Erfolgreich investieren in der Tschechischen Republik

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 4 Minuten


 

 

​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in der Tschechischen Republik ein?

Die tschechische Wirtschaft ist 2019 das 6. Mal in Folge kontinuierlich angewachsen – und das um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor dem Ausbruch der Covid-19 Pandemie wurde für 2020 allerdings eine geringfügige Abschwächung auf ca. 2 Prozent erwartet. Die Auswirkungen der Pandemie werden nachstehend mit aufgegriffen.

Da die Löhne weiter steigen und der Arbeitsmarkt so gut wie leergefegt ist, ist davon auszugehen, dass auch der private Konsum weiterhin die treibende Kraft des gesamtwirtschaftlichen Wachstums bleiben wird und das trotz einer etwas gestiegenen Inflationsrate von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darauf deutet auch der tschechische Online-Handel hin, der 2019 am schnellsten in Europa gewachsen ist. Auch was die Einkäufe in E-Shops angeht, die über Smartphones getätigt werden, ist die Tschechische Republik Spitzenreiter.

Aber auch der Außenhandel ist eine feste Größe der tschechischen Wirtschaft. Dabei ist und bleibt Deutschland weiterhin der wichtigste Handelspartner Tschechiens, dicht gefolgt von der Slowakei. Jedoch könnte die stagnierende Automobilindustrie den positiven Trend etwas trüben.


Wie würden Sie das Investitionsklima in der Tschechischen Republik beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Die Standortfaktoren in Tschechien waren und sind nach wie vor sehr gut. Die schon seit Jahren bestehenden positiven Rahmenbedingungen setzen sich weiterhin fort. Dazu gehören: eine hohe Produktivität, ein hoher Ausbindungsgrad der Arbeitnehmer, Rechtssicherheit, die stabile politische Situation, aber auch eine ausgeprägte Flexibilität auf bestehende Trends und Notwendigkeiten im Markt zu reagieren. Hinzu kommt die geographische Lage mit einer guten Anbindung an die Nachbarländer, die 2019 noch einmal ausgebaut wurde. All das trägt zu einem insg. positiven Investitionsklima in Tschechien bei.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in der Tschechischen Republik gegenüber?

Die weiter sinkende, sehr niedrige Arbeitslosenquote – im 2. Quartal 2019 lag sie gerade noch bei 1,9 Prozent – droht den tschechischen Arbeitsmarkt allmählich zu überhitzen. Der Überbietungskampf der Arbeitgeber ist vielerorts unverkennbar. Zum 1. Januar 2020 ist zudem der Mindestlohn in Tschechien auf 14.600 Tsche­chische Kronen (ca. 560 Euro) gestiegen. Auch der Durchschnittslohn steigt seit Jahren weiter an und lag im 2. Quartal 2019 bei 34.105 Tsche­chische Kronen (ca. 1.320 Euro). Der Fachkräftemangel sowie die daraus resultierenden steigenden Lohnstückkosten sind ebenfalls ein zunehmendes Problem. Auf der anderen Seite haben auf dem tschechischen Arbeitsmarkt auch ältere Arbeitnehmer sehr gute Chancen – keine Selbst­verständ­lichkeit innerhalb der EU.

Der Brexit wird auch in Tschechien Auswirkungen zeigen, v.a. da das Vereinigte Königreich der fünftwichtigste Absatzmarkt ist. Laut der Handelskammer der Tschechischen Republik sind Gründe für etwaige Verluste der tschechischen Wirtschaft durch den Brexit primär in den bevorstehenden Zöllen sowie der Abschwächung des Pfunds zu sehen. Mit der Folge, dass britische Unternehmen weniger Waren aus dem Ausland beziehen. Die „Česká spořitelna a.s.” schätzte den Gesamteffekt eines harten Brexits auf ca. 1,1 Prozent des tschechischen BIPs.

Da die Automobilindustrie vom Brexit ebenfalls stark betroffen ist, ist anzunehmen, dass auch Tschechien betroffen sein wird, da sie einen Großteil der tschechischen Wirtschaft ausmacht.


Wie begegnet die Tschechische Republik dem Fachkräftemangel?

Tschechien ist tatsächlich seit Jahren ein Opfer des eigenen Erfolgs. Das Land ist eine der ersten Adressen, wenn es darum geht, Investitionen ins europäische Ausland auszuweiten. Die tschechische Regierung versucht den Fachkräftemangel mit unterschiedlichen Maßnahmen entgegen zu steuern. Dazu zählen die Lockerung der Visa-Bestimmungen für bestimmte angrenzende nicht EU-Länder, wie die Ukraine und Belarus. Bislang brachten diese Maßnahmen jedoch nur einen mäßigen Erfolg und sind auf lange Sicht ausgerichtet. Auch wird über eine Reform des Berufsschulsystem nachgedacht, die in Tschechien dringend notwendig ist.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Tschechische Republik weiterentwickeln?

Als Investitionsstandort dürfte das Land auf der Skala der beliebtesten europäischen Länder in Mittel- und Osteuropa weiterhin auf den vordersten Plätzen stehen. Auch das Geschäftsklima dürfte fortwährend stark bleiben.

In den letzten Jahren ist in Tschechien ein wahrer Gründungsboom ausgebrochen, immer mehr junge Menschen entscheiden sich für die Selbstständigkeit und gründen ein Start-up. Die tschechische Regierung will sie unterstützen. Laut dem Ministerium für Industrie und Handel der Tschechischen Republik soll die Start-up Szene weiter vorangetrieben werden. Die Politik verspricht Förderungen i.H.v. mehreren Milliarden an Tschechischen Kronen. Der tschechische Wirtschaftsminister Karel Havlíček möchte das Geld insbesondere  in die Infrastruktur investieren. Es sollen neue Inkubatoren (Gründerzentren, die Gründer und Jungunternehmer unterstützen) sowie sog. Hubs (Räumlichkeiten für Start-ups) entstehen. Außerdem soll die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Jungunternehmern intensiviert werden. Geplant ist, dass tschechische Universitäten eigene Gründerzentren einrichten, die die Studenten und angehenden Jungunternehmer betreuen und unterstützen.

Grundsätzlich wäre daher zu erwarten, dass sich das seit Jahren bestehende stabile Wirtschaftswachstum weiterhin fortsetzt. Allerdings dürfen die seit dem 12. März 2020 bestehenden Maßnahmen der Tschechischen Regierung zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie nicht unberücksichtigt bleiben. Die Tschechische Regierung hat zunächst einen Ausnahmezustand verhängt, die nationalen Grenzen zu den europäischen Nachbarländern geschlossen und zugleich eine Reihe von gravierenden Maßnahmen beschlossen, die sich zwangsläufig auch aus die tschechische Wirtschaft sowie das Investitionsklima auswirken werden.

Derzeit ist es nicht möglich, den genauen wirtschaftlichen Schaden, der durch die Covid-19 Pandemie verursacht werden wird, zu beziffern. Allenfalls können grobe Schätzungen gemacht werden, wobei sie davon abhängen, wie lange die Maßnahmen und die damit zusammenhängenden Beschränkungen in der Tschechischen Republik, aber auch europa- sowie weltweit aufrechterhalten werden und wie die Aufstellung nach der Krise sein wird. Sollte sich die Situation im Mai 2020 entspannen, wird laut Experten von einem Rückgang des BIPs gegenüber dem Vorquartal von um die 4 Prozent ausgegangen. Sollten die Restriktionen länger andauern, könnte sich die Prognose erheblich verschlechtern.

Die Tschechische Nationalbank (CNB) will laut Tomáš Holub, dem Vorstandsmitglied der CNB, die Finanz­stabilität Tschechiens in den schweren Zeiten auf jeden Fall aufrechterhalten – notfalls mit Staats­anleihen zur Sicherstellung der Liquidität der anderen Banken in Tschechien etc.

Auch andere Maßnahmen wurden zu dem Zweck schon ergriffen, wie die Stundung von Rückzahlungen von Krediten, Zinssenkungen bei der Aufnahme neuer Kredite etc. Maßnahmen gibt es auch seitens der Tschechischen Regierung selbst. In dem Zusammenhang sei u.a. auch das „Antivirus Programm” genannt, auf das wir in unserer Artikelserie zu Covid-19 bereits mehrmals eingegangen sind.

 Kulturelle Besonderheiten in der Tschechischen Republik

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JUDr. Petr Novotný, Ph.D.

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