Thailand aktuell

PrintMailRate-it

von Martin Klose

 

Wie ist die derzeitige politische Situation einzuschätzen?

Die Interessen der beiden führenden politischen Gruppierungen, dem Regierungslager und dem Lager der Protestierenden, sind hoffnungslos konträr: Die Regierungsgegner werden vom ehemaligen Stellvertretenden Premierminister Suthep Thaugsuban angeführt. Ihr Ziel ist es, Korruption zu unterbinden und die „Ära Shinawatra” zu beenden. Dies soll durch Reformen geschehen, die eine ernannte Regierung – eine Art Volksrat –  durchführen soll.  Die jetzige Regierung wird von Premierministerin Yingluck Shinawatra geführt, der jüngeren Schwester von Thaksin Shinawatra, der 2006 als Premierminister gestürzt und anschließend wegen Korruption verurteilt wurde; schließlich setzte er sich ins Ausland ab.
 
Ausgangspunkt der Demonstrationen war ein Entwurf der Regierung zu einem Amnestiegesetz, das eben jenem Thaksin die Rückkehr nach Thailand und damit auf die politische Bühne hätte ermöglichen sollen. Dabei wirft die Opposition der regierenden Schwester vor, nur eine Marionette ihres Bruders zu sein, der, so sagen es westliche Medien, teilweise sogar per Videokonferenz zu Sitzungen des Regierungskabinetts zugeschaltet werde.

Am 2. Februar 2014 fanden Parlamentswahlen statt; neben vereinzelten Ausschreitungen im Land ist die Wahl selbst überwiegend friedlich verlaufen. Allerdings bleibt zweifelhaft, ob das Wahlverfahren rechtlichen Prüfungen standhalten wird – Gegner der Regierung hatten in vielen Wahllokalen die Stimmabgabe behindert; mancherorts musste die Wahl sogar abgebrochen werden. Ein Ergebnis der Auszählungen wird somit erst in einigen Wochen erwartet. 
 
Eine baldige Klärung der Lage scheint derzeit nicht in Sicht zu sein.
 

Wie würden Sie das Investitionsklima beschreiben?

Die politische Unsicherheit – besonders, wenn sie nicht alsbald beseitigt wird – ist eine schwere Bürde für das Investitionsklima. Insbesondere dringende Entscheidungen im Hinblick auf die Realisierung von notwendigen Infrastrukturprojekten werden in dieser Situation vertagt, sodass es hier zu einem Investitionsstau kommt.
 

Was ist die größte Herausforderung für den deutschen Unternehmer in Thailand?

Der Markt! Der thailändische nationale Markt besteht aus 67 Millionen Menschen. Hinzu kommt ab 2015 der vereinheitlichte ASEAN-Markt mit seinen 600 Millionen Menschen. In diesem Markt tätig zu sein, die eigene Marke zu entwickeln und zu etablieren, ist eine komplexe Aufgabe.
 

Welche Erfahrungen machen deutsche Unternehmen momentan in Thailand?

Unternehmen, die bereits in Thailand präsent sind, sind mit dem Land, seiner Wirtschaftspraxis und seinen politischen Krisen gut vertraut. Soweit bekannt, sind Lieferengpässe oder verspätete Zulieferungen bislang nicht zu verzeichnen. 
 

Welche 3 Tipps würden Sie deutschen Unternehmen mit auf den Weg geben?

  1. Vernetzen Sie sich mit der AHK Bangkok  (Twitter: GermanThaiChamb oder Facebook: GermanThaiChamberOfCommerce) und der Deutschen Botschaft in Bangkok (http://www.bangkok.diplo.de/Vertretung/bangkok/de/Startseite.html), um bei Sicherheitshinweisen auf dem aktuellsten Stand zu sein. 
     
  2. Deutsche Unternehmen sollten sich darauf einstellen, dass die jetzigen Unruhen länger anhalten werden. Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes können unter folgendem Link aufgerufen werden: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/ThailandSicherheit.html.
     
  3. Um die Sicherheit der Mitarbeiter bei der Anreise zu gewährleisten, sollte man über flexible Arbeitszeiten nachdenken.
     
  4. Prüfen Sie auch, ob wichtige Dokumente und Daten ausgelagert werden können, um sicherzustellenden, dass ein Zugriff jederzeit möglich ist, falls sich die Lage verschlimmert.
     
 aktualisiert am 04.02.2014
Deutschland Weltweit Search Menu