Das Potenzial des italienischen Energieeffizienzmarktes

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Der italienische Staat hat in den letzten Jahren seine nationale Energiestrategie angepasst und verschiedene Regelungen erlassen, um den Energieverbrauch von Gebäuden, Infrastruktur und Transportmitteln mittel- und langfristig zu senken, woraus sich wiederum auch Investitionsmöglichkeiten und Marktpotenzial für deutsche Unternehmen ergeben.

Wegen der großen Abhängigkeit von Energieimporten einzelner Länder, der weltweiten Schwierigkeiten bei der Beschaffung von fossilen Brennstoffen und der allseits bewussteren Wahrnehmung der Konsequenzen des Klimawandels haben sich die europäischen Länder entschlossen, bei der Errichtung einer energiesparenden Gesellschaft voranzuschreiten. Nicht zuletzt mit Horizon 2020 haben sich die nationalen Regierungen zur Umsetzung dieses Ziels verpflichtet, den Energiemarkt substantiell zu verändern, um den Energieverbrauch von Gebäuden, Infrastruktur und Transportmitteln zu senken, ohne jedoch die Lebensqualität der Bürger einzuschränken.


Der italienische Staat hat in den letzten Jahren seine nationale Energiestrategie angepasst und verschiedene Regelungen erlassen, die zusammen mittel- und langfristig diese neue und notwendige Strategie umsetzen sollen, woraus sich wiederum auch Investitionsmöglichkeiten und Marktpotenzial für deutsche Unternehmen ergeben. Als letzte große Maßnahme ist das D. Lgs. 102/2014 zu nennen.


Der Markt der Vorhaben für private Investoren bietet hervorragende Möglichkeiten, insbesondere in der Industrie, im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Bereich Gesundheit. Dabei lohnen sich vornehmlich der Austausch der Heizungsund Klimaanlagensysteme (mit dem Einbau einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage oder Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage), verbunden mit dem Austausch der Fenster und Maßnahmen der Wärmedämmung, sowie gegebenenfalls dem Austausch der Beleuchtung. Bei all diesen Maßnahmen ist, auch wegen der attraktiven staatlichen Förderung, eine Rückzahlung der Investitionen in kurzer Zeit möglich.


Daneben bietet allerdings auch der öffentliche Sektor hervorragende Investitionsmöglichkeiten, da die öffentliche Verwaltung über Zehntausende von Gebäuden verfügt, welche dringendst neu qualifiziert werden müssen. So hat der italienische Gesetzgeber im Zuge der Umsetzung europäischer Richtlinien, die eigene Verwaltung verpflichtet, jährlich 3 Prozent des öffentlichen Immobilienbesitzes energetisch zu sanieren. Schließlich bietet auch der Austausch der kommunalen Straßenbeleuchtung, die in vielen Regionen noch am Anfang steht, eine besonders effiziente Investitionsmöglichkeit, da die Rückzahlung der Investition bei diesen Projekten am schnellsten ist.


Auch in Italien setzen sich immer mehr Vorhaben zur Energieeffizienzsteigerung nach internationalem Muster durch. Im Wege eines Energy Performance Contracts (EPC) stellt der Investor, normalerweise als ESCo (Energy Service Company) agierend, dem Vertragspartner de facto das notwendige Kapital zur Verfügung. Der Vertragspartner selbst trägt üblicherweise keinerlei Kosten zur Ausführung der Maßnahme, er verpflichtet sich jedoch, die aufgrund der Energieeffizienzsteigerung ersparten Kosten über mehrere Jahre hinweg an den Investor abzuführen. Die monatlich zu zahlende Rate entspricht somit der Differenz zwischen den Stromkosten vor und denen nach Sanierungsmaßnahme.


Das unternehmerische Risiko des Investors ist eine eventuelle Underperformance der ausgeführten Maßnahmen, d.h. wenn die tatsächliche Energieeinsparung hinter der geplanten Energieeinsparung zurückbleibt. Umgekehrt kann natürlich auch die reale Einsparung die geplante Einsparung übersteigen und so die Gewinnmarge des Investors vergrößern (sofern vertraglich vereinbart). Dem Vertragspartner bietet der EPC den Vorteil, dass dieser seine Gebäude energetisch sanieren kann und auf lange Sicht Energiekosten spart, ohne sich dafür zu verschulden.

 

Der italienische Gesetzgeber stellt eine Reihe von Förderungen als Anreiz zur Energieeffizienzsteigerung zur Verfügung, wobei insbesondere Steuerabzüge, weiße Zertifikate und das Energiekonto zu erwähnen sind, unter bestimmten Umständen aber auch die Förderung der Erneuerbaren, beispielsweise bei KWK-Anlagen oder Vergasern. Die Förderungen wenden sich jeweils an einen bestimmten Adressatenkreis wie beispielsweise Privathaushalte, Unternehmen oder die öffentliche Hand und fördern jeweils bestimmte Technologien. Es ist daher im konkreten Fall zu ermitteln, welche Förderung in Anspruch genommen werden kann und, wenn mehrere Förderungen infrage kommen, welche wirtschaftlich sinnvoll ist.

 

Die erfolgreichste Förderung sind derzeit die weißen Zertifikate, die es bereits seit 14 Jahren gibt und von denen seit ihrer Einführung bis Ende 2014 31 Millionen erlassen wurden, was eine Einsparung von 20 Mtep (Million-ton equivalent of petroleum) abbildet. Die Zertifikate dienen dazu, der Verpflichtung Italiens nachzukommen, bis 2020 60 Prozent der Energie einzusparen. Um dem gerecht zu werden, hat der italienische Gesetzgeber die Zertifikate immer wieder Reformen unterzogen. Derzeit laufen die Konsultationen mit den Marktteilnehmern für die nächste, gegen Ende dieses Jahres erwartete Reform. Erklärtes Ziel ist unter anderem, Maßnahmen einzuführen, die die Qualität der Projektanbieter, also der ESCos, erhöhen sollen, damit der Markt weiter reift.


Trotz der bereits führenden Rolle in Europa hat Italien – um die Förderung der Energieeffizienzsteigerung zu optimieren – zudem einen nationalen Fonds von 70 Millionen Euro aufgelegt, welcher insbesondere ESCos und Projekten der Public Private Partnerships bei der Finanzierung helfen soll.

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