Gekommen, um zu bleiben: Besonderheiten beim Einstieg von Investoren aus China

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zuletzt aktualisiert am 14. März 2018

Immer mehr Unternehmen aus Asien, vorrangig aus China, drängen nach Deutschland. Was müssen deutsche Unternehmen beachten, wenn Investoren aus China einsteigen oder den Betrieb komplett übernehmen?
 

 
Früher fürchtete man in deutschen Unternehmen, wenn Investoren aus Asien deutsche Unternehmen übernehmen, geschehe dies, um das Know-how abzusaugen und anschließend den Laden dichtzumachen, um die Produktion ins Ausland zu verlagern. Diese Angst ist jedoch häufig unbegründet. Nach Erfahrung von Rechtsanwalt Michael Wiehl, Partner und Leiter der internationalen Transaktionspraxis bei Rödl & Partner in Nürnberg, kaufen sich insbesondere chinesische Unternehmen derzeit immer öfter in deutsche Unternehmen ein, um ihre Produktion am Standort Deutschland auf- oder auszubauen und das vorhandene Know-how auch für die heimischen Märkte nutzbar zu machen.
 
Im Fokus chinesischer Investoren stehen dabei häufig sog. „Hidden Champions”, also Unternehmen, die aufgrund ihres hochspezialisierten technischen Know-hows zu den Markführern ihrer jeweiligen Branche gehören, häufig inhabergeführt sind und daher in der Öffentlichkeit lediglich über einen begrenzten Bekanntheitsgrad verfügen. Verbunden mit den Übernahmen ist regelmäßig das Ziel der Investoren, den eigenen Technologierückstand in kürzester Zeit ohne langwierige Entwicklungsprozesse wettzumachen sowie den kostenintensiven Aufbau eigener Marken abzukürzen.
 
Hidden Champions sowie auch andere für chinesische Investoren besonders interessante Unternehmen finden sich in Deutschland v.a. im Maschinenbau, unter den Automobilzulieferern oder in der Medizintechnik. Die Größe der Kaufobjekte reicht vom kleinen Spezialmaschinenbauunternehmen mit 15 Mio. Euro Jahresumsatz bis zu großen Automobilzulieferern mit mehreren hundert Millionen Euro Umsatz.
 
Unabhängig von der Größe kommt es den Investoren auf dreierlei an: eine gute Mannschaft, ein gutes Produkt und ein gut etabliertes Unternehmen. „Es ist die Einheit von Produktion und Know-how der Mitarbeiter, an der die Investoren aus China interessiert sind”, sagt M&A-Experte Michael Wiehl. Nach seiner Beobachtung gehe es ihnen um das Zusammenspiel von Organisation, Personal und hochwertigem Verfahrens-Know-how.
 
Diese Kombination lässt sich nicht von jetzt auf gleich ins Ausland verpflanzen. Doch mit der Übernahme eines starken deutschen Herstellers lässt sich der chinesische Markt beliefern, bis die im Ausland nach deutschem Muster aufgebauten Produktionsstätten Weltmarktniveau erreicht haben.
 
Der größte Teil der chinesischen Käufer sind denn momentan auch noch Staatsunternehmen, die nicht am lukrativen Exit, sondern am Fortbestand und Ausbau des Unternehmens interessiert sind. Chinesische Investoren, die sich wie bei Private Equity-Häusern üblich in Unternehmen einkaufen oder sie ganz übernehmen, um nach ein paar Jahren mit Gewinn wieder auszusteigen, finden sich bislang kaum unter den Kaufinteressenten. Allerdings ist damit zu rechnen, dass sich das in Zukunft ändern wird.
 
Die Tatsache, dass die Erwerber i.d.R. Staatsunternehmen sind, führt auch dazu, dass sich die Verkäufer um deren Bonität wenig Gedanken machen müssen. Das Kaufkapital ist vorhanden, aufwendige Fremd­finan­zierungen oder andere Finanzierungsstrukturen spielen derzeit noch keine große Rolle.
 
Dass genug Kapital vorhanden ist, bedeutet jedoch nicht, dass die Käufer aus China besonders großzügig wären. Im Gegenteil. „Beim Geld wird sehr genau hingeschaut”, so die Erfahrung Wiehls. Das gilt nicht nur für Preise und Beraterhonorare, auch die Kaufverhandlungen sind von einem recht starken Kontrollbedürfnis der chinesischen Käufer und der Angst, übervorteilt zu werden, geprägt.
 
So schauen die Käufer deutschen Beratern, die mit der Prüfung betraut sind, schon mal gerne über die Schulter, anstatt sie einfach machen zu lassen. Auf deutsch abgefasste Verträge und Dokumente lassen sich die Käufer umfassend übersetzen und bringen eigene Vorschläge in die Vertragsgestaltung ein. Das Ziel: sich als Investor vermeintlich noch besser zu schützen. Bislang wenig Verständnis haben sie, wenn man ihnen den Wunsch, vorab mit den Mitarbeitern des Zielunternehmens zu sprechen, aus Geheimhaltungsgründen abschlägt.
 
Damit sich solche, teilweise kulturell bedingten Unterschiede nicht als Deal Breaker erweisen, ist gute Beratung gefragt. „Hier ist Fingerspitzengefühl nötig, um den Käufern zu vermitteln, dass ihre Rechte gewahrt werden, auch wenn sie nicht alles nach ihren Vorstellungen gestalten können”, sagt Wiehl. Die Verkäuferseite ihrerseits sollte prüfen, ob ihre strategischen Unternehmensziele mit denen der Käufer zusammenpassen. Nur wenn die Erwartungen beider Seiten in Einklang stehen, führt der Kauf für beide Seiten zum Erfolg.
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