OK Google, wer ist Alisa?

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​veröffentlicht am 20. Februar 2020 | Lesedauer ca. 4 Minuten

 

Übersetzung als Element der Suchmaschinenoptimierung

Seit im Jahr 1997 Google in Betrieb ging, hat sich die Welt rasant verändert und das u.a. auch wegen dieser Suchmaschine. Aus dem einfachen Service ist ein Milliardenkonzern geworden, dessen Dienste aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken sind und der sowohl die Entwicklung des Internets als auch der Gesellschaft an sich erheblich beeinflusst und prägt. Das gilt auch für das Geschäftsleben: ein Unternehmen, das nicht im Internet präsent ist und nicht darauf achtet, seinen Internetauftritt unter Berücksichtigung der Erfordernisse von Suchmaschinen zu gestalten, ist heutzutage in vielen Branchen kaum mehr vorstellbar. Die Stelle, an der ein Produkt, eine Dienstleistung sowie die jeweilige Firmen-Webseite in den Internet-Suchergebnissen erscheint, entscheidet mit über den wirtschaftlichen Erfolg, wobei hier konkret Google als weltweit mit Abstand meistgenutzte Suchmaschine als Maß aller Dinge gelten kann (der Witz: „Wo versteckt man im Internet am besten eine Leiche? Auf Seite 2 der Google-Ergebnisse.“, mag recht platt sein, verdeutlicht jedoch den Sachverhalt treffend). Eine gute Platzierung in der Google-Suche kann einerseits durch bezahlte Werbung erreicht werden: Der Kunde definiert die von ihm gewünschten Parameter (geografische Reichweite, Zielgruppe usw.) und bezahlt dafür, dass sein Link vom Suchmaschinennutzer aufgerufen wird. Diese Form des Online-Marketings nennt sich „Search Engine Marketing“ (SEM) bzw. „Search Engine Advertisement“ (SEA). Außerdem besteht die Möglichkeit, den Inhalt (und auch die Struktur) der eigenen Webseite so zu gestalten, dass der eigene Content so weit vorn wie möglich in den organischen (also nicht bezahlten) Suchergebnissen auftaucht. Die sog. Suchmaschinenoptimierung oder „Search Engine Optimization“ (SEO) spielt für Unternehmen seit Jahren eine immer größere Rolle und eine Vielzahl von Anbietern im Marketingbereich befasst sich damit, die Internetpräsenz ihrer Kunden so zu gestalten, dass sie an möglichst prominenter Stelle in der Google-Suche erscheint.
 

Eines der wichtigsten Elemente dieses Prozesses ist die Verwendung einschlägiger Schlüsselbegriffe („Keywords“) und zwar auf eine möglichst „natürliche“ Weise. Es hilft schon lange nicht mehr, die Bezeichnung oder den Namen seines Produkts so oft wie möglich im Text unterzubringen, im Gegenteil: auch und gerade Suchmaschinen-Algorithmen nutzen maschinelles Lernen und „bestrafen“ inzwischen Webseiten, deren Texte allzu schablonenhaft formuliert sind, da Google & Co. organische, gut lesbare Ergebnisse bevorzugen. Das Ziel ist es also, durch eine Analyse des jeweiligen Themenfelds gewonnene und/oder vom Auftraggeber vorgegebene Begriffe möglichst natürlich in den Text einfließen zu lassen, um ein besseres Ranking in den Suchmaschinenergebnissen zu erzielen.
 

SEO-Übersetzungen & Transkreation in Russland

Die oben beschriebenen Grundsätze können auch im Übersetzungsbereich angewendet werden. Bei SEO-optimierten Übersetzungen, die v.a. im Bereich Marketing/Außendarstellung im Internet nützlich sind, wird nicht nur darauf geachtet, den Textinhalt angemessen und an die kulturellen Besonderheiten und Gewohnheiten der Zielkultur angepasst zu übersetzen. Ein guter Übersetzer berücksichtigt bei der Bearbeitung von Marketingtexten in jedem Fall den Zweck und die beabsichtigte Zielgruppe der Übersetzung, so dass hier weniger eine starre Übersetzung von Wörtern erfolgt als vielmehr eine Übertragung von Inhalten auf eine Weise, die in der Zielsprache angemessen ist und die beabsichtigte Funktion des Textes bewahrt oder sogar verbessert (und daher u.U. recht stark vom Ausgangstext abweicht). Es findet also sozusagen eine Transkreation statt („Translation + Kreation“). Der auf tiefgreifenden Kenntnissen von Sprache und Kultur des Ziellandes basierende Ansatz wird beim SEO-Übersetzen um das Suchmaschinen-Element ergänzt.
 

Für Russland bedeutet das zuallererst, dass die auf die Gewinnung von geeigneten Schlüsselbegriffen ausgerichtete Analyse des Suchverhaltens in erster Linie nicht in Google erfolgen sollte, sondern in Yandex. Dieser Dienst ist in Deutschland weitgehend unbekannt, in Russland jedoch Marktführer, weit vor seinem kalifornischen Konkurrenten. Das Moskauer Unternehmen hat im Bereich Suchmaschinen im sog. „Runet“ (dem russischsprachigen Segment des Internets, das neben Russland auch Weißrussland, Kasachstan, die Ukraine und andere ehemalige Sowjetrepubliken umfasst) einen Anteil von ca. 60 Prozent und ist damit nach Google, Yahoo! und Baidu aus China die viertwichtigste Suchmaschine der Welt. Die Funktionsweise ist ähnlich, dennoch weichen die für SEO-Texte erforderlichen Schlüsselwörter im Russischen je nach Themenfeld möglicherweise recht deutlich voneinander ab.
 

Neben dem eher banalen, jedoch wichtigen Umstand, dass russische Internetnutzer eher auf Yandex als auf Google zurückgreifen, müssen für eine erfolgreich an russische Gegebenheiten angepasste SEO-Übersetzung aber natürlich vor allem kultur- und sprachspezifische Aspekte berücksichtigt werden. Als simples Beispiel sei nur folgendes erwähnt: Bei einem deutschen Zielpublikum wäre es für einen deutschen Warenhersteller nicht unbedingt naheliegend, die Wortgruppe „deutsche Qualität“ als Element der Suchmaschinenoptimierung zu betrachten, da dieses Attribut für deutsche Suchmaschinennutzer quasi selbstverständlich ist – wenn überhaupt, würde wohl eher auf das bekannte „Made in Germany“ zurückgegriffen werden. Für russische Kunden hingegen ist „deutsche Qualität“ (natürlich auf Russisch) durchaus eine Eigenschaft, nach der explizit gesucht wird. Das allein zeigt schon die Tatsache, dass in Russland Dutzende sog. „Werwolf-Brands” existieren. Das sind Marken, die „deutsch“ anmuten und dem Verbraucher so suggerieren, es handele sich um deut-sche Hersteller, obwohl diese „deutschen Marken“ in Deutschland schlichtweg nicht existieren. Es wäre also naheliegend, bei der Übersetzung eines deutschen Marketingtextes für den russischen Markt den Schlüsselbegriff oder dessen Variationen in die russische Fassung zu integrieren – auch dann, wenn der Begriff im deutschen Ursprungstext gar nicht vorkommt.
 

Abschließend ist zu sagen, dass der Bereich der SEO-Übersetzungen für international aufgestellte Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Wenn Sie den russischen Markt erschließen wollen, können gut lokalisierte (also unter Berücksichtigung der Prinzipien von Transkreation und Such­maschinen­optimierung übersetzte) Marketingtexte wesentlich zum Erfolg Ihres Vorhabens beitragen.
 

Übrigens: Alisa ist der digitale Assistent von Yandex, also das russische Pendant zu Siri, Cortana, Alexa und Co.

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