Wirtschaftsprüfung in Russland – Risiken und Besonderheiten

Das wirtschaftliche Umfeld in der Russischen Föderation unterliegt mehr als in den meisten anderen Ländern einem stetigen Wandel bei der Integration in das globale Wirtschaftsgeschehen. In diesem Kontext ist die Auswahl eines kompetenten Partners, der sich sowohl mit den Besonderheiten des Marktes als auch der russischen Gesetzgebung auskennt, ein Schlüsselfaktor, um neben der reinen Jahresabschlussprüfung die erfolgreiche Umsetzung der Unternehmensstrategie sicherzustellen.
 
Geschäftsreisen nach Russland sind oft verknüpft mit Warnungen vor ausufernder Bürokratie, Korruption und davor, dass vieles einfach „anders” ist. Tatsächlich dauern Vorgänge des täglichen Geschäftslebens, die in Westeuropa schnell und einfach geregelt werden, in Russland länger und es ist ggf. mehr bürokratischer Aufwand erforderlich. Auch die russische Rechnungslegung und Steuergesetzgebung hat ihre Tücken. Allerdings zeichnet sich in den letzten Jahren eine positive Entwicklung ab.
 

Lokale Besonderheiten

Trotz Anlehnung der russischen Rechnungslegungsstandards an die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) verbleiben Unterschiede. Bspw. beginnt in Russland die planmäßige Abschreibung von Vermögensgegenständen des Anlagevermögens erst im Folgemonat der Anschaffung. Ferner ist Voraussetzung für die Umsatzrealisation eine Bestätigung auf dem Lieferschein oder dem Abnahmeprotokoll. Bis diese vorliegen, werden veräußerte Waren aus dem Bestand in einen Posten „Gelieferte Ware” umgebucht. Eine Erleichterung stellt die seit 2014 geltende Regelung dar, wonach die Nachweise über den Erhalt der Lieferung oder Leistung elektronisch versandt und archiviert werden können. Allerdings findet diese Möglichkeit in der Praxis nur sehr langsam Verbreitung.
 
V.a. bei Tochterunternehmen europäischer Konzerne ergeben sich vielfältige Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit mit russischen Wirtschaftsprüfern. Diese testieren z.B. Jahresabschlüsse aufgrund der gesetzlichen Prüfungspflicht nach russischen Rechnungslegungsvorschriften. Unter diese Pflicht fallen überwiegend Aktiengesellschaften, Gesellschaften, deren Anteile an Märkten öffentlich gehandelt werden, und nahezu alle anderen Unternehmen, deren Umsatz im Vorjahr die Grenze von 400 Mio. Rubel (entspricht ca. 5,8 Mio. Euro) oder die Bilanzsumme von 60 Mio. Rubel (entspricht ca. 875.000 Euro) überschritten hat.
  
Sind Abschlüsse erforderlich, die für die Einbeziehung in den ausländischen Konzernabschluss des Mutterunternehmens relevant sind (sog. Handelsbilanz II), wird der russische Wirtschaftsprüfer häufig entweder mit der Prüfung oder mit der Erstellung dieses Abschlusses nach den Rechnungslegungsvorschriften des Mutterunternehmens beauftragt. Dieser Abschluss basiert auf dem lokalen russischen Abschluss und wird mittels Anpassungsbuchungen an die Rechnungslegungsgrundsätze des Mutterunternehmens angepasst. Hierbei kann es sich um deutsche Rechnungslegungsvorschriften, die IFRS oder anderweitige Vorschriften handeln. Unabdingbare Voraussetzung bei der Auswahl eines Wirtschaftsprüfers in Russland durch ein deutsches Unternehmen ist somit, dass er Kenntnisse sowohl der russischen als auch der internationalen Rechnungslegung besitzt und aktuelle Veränderungen im Blick behält. So arbeiten etwa in den beiden Niederlassungen von Rödl & Partner in Moskau und St. Petersburg lokale Spezialisten mit deutschen Expat-Kollegen zusammen, wodurch ein einzigartiger Wissensaustausch entsteht. Zudem finden regelmäßig länderübergreifende Schulungen statt.
 

Erweiterung des Aufgabenspektrums

Das Aufgabenspektrum des Wirtschaftsprüfers kann durch eine über die Prüfung hinausgehende Betreuung erweitert werden. Sie umfasst die Information zu steuerlichen Risiken oder die Beratung zu den Themen Fraud und Compliance. Auch aktuellen Themen wie z.B. Sanktionen kann Rechnung getragen werden.
 
Für das geprüfte russische Tochterunternehmen empfiehlt es sich, mit dem Abschlussprüfer in permanentem und intensivem Kontakt zu bleiben. Zum einen steht er als wichtiger Partner für Fragen außerhalb der Rechnungslegung zur Seite; zum anderen kann er auch dabei unterstützen, mögliche Risiken oder Fehler in der Buchhaltung frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen, um eine möglicherweise spätere Konsequenz beim Bestätigungsvermerk zu verhindern, für die die Hürde in Russland merklich niedriger als in Deutschland liegt.

 Kontakt

Jens Wergin

Steuerberater

Partner

+ 7 495 9335 120

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Bitte beachten Sie:

  • Russland hat seine Besonderheiten in der Rechnungslegung, die unbedingt berücksichtigt werden müssen.
  • Die Prüfung in Russland umfasst auch steuerliche Risiken und Sanktionsprüfungen.
  • Ein persönlicher und intensiver Kontakt mit dem Abschlussprüfer hilft, Risiken rechtzeitig und gründlich zu beseitigen.
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