tschechisches Statistische Amt (Český Statistický Úřad) veröffentlicht 02/2019
[2] Quelle: Tschechisches Statistische Amt (Český Statistický Úřad) veröffentliche 01//2019
[3] Quelle: Tschechisches Statistische Amt (Český Statistický Úřad), veröffentlicht 12/2018



 Kulturelle Besonderheiten in der Tschechischen Republik

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