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Erneuerbare Energien in Spanien

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veröffentlicht am 26. November 2020 | Lesedauer ca. 2 Minuten

  

  

Was zeichnet Spanien als Standort für Erneuerbare Energien aus?

Spanien war das erste europäische Land, in dem die sogenannte Grid-Parity herrschte. Das bedeutet, dass der Marktpreis, den die EE-Anlagen für den erzeugten Strom bekommen, ausreicht, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten. Deshalb gibt es seit 2012 keine staatliche Förderung für Neuanlagen und auch keine nennenswerten Steueranreize mehr. Ausschließlich die Ertragserwartungen aus dem Verkauf der Energie am freien Markt (oder über langfristige Kaufverträge, sog. PPA) schufen ein positives Investitionsumfeld.

 
Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Marktentwicklung?

Nach einem kurzen Schock hat sich der Markt schnell erholt und ist investitionsbereiter und -schneller als vor Corona. Nachdem andere Investitionsgüter wie Gewerbeimmobilien oder Verkehrsinfrastruktur aufgrund der Corona-Krise einem höheren Risiko unterliegen, drängen vermehrt Investitionen in den EE-Markt. Erneuerbare Energien sind billiger als konventionelle Energien und auf kurze Sicht werden alle Staaten zumindest bei der Primärenergieerzeugung mehr oder minder aus den konventionellen Energien aussteigen. Ein Zurück ist eigentlich nicht vorstellbar, weshalb Investitionen in diesem Bereich weltweit steigen.

 

Worauf sollten deutsche Investoren derzeit achten?

Die Preise für Projektrechte (also Genehmigungen, Pachtverträge, Lizenzen etc.) sind in Spanien weiterhin sehr hoch. Strompreise hingegen sind volatil und deren Entwicklung von vielen Faktoren (Öl- und Gaspreise, wirtschaftliche Gesamtentwicklung, aber auch Wasserstände in den französischen Flüssen wegen der Kühlung der dortigen Atomkraftwerke) abhängig. Es besteht die Gefahr, dass im Jahr 2020 Projektrechte zu teuer eingekauft werden und sich diese Projekte gegenüber Projekten, die in drei bis vier Jahren geplant und dann zu niedrigeren Gestehungskosten errichtet werden, nicht mehr rechnen.

 

Welche Arten der Erneuerbaren Energien haben in Spanien das größte Potenzial?

Natürlich ist Photovoltaik (PV) die führende Technologie und das Potential längst noch nicht ausgeschöpft. Gerade im Hinblick auf die europaweiten Wasserstoffinitiativen kann man sich interessante Businesscases für PV-H2 ohne Netzzugang vorstellen. Da könnte dann das deutsche Stahlwerk mit spanischem grünen Wasserstoff betrieben werden. Dabei steht Spanien in Konkurrenz zu Nordafrika.

 

Großes Potential sehe ich auch beim Wind-Offshore. Dort plant Spanien kurzfristig einen weitreichenden Ausbau, da bislang nur 10MW (das sind 2 Windräder) Offshore errichtet wurden.

 
Gibt es beim Investitionsklima für Erneuerbaren Energien regionale Unterschiede auf der iberischen Halbinsel?

PV wird überwiegend in den südlicheren Landesteilen entwickelt, Windanlagen an der Atlantikküste. Bedauerlicherweise ist mein Gastland Katalonien von der Entwicklung abgekoppelt: Seit gut einem Jahrzehnt sind weder neue PV- noch Windanlagen entwickelt bzw. genehmigt worden. Vor mehr als einem Jahr hat die katalanische Regierung einen Richtungswechsel bekanntgegeben und die Förderung von PV- und Windanlagen beschlossen. Gleichzeitig wurde aber eine weitere administrative Instanz eingezogen, sodass im letzten Jahr kein einziges Projekt ans Netz kam.

 
Wie lautet Ihr mittelfristiger Ausblick?

Ausblicke sind in Spanien nicht leicht. 2008 war Spanien schon einmal Weltmarktführer im Bereich Erneuerbare Energien. Eine rückwirkende Kürzung der Einspeisetarife um 30% hat Spanien bis 2015 für Investoren verbrannt. Eigentlich müsste die spanische Regierung sich den Markt nur entwickeln lassen und nicht allzu viel eingreifen. Dann könnte sich das Land aufgrund seiner klimatischen und räumlichen Gegebenheiten zum Stromerzeuger Europas entwickeln.

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