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Erfolgreich investieren in Usbekistan

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 6 Minuten


 

 

​​​Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Usbekistan ein?

Die Re­pu­blik Us­be­kis­tan ver­folg­te ei­ne pro­tek­tio­nis­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik, um die Bil­dung ei­ner na­tio­na­len In­dus­trie­pro­duk­ti­on un­ter stren­ger staat­li­cher Kon­trol­le si­cher­zu­stel­len. Das ga­ran­tier­te ei­ner­seits den Wi­der­stand der Wirt­schaft des Lan­des ge­gen glo­ba­le Wirt­schafts­kri­sen und an­de­rer­seits dien­te es als ein Hin­der­nis für das Wachs­tum ei­nes wett­be­werbs­fä­hi­gen Pri­vat­sek­tors und für die In­ves­ti­ti­ons­at­trak­ti­vi­tät des Lan­des mit Aus­nah­me der Roh­stoff- und Berg­bau­in­dus­trie.


Seit 2016 hat die Re­gie­rung des Lan­des um­fas­sen­de recht­li­che und wirt­schaft­li­che Re­for­men ein­ge­lei­tet, um Of­fen­heit, Wett­be­werbs­fä­hig­keit und In­ves­ti­ti­ons­at­trak­ti­vi­tät der Wirt­schaft si­cher­zu­stel­len und den An­teil des Staa­tes am rea­len Sek­tor ra­di­kal zu ver­rin­gern.


Trotz der ne­ga­ti­ven Fol­gen der glo­ba­len Kri­se im ver­gan­ge­nen Jahr de­mons­trier­te die Wirt­schaft Us­be­kis­tans Sta­bi­li­tät. Das ver­füg­ba­re Wirt­schafts­wachs­tums­po­ten­zi­al und die recht­zei­tig er­grif­fe­nen Maß­nah­men zur Kri­sen­be­kämp­fung er­mög­lich­ten es, ei­ne Re­zes­si­on zu ver­mei­den und bis En­de 2020 wäh­rend ei­ner glo­ba­len Pan­de­mie ei­ne po­si­ti­ve Dy­na­mik auf­recht­zu­er­hal­ten. Laut dem Staat­li­chen Sta­tis­ti­schen Ko­mi­tee stieg das BIP Us­be­kis­tans von Ja­nu­ar bis De­zem­ber um 1,6 Pro­zent auf 580,2 Bio. Soʻms, wäh­rend das BIP in an­de­ren Nach­bar­län­dern und den wich­tigs­ten Han­dels­part­nern Us­be­kis­tans zu­rück­ging.


Ehr­gei­zi­ge Zie­le und prak­ti­sche Maß­nah­men zur Rea­li­sie­rung des wirt­schaft­li­chen Po­ten­zi­als, ein­schließ­lich des Rück­gangs des Staa­t­an­teils am rea­len Sek­tor und der da­mit ver­bun­de­nen Er­war­tun­gen, er­mög­li­chen es, die der­zei­ti­ge wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on als güns­tig ein­zu­schät­zen.


Die In­dus­trie macht ein Drit­tel des BIP aus. Zu den her­ge­stell­ten Pro­duk­ten ge­hö­ren Tex­ti­li­en, Le­bens­mit­tel­ver­ar­bei­tung, Ma­schi­nen­bau, Me­tall­ur­gie, Berg­bau und Koh­len­was­ser­stoff­pro­duk­ti­on. Das Land ist auch reich an Koh­le, Gold, Zink, Kup­fer, Wolf­ram, Uran und Sil­ber. Wäh­rend der In­dus­trie­sek­tor von der Pan­de­mie be­trof­fen war, wur­den 43 Pro­zent des An­ti-Kri­sen-Fonds Us­be­kis­tans – ein Wirt­schafts­pa­ket zur Ab­schwä­chung der ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie auf die Wirt­schaft des Lan­des – dem In­dus­trie­sek­tor zu­ge­wie­sen.


Der Dienst­leis­tungs­sek­tor macht mehr als 30 Pro­zent des BIP aus. Haupt­dienst­leis­tun­gen um­fas­sen Trans­port und Tou­ris­mus. Im Jahr 2020 war der Tou­ris­mus je­doch am stärks­ten von den Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie be­trof­fen. Ei­ne der be­mer­kens­wer­ten Fol­gen der Pan­de­mie war auch ein Rück­gang der In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit des Lan­des.


Die Land­wirt­schaft spielt nach wie vor ei­ne wich­ti­ge Rol­le und macht über ein Vier­tel des BIP aus. Sie be­schäf­tigt mehr als 20 Pro­zent der Ge­samt­be­völ­ke­rung im er­werbs­fä­hi­gen Al­ter. Zu den wich­tigs­ten land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten zäh­len Baum­wol­le, Wei­zen, Gers­te, Reis, Mais, Kar­tof­feln, Ge­mü­se, Obst und Rin­der. Das Land pro­du­ziert auch Sei­de und Wol­le und ver­sucht, sei­ne Land­wirt­schaft in Rich­tung Obst und Ge­mü­se zu di­ver­si­fi­zie­ren.

 

Wie würden Sie das Investitionsklima in Usbekistan beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Seit 2017 hat die Re­gie­rung der Re­pu­blik um­fas­sen­de Re­for­men ein­ge­lei­tet, de­ren Vek­tor durch die Stra­te­gie der Ent­wick­lung Us­be­kis­tans für den Zeit­raum 2017 bis 2021 fest­ge­legt wur­de. Ein wich­ti­ger Punkt in dem Do­ku­ment war die Ver­bes­se­rung des In­ves­ti­ti­ons­kli­mas in Us­be­kis­tan.


Ins­ge­samt hat Us­be­kis­tan den Vor­teil ei­ner ma­kro­öko­no­mi­schen Sta­bi­li­tät, die in Ver­bin­dung mit lau­fen­den Re­for­men Chan­cen in ver­schie­de­nen Wirt­schafts­sek­to­ren er­öff­net – sei­en es Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen, Bau­we­sen oder Tou­ris­mus. Die dy­na­mi­sche Ent­wick­lung führt zu ei­nem An­stieg der Strom­nach­fra­ge, ei­ner Mo­der­ni­sie­rung be­ste­hen­der Strom­net­ze und ei­ner Stra­ßen­in­fra­struk­tur.


Die fol­gen­den Struk­tu­ren wur­den im Land ge­schaf­fen, um die Rech­te und be­rech­tig­ten In­ter­es­sen von Un­ter­neh­men und In­ves­to­ren wirk­sam zu ge­währ­leis­ten:

  1. Das Mi­nis­te­ri­um für In­ves­ti­tio­nen und Au­ßen­han­del ist ei­ne staat­li­che Ein­rich­tung der Re­pu­blik Us­be­kis­tan, die sich mit Fra­gen der Ex­port- und In­ves­ti­ti­ons­för­de­rung be­fasst.
  2. Die Agen­tur für die Ge­win­nung aus­län­di­scher In­ves­ti­tio­nen un­ter dem Mi­nis­te­ri­um für In­ves­ti­tio­nen und Au­ßen­han­del ist ei­ne wei­te­re Struk­tur, die an der Um­set­zung der staat­li­chen In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik be­tei­ligt ist, um aus­län­di­sche In­ves­to­ren an­zu­zie­hen und güns­ti­ge Be­din­gun­gen für aus­län­di­sche In­ves­to­ren zu schaf­fen.
  3. Rat aus­län­di­scher In­ves­to­ren un­ter dem Prä­si­den­ten der Re­pu­blik Us­be­kis­tan, des­sen Haupt­auf­ga­be dar­in be­steht, di­rekt an der Schaf­fung ei­nes güns­ti­gen In­ves­ti­ti­ons­kli­mas und wirk­sa­mer Me­cha­nis­men zur Sti­mu­lie­rung der Tä­tig­keit in- und aus­län­di­scher Un­ter­neh­mer teil­zu­neh­men.


Am 28. De­zem­ber 2020 wur­de die Ver­ord­nung des Prä­si­den­ten der Re­pu­blik Us­be­kis­tan „Über Maß­nah­men zur Um­set­zung des In­ves­ti­ti­ons­pro­gramms der Re­pu­blik Us­be­kis­tan für den Zeit­raum 2021-2023” an­ge­nom­men, wo­nach ei­ne Lis­te viel­ver­spre­chen­der Pro­jek­te er­stellt wur­de, die ins staat­li­che Pro­gramm auf­ge­nom­men wur­den.


Ge­ne­rell kann man das In­ves­ti­ti­ons­kli­ma in Us­be­kis­tan als güns­tig und dy­na­misch ent­wi­ckelnd cha­rak­te­ri­sie­ren. Viel­ver­spre­chen­de Be­rei­che für In­ves­ti­tio­nen im Land sind Pro­duk­ti­on, En­er­gie­sek­tor, Um­welt­pro­jek­te, Bil­dung, Me­di­zin und Phar­ma­in­dus­trie so­wie die In­fra­struk­tur. Gleich­zei­tig sind die Che­mie-, En­er­gie-, Geo­lo­gie-, Elek­tro- und Leicht­in­dus­tri­en für In­ves­to­ren be­son­ders at­trak­tiv.

 

Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Usbekistan gegenüber?

Zu­sätz­lich zu den an­er­kann­ten Er­run­gen­schaf­ten im In­ves­ti­ti­ons­be­reich, wie der Ver­bes­se­rung des recht­li­chen Um­felds für Un­ter­neh­men, der Schaf­fung güns­ti­ger Be­din­gun­gen, Ga­ran­ti­en und steu­er­li­cher An­rei­ze für In­ves­to­ren, der Ver­ein­fa­chung des Ver­fah­rens zur Er­lan­gung von Ge­neh­mi­gun­gen und Li­zen­zen so­wie der An­nul­lie­rung ei­ni­ger Li­zen­zen und Ge­neh­mi­gun­gen usw. gibt es im­mer noch vie­le an­de­re Pro­ble­me und kom­ple­xe Auf­ga­ben, die spe­zi­fi­sche Lö­sun­gen er­for­dern.


Trotz in­sti­tu­tio­nel­ler und recht­li­cher Re­for­men be­steht in Us­be­kis­tan ein aku­ter Man­gel an Fach­kräf­ten. Dar­über hin­aus wur­de das Pro­blem der Ge­win­nung von In­ves­ti­tio­nen als Auf­ga­be für ver­schie­de­ne zu­ge­las­se­ne staat­li­che Stel­len ge­stellt, was zu ei­ner Streu­ung der Be­mü­hun­gen und häu­fig zu ei­nem Kon­flikt der In­ter­es­sen der Ab­tei­lun­gen führt.


Die nach­fol­gen­den fest­ge­stell­ten Pro­ble­me ste­hen im Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit der Re­gie­rung und wer­den schritt­wei­se be­sei­tigt:

  • Die an­hal­ten­de un­durch­sich­ti­ge Pra­xis des öf­fent­li­chen Be­schaf­fungs­we­sens;
  • die un­ein­heit­li­che Ein­hal­tung ver­trag­li­cher Ver­pflich­tun­gen durch den Staat;
  • In­ter­es­sen­kon­flik­te zwi­schen Re­gu­lie­rungs­be­hör­den, Staat und Ak­tio­nä­ren;
  • Schwie­rig­kei­ten im IT-Sys­tem;
  • Ver­bot des Kaufs von Bank­ak­ti­en durch Aus­län­der;
  • die do­mi­nie­ren­de Rol­le staats­ei­ge­ner Un­ter­neh­men in der Struk­tur des BIP, die sich ne­ga­tiv auf Wett­be­werb und Ef­fi­zi­enz in Wirt­schafts­sek­to­ren aus­wirkt, ein­schließ­lich in Schlüs­sel­sek­to­ren wie En­er­gie, Au­to­mo­bil, Luft- und Raum­fahrt, Che­mie und Berg­bau.
      

Wa­rum soll­ten Un­ter­neh­men für ei­nen Markt­ein­tritt/-ver­bleib in Us­be­kis­tan ent­schei­den?

Nach­ste­hend füh­ren wir ein paar Schlüs­sel­fak­to­ren auf, die zur Ent­wick­lung von Un­ter­neh­men auf dem us­be­ki­schen Markt bei­tra­gen:

  • Das Land hat den größ­ten und am schnells­ten wach­sen­den Markt in Zen­tral­asi­en;
  • Das Wirt­schafts­wachs­tum be­stimmt die Nach­fra­ge nach neu­er und en­er­gie­ef­fi­zi­en­ter Pro­duk­ti­on und Tech­no­lo­gie;
  • Die jun­ge, zahl­rei­che und gut aus­ge­bil­de­te Ar­beits­kraft ist ein wich­ti­ger Wachs­tums­fak­tor (69 Pro­zent der Be­völ­ke­rung Us­be­kis­tans sind jun­ge Men­schen im Al­ter von 15 bis 65 Jah­ren);
  • Seit 2016 durch­ge­führ­te recht­li­che und in­sti­tu­tio­nel­le Re­for­men, ein ehr­gei­zi­ges staat­li­ches In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm;
  • Ver­bes­se­rung der Steu­er­po­li­tik, ins­be­son­de­re Ver­rin­ge­rung der Steu­er­be­las­tung;
  • Us­be­kis­tan ist reich an na­tür­li­chen Res­sour­cen (Gas, Gold, Baum­wol­le);
  • So­zio-po­li­ti­sche, ma­kro­öko­no­mi­sche und fi­nan­zi­el­le Sta­bi­li­tät;
  • Re­la­tiv nied­ri­ge En­er­gie­prei­se;
  • Us­be­kis­tan, das be­völ­ke­rungs­reichs­te Land (über 33 Mio. Men­schen mit ho­hem Bil­dungs­ni­veau) mit his­to­risch be­deu­ten­den Städ­ten in Zen­tral­asi­en (Sa­mar­kand, Bucha­ra, Chi­wa), ist der größ­te Ver­brau­cher­markt in Zen­tral­asi­en;
  • Das Land hat auf­grund sei­ner Nä­he zu wich­ti­gen Märk­ten ei­ne vor­teil­haf­te geo­gra­fi­sche La­ge und ist der Schlüs­sel zu Zen­tral­asi­en. Mit den GUS-Staa­ten be­steht ein Frei­han­dels­ab­kom­men, das us­be­ki­schen Pro­duk­ten ei­nen zoll­frei­en Zu­gang zu re­gio­na­len Märk­ten mit ei­ner Be­völ­ke­rung von über 300 Mio. Men­schen er­mög­licht.

    

Wie wird sich aus Ihrer Sicht Usbekistan weiterentwickeln?

Us­be­kis­tan blickt wei­ter­hin op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft. Pro­ble­me, die die Um­set­zung al­ler viel­ver­spre­chen­den Wirt­schafts­re­for­men be­hin­dern, wer­den schritt­wei­se be­sei­tigt. Es ist be­kannt, dass die Fol­gen der glo­ba­len Pan­de­mie auch die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on vie­ler Län­der ne­ga­tiv be­ein­flusst ha­ben. Um die Aus­wir­kun­gen des Co­ro­na­vi­rus ab­zu­schwä­chen, wur­den viel­ver­spre­chen­de Maß­nah­men er­grif­fen, die all­mäh­lich um­ge­setzt wer­den.


Die Re­gie­rung des Lan­des ist über­zeugt, dass das Jahr 2021 auf­grund der welt­wei­ten Si­tua­ti­on auch für die Wirt­schaft schwie­rig sein wird. In dem Zu­sam­men­hang wer­den spe­zi­fi­sche, ge­ziel­te Maß­nah­men er­grif­fen, um In­ves­ti­tio­nen an­zu­zie­hen und zu ent­wi­ckeln, die Ex­port­in­di­ka­to­ren zu er­hö­hen, und es wird er­war­tet, aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen in Hö­he von mehr als 7,5 Mrd. US-Dol­lar an­zu­zie­hen.


Die Haupt­trei­ber der Wirt­schaft in die­sem und den nächs­ten Jah­ren wer­den struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen und Wirt­schafts­re­for­men im rea­len Wirt­schafts­sek­tor sein, die auf die Ent­wick­lung des Wett­be­werbs, die Ver­bes­se­rung des In­ves­ti­ti­ons­kli­mas und der In­fra­struk­tur ab­zie­len so­wie auf die um­fas­sen­de Pri­va­ti­sie­rung gro­ßer staats­ei­ge­ner stra­te­gi­scher Un­ter­neh­men und auf die Um­set­zung gro­ßer In­fra­struk­tur­pro­jek­te un­ter Be­tei­li­gung von aus­län­di­schem Ka­pi­tal zu­rück­zu­füh­ren sind.

 Kulturelle Besonderheiten in Usbekistan

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