Impulse des Erfolgs in Russland

veröffentlicht am 30. Mai 2018

 

Dr. Andreas Knaul antwortet
 
         
 Die geopolitische Stabilität hat weltweit nicht gerade zugenommen. Da macht Russland leider keine Ausnahme…

Ja, die langanhaltenden Konflikte in Syrien und der Ukraine bestimmen leider immer noch das angespannte Verhältnis zwischen Russland und dem Westen. Die Europäische Union verlängerte die sektoralen Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise bis zum 31. Juli 2018; die russischen Gegensanktionen laufen bis Ende des Jahres. Während sich deutsche Unternehmen in ihrem Russland-Geschäft weitestgehend mit dem Sanktionsregime arrangiert hatten, sorgen die neuen US-Sanktionen für große Unsicherheit. Laut der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer droht der deutschen Wirtschaft in Russland allein durch ausfallende Neugeschäfte kurzfristig ein Schaden von mehreren 100 Mio. Euro. Langfristig könnten die US-Sanktionen sogar Projekte in Milliardenhöhe gefährden.

 

 Wie ist Russland im internationalen Wettbewerb aufgestellt?

Laut aktuellem Bericht der Weltbank nimmt Russland im „Doing Business Report” Platz 35 ein. Das Land hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um 5 Plätze verbessert und ist weiterhin das höchstplatzierte BRICS-Land (zum Vergleich: China liegt auf Platz 78). Die gute Platzierung und kontinuierliche Verbesserung von zuvor schlecht bewerteten Bereichen sind das Ergebnis eines Präsidialerlasses aus dem Jahr 2012 über die langfristige staatliche Wirtschaftspolitik.

 

Russland hat mit Erdöl, Gas und weitläufigen Waldflächen  einen enormen Reichtum an Rohstoffen und Energieträgern, bietet aber auch in anderen Sektoren Marktchancen für international tätige Unternehmen. Dazu kommt die ideale Lage als Handelstor zwischen Europa, Zentralasien und der Volksrepublik China.

 

Die protektionistischen Maßnahmen, die Russland seit 2014 als Folge der Ukraine-Krise mit seiner Lokalisierungspolitik forciert, sind wiederum ein Hemmnis für den internationalen Wettbewerb. Unternehmen, die sich für eine Produktion in Russland entscheiden, wird aber mit dem Sonderinvestitionsvertrag ein lukratives Fördermittel angeboten: Sie erhalten für 10 Jahre gleichbleibende rechtliche Bedingungen, Steuervergünstigungen und Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen.

 

 Welche Chancen bieten sich mittelständischen Unternehmen, die international expandieren möchten?

Nicht nur die Ressourcen des Landes machen es interessant für mittelständisch geprägte deutsche Unternehmen, sondern auch der große Modernisierungsbedarf und der sich ständig weiterentwickelnde Dienstleistungssektor. Vertreter aus den verschiedensten Branchen entdecken den Markt vermehrt für sich, weil sie entweder in anderen Märkten an ihre Grenzen stoßen oder direkt von russischen Kunden kontaktiert werden. „Made in Germany” hat nach wie vor einen hohen Stellenwert bei russischen Verbrauchern und Geschäftspartnern – das erleichtert deutschen Unternehmen den Eintritt in den Markt.    

 

Hinzu kommt, dass die Produktionsbedingungen in Russland aufgrund des schwachen Rubels und dem Rückgang der Lohnkosten verhältnismäßig günstig sind, so dass sich eine Produktion im Inland anbietet und sogar ein Export in Drittländer attraktiv sein kann.

 

 Das Thema Digitalisierung ist aktuell in aller Munde. Wie gut ist Russland darauf eingestellt?

Die digitale Innovationsstärke osteuropäischer Programmierer im Allgemeinen repräsentieren global genutzte und aus dem Alltag fast nicht mehr wegzudenkende Anwendungen wie Skype (Estland) oder WhatsApp (Ukraine). Für Russland im Speziellen stehen beispielhaft der Internetkonzern Yandex, das Softwareunternehmen Kaspersky Lab oder die Blockchain-basierte Plattform Ethereum.

 

Neben diesen Global Playern gibt es eine Vielzahl kleinerer Unternehmen, die von der grundsätzlichen Offenheit gegenüber neuen Anwendungen der russischen Internetnutzer profitieren. Die Start-up Szene, besonders in Moskau und St. Petersburg, gehört zu den Top 10 weltweit. Letztere auch vornehmlich dank der international angesehenen IT-Universität ITMO. Nach dem Vorbild des kalifornischen Silicon Valley entstand vor einigen Jahren der IT-Cluster Skolkovo in Moskau.

 
Des Weiteren verstehen es nationale Großkonzerne, wie die Sberbank, Chancen und Nutzen der Digitalisierung zu erkennen und zu realisieren. Bei der digitalen Ausstattung von Verwaltung und Behörden geht Russland im Ländervergleich mit gutem Beispiel voran. Russland ist zudem auch das erste Land, das sich mit einem Gesetzesentwurf zum Thema „Artificial Intelligence” befasst.

 

Die Industrie-Digitalisierung befindet sich derzeit allerdings 5 Jahre hinter Ländern wie Deutschland und den USA. Das hat die Regierung erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen – u.a. wurde kürzlich die German Russian Initiative for Digitalization ins Leben gerufen.

 

 Welche Impulse erwarten Sie für Russland als Ausrichter der Fußball- Weltmeisterschaft (WM) und wer wird gewinnen?

Die Fußball-WM wird vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 in 11 russischen Städten ausgetragen. Russland ist dabei zum 1. Mal Gastgeber des wichtigsten Fußballturniers der Welt. Umgerechnet wurden bereits 11 Mrd. US-Dollar in die Vorbereitungen investiert. Neben dem Neu- und Umbau der 12 Stadien gehören neue und schnellere Zugverbindungen und Generalüberholungen des Verkehrsnetzes zu den Großprojekten im Vorfeld der WM, an denen sich auch deutsche Unternehmen mit Aufträgen beteiligt haben. Nicht zuletzt durch die Einführung von zweisprachigen Ansagen und Beschilderungen im öffentlichen Nahverkehr außerhalb der Metropolen Moskau und St. Petersburg wird Russland zur WM internationaler, moderner und attraktiver.
 
Unser Team in Russland freut sich auf eine spannende Weltmeisterschaft. Wie die Prognosen hier lauten, dürfte wohl alle deutschen Fans freuen – Deutschland hält den Titel!

 
 

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