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Erfolgreich investieren in Vietnam

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zuletzt aktualisiert am 19. Mai 2021 | Lesedauer ca. 2 Minuten


 

 

​​​​​Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Vietnam?

Die So­zia­lis­ti­sche Re­pu­blik Viet­nam hat in den letz­ten drei­ein­halb Jahr­zehn­ten ein schnel­les und be­mer­kens­wer­tes Wirt­schafts­wachs­tum so­wie ei­ne be­mer­kens­wer­te Ent­wick­lung er­lebt, be­gin­nend mit der wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Re­form „Doi Moi” von 1986. Seit­dem hat die Um­wand­lung der Wirt­schaft nach „Doi Moi” ein be­ein­dru­cken­des Wachs­tum be­feu­ert, mit stei­gen­den Wirt­schafts­in­di­ka­to­ren im Land.

In den letz­ten Jah­ren hat sich Viet­nam auf­grund sei­nes star­ken jähr­li­chen Wirt­schafts­wachs­tums (der­zeit et­wa 6 bis 7 Pro­zent) und der zu­grun­de lie­gen­den Fak­to­ren, die zu sol­chen Fort­schrit­ten bei­tra­gen, näm­lich ein sta­bi­les po­li­ti­sches Sys­tem, dy­na­mi­sche Ar­beits­kräf­te, nied­ri­ge Löh­ne und ei­ne wach­sen­de Mit­tel­schicht – zu ei­nem viel­ver­spre­chen­den Ziel für vie­le re­gio­na­le und in­ter­na­tio­na­le In­ves­to­ren ent­wi­ckelt.

Im Jahr 2020 ge­hört Viet­nam trotz er­heb­li­cher Aus­wir­kun­gen der bei­spiel­lo­sen und an­hal­ten­den Co­vid-19-Pan­de­mie zu den we­ni­gen Län­dern, in de­nen ein po­si­ti­ves BIP-Wachs­tum zu er­war­ten ist, wäh­rend die meis­ten Volks­wirt­schaf­ten schrump­fen wer­den. Viet­nam wird in die­sem Jahr nach In­do­ne­si­en, Thai­land und den Phil­ip­pi­nen als viert­größ­te Volks­wirt­schaft der ASE­AN ge­schätzt. Laut der All­ge­mei­nen Sta­tis­tik­ab­tei­lung in Viet­nam, wird für 2020 ein BIP-Wachs­tum von 2,9 und für 2021 von 6,7 Pro­zent pro­gnos­ti­ziert.

Wie würden Sie das Investitionsklima in Vietnam beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Seit dem Bei­tritt zur Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on im Jahr 2007 sind die viet­na­me­si­schen Märk­te in vie­len Sek­to­ren für aus­län­di­sche In­ves­to­ren weit ge­öff­net. Gleich­zei­tig hat die Re­gie­rung ver­schie­de­ne Richt­li­ni­en er­las­sen, die die Ge­schäfts­be­din­gun­gen ver­ein­fa­chen und den Ver­wal­tungs­auf­wand ver­rin­gern. Dar­über hin­aus hat das Land meh­re­re neue Frei­han­dels­ab­kom­men un­ter­zeich­net, dar­un­ter das Ab­kom­men zwi­schen der EU und Viet­nam. Zu­dem ver­spricht das Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und Viet­nam, die Han­dels­strö­me an­zu­kur­beln und at­trak­ti­ve Be­din­gun­gen für Ge­schäfts­vor­ha­ben in Viet­nam zu schaf­fen.

Aus­län­di­sche In­ves­ti­tio­nen in Viet­nam sind weit­ge­hend of­fen und li­be­ra­li­siert, ab­ge­se­hen von sehr be­grenz­ten Be­rei­chen, die Be­schrän­kun­gen für Aus­lands­in­ves­ti­tio­nen un­ter­lie­gen, z.B. Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen, be­stimm­te As­pek­te der Lo­gis­tik, Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men. Ins­be­son­de­re der Er­werb von Be­tei­li­gun­gen an be­ste­hen­den in­län­di­schen oder staat­li­chen Un­ter­neh­men er­for­dert, dass der In­ves­tor ein Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren durch­läuft. Die li­be­ra­le Markt­wirt­schaft Viet­nams birgt ein gro­ßes Po­ten­zi­al für aus­län­di­sche In­ves­to­ren, ins­be­son­de­re in den Be­rei­chen Pro­duk­ti­on, Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en, High­tech und IT. Letz­te­re un­ter­lie­gen at­trak­ti­ven steu­er­li­chen An­rei­zen.

Der viet­na­me­si­sche Bin­nen­markt bie­tet auf­grund sei­ner schnell wach­sen­den Mit­tel­schicht und ei­ner ho­hen An­zahl von Ver­brau­chern auch ei­ne gu­te Ba­sis für aus­län­di­sche In­ves­to­ren. Der Fo­kus auf tra­di­tio­nel­len land­wirt­schaft­li­chen und ar­beits­in­ten­si­ven In­dus­tri­en, wie Tex­ti­li­en und Holz, ist im­mer noch vor­han­den, ver­la­gert sich je­doch der­zeit. Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en sind in Viet­nam noch sehr un­ter­ent­wi­ckelt und bie­ten gu­te Chan­cen – ei­ne Tat­sa­che, die von der Re­gie­rung des Lan­des an­er­kannt wur­de, die auch pro­ak­tiv ver­sucht, In­ves­ti­tio­nen in dem Be­reich an­zu­zie­hen.

Sta­tis­tisch ge­se­hen ist das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be mit ei­nem Ge­samt­in­ves­ti­ti­ons­ka­pi­tal von über 3 Mrd. US-Dol­lar (55,7 Pro­zent des ge­sam­ten aus­län­di­schen In­ves­ti­ti­ons­ka­pi­tals) im Jahr 2021 nach wie vor das be­lieb­tes­te Ge­biet für aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen; ge­folgt von Ver­trieb, Strom­er­zeu­gung und Bau.

Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen ste­hen deut­sche Un­ter­neh­men bei ih­ren Ge­schäfts­rei­sen nach Viet­nam?

Laut dem viet­na­me­si­schen In­ves­ti­ti­ons­in­dex la­gen die in Viet­nam in­ves­tie­ren­den deut­schen Un­ter­neh­men ab 2020 auf dem 18. Platz von 136 Län­dern, ge­mes­sen am In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men in Viet­nam, mit ins­ge­samt 361 oder mehr Pro­jek­ten in ver­schie­de­nen Be­rei­chen. In dem Land tä­ti­ge deut­sche Un­ter­neh­men ste­hen vor ei­ner Rei­he von Her­aus­for­de­run­gen: von In­fra­struk­tur­pro­ble­men wie dem un­ter­ent­wi­ckel­ten Stra­ßen­netz bis hin zu nicht trans­pa­ren­ten ad­mi­nis­tra­ti­ven Ent­schei­dun­gen. Wi­der­sprüch­li­che Ge­set­ze und in­ef­fi­zi­en­te Bü­ro­kra­tie blei­ben ernst­haf­te Pro­ble­me, die es noch zu be­wäl­ti­gen gilt.

Auf­grund der Aus­wir­kun­gen ver­schie­de­ner Frei­han­dels­ab­kom­men wur­den die Zoll­be­stim­mun­gen er­heb­lich re­du­ziert. Die Zoll­ver­fah­ren sind je­doch noch weit­ge­hend un­durch­sich­tig. Beim „Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal Cor­rup­ti­on In­dex” ist Viet­nam erst kürz­lich wei­ter zu­rück­ge­fal­len und be­legt nun den 104. Platz: ein nied­ri­ger Rang in der Re­gi­on. Für aus­län­di­sche In­ves­to­ren ist es je­doch mög­lich, al­le ge­wünsch­ten und not­wen­di­gen Ver­fah­ren auf trans­pa­ren­te Wei­se durch­zu­füh­ren. Es soll­te al­ler­dings ge­nü­gend Zeit ein­ge­plant wer­den, um den Ab­schluss kom­ple­xer Pro­zes­se zu er­mög­li­chen.

Wel­che Chan­cen bie­tet der la­ten­te US-Han­dels­kon­flikt mit Chi­na für die viet­na­me­si­sche Wirt­schaft?

Viet­nam hat sich kon­ti­nu­ier­lich zu ei­ner at­trak­ti­ven Op­ti­on zur Di­ver­si­fi­zie­rung der Lie­fer­ket­te nach Chi­na ent­wi­ckelt. Chi­nas Han­dels­kon­flikt mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten führt zu stei­gen­den und un­vor­her­seh­ba­ren Zöl­len auf brei­ter Front. Viet­nam bie­tet ei­ne kos­ten­güns­ti­ge­re und vor­her­seh­ba­re­re Han­dels­op­ti­on mit den USA durch ei­ne Viel­zahl von Frei­han­dels­ab­kom­men. Der li­be­ra­le Markt­ein­tritt und die Tat­sa­che, dass die Be­tei­li­gung von lo­ka­len Part­nern in den meis­ten Be­rei­chen nicht zwin­gend er­for­der­lich ist, füh­ren zu ei­nem star­ken In­ves­ti­ti­ons­zu­fluss.

Viet­nam wird in Zu­kunft kei­ne Al­ter­na­ti­ve zu Chi­na sein, aber das Land wird wei­ter­hin als ge­schätz­te Di­ver­si­fi­zie­rungs­op­ti­on an­ge­se­hen. Un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ri­si­ko­ma­nage­ments soll­te die Ab­hän­gig­keit der Lie­fer­ket­ten von ei­nem Land wie Chi­na ver­rin­gert wer­den, und Viet­nam bie­tet die Mög­lich­keit da­zu.

Wie wird sich Viet­nam Ih­rer Mei­nung nach ent­wi­ckeln?

Trotz spür­ba­rer De­fi­zi­te in den Be­rei­chen Ge­setz­ge­bung, Vor­schrif­ten, Bü­ro­kra­tie, Kor­rup­ti­on, in­ter­ne Pro­zes­se und In­fra­struk­tur ent­wi­ckelt sich Viet­nam wei­ter­hin po­si­tiv. Dank sta­bi­ler und vor­her­seh­ba­rer po­li­ti­scher Rah­men­be­din­gun­gen wer­den die Män­gel ver­rin­gert, um das Land noch at­trak­ti­ver zu ma­chen – ins­be­son­de­re für aus­län­di­sche In­ves­to­ren.

Viet­nam wird wei­ter­hin hart an der Ent­wick­lung sei­ner In­dus­trie und an der Mo­der­ni­sie­rung, Ef­fek­ti­vi­tät und Nach­hal­tig­keit der Län­der ar­bei­ten, um ei­nen hö­he­ren Wett­be­werb als sta­bi­le Ba­sis ei­ner In­dus­trie­na­ti­on zu schaf­fen. Das Land wird in der La­ge sein, die Mög­lich­kei­ten der un­ter­zeich­ne­ten Frei­han­dels­ab­kom­men zu nut­zen und um Han­dels­hemm­nis­se zu be­sei­ti­gen, die wie­der­um die in­län­di­schen ex­port­ori­en­tier­ten In­dus­tri­en un­ter­stüt­zen und so­mit neue und zu­sätz­li­che Mög­lich­kei­ten für Han­del und aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen er­öff­nen.

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