Erfolgreich investieren in Portugal

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zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2020 | Lesedauer ca. 3 Minuten


 

 

Wie schätzen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Portugal ein?

Laut OECD-Wirtschaftsindikator setzt Portugal seinen anhalten­den positiven Trend fort. Die portugiesische Wirtschaftsleistung ist zuletzt weiter gewachsen, wenn auch weniger dynamisch als in den Vorjahren. Bereits im dritten Quartal 2019 lag das Bruttoinlandsprodukt erstmals wieder über dem im Krisenjahr 2008. Der Aufschwung macht sich dabei insbesondere in abnehmenden Arbeitslosenzahlen und einem gesunkenen Haushaltsdefizit bemerkbar.


Wie würden Sie das Investitionsklima in Portugal beschreiben? Welche Branchen bergen großes Potenzial?

Nach Angaben der German Trade & Invest (GTAI) werden die Bruttoanlageinvestitionen im Jahr 2020 um 5,4 Prozent wachsen.

Hohes Potenzial liegt zunehmend in der Fertigungsindustrie und der Baubranche, die dank des Wohnungsbaus floriert. Das zeigt sich auch in den Beschäftigungszahlen – in den Wirtschaftszweigen werden rund ein Viertel der Arbeitnehmer in Portugal beschäftigt.  Daneben birgt der Dienstleistungs­sektor mit der Tourismusbranche ein hohes Wirtschaftspotenzial. Zudem wurde Portugal bei den World Travel Awards 2019 erneut zum weltweit führenden Reiseziel gewählt.

Darüber hinaus stecken noch große Wirtschaftspotentiale im Bereich der Stromerzeugung. Im Jahr 2019 wurde bereits mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien erzeugt, vor allem aus Wind-, Solar- und Wasserenergie.

Im Übrigen hat die Europäische Kommission an Lissabon für 2020 den Titel für „Europas Grüne Hauptstadt” vergeben.

Schließlich hat sich – v.a. in den letzten Jahren – auch in anderen Bereichen eine dynamische wirt­schaftl­iche Entwicklung gezeigt,  bspw. im Agrarsektor (u.a. im Wein- und Olivenanbau) und in der Textilindustrie.

Zuletzt gab es außerdem vermehrt Auslandsinvestitionen im Bereich der High-Tech-Industrie. So investierten verschiedene Unternehmen  z.B.. Google und bekannte Automobilhersteller, u.a. Mercedes-Benz, im Großraum Lissabon in Digitalzentren.


Welchen Herausforderungen steht ein deutscher Unternehmer beim Engagement in Portugal gegenüber?

Die Wirtschaft in Portugal boomt und Investoren können auf ein Reservoir an gut ausgebildeten Mitarbeitern und eine gute Infrastruktur zurückgreifen. Jedoch ist Portugal, wie auch Deutschland, demographischen Risiken ausgesetzt. Das Land hat die niedrigste Geburtenrate der EU.

In vielen Unternehmen besteht Modernisierungsbedarf und die Bürokratie kann zu einer Herausforde­rung für deutsche Unternehmer und Investoren werden. Nicht zuletzt bei der Finanzierung sind außerdem die Nachwirkungen der Finanzkrise spürbar.

Schließlich muss die Politik einen stabilen Rahmen schaffen, um einerseits den Haushalt zu sanieren und andererseits nötige Investitionen für die Zukunft, bspw. im Bildungssektor zu schaffen.

Zu einer der wesentlichen Herausforderungen gehört zudem die portugiesische Geschäftskultur. Der deutsche Unternehmer sollte sich bereits im Vorfeld seiner unternehmerischen Aktivitäten vertraut machen. Die interkulturelle Kompetenz ist wichtig, da sie sicherlich zur Erleichterung der Geschäfts­tätigkeit beitragen kann.


Die portugiesische Non-Habitual Resident-Steuerregelung und Co.: Fördermaß­nahmen auf dem Prüfstand?

Mit dem portugiesischen Investitionssteuergesetz wurden zur Bekämpfung der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 Steuervorteile für nicht gebietsansässige Personen begründet (der portugiesische Non-Habitual Resident „NHR”). Die Maßnahme, die darauf abzielt, Anreize für quali­fizierte Expatriates sowie vermögende Privatanleger zu schaffen, war zuletzt immer wieder Thema in der politischen Diskussion.

Im Hinblick auf den NHR wurden schließlich die Befreiungen eingeschränkt und ab April 2020 die Besteuerung von Pensionszahlungen ausländischer Rentner mit einem Steuersatz von bis zu 10 Prozent beschlossen.

Derzeit stehen Fördermaßnahmen, die Bevorzugungen vorsehen, grundsätzlich auf dem Prüfstand. Das betrifft u.a. auch das Goldene-Visa-Programm, das einen Aufenthaltstitel im Gegenzug für Investitionen ermöglicht und häufig im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen genannt wird.


Wie wird sich aus Ihrer Sicht Portugal weiterentwickeln?

Portugal ist und bleibt ein aufstrebender Markt mit guten Perspektiven. Während die alten Industrien florieren, stellen gleichzeitig die Technologiehubs in Lissabon (als Standort der digitalen Welt Europas) und Porto die Weichen für die Zukunft.

Da ein wesentlicher Teil der Wirtschaftsleistung mit dem Tourismus zusammenhängt, wird sich zeigen, wie sich die weltweite Krise im Tourismussektor auf Portugal auswirken wird.

Zudem wird zu bewerten sein, welche Wirkung der BREXIT auf die portugiesische Wirtschaft und auf das Verhalten deutscher Investoren zeigen wird.

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Dr. Susana Campos Nave

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