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Für wen sind die amtlichen AfA-Tabellen bindend?

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Schnell gelesen

  • Ist der Steuerpflichtige an die Nutzungsdauer gebunden, die das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in den amtlichen Abschreibungstabellen festgelegt hat?
  • Das Finanzgericht Niedersachsen hat sich nun zu dieser Frage geäußert.
Von Melanie Erhard
 
Aufwendungen für Gegenstände des Anlagevermögens können in der Regel nicht vollständig im Jahr der Anschaffung geltend gemacht werden. Kaufen Sie einen Computer, ein Gebäude, Maschinen, Pkws etc. für steuerlich relevante Zwecke, müssen die Anschaffungskosten über die betriebliche Nutzungsdauer des Gegenstands verteilt werden. Dabei stellt sich jedes Mal die Frage nach der korrekten Dauer der Abschreibung oder der „Absetzung für Abnutzung”, wie sie im Einkommensteuergesetz heißt.
Es liegt in der Natur der Sache, dass der Steuerpflichtige möglichst schnell von den Steuerminderungen profitieren will, die die Abschreibung eines Wirtschaftsguts mit sich bringt. Der Wunsch nach einer möglichst geringen Abschreibungsdauer entspricht jedoch nicht den Vorstellungen des Finanzamts, welches so zeitnah auf Steuereinnahmen verzichten müsste. Damit ist der Streit vorprogrammiert.
Der Fiskus verweist in solchen Situationen regelmäßig auf die amtlichen Abschreibungstabellen (AfA-Tabellen) und die hierin für eine Vielzahl von Wirtschaftsgütern vorgeschriebenen steuerlichen Nutzungsdauern. Die Gegebenheiten des Einzelfalls bleiben dabei jedoch unberücksichtigt: technischer Verschleiß, wirtschaftliche Entwertung und rechtliche Gegebenheiten können die individuelle Nutzungsdauer stark reduzieren.
Doch ist der Steuerpflichtige an die amtlich vorgegebenen Nutzungsdauern gebunden? Die Antwort lautet: nein. So entschied jüngst das Finanzgericht Niedersachsen in seinem Urteil vom 9. Juli 2014 (Az. 9 K 98/14).
  

AfA-Tabellen haben den Charakter einer Dienstanweisung

Die Richter verkündeten, dass die AfA-Tabellen des BMF für das Finanzamt den Charakter einer Dienstanweisung haben. Mit anderen Worten: der Fiskus muss sich an die vorgegebenen Abschreibungssätze der AfA-Tabelle halten und darf hiervon zumindest so lange nicht zu Ungunsten des Steuerpflichtigen abweichen, als die Erfahrungswerte der Tabelle den Einzelfall vertretbar abbilden.
Für den Steuerpflichtigen und das Finanzgericht hingegen handele es sich bei den AfA-Tabellen lediglich um ein Angebot der Finanzverwaltung für eine tatsächliche Verständigung im Rahmen der Schätzung der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Dieses Angebot der Finanzverwaltung darf also angenommen werden – es muss aber nicht.
Bringt der Steuerpflichtige plausible Gründe vor, warum für ein Wirtschaftsgut eine kürzere Nutzungsdauer angenommen werden muss als in den amtlichen AfA-Tabellen „vorgeschlagen”, z.B. weil eine Maschine vor Ende der steuerlichen Nutzungsdauer technisch unbrauchbar sein wird oder den rechtlichen Vorgaben nicht mehr entsprechen würde, so darf eine kürzere Nutzungsdauer berücksichtigt werden.
Will hingegen der Fiskus zu Ungunsten des Steuerpflichtigen von den Vorgaben seiner eigenen AfA-Tabellen abweichen, muss er dies deutlich besser begründen: Es sei in diesem Fall eine „detaillierte Auseinandersetzung mit den eigenen Erkenntnisgrundlagen erforderlich”, wobei Schätzungenauigkeiten in der AfA-Tabelle hinzunehmen seien.
  

Hinweis

Halten Sie die von der amtlichen AfA-Tabelle vorgegebene Nutzungsdauer für vorteilhaft oder zumindest angemessen? Dann bestehen Sie auf die Anwendung der amtlich vorgeschriebenen Werte!
Erscheint Ihnen die Nutzungsdauer der AfA-Tabelle jedoch unangemessen lange, so sollten Sie Ihre Auffassung anhand geeigneter Unterlagen belegen.
 
zuletzt geändert am 06.10.2014

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Silvia Schmidt-Leupold

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