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Iran: Ein Land für deutsche Investitionen, die aber gut überlegt sein wollen!

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​zuletzt aktualisiert am 16. Mai 2018

  

Die Unterzeichnung des Joint Comprehensive Plan of Actions „JCPoA” im Juli 2015 in Teheran und dessen Umsetzung im Januar 2016 haben zu einem signi­fikanten Anstieg der wirtschaftlichen Aktivitäten mit dem Iran geführt. Während das iranische BIP im Jahr 2015 noch um 1,6 Prozent zurückging, wuchs die Wirtschaft 2016 um rund 12,5 Prozent und im ersten Halbjahr 2017 um rund 6,5 Prozent – stolze Zahlen, jedoch auf einem niedrigen Niveau.

 

Der Iran ist mit seiner industriellen Basis[1], die über Jahrzehnte hinweg sehr stark von deutschen Unternehmen geprägt wurde, hervorragend aufgestellt. Daraus entstand eine bemerkenswerte Affinität zum „Deutschen”. Das kommt einer Steilvorlage für ein Engagement deutscher Unternehmen gleich: Erste Erfahrungen deutscher Unternehmen in Iran zeigen, dass die Voraussetzungen, im Land wirtschaftlich Fuß zu fassen, viel besser sind als sie nach der Ostöffnung oder in China jemals waren. Investoren sind willkommen, der Steuer- und Rechtsrahmen ist bewährt und unterscheidet prinzipiell nicht zwischen in- und ausländischem Investor. Viele Branchen in denen deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt zu den Technologieführern gehören, sind auch im Iran starke Branchen wie bspw. die Bereiche Energie- und Rohstoffe, Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Elektronik, IT- und Telekommunikation sowie Infrastruktur.

   

Wenn sich deutsche Unternehmer fragen, welche Produkte und/oder Leistungen jetzt in Iran benötigt werden, so muss man sich nur vergegenwärtigen, dass der Iran fast 10 Jahre lang mehr oder weniger von westlichen Produkten und Know-how abgeschnitten war. Insbesondere die technische Aus­stattung der Produktion mit Maschinen und Fahrzeugen, die Infrastruktur aber auch Netzwerke zu westlichen Unternehmen haben größten Nachholbedarf. Von Vorteil ist, dass man in Iran – insbesondere in den technischen Berufen – auf Menschen mit hohem Bildungsniveau trifft.

 

Ein unternehmerisches Engagement in Iran ist nicht so sehr vom Bedarf abhängig, sondern vielmehr von der Bereitschaft der westlichen Unternehmen, sich vor Ort zu engagieren. Die ersten Schritte in den Iran wollen aber gut überlegt sein. Erfahrungsgemäß unterscheiden wir nach übergeordneten Überlegungen wie bspw., mit welchen Produkten/Leistungen will ich in den Markt gehen und wie sind dessen wirtschaftliche Perspektiven? Habe ich noch Sanktionshindernisse zu erwarten bzw. was bedeutet ein Eintritt in den iranischen Markt für meine sonstigen, insbesondere US-bezogenen Aktivitäten? Will ich den Markteintritt alleine oder mit einem Partner vor Ort beginnen und wer wäre überhaupt ein guter Partner für mich? In welcher Rechtsform soll alles geschehen? Wie kann ich den Zahlungsverkehr mit dem Iran gestalten? Bekomme ich einen staatlichen Investitionsschutz? Welche Steuersätze und Zölle gelten für meine Produkte/ Leistungen? Diese und viele andere Fragen stellen sich jedem Unternehmer, der den Markteintritt in den Iran ernsthaft prüft.

 

Es ist wichtig, zu verstehen, dass iranische Behörden ein langfristiges Engagement der ausländischen Unternehmen als Grundvoraussetzung ansehen. Know-how-Transfer und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind wesentliche Beurteilungskriterien bei behördlichen Entscheidungen. Zum Eintritt in den iranischen Markt sind verschiedene Wege vorstellbar:

  1. Bestellung eines Repräsentanten
  2. Registrierung einer Zweigniederlassung (Branch)
  3. Gründung einer eigenen Gesellschaft iranischen Rechts

Im Gegensatz zur Zweigniederlassung ist der Repräsentant eines ausländischen Unternehmens eine natürliche oder juristische Person, die aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung die kommerzielle Vertretung eines ausländischen Unternehmens in Iran ausübt. Klassischerweise werden Repräsentanten ausländischer Unternehmen zum Aufbau eines Vertriebsnetzes in Iran bestellt und agieren insoweit als Handelsvertreter oder anderweitig externe Vertriebspartner. Die Niederlassung hingegen ist eine eigene Vertretung des ausländischen Unternehmens im Land, mittels der eigenes Personal vor Ort anstellt und auch andere eigene Verbindlichkeiten begründet werden können. Aus der Rechtsgeschichte Irans heraus darf die Zweigniederlassung eines ausländischen Unternehmens allerdings nur im Rahmen eines abschließend gesetzlich definierten Tätigkeitsgegenstands aktiv werden. Der Vertrieb von eigenen oder fremden Handelsgütern gehört bspw. nicht dazu. Soll eine eigene Vertriebs- oder gar Produktion­stätigkeit für den Iran aufgebaut werden, empfiehlt sich die Gründung einer Tochtergesellschaft lokalen Rechts. Insoweit sieht das iranische Handelsgesetzbuch verschiedene Rechtsformen vor, die grundsätzlich alle einer vollständigen Auslandsbeteiligung offen stehen. In der Praxis am häufigsten genutzt, gleichermaßen von ausländischen sowie einheimischen Investoren, ist wohl die iranische Aktiengesellschaft (Sherkat-e Sahami), gefolgt von der mit unserer GmbH grundsätzlich vergleichbare Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Sherkat-e Sahami ba Mass´uliat-e Mahud). Für die Gründung einer AG müssen in Iran mind. drei Aktionäre zusammen kommen, bei der GmbH mind. zwei Gesell­schafter, wobei die Unternehmenseigner in beiden Fälle sowohl natürliche als auch juristische Personen iranischer oder ausländischer Nationalität sein können.

 

Wenngleich die rechtlichen Rahmenbedingungen Irans keine zwingende Beteiligung iranischer Gesell­schafter an auslandsinvestierten Landesgesellschaften vorschreiben, lassen die religiösen und kultu­rellen Unterschiede zwischen Iran und Europa, die Korruption, aber auch die oftmals schwer nachvoll­ziehbare Bürokratie und Gesetzeslage in Iran eine Beteiligung von iranischen Partnern zur besseren Marktbearbeitung als ratsam erscheinen. Bei der Suche nach möglichen iranischen Joint Venture-Partnern sind bspw. die Deutsch-Iranische Industrie und Handelskammer in Teheran, verschie­dene iranische Banken (wie z.B. die Bank of Industries and Mines) oder auch spezialisierte Corporate Finance-Berater (wie Rödl & Partner) behilflich. Wesentlich ist dabei, nicht nur die Strukturen der definierten Branchen und Märkte zu verstehen, sondern auch die Bonität und Com­pliance-Konformität des möglichen Partners rechtzeitig zu durchleuchten.

  

Fazit

Bei allen positiven Voraussetzungen, die deutsche Unternehmen in Iran vorfinden, sollten die Risiken nicht unterschätzt werden. Da Iraner keine Araber sind und sich auch nicht als solche verstehen, sind auch Erfahrungen aus der Geschäftstätigkeit mit arabischen Partnern nur bedingt hilfreich. Der Schritt in den Iran muss daher gut überlegt und noch besser geplant und vorbereitet werden. 
 



[1] Industrie und Bergbau erwirtschafteten 2016 etwa 23 Prozent des BIP

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